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WilchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis

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Samstag, den 13. März 1897.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser widmet sich jetzt auf ärztliches Anrathen dem Gehsport. An jedem Tage, den er in Berlin verbringt und der nicht eine besondere Abhaltung bringt, erscheint der Kaiser schon um '^10 Uhr im Thiergarten, um sich hier tüchtig zu ergehen.

Kaiserliche Erinnerungsmedaillen zur Centenar- feier. Der Kaiser wird gelegentlich der Centenarfeier sür Kaiser Wilhelm I., wie mitgetheilt wird, an sämmt­liche Soldaten der Armee Erinnerungsmedaillen »er­theilen lassen. Ob Truppen des beurlaubten Standes mit einbezogen werden, darüber verlautet noch nichts, es scheint hingegen weit eher glaublich, daß es sich bei der Vertheilung nur um die alten Soldaten der ver­storbenen Monarchen handelt.

Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurf zugegangen, dem der Bunvesrath einmüthig zugestimmt hat, betr. die Vorarbeiten für die Errichtung einer Gedenkhalle zu Ehren der im Feldzuge 1870/71 gefallenen oder schwer verwundeten deutschen Krieger.

Im Auswärtigen Amte fanden dieser Tage Be­sprechungen über die Lage auf Kreta mit verschiedenen Botschaftern statt. Deutschland will sich weiter nicht mehr an der Aktion der Mächte betheiligen, da es nicht wahrscheinlich ist, daß die Mächte auf die Antwort Griechen­lands zu einer gemeinsamen Haltung kommen werden.

In Angelegenheiten der direkten Staatssteuern werden vielfach Beschwerden seitens der Steuerpflichtigen erhoben, weil sie auf ihre bei der zuständigen Stelle angebrachten Anträge (z. B. auf Ermäßigung der Ein­kommensteuer) oder Rechtsmittel nach Verlauf längerer Zeit noch keinen Bescheid erhalten haben und auch über die etwaigen sachlichen Gründe der Verzögerung Nothwendigkeit zeitraubender Ermittelungen, späterer Zusammentritt der zuständigen Kommission und der­gleichen nicht unterrichtet sind. Um vermeidlichen Beschwerden dieser Art thunlichst vorzubeugeu, ist, nach einem Erlaß des Finanzministers, fortan in solchen Fällen, in denen die Erledigung der Sache innerhalb einer mäßigen Frist von etwa 6 Wochen nach Lage der Verhältnisse nicht erwartet werden kann, dem Antragsteller in der Regel ein kurzer Vorbescheid zu er­theilen, worin er unter Hinweis auf die der Abgabe einer alsbaldigen Entscheidung entgegenstehenden Hinder- ungsgründe benachrichtigt wird, daß die zur Erledigung der Angelegenheit dienlichen Maßnahmen getroffen sind. Bei Benutzung zweckmäßig entworfener Formulare wird eine nennenswerthe Mehrarbeit nicht verursacht werden. Auch die Nachgeordneten Behörden sind mit entsprechen­der Weisung zu versehen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend das Dicnsteinkommen der Lehrer und Lehrer­innen an öffentlichen Volksschulen vom 3. März 1897.

Der preußische Landwirthschaftsminister hat die königlichen Regierungen angewiesen, bei Neuverpachtungen von Domainen und forstfiskalischen Fischereien zu erwägen, ob die Pachtzeit nicht auf 12 oder gar 18 Jahre zu verlängern sein werde.

Zur Reform des Handwerks schreibt derReichs­bote" u. A.:Soll das Handwerk gedeihen, so muß auch das deutsche Publikum ihm unter die Arme greifen, nicht blos dadurch, daß es mit ihm nach Staatshilfe ruft, sondern dadurch, daß es auch bei den deutschen Handwerkern arbeiten läßt; daß die reichen Leute ihre An­züge nicht in Paris, sondern in Deutschland machen lassen, und die anderen nicht in den sogenannten Bazar laufen, sondern bei den Handwerkern selbst arbeiten lassen und was sehr wichtig ist sich die üble Gewohnheit des langen Borgens abgewöhnen, sondern den Handwerker bei Lieferung der Waare bezahlen. Diese deutsche Borgwirthschaft ist für unsere ganze wirth- schaftliche Entwickelung ein Unglück; das Publikum borgt beim Handwerker und Kaufmann, in Folge dessen fehlt diesen das Geschäftskapital und auch sie müssen borgen, und so wird an dieser Kette der Borgwirthschaft der eigentliche Vortheil des Gewerbe-Betriebes schließlich in die Hand des letzten Geldgebers gebracht, während das Gewerbe Noth leidet. Soll dem Handwerk geholfen werden, so muß also zu der Triebkraft der Selbsthilfe die Genossenschafts- und Staatshilfe aber auch die sehr wesentliche Publikumshilfe kommen."

Der auf Grund neu ausgestellter Normen im Kultusministerium ausgearbeitete Entwurf einer Arznei- >«ke ist nunmehr veröffentlicht. Die wesentlichste Neuer-

Ausland.

Athen, 9. März. Der Kapitän eines heute im Piräus angekommenen Schiffes brächte die Meldung, daß ein großes englisches, aus 20 Panzerschiffen und 25 Torpedobooten bestehendes Geschwader nach den ionischen Häfen unterwegs sei. Meldungen aus Athen zufolge begegnet die Mobilmachung und Kriegsrüstung in Griechenland sehr ernsten Schwierigkeiten. Die nach der thessalischen Grenze gesandten Regimenter sind auf sehr geringem Bestände, da die Reservisten der Einbe­rufung vielfach nicht Folge geleistet haben. Auch fehlt es an Offizieren. Es ist möglich, daß man sich ge­zwungen sehen wird, wenn nöthig, zum Aufgebote des Landsturmes zu schreiten. Ein reicher Grieche, Namens Averof, hat der Regierung angeboten, üOMill. Drachmen beim Ausbruch eines Krieges sofort disponibel zu halten, und der geheime Verein ©ori6:6 nationale, der 400,000 Mitglieder nnd fünf Millionen Jahres­beiträge hat, hat aus seinem Vermögen 18 Millionen Goldfrancs dem König zur Disposition gestellt. Um

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. ung ist, daß die Arbeitspreise znm Theil erhöht, die Arzneimittelpreise entsprechend herabgesetzt und die Preise ' der Gefäße nach dem Einkaufspreise mit geringem Auf­schlag für Bruch berechnet worden sind. Eine wesent­liche Herabsetzung der Arzneitaxe hat, wie der Entwurf betont, nach der derzeitigen finanziellen Lage der Apo- theken-Besitzer ohne Schädigung einer großen Anzahl derselben nicht erfolgen können; eine solche Herabsetzung werde vielleicht später möglich werden.

Die deutsche überseeische Auswanderung betrug im Jahre 1896 32,152 Personen gegen 37,498 im Jahre 1895. Davon wurden befördert: über Bremen 11,548, Hamburg 12,324, andere deutsche Häfen (meist Stettin) 399, Antwerpen 5199, Rotterdam und Amster­dam 1144, über französische Häfen 38. Von der Ge- sammtzahl der Auswanderer gingen nach den Vereinigten Staaten 27,360, nach Britisch-Nordamerika 634, nach Brasilien 986, nach anderen Theilen von Amerika 1470, nach Afrika 1346, nach Asien 144 und nach Australien 174. Seit dem Jahre 1871 bis einschließlich 1896 sind insgesammt 2,403,110 Personen aus Deutschland ausgewandert, eine ungeheure Zahl. Seit dem Jahre 1879 ist die Zahl des Jahres 1896 die bei weitem niedrigste, die höchste Zahl weist das Jahr 1880 mit 220,902 Auswandern aus.

Aus München kommt die Meldung, daß bei den Kaisermanövern Kaiser Wilhelm die Herbstparade über das erste bayerische Armeekorps bei Nürnberg abnehmen und dazu mit dem Prinzregenten die alte Hohenzollern- burg beziehen wird. Die Parade über das zweite Korps findet bei Würzburg statt.

Würzburg, 9. März. Das unterfränkische Schwur­gericht verurteilte den Bauern Amdrosius Morath aus Fuchsstadt der im vergangenen November seinenSchwieger- vater ermordete, zum Tode.

Offenbach. Etwa 1400 Arbeiter und Arbeiterinnen der größeren Schuhfabriken haben gekündigt.

-- Wegen dreier gestohlener Krauthäupter sind in Leipzig jetzt drei Familien in's Zuchthaus gewandert. Nicht der Diebstahl selbst hat diese Strafen nach sich gezogen, sondern die Thatsache, daß verschiedene Zeugen zu falscher Aussage verleitet und jetzt wegen Meineids oerurlheilt worden waren.

Aus Barmen kommt die Nachricht von dem Tod des Dichters Emil Rittershaus. Mit ihm ist ein Dichter von echtem Schrot und Korn hingegangen, ein Lyriker, der weit über die Grenzen seines engeren Vaterlandes bekannt und beliebt war. Seine Gedichte, von denen er im Laufe der Jahre mehrere Bände veröffentlicht hat, die zum Theil eine stattliche Anzahl von Auflagen erlebt haben, sind durch den Ernst der Gesinnung, eine gesunde Frische der Empfindung und heiterer Lebensauffassung, wie durch gewandte und vollendete Form ausgezeichnet. Rittershaus war am 3. April 1834, als Sohn eines Barmer Fabrikanten geboren, und widmete sich dem Kauf- mannsstande, dem er auch bis zu seinem Tode treu blieb.

Holenberg bei Holzminden, 6. März. Beim Stein­schleudern mißglückte einem 14jährigen Knaben von hier der Wurf, und der Stein flog dem 13jährigen Sohne dem Steinhauer Sünnemann in's Auge; dasselbe lief sofort aus. Der Stein drang noch tief in die Gehirn­höhle ein, sodaß der Knabe jedenfalls sein Leben lassen muß.

48. Jahrgang.

diese Freigebigkeit zu verstehen, muß daran erinnert werden, daß die Kretafrage nicht das Endziel der griechischen Bewegung ist. Die Einigung des gesummten Griechenvolkes, welches 7 bis 8 Millionen zählt, wovon nur 3 Millionen im Königreich leben, wird erstrebt. König Georg sucht jetzt, dem Druck des Bolkswillens nachgebend, wieder alle Griechen um sich zu sammeln. In Athen sieht man der Antwort der Großmächte auf die Erklärung der griechischen Regierung mit großer Spannung entgegen. Die Kriegspartei setzt alle Hebel in Bewegung, um den König zu sofortiger Kriegs­erklärung an die Türkei zu bewegen. Gerüchte aus Macedonien und Albanien melden, daß dort alles vor­bereitet ist, um auf das erste Signal von Athen aus den Ausstand ausbrechen zu lassen.

Die von Kreta gemeldete Massenabschlachtung von Muhamedanern durch die Insurgenten wird viel­leicht in der Türkei einen fürchterlichen Racheausbruch heraufbeschwören. Die fremden Konsuln in Kandia stellten auf Grund von Zeugenaussagen und mit Hilfe von Namenslisten fest, daß 400 Personen in den Ortschaften Dathnes, Alhania, Siva und Episkopi ge- tödtet wurden. In Siva wurden 66 Männer, 32 Frauen und 71 Kinder getödtet, wobei die nicht identi- fizirten Opfer nicht mit Inbegriffen sind. Die Zahl der in der Ortschaft Kaunioni Gelödteten ist nicht be­kannt. Unter den nach Kandia geflüchteten Türken be­finden sich 9 Verwundete, darunter ein 4jähriges Kind mit einer Schnittwunde am Halse, ein kleines Mädchen mit abgeschnittenen Ohren und mehrere sowohl durch Feuer- als durch Hiebwaffen verwundete Frauen.

Konstantinopel, 9. März. Ein aus Trebisuud ein­getroffener armenischer Priester schildert die Lage in Kleinasien als sehr ernst, da die mohamedanische Be­völkerung überaus erregt sei. In Adabasar (Provinz Jsmidt) soll es bereits zwischen Mohamedanern und Christen zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen sein.

Spanien. Nach Meldung von Cuba haben in der Provinz Piuar del Rio bedeutende militärische Operationen stattgefunden. Es wurden Lagerplätze und Lazarethe der Aufständischen zerstört, wobei 71 derselben getödtet und viele verwundet wurden. Die Zerstörung von Lazarethen ist eine Leistung, die sich den sonstigen spanischen Kulturthaten, wie die Wiedereinführung der Folterung, würdig anschließt.

Lokales «nd Provinzielles.

* Schlüchtern, 12. März.

* Nächsten Mittwoch findet im Hotel Stern hier eine Versammlung statt zwecks Besprechung des Projekts der Kleinbahn von Schlüchtern nachSchmalnautnderRhön.

* Der Jagdpächter Drusche! sen. erlegte am Donnerstag Nachmittag im Katzenthal bei Niederzell die ersten zwei Schnepfen.

Kaum ist der Frühling im Anzüge, findet man auch wieder in der Umgebung, besonders an Sonntagen und freien Nachmittagen, die liebe Jugend damit be­schäftigt, an Rainen, in Hecken und kleinen Baumgruppen das trockene vorjährige Gras abzubrennen. Hierdurch wird auch das Gebüsch vernichtet, und werden damit die wenigen noch vorhandenen Nistplätze der insekten­fressenden Singvögel zerstört, die trauten Sänger und so nützlichen Thierchen ziehen dahin, wo keine Wohnungs­noth herrscht. Während man in anderen Gegenden be­müht ist, Nistgelegenhciten zu beschaffen, werden bei uns unbarmherzig die letzten Sänger vertrieben, zum großen Schaden der Gärten und Gemüseländereien besitzenden Bewohner. Ist der Landmann nicht aufgeklärt genug, in dem Ausrotten der Hecken und Gesträuche Maaß zu halten, so sollte man nicht glauben, daß die Söhne der Stadtbewohner nicht so viel Wissen und Gefühl be­sitzen, von einem nichtsnutzigen und moralisch zu ver­werfenden Vergnügen abzustehen. Freilich ist es noch unbegreiflicher, daß die Eltern rc. den Kindern nicht energische Aufklärung zukommen lassen, die Feldhüter nicht einschreiten, die Aufsichtsorgane nicht mit Strafen gegen die unberechtigten jungen Brandstifter vorgehen.

- n Seidenroth, 9. März. Am letzten Samstag Mittag hatte der älteste 10 Jahre alte Sohn des Johannes Spielmann dahier das Unglück, beim Ab­steigen von der Scheunenleiter auszugleiten und auf die auf der Tenne stehende Windmühle zu fallen. Ein schwerer Schädelbruch war die Folge dieses Sturzes, an dem der arme Knabe ca. 48 Stunden später starb. Da