Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
32 17. Samstag, den 27. Februar 1897. 48. Jahrgang.
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iMdhw^M °uf die „Schlüchterner Zeitung" jPl'Pll-llUlly&W werden noch fortwährend von allen --------------------------- Postanftalteu und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Weich.
Berlin. Ueber die Rückkehr des Kaisers von Jagdschloß Hubertusstock nach Berlin sind definitive Bestimmungen noch nicht getroffen- dieselbe dürfte voraussichtlich am Freitag, den 26. d. M., erfolgen. ■— An Kaiser Wilhelm haben die in Paris lebenden Türken eine Dankdepesche folgenden Inhalts gerichtet: „Die türkische Kolonie in Paris, tief gerührt von der Sympathie und Gunst, die Seine Kaiserliche Majestät für die Türken bei den kretischen Ereignissen zu beweisen geruht hat, legt an den Stufen seines erhabenen Thrones ihre Gefühle der Anerkennung und Dankbarkeit ehrerbietigst nieder." — Der „Times" zufolge hat Kaiser Wilhelm abermals ein Telegramm an den Sultan gerichtet, in welchem er diesem erneut seine freundschaftliche Unterstützung zusichert.
— Aus Berlin berichtet die dortige „Volkszeitung": „Als Merkmal für die zunehmende Indifferenz unserer Bevölkerung in kirchlicher Beziehung theilt ein Berichterstatter die Thatsache mit, daß in der Domgemeinde die Abendmahlsfeier zweimal ausfallen mußte, weil sich nicht eine einzige Person darin eingefunden hatte. „Der kirchliche Sinn", so schreibt der Berichterstatter, „nimmt trotz aller Kirchenbauerei und anderer äußerlicher Mittel ständig ab.
Breslau, 24. Febr. Ein schwerer Justizirrthum wird der „BreSlauer Zeitung" aus Ostpreußen gemeldet. Am letzten Freitag verstarb in Düngen b. Osterode (Ostpr.) derBesitzerSchareina, nachdem er dem Geistlichen gebeichtet, daß er an einem Schulmädchen vor über 20 Jahren einen Lustmord begangen habe, wegen dessen der damalige Ortslehrer zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde, die er auch verbüßt hat.
Plauen. Wie das in Plauen erscheinende Amtsblatt miltheilt, hat die sächsische Militärverwaltung vor einiger Zeit an solche Fabrikanten von Musikinstrumenten, welche für Lieferungen zu militärischen Zwecken zugelassen sind, eine Verfügung erlassen, nach der sie sich verpflichten müssen, bei 3000 Mark Buße den bei der Jnstrumentenlieferung betheiligten Militärbeamten keine Geschenke in Gestalt von Geld, Briefmarken, Wein, Bier, Cigarren und dergleichen zu machen.
Aus dem nördlichen Thüringen, 21. Februar. Ueber die beiden Schlachtorte unserer Gegend, an welchen am 14. und 15. März 933 König Heinrich die in Deutschland eingebrochenen Hunnen völlig vernichtete, haben bei uns die Forschungen eigentlich nie aufgehört. Merse- burg und Keuschberg sind als Schlachtorte durch die Forschung längst beseitigt. Festgestellt ist, daß der westliche Haufe des Ungarnheeres unweit Jechaburg bei Sondershausen unterlag, wo Flurnamen wie Todten- bcrge, Hunnenthal rc. noch heule vorkommen und auch schon viele Hufeisen und Waffen uralter Form ausgeackert sind. Als zweiter Schlachtort, damals „Riade" genannt, beginnt immer sicherer der oberhalb des Riede an der Unstrut gelegene Bergabhang zwischen Ritteburg und Wiche aus der Forschung sich herauszuentwickeln, welcher noch heute „Schlachtberg" heißt. Ausgrabungen an dieser Stelle werden beabsichtigt.
Hagen, 16. Februar. Der Steinbruchbesitzer H. Happe in Letmathe hatte sein Einkommen für 1896/97 zur Besteuerung zu niedrig angegeben. Die hiesige Strafkammer verurtheilte ihn deshalb zu 12 000 Mk. Im Wiederaufnahmeverfahren erzielte Happe eine Abänderung des ersten Erkenntnisses auf 11000 Mk. Geldstrafe.
Trier, 23. Februar. Ein herabstürzender gewaltiger Felsblock zerstörte den weltberühmten Brauneberg an der Mosel. Der Block hatte eine Breite von 30 Mtr. Der Schaden an kostbaren Weinstöcken ist enorm.
Koblenz, 23. Februar. Ein Bergrutsch bei Mül- Heim hat eine Strecke von 1'/, Quadratkilometer verwüstet. Zwei Häuser sind zusammengestürzt, vierzehn wurden geräumt, weitere Räumungen stehen bevor. Die Bewegung ist noch nicht zum Stillstand gelangt.
— Vom Schöffengericht zu Frankenhause» wurde die begüterte Pächterin der fürstlichen Domäne Seehausen, verwittwete Frau Amtmann Dittman, wegen Milchverfälschung zu 6 Wochen Gefängniß und 300 Mk.
Geldbuße, event, noch 20 Tage Haft, verurteilt. Frau Dittmann hatte, wie die „SaaleZtg." berichtet, die von ihr an einen Unternehmer gelieferte Milch seit 4 — 5 Jahren durch Wasserzusatz verfälschen lassen.
Arlslaud.
Rom, 23. Februar. Die Mächte sind durchaus einig bezüglich Griechenlands. An Letzteres wurde heute eine Note geschickt, worin Kreta Selbstverwaltung zu- gcsagt, gleichzeitig aber Griechenland unter der Androhung einer energischen Züchtigung zur Ruhe vermahnt wird.
Konstantinopel, 24. Februar. Nach der griechischen Grenze sind 8 Kavallerie-Regimenter und 40 Batterien dirigirt. Es sollen 17 Linien- und Redifdivisionen mit 280 Bataillonen und 222 000 Mann mobil gemacht und auf der westlichen Balkanhalbinsel vertheilt werden. An der griechischen Grenze sollen bereits 50000 Mann stehen.
Kanea, 23. Februar. Der englische, italienische und russische Consul sind mit 170 flüchtigen Muhamedanern auf dem Seewege aus Selino hierher zurückgekehrt. Es gelang den Consuln nicht, die Verhandlungen mit den Führern der Aufständischen zu eröffnen, welche zum Vertilgungskriege entschlossen sind. Die Muhamedancr und Christen in Selino haben beiderseits die Gefangenen umgebracht. 2000 Einwohner und 250 Stück türkische Soldaten mit drei Geschützen halten dort noch aus, doch ist ihre Lage sehr kritisch. — In Kadano feuerten die Christen auf die Consuln, obgleich ihnen deren Ankunft angekündigt worden war, und ungeachtet der von ihnen geführten weißen Flagge. Als die Consuln nach Selino zurückkehrten, hatten die Christen neue Stellungen eingenommen und feuerten gleichfalls auf die Consuln. Rund um die Boote der Consuln gingen die Kugeln nieder. Den Botschaftern wurde von der Pforte die Mittheilung gemacht, daß von den kretischen Insurgenten zwei Kompagnien türkischer Truppen bei der Ortschaft Vucolis aufgerieben worden seien. Es seien nur 1 Officier und 60 Mann entkommen. Die Insurgenten hätten außerdem Türken eingeschlossen, bei denen sich Weiber und Kinder befänden. Der Versuch der kommandirenden Seeoffiziere, den Türken freien Abzug zu verschaffen, sei bisher ohne Erfolg geblieben. — In den letzten fünf Tagen sind mit Sonderzügen aus dem Norden und Osten des Bereichs des dritten Corps fünf Linienbataillone, sieben Batterien und zahlreiches Kriegsmaterial nach der griechischen Grenze befördert worden. Die Verstärkung für den östlichen Theil der griechischen Grenze gehen direkt nach Krania am Golf von Saloniki.
— Aus Athen wird der „Neuen Freien Presse" gemeldet: Die Aufregung wird gesteigert durch die Nachricht, daß die Mächte die Zurückziehung der griechischen Truppen von Kreta binnen 24 Stunden verlangten, was der König nicht zugestehen kann. Die Lage der griechischen Truppen auf Kreta wird als hoffnungslos betrachtet, da die Schiffe der Großmächte die Landung von Proviant und Munition verhindern und die Verbindung der griechischen Flotte mit den Landtruppen ab- schnitten.
Lokales «nd Provinzielles.
* Schlüchtern, 26. Februar.
* — Am Dienstag, den 2. März und am Dienstag, den 16. März finden hier in Schlüchtern Viehmärkte auf dem Viehmarktplatz am Unterthor statt.
* — Der Handelskammer zu Hanau ist folgender Bescheid des Herrn Regierungs-Präsidenten zugegangen:
„Auf die Eingabe an den Herrn Landwirthschafts- Minister betreffend die Erleichterungen der durch die veterinärpolizeilichen Maßregeln verursachten Kosten erwiedere ich, im Namen des Herrn Ministers, daß die Kosten der durch meine landespolizeilichen Anordnungen vom ^i^M^ vorgeschriebenen thierärztlichen Bescheinigungen, soweit es sich nicht um Untersuchung zusammengebrachter Viehbestände handelt, deren Kosten nach ausdrücklicher Gesetzcs- vorschrift von dem Unternehmer zu tragen sind, versuchsweise auf die Staatskasse übernommen werden sollen. Es kann jedoch nicht jedem Viehbesitzer oder Viehhändler gestattet werden, zu einer beliebigen Zeit den Thierarzt zur Untersuchung seines Viehs und zur Ausstellung eines Attestes auf Staatskosten kommen
zu lassen. Hierdurch würde eine unerträgliche Belastung der Staatskasse entstehen. Es wird vielmehr allen billigen Anforderungen genügen, wenn in jedem Kreise für eine größere Anzahl von Orthschaften bestimmte Tage und Zeiten festgesetzt werden, an denen daselbst bet beamtete Thierarzt oder ein zu diesem Zwecke als Vertreter des Thierarztes zu bestellender Privatlhierarzt die Untersuchung des Viehs und die Ausstellung der Atteste unentgeltlich vornimmt. Wünscht jemand die Untersuchung seines Viehs außerhalb der festgestellten Termine, so hat er die Kosten selbst zu tragen. Die Anordnungen zur Durchführung dieser Maßregel werden demnächst von den Herren Landräthen veröffentlich werden." gez. Haufsonville.
- 1.- Am 16. ds. Mts. hielt der Unterverband Raiffciscn'scher Darlchnskasscn im Kreise Schlüchtern unter dem Vorsitz des stellvertretenden Unterverbands- direktors, Herrn Gutsbesitzer May in Sannerz, seine diesjährige Generalversammlung in Schlüchteru ab. Es war nach allgemeinem Urtheil, dem anch von einem Redner Ausdruck gegeben wurde, eine der schönsten und interessantesten dieser den Raiffeisen-Leuten längst licb- gewordenen Versammlungen. Von den erschienenen Gästen nennen wir besonders Herrn Geh. Reg.-Rath Roth, den eifrigen Förderer der Raiffeisenvereine, und Herrn Pfarrer Mcyenschcin in Dörnigheim, den seitherigen hochverdienten Unterverbandsdirektor. Der leider durch Krankheit verhinderte Verbandsanwalt Herr Rexerodt von Cassel hatte als seinen Vertreter Herrn Hilgenberg von Grebenstein entsandt. Goldene Worte wurden laut — mögen sie nun auch von den Versammelten, die sichtlich unter ihrem Eindruck standen, in Thaten umgesetzt werden, soweit es von ihrem Willen abhängig ist. Besonders Herr Hilgenberg verstand es, bisweilen zu heller Begeisterung fortzureißen. Was haben wir vrreicht, was können wir erreichen, woran haben wir's°bisher noch fehlen lassen, das waren die Punkte, um die sich die Verhandlungen drehten, an denen sich die Herren May, Hilgenberg, Pfarrer Bode, Geh. Reg.-Rath Roth,. Pfarrer Meyenschein und Pfarrer Ehringhans betheiligten. Ziemlich spruchreif scheint jetzt endlich die längst geplante Errichtung eines Lagerhauses zil sein. Auch die Frage der Verkoppelung, die seit einiger Zeit in unserem Kreise viel von sich reden macht, wurde eingehend erörtert. Die Verkoppelung sei unter den heutigen Verhältnissen die einzige Rettung des Bauers. In der Gegend von Cassel ist auch die Errichtung eines Silos bereits beschlossen, die Verhandlungen zur Errichtung eines zweiten haben schon begonnen. Die Wahl eines neuen Unterverbandsdirektors fiel auf Herrn Pfarrer Bode von Marjoß, als Stellvertreter wurde Gutsbesitzer May von Sannerz wieder gewählt. In herzlicher Weise wurde der Verdienste des früheren Unterverbandsdirektors gedacht, ebenso dem Vertrauen Ausdruck gegeben, das seinem Nachfolger von allen Vereinen entgegengebracht wird. Zum Schlüsse hielt Herr May jun. einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über „Die Ausbildung des praktischen Land« wirths". Dazu gehört nicht nur die Praxis, die ja Jeder hat, sondern ebensogut der Besuch einer land- wirthschaftlichen Winterschnle. Mit einem Hoch auf Raiffeisens Werk und dem Gelöbniß, ihm treu zu bleiben, schloß die Generalversammlung.
r. — Aus der Strafkammer-Sitzung vom 22. Februar. Eine ausgedehnte Verhandlung entfaltete sich gegen den Handelsmann Levi Noßbaum von Schlüchtern. Die Anklage lautet auf schwere Urkundenfälschung und liegt ihr folgender Sachverhalt zu Grunde: Die Ehefrau des Fabrikarbeiter Georg Lotz in Gelnhausen hatte Anfangs Sommer 1893 den Verkauf ihres Hauses in Wächtersbach, das ihr von ihren Geschwistern für Pflege der Mutter zugefallen war, ausgeschrieben. Als Käufer erschien wiederholt der angeklagte Noßbaum, aber die Frau ließ sich mit Rücksicht auf das geringe Gebot auf nichts ein, bis sie sich schließlich doch auf das Versprechen des N., er werde gleich baar bezahlen, und auf das Zureden ihres Mannes, sie solle dann lieber auf ein paar Hundert nicht sehen, wenn es gleich Geld giebt, dazu bestimmen ließ, das Anwesen für 2500 Mark an Noßbaum abzutreten. Der Kaufvertrag wurde dann sofort am Amtsgericht abgeschlossen. N. erklärte, daß er von Aufnahme einer Hypothek absehe, da er den Kaufpreis gleich baar bezahle. Er legte denn auch der Frau Lotz ein Formular zur Unterschrift vor, daß sie