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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 16.

Mittwoch, den 24. Februar 1897.

48. Jahrgang.

Btftflhtttfltll auf btc »Schlüchterner Zeitung" $lv|UUUiiy(H werden noch fortwährend von allen --^ ! Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser, welche im Jagdschloß Huber- tusstock täglich die laufenden Regierungsgeschäfte erledigt, erfreut sich des allerbesten Wohlseins. Ueber den Tag der Rückkehr nach Berlin sind entgültige Bestimmungen noch nicht getroffen.

Aus Anlaß der goldenen Hochzeit des Reichs­kanzlers hat der Kaiser folgendes Schreiben an den­selben gerichtet: Zum heutigen Tage, an welchen es Ihnen vergönnt ist, mit Ihrer Gemahlin das seltene Fest der goldenen Hochzeit zu begehen, spreche Ich Ihnen Meine innigsten Glück- und Segenswünsche aus. Möge Gott der Herr Sie an der Seite Ihrer Gattin noch eine lange Reihe von Jahren ungetrübten Glückes in der gleichen Rüstigkeit und Frische erleben lassen, in welcher Sie heute den Schmuck der goldenen Myrthe tragen. Zur Erinnerung an den heutigen Festtag ver­leihe Ich Ihnen die beifolgende Ehejubiläums-Medaille. Indem Ich Sie auch bei diesem Anlaß Meiner voll­kommenen Dankbarkeit versichere für die Treue und Hingebung, mit der Sie Ihre hervorragende Kraft alle Zeit in den Dienst des deutschen Vaterlandes gestellt haben und die Bürde Ihrer gegenwärtigen so verant­wortungsvollen Aemter tragen, verbleibe Ich Ihr wohl­geneigter Wilhelm R. An den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst.

Die 42 neuen Musikkapellen der am 1. April er. zu formirenden neuen Infanterie-Regimenter sollen nach demHann Cour." in der Weise gebildet werden,daß jedes alte Infanterie-Regiment, wovon das Armeekorps acht zählt (das Gardekorps neun) sieben oder acht Musiker von seiner Kapelle abgiebt, die den neuen Regimentern überwiesen werden. Sache der alten Kapellen ist es dann, sich durch Engagement neuer Hoboisten wieder zu vervollständigen. Jedes neue Regiment erhält aber auf diese Art von Beginn an eine fast ausreichende Zahl von geübten Musikern."

Professor Koch hat nach einer Meldung aus Kapstadt ein Verfahren entdeckt, das Rindvieh mittelst einer Mischung, die aus Serum und dem Blut rinder- pestkranker Thiere besteht, gegen die Rinderpest immun zu machen. Professor Koch sei jetzt bemüht, diesen Zeit­raum abzukürzen. Er soll die Ueberzeugung ausge­sprochen haben, daß die Rinderpest mittels des von ihm gefundenen Verfahrens schnell und leicht aus der Welt geschafft werden kann.

Würzburg, 17. Februar. Zum warnenden Exempel für Landwinhe verurtheilte heute die Strafkammer des hiesigen Landgerichts einen Landwirth von hier zu 7 Tagen Gefängniß und 9 Mark Geldstrafe, weil er seinen Stall von Kamliebhabern besuchen ließ und außerdem ungekochte Milch verkaufte, obwohl über sein Anwesen wegen der Maul- und Klauenseuche die Sperre verhängt war.

Aachen. Zwischen Zollbeamten und Schmugglern fand Dienstag Nacht ein blutiger Kampf statt. Fünfzig Schmuggler versuchten eine Herde Kühe, von denen mehrere mit 3000 holländischen Zigarren beladen waren, nach Belgien einzuschmuggeln. Als die Schmuggler sich zur Wehr setzten, feuerten die Zollbeamten. Nach Beendigung des Kampfes fand man die Leichen von 2 Schmugglern, vielen Viehes und mehrere Tausend Zigarren.

Eine Aufsehen erregende Meldung wird durch dasGoldberger Stadtblatt" verbreitet. Danach soll sich die k7,ährige Tochter des Kaufmann Fr. Schlesinger in Goldberg vor acht Tagen bei einem Ausfluge nach Neukirch durch den Genuß roher Milch eine Ansteckung mit Maul- und Klauenseuche zugezogen haben und am Donnerstage daran gestorben sein. Bisher waren nur wohl Fälle von Ucbcrlragung der Krankheit auf den Menschen bekannt, aber nie ist ein tödtlicher oder auch nur bedenllicher Verlauf der Krankheit beobachtetsworden.

Weimar. Recht idyllisch scheint zur Winterszeit eine Fuhrt auf der Weimar-Rastenberger Bahn zu sein. In verschiedenen Blättern lesen wir: Nachdem man sich am vergangenen Sonntage bei dem von Buttelstedt nach Weimar gehenden Abendzuge eine Zeit lang gestritten, ob eine oder zwei Maschinen vorzuspannen seien, dampfte

man schließlich mit einer Lokomotive ab, um hinter Wohlsborn das erstemal festzusitzen. Angestrengte Thätig­keit brächte im Laufe der nächsten StundeLaura" dies ist der Spitzname desBühnichens" noch einige Hundert Meter weiter, dann saß man entgillig fest! Was thun? Man erklärte schließlich den Passagieren Kohlen und Wasser drohten auszugehen man wolle mit der Maschine nach Weimar fahren, dort das Nöihige ergänzen, und mit Arbeitern zurückkehren, um die Reisenden aus ihrer «»gemüthlichen Lage zu befreien. Gegen 10 Uhr verließ die Maschine den Zug und mit ihr das gesammte Zugpersonal. Inzwischen versiegte allmählich das Oel, und die Passagiere, etwa 30 an der Zahl, drängten sich in einem Wagen zusammen. Auch mit der Heizung ging es bald zu Ende und draußen stürmte ein eisiger Wind über die tief ver­schneiten Fluren. Um 6 Uhr Morgens kam eine Maschine aus Buttelstedt, aber nur um die Fahrbarkeit der Strecke festzustellen. Von dem Schicksal der Ein- geschncitcn hatte man in Buttelstädt noch keine Ahüung, und da keine Schneeschipper zur Hand waren, um den Zug auszuschaufeln, so nützte die Maschine den Sitzen- gebliebenen auch nichts. Um 7 Uhr Morgens nach I 1 ständigem Festsitzen machten Männer, Frauen und Kinder sich mit steifgefrorenen Gliedern auf, um zu Fuß auf den Bahnkörper den Weg nach Weimar an- zutreten. Ja unmittelbarer Nähe von Weimar traf man gegen 8 Uhr vier ganze Arbeiter mit Schneeschippen, die den festsitzenden Zug ausschaufeln sollten. Daran er­sieht man, daß die Verwaltung jedenfalls sich mit dem löb­lichen Vorsatz getragen, ihre Passagiere im Laufe des auf das Festsitzen folgenden Tages aus ihrem Gefängniß auf freiem Felde zu erlösen. Und dieser gute Wille ist anzuerkennen! Wo die Maschine in­zwischen gesteckt haben mag? Naive Frage wahr­scheinlich doch im Maschinenschuppen in Weimar, wo sie hingehörl!

Gubcn, 19. Februar. Von der hiesigen Straf­kammer ist der Inhaber der Militäreffektensabrik E Scholz Nachfolger in Schöneberg, Emil de la Croix, wegen Bestechung zu drei Monaten Gefängniß und einem Jahre Ehrverlust verurtheilt worden. Der An­geklagte hatte für das Ulanenregiment in Züllichau Tschapkas zu liefern. Da dieselben aber auf dem Trans­port beschädigt wurden, konnte die Lieferung nicht recht­zeitig erfolgen. Der Angeklagte sandte dann dem Re- gimentsquartiermeister Pialkowsky, der nach seiner Meinung ihm helfen konnte, in einem Briese einen Fünfmarkschein.

Mainz. Ein auf schauerliche Art ausgeführter Kindesmord bildet gegenwärtig hier das Stadtgespräch. Die bei einer Wittwe in der Gartenfeldstraße bedienstete 24jährige Anna Röder aus Groß Winternheim hat ihr heimlich geborenes Kind in eine Kaminöffnung im Souterain versteckt, um es verschwinden zu lassen. Der in der nebenan gelegenen Waschküche befindliche Kessel- ofen wurde stark geheizt und durch die davon in den Kamin schlagenden Flammen wurden die Füße des Kindes vollständig in Kohle verwandelt und der ganze übrige Körper geröstet. Die vorgenommene Sektion der kleinen Leiche währte von 10 Uhr Vormittags bis 3 Uhr Nachmittags. Dieselbe hat ergeben, daß das Kind noch gelebt hat, als es im Schornstein versteckt wurde.

Marburg, 18. Februar. Ein warnender Vorfall ereignete sich hier. Der hier allbekannte Herr Kauf­mann P. wurde von seinem Nachbar M. zu einem Frühstück eingeladen, er habe soeben eine Sendung Austern erhalten, so bemerkte jener Herr P. genoß ein ziemliches Quantum davon. Als P. sich dann nach Hause begab, fühlte er sich Anfangs noch wohl, nach ungefähr */* Stunde befiel ihn Schwindel und konrue er an den Wänden entlang nur eben bis ins Schlaf­zimmer gelangen. Dazu stellten sich heftige Leibschmerzen ein und die Gesichtsfarbe ging bald ins Schwarze über. Der herbeigerufene Arzt konstatirte Vergiftung, hervor­gerufen durch den Genuß verdorbener Austern, und gab Gegengifte ein. Nur nach längeren Bemühungen gelang es den Unglücklichen vom plötzlichen Tode zu retten.

Ausland.

Der Korrespondent derTimes" in Petersburg meldetgroße Rüstungen Rußlands; selbst die Rothe Kreuzgesellschaft bereite die Hospitäler zur Aufnahme von Kranken und Verwundeten vor, so daß es einem

seiner auf dem Wege nach der Krim krank gewordenen Freunde nicht gelang, Aufnahme in einem dieser Hospi­täler zu finden. Die Ursache der Rüstungen, sagt der Korrespondent, sei die Furcht vor England und das Mißtrauen in die englische Politik. England habe vierzig Kriegsschiffe augenblicklich in der Nähe der Dardanellen, und Rußland müsse bereit sein.

Kandia, Sonnabend, 20. Februar. Oberst Vassos nahm das Fort Vukolis ein, wobei elf griechische Soldaten gefallen sind und ein Lieutenant schwer ver­wundet wurde. Etwa 100 Türken sind getödtet und ver­wundet, 250 gefangen.

Kreta. Im Kreta-Streit kommt es zum Biegen oder Brechen! Da Griechenland Kreta's Annektion fest­hält, stellten die Mächte das Ultimatum: Rücken die Griechen in das Innere von Kreta vor, werden die griechischen Schiffe vor der Insel von dem vereinigten Großmachts - Geschwader angegriffen I Lebensmittel- laudung ist gestaltet. In Athen herrscht große Auf­regung, der Landkrieg gegen die Türkei wird gefordert. Die Griechen verdankten ihren Sieg am Freitag ihrer Uebermacht, zuerst wurden sie von den Türken geworfen. DieDaily News" melden aus Kanea: Es wurde Sonntag Nachmittag 4'/s Uhr 3 britischen, 1 italienischen, 1 russischen und dem deutschen Kriegsschiffe das Signal gegeben, Feuer auf die Stellung der Kretenser zu er­öffnen. Im Ganzen sind 70 Schüsse abgegeben worden. Der von den Kretensern gehaltene Ort wurde zerstört, die Flagge wurde bald niedergeholt. Nach 10 Minuten wurde das Einstellen des Feuers angeordnet.

Rom, 18. Februar. Die MailänderJtalia det Popolo" will erfahren haben, daß in Tripolis eine starke Gährung herrsche, sowie daß eine französische Truppen­bewegung an der Grenze von Tunis sich bemerkbar mache. Sollte die Läge sich verschlimmern, so werde sich Italien die Okkupation von Tunis nicht entgehen lassen Der Abgang einer Torpedoflotille sei beschlossene Sache'

Lokales «ud Provinzielles.

* Schlächtern, 23. Februar.

* Der Kreis- und Departementsthierarzt Tietze zu Lüneburg ist zum 1. April d. Js. in die Departe­mentsthierarztstelle für den Regierungsbezirk Cassel mit dem Amtssitze in Cassel versetzt und demselben die kommissarische Kreislhicrarztstelle für die Kreise Cassel Stadt und Cassel Land nebenamtlich übertragen worden.

* Preiskegeln. Der Gastwirth A. in Berlin halte auf seiner Kegelbahn ein Preisausschieben ver- anstaltet. Jeder Theilnehmer hatte 3 Kugeln zu schieben und bezahlte dafür 25 Pfennig. Für die 6 besten Schieber waren Preise (Gänse, Enten u. s. w.) aus- gesetzt. Zu dem Pcciskegeln hatte A. das Publikum durch ein an seinem Hause angebrachtes Plakat ein­geladen. Aus diesem Thatbestände war er wegen Ueber- treluug des Paragraphen 286 des Strafgesetzbuches zur Untersuchung gezogen worden, weil er ohne obrigkeitliche Erlaubniß eine Ausspielung beweglicher Sachen ver- anstaltet habe. Nach denBlättern für Rechtspflege" erkannte das Gericht auf Freisprechung. Denn Aus­spielungen im Sinne des Paragraph 286 seien Glücks­spiele im weiteren Sinne, d. h. solche Spiele, wobei die Entscheidung über Gewinn und Verlust von einer Ziehung, also vom Zufall abhänge, demnach von einem Vorgänge, der sich menschlicher Berechnung entziehe. Dies Erforderniß treffe aber für das Kegelspiel nicht zu, bei dem Gewinn und Verlust wesentlich von der Kraft und der Geschicklichkeit der Spielenden abhänge.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Hessen-Nassauische Landgemeindeordnung hat die zweite Lesung der Borlage beendet und im Ganzen die Be­schlüsse erster Lesung aufrecht erhalten, welche bekannt­lich keine wesentlichen Aenderungen der Vorlage ent­hielten. Es wird nunmehr in den nächsten Tagen die zweite und dritte Lesung des Gesetzentwurfs im Plenum des Abgeordnetenhauses folgen. Wenn es hier nicht gelingt, die gewünschten Abänderungen, namentlich be­züglich des Dreiklassenwahlsystems, herbeizuführen, so wird die Vorlage bald Gesetz, da das Herrenhaus keine Abänderungen beschließen wird.

-li- (Verspätet eingegangen). Am Sonntag, den 29. Januar fand im Saale des Hotels zum Stern eine vom Landtagsabgeordneten Herrn Amtsrichter Zimmer­mann eingeladene Versammlung der Bürgermeister, Stadtraths- und Ausschußmitglieder der Städte des