SchWernerMung
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.M 14. Mittwoch, den 17. Februar 1897. 48. Jahrgang.
m^lTolllttliWtt a^ die „Schlüchterner Zeitung" ist für's Erste kein Ende dieser Aufwärtsbewegung abzu- Dkj1kU.ULLUkSi werden noch fortwährend von allen sehen. Es ist leicht gesagt, daß man die theueren
Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Febr. Der Kaiser fuhr gestern nachmittag beim Reichskanzler vor und nahm hier einen längeren Vortrag entgegen. Hierauf besuchte der Kaiser die Botsckafter Rußlands, Oestreich Ungarns und Englands. Die Botschafter dieser drei Staaten erschienen auf dem Auswärtigen Amte.
— Zufolge Allerhöchster Bestimmung ist die Feier des 100jährigen Geburtstages Kaiser Wilhelm I. eine dreitägige. Am 21. März sind ausschließlich kirchliche Feiern in Aussicht genommen; am 22. Schulfeiern, Festacte, Paraden, Festvorstellungen und sonstige Veranstaltungen; am 23. Volksbelustigungen und volks- thümliche Feste. Am 22. und 23. März sollen die Dienstgebäude illuminirt, aber alle drei Tage geflaggt sein.
— Der Plan der deutschen Nationalfeste, welcher schon wiederholt erörtert worden ist, hat die Zustimmung des Kultusministers Dr. Bosse erfahren. In einer Audienz bei dem Herrn Minister legte der Abgeordnete von Schenckendorff im Anschluß an die erfolgte Con- stituirung des für die Einführung von Nationalfesten gebildeten Komitees die Pläne desselben dar. Der Minister erachtete die geplante Organisation für zweckmäßig und sprach sein warmes Interesse an den Bestrebungen aus.
— Der Verband deutscher Kriegsveteranen läßt es sich neuerdings angelegen sein, für seine Mitglieder auch in der Richtung zu sorgen, daß er ihnen Anstellung verschafft, die für sie besonders geeignet erscheinen. So hat er sich mit verschiedenen Gewehrfabriken zu diesem Zwecke in Verbindung gesetzt und von einzelnen, namentlich von der königl. Gewehrfabrik in Spandau, bereits einen entgegenkommenden Bescheid erhalten.
— In diesem Jahre werden rund 150000 Reservisten und Landwehrleute zu den Fahnen eingezogen werden; von der Infanterie müssen üben 119500 Mann, von den Jägern 2700 Mann, von der Feldartillerie saus dem Beurlaubtenstande der Feldartillerie bezw. Kavallerie) 10 000 Mann, von der Fußartillerie 5000 Mann, von den Pionieren 3000 Mann; alle diese Truppen werden auf 14 Tage zur Uebung eingezogen Von der Eisenbahnbrigade werden 1800 Mann zur : Uebung eingezogen und zwar 1200 der Reserve auf 28 i Tage und 600 Mann der Landwehr auf 12 Tage. Die 1 Luftschifferabtheilung wird 190 Reservisten stellen. Aus . der Reserve und Landwehr des Trains werden auf 14 Tage nach Beendigung der Herbstübungen 4508 Mann, ■ aus der Reserve der Kavallerie und des Trains auf 20 ( Tage im Mai 965 Mann üben; schließlich werden noch < zur Bildung von Sanitäts-Detachements auf 12 bis 13 i Tage 1000 Mann eingezogen. Bei der Infanterie hat i ein Schießen der eingezogenen Mannschaften mit scharfer s Munition möglichst stattzufinden. Nach Schluß der i
Herbstübungen finden nach näherer Anordnung der Generalkommandos bei der Feldartillerie 14tägige Uebungen von Kavallerieoffizieren des Beurlaubtenstandes behufs ihrer Ausbildung als Kommandeure oder Zugführer der Munitionskolonnen statt. Es ist anzustreben, daß möglichst alle Kavallerieoffiziere, die im Mobilmachungsfalle für solche Stellen bestimmt sind, mindestens eine derartige Uebung mit Erfolg abgeleistet haben. Ueberall da, wo es bei einzelnen Mannschaften im Interesse der Ausbildung für wünschenswerth erachtet wird, kann die auf 14 Tage festgesetzte Uebungszeit für Reservisten je nach dem Ermessen der Generalkommandos oder obersten Waffenbehörden bis zu 20 Tagen verlängert werden. Die zur Einziehung gelangenden Jäger üben im Allgemeinen, soweit sie dem Bezirke des 2. Armeekorps angehören, beim Jägerbatatllon 1, des 4. Armeekorps beim Jägerbataillon 5, des 8. Armeekorps beim Jägerbataillon 11, des 10. Armeekorps beim Jägerbataillon 9, des 15. und 16. Armeekorps bei den Jägerbataillonen des 15. Armeekorps. Die Bäcker aus der Reserve sind so zeitig einzuberufen, daß ihrer Verwendung während der Herbstübungen eine ausreichende Unterweisung in ihren Verrichtungen am Feldbackofen bei den Garnisonbäckereien vorangehen kann.
— Die Situation an den Tebakmärkten wird für unsere Cigarrenfabrikanten immer kritischer; alle für Cigarren brauchbaren Tabake steigen im Preise und es
Tabake nicht kaufen soll, dann würden die Verkäufer gezwungen, nachzugeben. Ja, wenn die Cigarrenraucher Neigung hätten, von der Cigarre wieder zur Pfeife zurückzukehren, aber gegen die Mode können selbst hohe Preise nichts ausrichten, und so lange am Markt einige Tausend Ballen weniger Cigarrentabak sind, als gesucht werden, haben die Verkäufer das große Wort. Es wird also wohl, trotz allen Sträubens, den Cigarrenfabrikanten nichts anderes übrig bleiben, als die Preise zu erhöhen, wenn sie sich nicht selbst durch den Concurrenzkampf ruiniren wollen. Dann wird allerdings nach wie vor die 5-Pfennig-Cigarre 5 Pfennige kosten, aber sie wird schlechter sein als bisher, resp, wer sie ebenso gut wie früher rauchen will, wird mehr bezahlen müssen. Dann wird vielleicht das Rauchen etwas eingeschränkt werden und dieser mindere Bedarf könnte vielleicht auf die Preise drücken, bis dahin aber werden wir mit den hohen Preisen rechnen müssen. Naturgemäß profitiren von den hohen Preisen für die bevorzugten Sorten auch alle anderen Tabake, sowohl ausländische wie inländische, und so melden denn sowohl die Seeplätze als auch die Binnenmärkte lebhafte Frage und hohe Notirungen; für unsere deutschen Tabake dürfte dies einen vermehrten Anbau zur Folge haben.
Spandau. Döberitz wird zusammengeschossen. Im hessischem Gebiete stattfinden. Für Bayern sind diese Mittelpunkte des Uebungsplatzes für das Gardekorps Manöver noch insofern von besonderer Bedeutung, als
zwischen Spandau und Potsdam ist das alte Dorf Döberitz belegen, dessen Kirche auf ein Alter von 500 bis 600 Jahren geschätzt wird. Infolge Anlage des Uebungsplatzes, dessen ganzes, eine Quadratmeile großes Gelände die Militärverwaltung im Wege der Enteignung erworben hat, ist bekanntlich das Dorf von seinen sämmtlichen Bewohnern geräumt worden. Daraus hat das ständige 150 Mann starke Wach- und Arbeitskommando in den Gebäuden des Dorfes Quartier g-, nommen und sich darin ganz heimisch eingerichtet. Es wird Ackerbau und Viehzucht getrieben, und das Ganze gleicht einer militärischen Ackerbaukolonie. Dieser land- wirthschaftlichen Idylle mitten in dem Kanonen- und Gewehrfeuer der Garde soll nun auch bald ein Ende gemacht werden. Das Kommando des Uebungsplatzes hat beschlossen, daß für jene Truppenabtheilung an dem Haupteingang des Platzes eine eigene Kaserne erbaut und nach ihrer Ingebrauchnahme die sämmtlichen Gebäude des Dorfes geräumt werden sollen. Döberitz soll künftighin für die Schießübungen des Gardekorps den Zwecken eines Zieldorfes dienen.
Braunschweig, 12. Februar. Ein interessanter Prozeß fand vor dem hiesigen Herzoglichen Oberlandesgerichte seine Erledigung. Der Kaufmann Schaper in Einbeck schickte vor einigen Jahren einen Werthbrief über 2709 Mk. 65 Pfg. an die Reichsbankhauptstelle in Hannover. Als derselbe ankam und geöffnet wurde, fanden sich statt des Geldes ein altes Zeitungsblatt und Papierschnitzel darin. Eine gegen den Absender eingcleitete strafrechtliche Untersuchung blieb erfolglos.
Nunmehr erhob der Absender gegen den Postfiskus die Schadenersatzklage, wurde aber damit vor der 3. Civilkammer abgewiesen. Sch. legte hiergegen Revision ein. Nachdem er in der letzten Sitzung einen Eid geleistet, daß er das Geld wirklich in den Brief gelegt habe, wurde der Postfiskus verurtheilt, dem Kläger 2709 Mk. 65 Pfg. nebst 6 pCt. Zinsen zu zahlen und die Kosten des Reichsstreites zu tragen.
— Der Bürgermeister a. D. Marcus Goldring in Jarotschin (Provinz Posen) ist vor einigen Tagen zur letzten Ruhe bestattet worden. Er war der einzige jüdische Bürgermeister in Preußen. Die Bestätigung seiner Wahl im Jahre 1870 hatte er hauptsächlich der Bemühung des damals sehr einflußreichen Parlamen-
tariers Dr. Eduard Lasker, in dessen Geburtsort er j erhielten diesen höchsten Ehrenposten bekleidete, die Bestätigung l Kreta
bei der Wiederwahl 1882 der Verwendung des jetzigen deutschen Botschafters in Constantinopel, Fürst Radolin,
zu verdanken, dessen Güter in unmittelbarer Nähe von Jarotschin liegen. Goldring hatte sich aus kleinen Anfängen — er war ursprünglich Klempner — emporgearbeitet. Die Beerdigungsfeier des im 77. Lebensjahre Verstorbenen fand unter großer Beteiligung aller Confessionen und Ständeaus der Stadt und Umgegend statt.
Köln, 14. Februar. Ein hiesiger Speccreihändler bezog von einer Großfirma die bekannte Suppenwürze
Maggi, sowohl in kleinen Fläschen zum direkten Weiterverkauf, als in großen Flaschen, um die leeren Original- Fläschchen der Kunden nachzufüllen. Im Oktober v. Js. kam nun dieser Speccreihändler auf die Idee, ein minderwerthiges Konkurrenz-Produkt in die mit der Firma und der Schutzmarke „Maggi" versehenen Original-Fläschen nachzufüllen und demselben so mit der wissentlich unwahren Angabe, es sei die Suppenwürze Maggi, Absatz zu verschaffen. Das Gericht ver- urtheilte den Händler deshalb zu 150 Mark Geldstrafe und zur Tragung sämmtlicher Kosten.
Münden, 7. Februar. Einer Kneipkur eigener Art unterzogen sich in der Bierlaune vor einigen Tagen im benachbarten Dorfe Meensen die Dienstknechte K. O. und H. K., indem sie für ein Faß Bier sich verpflichteten bei der strengen Kälte und dem tiefen Schnee sofort barfuß nach dem 10 Minuten entfernten „Nordholze" zu wandern und auch so zurückzukommen. Während der Knecht K. O. schon nach wenigen Schrillen wieder umkehrte, legte H. K. den eisigen Weg thatsächlich zurück. Jetzt liegt der leichtsinnige Bursche in der Klinik zu Göttingen.
Würzburg, 11. Febuar. Die (dreitägigen) Kaisermanöver zwischen den beiden bayerischen Armeekorps nnd dem 8. und 11. preußischen werden im Nordwest-
liehen Theile Unterfrankens und diesseits desselben auf
zum ersten Male im Frieden die ganze bayerische Armee vereinigt sein wird. Die Stärkeverhältnisse sind auf beiden Seiten ziemlich gleich, nämlich je 5 Infanteriedivisionen und 1 Kavalleriedivision. Im Ganzen werden etwa 100,000 Mann und 18,000 Pferde im Manövergelände versammelt sein.
Ausland
Griechenland. Grichenland macht ernst. Den Mächten hat die griechische Regierung eine Note zugestellt mit der Erklärung, Griechenland könne den Ereignissen in Kreta nicht als einfacher Zuschauer gegenüberstehen, wegen seiner Pflicht gegen die Christen und seiner Gefühle für eine bluts- und glaubensverwandte Bevölkerung. — Prinz Georg, der 28 Jahre alte, zweite Sohn des Königs, ist an der Spitze einer Flottille von 6 Torpedobooten nach Kreta aufgebrochen. — Prinz Georg von Griechenland, der Kommandeur der nach Kreta entsandten Flotille, steht im achtundzwanzigsten Lebensjahre und hat seiner Zeit den jetzigen Kaiser von Rußland auf seiner Weltreise begleitet, den damaligen Thronfolger auch bei dem gegen ihn in Japan gerichteten Mord- anfalle mit Geistesgegenwart geschützt. Vielleicht ist die Auswahl gerade dieses Prinzen für die Eröffnung der griechischen Aktion eine geschickte Spekulation auf die Sympathien des Zaren Nikolaus. Auch sonst hat das griechische Königshaus starke moralische Unterstützungen hinter sich, ist doch der König Christian von Dänemark der Vater des Königs Georg, und seine Schwester keine geringere als dre in Rußland jetzt allmächtige Zarin-Wittwe. — Die Kreter sollen verhältniß- mäßig gut bewaffnet sein. Nach der Meldung eines Pariser Blattes sind bedeutende Mengen Waffen und Schießvorrath nach Kreta geschafft worden, insbesondere französische GraS- gewehre. Als die französische Regierung biefe’ letzteren durch die Lebelschen Mehrlader ersetzte, kamen Abgeordnete aus Kreta nach Frankreich, um 10 000 Grasgewehre anzukaufen; während man indeß diese Gewehre in Frankreich mit 13 Franks das Stück bezahlen mußte, waren sie in Belgien mit 9 Franks zu haben, und so wurden die Waffen denn in Belgien gekauft, gleichzeitig mit vier Kanonen. Die Kreter führen auch Revolver, Chassepot-, Mauser-, Matiny-, Remingtongewehre usw.
— Die Commandanten der fremden Kriegsschiffe "" i den Auftrag, jede griechische Unternehmung vor
zu verhindern, wenn nöthig, die griechische Flottille unter Bedeckung nach dem Piräus zurück- zubringen. Nach vorliegenden zuverlässigen Mittheilungen machte die Türkei den Vertretern der Großmächte die Zusage, sie werde keine Hilfe nach Kreta senden, womit die Drohung Griechenlands, es wolle die Landung türkischer Truppen verhindern, ganz gegenstandslos ist.
Auf der Insel Kreta tobt erneuter Kampf. Die Griechen sind auf der Insel gelandet. Die europäischen Geschwader erhielten den Befehl, hiergegen Gewalt an« zuwenden. Die in Kanea eingeschlossenen Muhammedaner