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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich I Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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Samstag, den 13. Februar 1897.

48. Jahrgang.

iMdhwrtMt °uf dieSchlüchterner Zeitung" ä^tpl^UUliyi'H werden noch fortwährend von allen " ---- ....... Poftanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches. Bullenkörung.

Auf mehrfachen Wunsch habe ich auf nächsten Mittwoch den 17. d. M., Vormit­tag 11 Uhr im Gehöft des Metzgers Jean Leipold zu Schlüchtern eine Bullenkörung anberaumt, wozu Bullen ohne Beschränkung vorgeführt werden können; dieselben werden jedoch nur zur Körung zugelassen, wenn durch Vorlegung eines Kreisthierärztlichen Attestes der Nachweis erbracht wird, daß sie in der Zeit vom 20. Januar d. I. bis zum 17. Februar mit Tuberkulin geimpft und als gesund befunden sind.

Schlächtern, den 11. Februar 1897.

Der Königliche Landrath: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar unternahm Mittwoch Vor­mittag den gewohnten gemeinsamen Spaziergang durch den Thiergarten. Mittags empfing der Kaiser den Prinzen Heinrich XXVIII. Reuß. Abends fand im königlichen Schlosse zu Ehren des Erzherzogs Otto von Oesterreich Galadiner zu etwa 120 Gedecken statt.

Nachdem durch Allerhöchste Kabinetsordre be­stimmt worden ist, daß die Feier des 100jährigen Ge­burtstages Kaiser Wilhelms I. drei Tage dauern soll hat der Kultusminister verfügt, daß die Schuten sich am 21. März möglichst geschlossen an dem Gottesdienste betheiligen, am 22. März Schulfeiern wie an Kaisers Geburtstag abgehalten werden sollen, und auch am 23. März die Schulen geschlossen bleiben, damit Lehrer und Schüler Gelegenheit erhalten, sich an Volksbelustig­ungen und volksthümlichen Festen zu betheiligen.

Die Getreide-Einfuhr in Deutschland hat im Jahre 1896 einen außergewöhnlich großen Umfang erreicht. Für die fünf Hauptgelreide-Arten ergiebt diese Statistick folgende Zahlen:

Getreide-Einfuhr in Tonnnen (zu 100 kg). 1896 1995

Weizen .... 1,652,705 1,338,177

Roggen . . . 1,030,670 964,802

Hafer .... 495,054 238,725

Gerste .... 1,028,135 929,009

Mais . . . . 821,351 223,828

Zusammen 5,027,915 3,794,541

Die Einfuhr ist danach bei allen Getreidearten höher gewesen; im Ganzen hat sie sich um 1,233,374 Doppel- cenlner oder um mehr als 32 pCt. gesteigert, wobei allerdings die Mehrcimuhr an Mais am stärksten in's Gewicht fällt. Bemerkenswerth ist das bei der Einfuhr von Brolkorn immer schärfer hervortretende Ueberwiegen des Weizens. Im Jahre 1890 entfielen von der Ge- sammt-Einfuhr von Brotkorn noch 56,7 pCl. auf Roggen und nur 43,3 pCt. auf Weizen; im Jahre 1896 hat sich dieses Verhältniß bereits dahin geändert, daß von der Gesammt-Einfuhr Roggen nur noch 38,4 pCo, Weizen dagegen 61,6 pCt. lieferte.

Der deutsche Landwirthschaftsrath nahm nach Referaten der Herren v. Puttkamer-Plauth und Pauli einstimmig folgende Resulotion an:Der Abzug der ländlichen Bevölkerung sowohl in das Ausland als be­sonders in die Großstädte und Jndustriebezirke bedroht das an und für sich nochleidende landwirthschaftliche Gewerbe mit schweren Gefahren. Außer mancherlei anderen Maßnahmen ist es der immer weiter um sich greifende Ucbergang zur reinen Geldlöhnung, welcher diesen bedauernswerthen Vorgängen Vorschub leistet. Eine Besserung dieser Zustände kann am wirksamsten Unterstützt werden: 1. durch Seßhaftmachung der länd­lichen Arbeiter: a) dadurch, daß ihnen Gelegenheit zum Erwerb eines kleinen Anwesens, b) oder zur Pachtung eines solchen geboten wird, c) oder dadurch, daß ihnen ein Theil des Lohnes in Form von Ueberweisung kleiner Ackerparzellen gewährt und dadurch die Haltung eigenen Viehes ermöglicht wird; 2, durch Rückkehr zu umfang­

reicher Naturallöhnung, wo die Vorbedingungen zur Seßhaftmachung fehlen.

Hamburg, 7. Februar. Den Hauptanlaß zu dem gestrigen Straßenkampf auf dem Schaarmarkt gab ein Revolverschuß, den ein Kohlenarbeiter in die Luft ab- feuerte, nachdem er und zwei seiner Kameraden von einer Anzahl Ausständiger überfallen worden waren. Darauf entwickelte sich ein förmlicher Kampf. Der Chef der Schutzmannschaft ließ die gesammte Reserve­mannschaft der Schutzleute ausrücken und den Schaar­markt räumen. Der Kampf wurde in der Straße Der große Bäckergang" fortgesetzt. Aus den Fenstern wurden Steine, Flaschen und Ascheneimer auf die Schutz­leute geschleudert. 3 Schutzleute wurden schwer verletzt. Einer derselben erhielt einen Steinwurf an den Kopf, der das Gesicht unkenntlich machte. Wie viele Personen unter dem Publikum Verletzungen erlitten, konnte noch nicht festgestellt werden, da dieselben flüchteten. Viele Seeleute betheiligten sich an den Ausschreitungen. Es wurde mit Messern blindlings drauf losgestochen. Dabei kam es auch vor, daß verschiedene Ausständige von ihren Kameraden selbst verwundet wurden. Schimpf­worte, sowie Johlen, Schreien und Pfeifen erhöhten den Tumult. Die schmale StraßeDer große Bäckergang" wurde an beiden Enden abgesperrt. Es wurden zahl­reiche Verhaftungen vorgenommen. Allein von der Wache am Venusberg wurden 56 Personen verhaftet. Heute früh 2 Uhr hatten die Straßen wieder ihr ge­wohntes Aussehen. Militär brauchte nicht requirirt zu werden.

Altona, 9. Febr. Bei der Wiederholung der Exzesse auf dem Schaarmarkt drehten Exzedcnten das Gas am großen Bäckergang" aus. Die Schutzleute gingen mit blank gezogenem Säbel vor. Viele Verhaftungen er­folgten. Gestern Abends feuerten aufWilhelmsburg" von der Abeit kommende Arbeiter, die angegriffen wurden, auf die Angreifer, wobei eine Person getödtet und eine verletzt wurde. Der nationalliberale Abgeordnete und Margarinefabnkant Mohr läßt bekannt machen, daß die von denHamburger Nachr." ihm zugeschobene Annonce über Gratisvertheilung von Margarine an die Streikenden nicht von ihm herrühre, sondern von einem Fettwaaren- Händler, der sich wie viele seiner Abnehmer in Hamburg und Mona als Niederlage von A. L. Mohr bezeichne, aber durchaus selbstständig sei und für eigene Rechnung verkaufe. Er habe sogleich die Zurückziehung der Annonce veranlaßt, und hätte die Gratisvertheilung von Margarine darauf aufgehört. Der betreffende Geschäftsmann habe angegeben, daß er durch die Abgabe der wenigen Pfund Magarine an die paar in Ottensen wohnenden Streiken­den sich die vielen tausend Ottenser Arbeiter habe sichern und erwerben wollen.

Leipzig, 7. Februar.Papa schieß mich mal todt!" mit diesen Worten wendete sich das 2'/2jährige Söhnchen des in der Elsterstraße wohnhaften Kutschers A. an seinen Vater, als dieser heute Vormittag mit dem Putzen eines Jagdgewehres beschäftigt war. Da der Angeredete der Meinung war, das Gewehr sei nicht ge­laden, erfüllte er den Wunsch seines Kindes, hielt ihm, demLeipz. T." zufolge, den Gewehrlauf auf den Leib und drückte los unmittelbar darauf sank das Kind entseelt zu Boden, ein Schuß hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Die Annahme des über das verhängniß- volle Ereigniß und über seine Uuvorsichtigkeit auf's Fürchterlichste erschrockenen Mannes, daß das Gewehr nicht geladen sei, hatte sich als irrig erwiesen.

Essen, 9. Febr Seit der großen Katastrophe im Jahre 1891 war das mittlere und untere Ruhrthal nicht so stark von einer Hochwassergefahr bedroht wie Heuer. Die in den Bergen des Sauerlandes und in den bergischen Höhen lagernden riesigen Schneemassen, die stellenweise über zwei Meter hoch sind, sind durch zeitweise Regenschauer seit Mitte voriger Woche in starker Auflösung begriffen und stürzen in wilden Bächen der Ruhr und deren Nebenflüsse zu. Das Ruhrthal unterhalb Schwerte ist bereits in seiner ganzen Breite überschwemmt, dazu steigt das Wasser stündlich in gerade­zu beängstigender Weise. In den Städten Westhofen, Herdecke, Mitten, Hattingen, Steele, Werden und Mülheim beginnt man bereits, die von einer Ueber« schwemmung stark bedrohten Stadttheile zu räumen und die Bewohner in Sicherheit zu bringen, um einer ähn­lichen Katastrophe wie im Jahre 1891 rechtzeitig vorzubeugen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 12. Februar.

* Morgen, Samstag den 13. Febr. er, steht letzter Termin zur Erhebung der Staatssteuern für das letzte Etatsjahres 1896,97 bei der hiesigen Stadtkasse an.

* Der Premierlieutenant der Landwehr Henrichs zu Schlüchtern wurde zum Hauptmann befördert.

* Die diesjährige Aufnahme-Prüfung ins Schul- lehrer-Seminar Schlüchtern ist auf den 8. September d. J. angesetzt. Diejenige für das Lehrerseminar Dillenburg ist am 18. August, diejenige für das Lehrer- .feminar in Fulda ist am 25. September. Die 2. Lehrerprüfung findet in Fulda am 21. Oktober, in Homberg am 11. November d. J. statt.

* Die Gegenwart ist für den Bauer die Zeit der Rahe, seine Thätigkeit erstreckt sich jetzt hauptsächlich auf Haus, Scheune und Stall, sie ist aber auch die Zeit der Versammlungen und gemeinsamen Berathungen, so wird z. B. in Berlin die kommende WocheDie landwirthschaftliche Woche" genannt. Jeden Tag von Morgens bis Abends sind dortselbst landwirthschaftliche Versammlungen und Sitzungen; von nah und fern kommen die Großgrundbesitzer und märkischen Bauern nach Berlin, um den Vorträgen zu lauschen und ihre Erfahrungen auszutauschen. In kleinerem Stil ist dieses die kommende Woche auch unseren Landwirthen geboten, indem, wie wir hören, Dienstag die Raiffeisen- Männer im Hotel Stern tagen und Mittwochs General- Versammlung des landwirthschaftlichen Kreisvereins mit reichhaltiger Tagesordnung stattfindet. Selbst auf die Gefahr hin, daß manche ehrsame Hausfrau ein böses Gesicht macht, wenn der Mann zwei Tage in der Woche nach Schlüchtern geht, hoffen wir doch, daß die Ver­sammlungen sehr gut besucht werden, denn wer in jetziger Zeit noch vorwärts kommen will, darf nicht beim Ofen sitzen bleiben. Wir wünschen deshalb beiden Ver­sammlungen einen recht zahlreichen Besuch.

* Durch einen Erlaß des Evangelischen Ober- kirchenrathes sind die Geistlichen angewiesen worden, aus Anlaß der 400jährigen Wiederkehr des Geburts­tages Philipp Melanchthons am 16. Februar d. I. in der Predigt des Hauptgottesdienstes am Sonntag L>eptuagefima, den 14. Februar d. I., dieses Gedächt­nißtages und der hohen Bedeutung Melanchthons für das Werk der Reformation und die Entwickelung der evangelischen Kirche in geeigneter Weise zu gedenken. An dem genannten Tage soll eine Kirchenkollekte ab­gehalten werden, deren Ertrag zum größten Theil zu Gunsten des zum Gedächtniß des großen Reformators in seiner Vaterstadt Breiten zu errichtenden Monumental­baues, zum geringeren Theile auch zur würdigen Aus­stattung des in Wittenberg befindlichen Sterbezimmers Melanchthons verwendet werden soll.

* Schußwaffen im Hause. Wem blutet nicht das Herz beim Lesen der Nachricht aus Leipzig, wo ein zweiundemhalbjähriges Kind seinem mit dem Reinigen eines Gewehres beschäftigten Vater in kindlicher Unschuld die Worte zuruft:Papa, schieß mich mal todt!" und der kleine Mund im nächsten Augenblick stumm ist für immer!? Der Vater glaubte, das Gewehr sei nicht ge­laden, und ging im Scherz auf die Bitte seines Kindes ein mit einer vollen Schrotladung im Leibe sank das Kind todt zusammen. Der Vater ist für seinen frevent­lichen Leichlsinn bestraft, furchtbar bestraft, denn Zeit seines Lebens wird ihn der Anblick des durch seine Hand getöbteten Lieblings nicht verlassen. Auch die Gerichte werden sich noch mit dem Fall beschäftigen. Das junge Leben ist aber vernichtet für immer, keine noch so aufrichtige Reue, kein noch so strenger Richterspruch kann das Gräßliche ungeschehen machen. Und was war schuld an dem beklagenswerthen Falle? Die Außeracht­lassung der allereinfachsten Vorschrift: Kein Gewehr in geladenem Zustande ins Haus bringen! Es lohnte sich wirklich der Mühe, einmal statistisch fest­zustellen, wie viele Unglücksfälle alljährlich auf daS Konto der Nichtbeachtung des Sprichwortes:Spiele nicht mit Schießgewehr, denn es es könnt' geladen sein" zu setzen sind. Die Zahl dürfte eine erschreckend hohe sein! Die Mühe des Entladens ist ja bei unseren jetzigen Gewehren selbstverständlich dürften etwa noch vor­handene Vorderlader von der Vorschrift des Entladens nicht ausgeschloffen sein eine verschwindend kleine 1 Hie und da findet man bereits bei einzelnen Jagd- I gesellschaften, daß ziemlich hohe Geldstrafen Dene« auf-