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«M 9. 6am^g, teil 30. Januar 1897.
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48. Jahrgang.
iMdlm^sm °"^ ^' „e^lüÄwher Zeitttl-z" ^ipllU4lHyill werden noch fortwährend von alten „ ■ ———--—— Postanstalten und Landbriefträgeru sowie von.der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Weich.
Berlin. Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand den herkömmlichen Verlauf unter Theilnahme verschiedener Bundrsfürsten.
— Dem Minister Miquel ist der hohe Orden vom Schwarzen Adler verliehen worden, der ihm mit einem . sehr huldvollen Schreiben des Kaisers durch einen Flügeladjudanten überbracht wurde. Mit der Verleihung des Schwarzen Adlerordens ist erblicher Adelstand und der Rang gleich hinter den Fcldmarschälleu verbunden. — Herr von Miquel ist seit dem 24. Juni 1890 preußischer Finanzminister und steht, wie man wohl aus der „Erhebung in den Adelstand", die ihm mit der Verleihung des Schwarzen Adlerordens zu Theil geworden ist, ersehen kann, beim Kaiser auchjetzt noch in derselben Gunst wie damals, als der Monarch über den Frankfurter Oberbürgermeister nach einer langen Ünier- haltungmitihmdcn Ausspruch that: „Das istmein Manul" Der. Lebensgang des Mannes, der jetzt den Erbadel erhalten hat und unmittelbar hinter den Gcneralscld- marschällen rangirt, des Mannes, der schon seit Jahren die leitende Kraft des preußischen StaatsministcriumS ist, ohne das klugerweise nach außen hin zu zeigen, ist sehr interessant. In der stürmischen Jugend Kommunist und Freund von Marx, im bedächtigen Alter preußischer Staatsminister und geadelter Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler — welch' eine Karriere!
— Die Ansiedelungskommstsion für Westpreußen und Posen befolgte bisher die Praxis, die angekauften Güter so lange in Selbstverwaltung zu nehmen, bis dieses... zwecks Besiedelung zur Auftheilung kamen. Während dieser Periode wurden die Güter meliorirt und in einen hohen Kulturstand üvergcführt. Von dieser Praxis der längeren Selbstverwaltung wird die Kommission in der Folge durch Veipachiuug der Güter abweichen. Bereits vor längerer Zeit ist ein größeres Gut in Pacht gegeben worden. Demnächst sollen fünf weitere Güter verpachtet werden. Es hängt diese Maßnahme noch mit dem Umstände zusammen, daß das Angebot von brauchbaren Änsiedwrn nicht mehr so groß ist wie in früheren . Jahren. Es dauert darum naturgemäß länger, bevor ein Gut für die Besiedelung zur Auftheilung an die Reihe kommt. Andererseits mag auch die eigene Be wirthschaflung der angekausten Güter bei dem großen Umfange, welchen die Geschäfte erreicht haben, für die Kommission immer mehr zur Unmöglichkeit werden. Zum Ankauf neuer Güter schreitet die Kommission schon seit einigen Jahren nur bei besonders günstigen Gelegenheiten, da die Kommission für lange Zeit hinaus mit Ländereien für die Besiedelung versehen ist.
Posen. Versuche mit heizbaren Zelten für Winterbiwaks werden gegenwärtig bei den Infanterie-Truppen in der Posener Garnison angestellt. Dem Vernehmen des „Pos. Tagebl." nach fallen sie günstig aus. Durch Röhren, welche, von einem Herd ausgehend, in der Erde unter den. Zelten hindurchgeführt werden, wird die Wärme dem Boden und dem Innern der Zelte mitge-
' theilt. Für den Abgang des Rauches sorgt ein am Ende der Heizleitung ausgestellter Schornstein, welcher, ebenso wie die Heizröhren, aus einer einfachen Blechröhre besteht. Bei strenger Kälte läßt sich aus dieser neuen Erfindung ein großer Vortheil für die biwakirenden Truppen erwarten. Die so beschriebene Heizvorrichtung wird natürlich nur in Biwacks von mehrtägiger Dauer Anwendung finden können.
Klausthal, 24. Januar. Der mit Schneeschuhen ausgerüstete Landbriefträger, welcher die Harzdörfer auf der Hochebene zwischen Zellerfeld und Goslar unter starten und lang dauernden Schneeheunnnissen zu begehen hat, ist auf den glücklichen Einfall gekommen, einen Ziehhund durch einen mehrere Meter langen Strick vor den. Schnäbeln der Schneeschuhe einzuspannen und dadurch die Auiwärtsbcwegung mit Zuhilfenahme der Lenkstange erheblich zu erleichtern und zu beschleunigen. Auch im übrigen Harz sind seit vielen Jahren starke Hunde die besten, treuen Begleiter der LandbMträger bei den Bestellungen nach den tief im Gebirge vereinzelt liegenden Forsthäusern aus Wegen, die lauge Zeit oft kein anderer Fuß betritt.
Bochum. Von seltenem Glück begünstigt war ein Herr in Bochum, dem der Hauptgewinn der Weseter Geldlotterie iu Höhe von 100 uOO Mk. in den Schooß fiel. Fortuna ist in diesem Falle besonders gnädig gewesen, denn der Betreffende hatte, wie man erzählt, zunächst nur „ein Halbes" erstanden 5 am anderen Tage besann er sich, wenn er noch einen weiteren Antheil kaufe, und siehe da, als er diesen beim Kollekteur zieht, da hat ihm Fortuna die andere Hälfte des am Tage vorher getauften Loches in die Hände gespielt. Anfangs soll es ihm gar nicht so recht gepaßt haben, ein ganzes Loos von ein und derselben Nummer zu spielen — jetzt lacht er aber.
— v. Brüsewitz ist, wie den „Berl. Neuest. Nachr." aus Karlsruhe mitgetheilt wird, nachdem das erste Erkenntniß des Militärgerichts die Bestätigung des Kaisers nicht gefunden, nunmehr zu drei Jahren und 20 Tagen Gefängniß verurthellt worden.
Auslisuv.
— Auf Kuba wird die Kriegführung der Spanier immer barbarischer. Nach einem Telegramm aus Havanna bcwhi General Weyler allen Befehlshabern, binnen einer Frist von drei Tagen alle Planlagen und Wohnhäuser in der Provinz Havanna zu zerstören, (?) um die Aus- ständigen durch AuShungern zur Unterwerfung zu bringen. Bekanntlich hat Weyler schon vor einiger Zeit angekündigt, daß er die Ausständigen aushungern wolle. Das von ihm angewandte Mittel rechtfertigt den Beinamen „der Schlächter", den man diesem spanischen General gegeben hat.
— In Sun Frauzisko entstand wählend der Theater- Porstelluug in einem chinesischen Tempel des Stadt- iheits Chinatown durch Zerbrechen einer Lampe eine fürchterliche Panik. Ueber 300 Personen verloren ihr Leben im Gedränge; auch 36 Schauspieler sind umge- kommen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 29. Januar.
* — Wir erfahren soeben, daß Sr. Majestät der Kaiser Allergnädigst geruht haben, unseren neuen SWih bürger Kreisphysikus Dr. Reip den Charakter als Sanitätsrath zu verleihen.
* — Der aus Hoheuzell gebürtigen Dienstmagd Katharina Korn, welche seit länger als 40 Jahren bei Herrn Lehrer Quehl hier im Dienste steht, ist von Ihrer Maj stät der Kaiserin Augusts Vietoria ein goldenes Kreuz verliehen worden, welches der Dccorirten am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers aus dem hiesigen Rathhaus ausgehäudigt wurde.
* — Diese Woche brächte einen solchen massenhaften Schneefall, wie seit langen Jahren nicht. Kaum sind die Straßen, Eiseubahugeleise rc. einigermaßen von den Anfang dieser Woche gefallenen Schneemassen befreit und passirbar gemacht worden, so ist heute Nacht durch einen heftigen Schueestmm alles wieder zugeschüttet und verweht worden. Auf den Straßen liegt der Schnee meterhoch und mancher Hausbesitzer mußte heute Morgen den Ausgang des Hauses mit Schippe und Besen von dem hoch aufgethürmten Schnee frei machen lassen. — Von allen Seiten kommen Nachrichten über im Schnee stecken gebliebene Bahnzüge, Fuhrwerke rc. Aller Verkehr ist vorläufig gehemmt oder doch äußerst erschwert.
* — Der Geburtstag Se. Majestät des Kaisers wurde in unserer Stadt in der Herkömmlichen Weise gefeiert. In den hiesigen Schulen hielten die Lehrer patriotische Ansprachen und die Schüler trugen entsprechende Gedichte vor. Im Seminar fand Vormittags eine liturgische Andacht statt, welche mit Gesang, Schrift- verlesung und Gebet eröffnet wurde. Die Festrede hielt der kommissarische Seminarlehrer Hanken über die Verdienste Kaiser Wilhelm II. um sein Volk. Hierauf wechselten patriotische Gedichte und Gesänge von Seiten der Seminaristen ab. Mittags bereinigte ein Festmahl Lehrer und Schüler, wobei der kommissarische Seminar- Direktor. Dr. Lewin nach vorausgcgangeuer Ansprache das „Hoch!" auf den Kaiser ausbrachte. Abends fand im Seminar eine gesellige Unterhaltung statt. Die Schüler trugen Gedichte und Gesänge ernsten und heiteren Inhalts vor und führten auch einige dramatische Dichtungen auf. — Im Gasthaus zum Stern wurde auch ein Festessen abgehalten, an dem sich Beamte und Bürger der Stadt bethciligtcm
* —. Der hiesige Kriegerverein feierte- den Geburtstag Sr. Majestät unseres Kaisers Mittwoch Abend durch einen Biercommers. Die Festrede hielt das Vereinsmitglied Herr Hauptmann, Rechtsanwalt und Notar Heurichs. Dieselbe war formvollendet und von Patriotismus getragen, und schloß mit einem, von der starkbesuchten Versammlung begeistert aufgcnommenen dreifachen Hoch auf Kaiser Wilhelm II. Die weitere Unterhaltung für den Abend bestritten die Gesangsabtheilung des Vereins unter Leitung ihres Dirigenten, des Vereins- mitgliedes Lehrer a. D. Sicmon, durch Vertrag verschiedener vortrefflich eingeübter Lieder, und mehrere Vereinsmitglieder durch Ausführung einiger Theaterstücke, wobei die von dem Kameraden Muth vorgeführten Excercitien einiger schwarzen Soldaten der afrikanischen Schutztruppe besonders hervorgehoben seien. Die Feier nahm einen schönen und würdigen Verlauf und hielt die Theilnehmer lange zusammen.
* — Zu der Absicht, in diesem Jahre bayerischpreußische Manöver in Gegenwart des Kaisers abzu- halten, schreibt die „Augsb. Abendztg.": Schon im vorigen Jahre wurden Verhandlungen über gemeinsame Uebungen gepflogen, welche im Jahre 1897 oder 1898 stattfinden sollten. Es war in Aussicht genommen, die beiden bayerischen Armeekorps an der bayerisch-württem- bergischen Grenze gegen Württemberger und Badenser operiren zu lassen. Mit diesem Projekt soll auch der beabsichtigt gewesene Ankauf eines Schlosses in Mittelfranken durch den Kaiser in einem gewissen Zusammenhang gestanden haben. In diesem Jahr sollen die zwei bayerischen Armeekorps gegen das drei Divisionen starke 11- Korps (Hessen-Nassau) und die 7. Division des 4, Korps (Provinz Sachsen) operiren. Als llebungs- terrain ist die Gegend zwischen Würzburg und Frankfurt oder Würzburg und Fulda in Aussicht genommen. Es sollen gegenwärtig Erhebungen gepflogen werden, ob das Würzburger Schloß bewohnbare Räume genug enthält, um den Fürsten mit ihrem Gefolge angemessene Unterkunft zu bieten, doch sind das Alles nur Projekte und Erwägungen; ob sie sich zu Thatsachen verdichten, muß erst die Zeit lehren. (Demnach werden wir in hiesiger Gegend in diesem Jahre mit starker Ein- quartirung zu rechnen haben.)
— Bei den preußischen Amtsgerichten ist jetzt die Einrichtung getroffen, daß diese über alle Personen, die den Offenbarungseid geleistet haben, alphabetische Ver- zeichnisse führen. Die Einsicht dieser Verzeichnisse steht den Interessenten frei. — Eine Veröffentlichung der Personen, welche den Offenbarungseid geleistet oder sich auf den geleisteten hin berufen, wie sie in Hamburg geübt wird, hat die preußische Regierung wiederholt abgelehnt.
* — Die Landwirthschaftskammer hat bekanntlich mit Unterstützung des Ministers für Landwirthschaft rc. zwei Getreidetrockner — in Kassel und Fulda — ausgestellt, welche im Allgemeinen zufriedenstellend gearbeitet haben, jedoch soll die Fabrik noch zu Verbesserungen aufgefordert werden. — Getreidehäuser sind bisher in Kassel (Postscheune) und Waldau (Kreis Kassel, Jagdzeughaus) eingerichtet. Ihre Benutzung könnte noch besser sein, doch läßt sich schon jetzt eine günstige Wirkung auf die Preisbildung bemerken. Die Kammer beabsichtigt, eine größere Anzahl von kleineren Lagerhäusern (Böden) in dem Regierungsbezirk und ein größeres auf eisenbahn- fiskalischem Boden in Kassel selbst anzulegen. Nähe der Bahn scheint eine wichtige Vorbedingung.
Fulda. Der Herr Landrath erläßt im Kreisblatte folgende Bekanntmachung: Die 13 Jahre alte Anna Sauer, Tochter der hier Karlstraße 20 wohnhaften Maria Sauer, hat sich am Freitag, den 15. d. Mts. aus der Wohnung ihrer Mutter entfernt und ist bis jetzt noch nicht wieder zurückgekehrt. Dieselbe ist für ihr Alter von kräftiger Statur, hat hellblondes Haar und frische Gesichtsfarbe. Die Kleidung ist unbekannt. Um Anstellung geeigneter Nachforschung, schonender Anhaltung der rc. Sauer im Betretungsfalle und unverzüglicher Mittheilung wird ersucht.
Ulfen. Am Sonnabend Vormittag 10 Uhr ereignete sich im Richelsdorfer v. Cörnbergischen Forstreviere ein schwerer Unfall dadurch, daß beim Fällen einer Buch- drei Arbeiter Unter den fallenden Stamm zu liegen kamen, wobei dem Arbeiter Löffler das Rückgrat zerschlagen und die beiden anderen Verletzungen an Kops und Beinen davtmlrugem