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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

^L 7. Samstag, den 23. Januar 1897. 48. Jahrgang.

Rost-llnna^ °uf dreSchlüchterner Zeitung" MtslllLUNeLlALr» werden noch fortwährend von allen .....'--^t= ..........Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Generalfeldmarschall Graf Blumenthal wird am 30. Juli ein Jubiläum begehen, wie es in der preußischen Armee, abgesehen von Kaiser Wilhelm I., noch nicht gefeiert worden ist. An dem genannten Tage sind es nämlich 70 Jahre, daß Graf Blumenthal in die Armee eingetreten. Zweifellos wird das 70 jährige Dienst­jubiläum unter größeren Feierlichkeiten seitens der Armee begangen werden. Graf Blumenthal ist am 30. Juli 1810 in Schwedt a. d. Oder geboren.

Den Informationen der MünchenerAllg. Ztg." zufolge hat die Mittheilung von gemeinsamen Manövern der bayerischen Armeekorps mit preußischen Truppen eine thatsächliche Grundlage. Die Manöver wird Kaiser Wilhelm in seiner Eigenschaft als Bundesfeldherr leiten. Die Angelegenheit befindet sich zur Zeit noch im Stadium der zu treffenden Vorbereitungen, sodaß Angaben über Einzelheiten, insbesondere über die Gegend, wo die Ma­növer stattfinden sollen, bis jetzt noch nicht zu machen sind.

In der preußischen Armee sollen neue Abzeichen Achselklappen, Aufschläge, Paspeln eingeführt werden, die beim Lehr-Jnfanterie-Bataillon in Potsdam bereits versuchsweise getragen werden. Diese neuen Ab­zeichen ermöglichen es, nicht nur wie bisher sofort zu erkennen, welchem Regiment und welcher Kompagnie, sondern auch welchem Armeekorps, welcher Division und welcher Brigade ihr Träger angehört.

Die Geistlichen in Preußen sind angewiesen worden, den zuständigen Behörden im Laufe dieses MonatS diejenigen Ehepaare namhaft zu machen, die im Jahre 1897 das Fest ihrer goldenen Hochzeit feiern, damit wegen der Verleihung der Ehejubiläums-Medaille die erforderlichen Anträge rechtzeitig gestellt werden können. Eine nachträgliche Verleihung, auch wenn nur wenige Tage nach dem Jubelfeste verflossen sind, findet nicht statt. Bedingung für die Gewährung der Aus­zeichnung ist, daß das betreffende Ehepaar einen Lebenswandel geführt hat, der als Vorbild gelten kann.

Das endgiltige Ergebniß der Volkszählung im Deut­schen Reich vom 2. Dezember 1895 wird imReichs­anzeiger" veröffentlicht. Es wurden gezählt 52279201 Personen, hiervon 25 661260 männliche. In den fünf Jahren 1890 bis 1895 beträgt die Gesammtzunahme 2 851431, wovon 1430 418 männliche und 1421013 weibl. Personen.

Altona, 19. Januar. Der Hamb. Korr. erfährt aus Triest, einer Meldung des BlattesPicolo" zufolge seien zwei Matrosen des aus Bombay kommenden Kriegs­schiffesKaiser Franz Joseph" im Militärhospital von Massauah an der Bculcnpest gestorben. Die Aerzte hätten große Beulen am Körper konstatirt.

Aus Thüringen, 19. Januar. Liebhaber billiger Hunde seien auf folgendes Inserat in derRudolstädter Zeitung" hingewiesen:Hunde der verschiedensten Rassen sind wegen hierorts erhöhter Hundesteuern und des noch bestehenden Maulkorbzwanges unter gewissen Bedingungen nach auswärts durch uns zu verschenken. Kynologischer Verein, Rudolstadt." Also sehr billig!

Saga«. Vor einigen Tagen wurde hier eine Brief­taube erschossen, die den Stempel Breslau trug. Auf die Ermittelung des Thäters war eine Belohnung von 10 Mark ausgesetzt worden. Der Polizei ist es ge­lungen, den Frevler in der Person des Malermeisters L. zu ermitteln. Das Schöffengericht verurtheilte ihn zu sechs Wochen Gefängniß.

Regensburg, 18. Januar. Der hier verstorbene österreichische Kämmerer Graf Ernst Dörnberg vermachte sein Gesammtvermögen von 15 Millionen Mark der Stadt Regensburg zu wohlthätigen Zwecken. Dadurch, daß die Stadt Regensburg Erbin des viele Millionen umfassenden Vermögens des Grafen Ernst von Dörnberg wurde, ist sie gleichzeitig Eigenthümerin des gräflichen Grundbesitzes in Frankfurt a. M. geworden. Derselbe besteht in dem großen Hause Zeit Nr. 68, dessen Dccennien langes Leerstchen jedem Einheimischen und Fremden autfiel. Das Haus steht unbenutzbar da, seit­dem das Bankhaus von Erlanger u. Söhne seine Büreaus von da auf den Roßmarkt verlegte. Jedes Kauf- und Ver- MiettzungSangebot wurde, weil es der gräflichen Ansicht

nach zu gering war, abgelehnt, weshalb das werth­volle Objekt unbenutzt blieb. Die Stadt Regens­burg als nunmehrige Besitzerin wird hoffentlich das Ob­jekt zweckentsprechend zu verwenden oder zu verwerthen wissen, damit auf der Zeit an einem der belebtesten Punkte die todten Erker und Fenster verschwinden.

Hann. Münden, 17. Januar. In letzter Zeit sind in hiesiger Gegend schon wiederholt Ueberfälle auf offener verkehrreicher Straße vorgekommen, auch letzten Donners­tag wurde wiederum ein solcher versucht und zwar auf den allwöchentlich von Gertenbach nach hier kommenden Müllerwagen. Der Wagen mochte auf dem Rückweg, etwa beim GasthausZum letzten Heller" angelangt sein, also kaum eine halbe Stunde von der Stadt, als der Fuhrmann am Wege sitzend eine weinende ältere Frau bemerkte. Auf Befragen klagte die Frau dem Fuhrmann ihr Leid; sie sei sehr ermüdet und durchfroren und könnte nicht weiter gehen. Die Frau bat den Fuhrmann schließ­lich, ihr doch zu erlauben, daß sie mitfahre. Dieser Bitte willfahrte der Kutscher gerne, gerieth aber in nicht geringe Bestürzung, als er beim Aufsteigen bemerkte, daß sein Fahrgast ein verkleideter Mann war. Sein erster Gedanke war natürlich der, sich des unheimlichen Begleiters zu entledigen. Zu diesem Zwecke nun ließ der Kutscher unauffällig eine Pferdedecke fallen und als auf seine Bitte der Verkleidete abstieg, dieselbe aufzu- heben, hieb er auf die Pferde ein. Sein Verdacht, daß auf ihn ein Ueberfall geplant war, blieb nicht ungerecht­fertigt, denn bald nach dem Vorfälle liefen aus dem Walde drei Männer auf den Wagen zu, welche dem Kutscher zuriefen, er solle halten. Glücklicher Weise vermochten die Strolche nicht, den Wagen einzuholen. Zu Hause angenommen, entdeckte der Fuhrmann in dem Korbe, den die Frau mit auf den Wagen genommen, 3 Revolver. Anzeige wurde sofort erstattet.

Ausland.

London, 21, Januar. Aus Bombay wird hierher depeschirt, daß die Bubonenpest nun auch auf dem Grundstück des Gouvernements unter der Dienerschaft des Gouverneurs ausgebrochen ist. Die Patienten wurden sofort ins Hosspital geschafft und neun von ihnen bewohnte Häuser niedergebrannt. Die Pest hat so große Dimensionen angenommen, daß die Munizipal- behörden der Krankheit nicht mehr gewachsen sind. Stündlich sterben Leute in den Straßen. Kein Träger- ist mehr zu haben, um die Todten nach den Begräbniß- stätten zu bringen. In Kurachee nimmt die-Pest ebenso kolossale Dimensionen an.

Aus New-Nork wird gemeldet: Der Stations­vorsteher von Sleepy Eye in Minnesota, Graut Bramle, ein geborener Engländer, hat von einem englischen Syn­dikat, an dessen Spitze die Allan'sche Dampfschifffahrts­Gesellschaft von Liverpool steht, für die Patentrechte auf den von ihm erfundenen rotierenden Motor die Summe von 7 000 000 Dollars erhalten.

Afrika. Die englische Politik thut der Kapkolonie gegenüber alles Mögliche, um eine ähnliche Katastrophe herbeizuführen wie 1773 in Nordamerika. Es fehlt nur, sagen die Hamb. Nachrichten, irgend ein Anstoß, und die Kapbewohner werden ihre Unabhängigkeit von derparamount power" mit starker Hand herstellen, entweder mit Beeil Rhodes als Präsidenten oder gegen ihn. Für England aber ist die Kapstation bei der Leich­tigkeit der Sperrung des Suezkanals doch immer noch von hoher Wichtigkeit wegen der Schifffahrt nach Indien.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchteru, 22. Januar.

* Neuerdings werden vielfach in unsern Land­gemeinden Flugblätter verbreitet, in denen dringend zur Unterschrist von Petitionen gegen den Entwurf einer neuen Landgemeindeordnung aufgefordert wird. Dem gegenüber verdient hervorgehoben zu werden, daß der betr. Entwurf im Provinziallandtag von den berufenen Vertretern des Regierungsbezirkes Cassel auf das Ein­gehendste durchberathen worden ist und daß die Mehr­heit dieser Versammlung, in der sich viele und recht sachverständige kleinere Landwirthe befinden, den Entwurf in seiner jetzigen Form gutgeheißen hat. Es kann den Empfängern solcher Flugblätter daher nur auf's dringendste Vorsicht gegenüber diesen nicht aus bäuer- lichensondern meist aus großstädtischen Kreisen stammenden Zuschriften empfohlen werden.

* Wir machen auf den im heutigen Kreisblatte stehenden Abdruck der neuen Polizeiverordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feier­tage ganz besonders aufmerksam. Wir glauben ver­pflichtet zu sein, unseren Lesern einschärfen zu sollen, sich mit den einzelnen Bestimmungen der Polizeiver­ordnung vertraut zu machen in ihrem eigenen Interesse und zur Wirksamkeit des weite Kreise treffenden Re- gierungs-Erlasses. Zugleich machen wir aufmerksam auf einen Widerspruch, der in der neuen Polizeiverordnung über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage enthalten ist. In § 1 f heißt es u. a., daß an den Sonntagen das Fahren der Bier- und Rollwagen verboten ist, während des § 4 in Absatz 6 besagt, daß von dem Verbot des § 1 nicht berührt wird der Trans­port von Lebens- und Genußmitteln während der für den Handel mit diesen Gegenständen freigegebenen Stunden. Da Bier bekanntlich doch auch ein Genuß­mittel ist, dessen Beförderung in dem zuerst angezogenen Paragraphen aber verboten wird, so besteht hier ein Widerspruch, von dem es wünschenswerth wäre, wenn er noch aufgeklärt würde. Die Ladenbesitzer weisen wir noch besonders auf den sie betreffenden § 6 der Verordnung und den Nachsatz in demselben hin. Falls durch eine Kreispolizeiverordnung nicht eine ander­weite Regelung der betr. Bestimmungen erfolgt, sind die Ladenbesitzer verpflichtet, an den Sonntagen (auch während der freigegebenen Verkaufszeit) die Schaufenster jedesmal auszuräumen oder die Jalousien herunter- zulassen.

* Kalender auf das Jahr 1898 werden bereits von einer Firma den Händlern und Wiederverkäufern angeboten. Das heißt man: der Concurrenz zuvor­kommen.

Ueber die Wetterseite bei Eisenbahnzügen ist unter den Passagieren so viel gestritten worden, daß die Bahn­verwaltung sich veranlaßt gesehen, diese Wetterseite gänz- lich zu beseitigen. Bekanntlich befand sich in dem Bahn- reglement früher die Bestimmung, daß die Fenster auf Veranlassung auch nur eines Mitreisenden auf der Wetter­seite geschlossen werden müssen. Da jedoch die Ansichten über die Wetterseite sehr auseinandergingen, haben die Eisenbahn-Direktionen Breslau und Berlin diese Be­stimmung umgeändert. Die Wagen der beiden Direk- kionen zeigen jetzt folgende Inschrift:Die Fenster dürfen nur mit Zustimmung aller in derselben Abthei­lung mitreisenden Personen auf beiden Seiten geöffnet sein!" Im übrigen entscheidet, soweit sich die Reisenden über das Oeffnen und Schließen nicht verständigen können, der Schaffner.

* Keine Schulkinder zu Treibjagden. Es ist neuerdings wiederholt öffentlich getadelt worden, daß schulpflichtige Kinder, namentlich in den Dörfern, bei den Jagden der Gutsherren während der Schulzeit Treiberdienste geleistet haben. In einer Regierungs- Verfügung sind, wie wir erfahren, inzwischen die Orts- schulinspektoren und die Lehrer daraus hingewiesen worden, daß weder der Schulinspektor noch der Lehrer Schul­kinder zur Verwendung bei Treibjagden vom Schulbesuch dispensiren darf, und daß Eltern, deren Kinder gleich­wohl aus dieser Veranlassung der Schule fernbleiben, wegen Schulversäumniß zu bestrafen sind.

Rückers bei Flieden, 18. Januar. In unserer Ge­meinde hat die sog. Löhm (fliegender Brand) im ver­gangenen Jahre unter den Viehbeständen schwere Opfer gefordert, tnbem über 10 Stück daran verendeten, welche sich auf acht Besitzer vertheilen. Gewiß ein schwerer Schlag für die Landwirthe in solch' schlechten Jahren. Auch einer unter der hiesigen Schafheerde ausge­brochenen Seuche fiel ein Viertel der Heerde zum Opfer, wahrscheinlich ein Folge der großen Nässe des ver­gangenen Jahres.

Fronhausen, 17. Januar. Vergangene Woche war ein hiesiger Einwohner mit seiner Chaise in einem mehrere Stunden von hier entfernten Dorfe. Dort be­sorgte er seine Geschäfte und ließ seinen großen Hund allein bei der Chaise zurück. Der Kutscher war auch anderweit beschäftigt. Als beide wieder zurückkehrten, war das Fuhrwerk mit sammt dem Hund verschwunden. Sie eilten nun in einer anderen geliehenen Kutsche schnell nach Fronhausen und siehe da, dicht vor dem Dorfe fuhr ihre eigene Chaise; der Hund sprang vor den Pferden immer hin und her, damit ihm diese nicht zu schnell liefen.