stimmung in 21 Tagen, weil das Gesetz eine Verfassungsänderung enthalte, wurde gegen die Stimmen des Centrums, der Polen und einiger Konservativen abgelehnt. Am Montage wurde die erste Lesung des Etats begonnen.
Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe m i t G e m a h l i n werden am 16. Februar das Fest der goldenen Hochzeit im engsten Familienkreise begehen. Von der Absicht einer Familienfeier in Schillingsfürst hat das Fürstenpaar in Rücksicht auf die vielfach dringenden Geschäfte, welche den Reichskanzler in Berlin festhalten, abgesehen. . .
Die H a n d w e r ke r - O r g a n rs a t r o n s - V o r - läge ist am Montage dem Plenum des Bundesraths in der vom Ausschuß beschlossenen Fassung zugegangen.
Zur Unterdrückung der Schül erv erhind- ungen wird neuerdings auf besondere Anordnung der preußischen Unterrichtsverwaltung von den Direktoren der höhern Lehranstalten mit größter Strenge gegen solche Verbindungen eingeschritten. Alle Schüler, die sich an Verbindungen betheiligen, sollen zunächst eine schwere Strafe erhalten, im Wiederholungsfälle aber wegen Verletzung der Schulordnung von der Anstalt entfernt werden. Außerdem soll gegen diejenigen Gast- ■ und Schankwirthe, die wiederholt Trinkgelage von Schülern bei sich dulden, das Verfahren aus Entziehung der Konzession eingeleitet werden.
Die diesjährige Generalversammlung des Bundes der Landwirthe wird am Montag, den 15. Februar, wiederum in Berlin im Cirkus Busch abgehalten werden.
Auslanv.
Ueber das Befinden des Zaren sind in der letzten Zeit ungünstige Nachrichten verbreitet worden; Geheimrath v. Bergmann sollte zu ihm berufen sein. Die Nachrichten sind unbegründet.
In Venedig wird demnächst eine internationale Gesundheitskonferenz zusammentreten. Es soll über energische Maßregeln gegen die Einschleppung der Pest in Europa berathen werden.
Die Italiener kommen in ihrer afrikanischen Kolonie nicht zur Ruhe. Nachdem sie sich durch den Abschluß des Friedens mit Abessynien nach dieser Seite hin avenigstens vorläufig einigermaßen sicher gestellt haben, werden sie jetzt plötzlich wieder vom Westen her von den Derwischen bedroht. Ein Theil derselben rückt gegen Agordat vor. Die Verwaltung der erythräischen Kolonie hat daher beschloffen, alle verfügbaren Truppen zwischen Agordat und Keren zu sammeln; die Zusammen- ziehung ist fast beendet. Agordat ist stark mit Artillerie und reichlich mit Lebensmitteln versehen und wird durch Eingeborenen-Truppen in ausreichender Zahl vertheidigt.
Im Nordamerikanischen Repräsentantenhause hat ein Abgeordneter einen Gesetzentwurf eingebracht, wodurch ein Kredit von 200 Millionen gefordert wird, Uni K u b a fürdieVereinigtenStaatenanzukaufen.
Aus Provinz uni Pochborzebikl.
* Mit Genehmigung des Kaisers erhält der 2. Absatz Ziffer 1 des § 14 der Friedens-Besoldungsvorschrift nachstehende veränderte Faffung: „Sämmtliche in etats- mäßige Stellen nicht eingerückte Zahlmeister- Aspiranten werden wie Sergeanten ihres Truppen- theils gelöhnt; nach 9 jähriger Dienstzeit dürfen sie zu überzähligen Vicefeldwebeln oder Vicewachtmeistern mit
ihren bisherigen Gebührnissen befördert werden. Auf den Sergeantenetat des Truppentheils kommen sie nicht in Anrechnung."
* Nach dem endgültigen Ergebniß der Volkszählung im Deutschen Reich betrug am 2. Dezember 1895 die ortsanwesende Bevölkerung 52 279 901 Köpfe gegen 49428470 am 1. Dezember 1890. Es hat also in der fünfjährigen Zahlungsperiode eine Zunahme um 2 851431 Personen stattgefunden. Unter der Bevölkerung waren 25 661250 (1890 24 230 832) männliche und 26 618 651 (25 197 638) weibliche Personen, so daß die Zahl der männlichen um 1 430 419, die der weiblichen um 1421013 zugenommen hat. Gegenüber dem vorläufigen Ergebniß zeigt das endgültige ein Mehr von 33 322 Personen. Für die einzelnen Staaten des Deutschen Reichs ergiebt sich folgende Einwohnerzahl: Preußen 31855123 (1890 29 957 367), Bayern 5 818 544 (5 594982), Sachsen 3 787688 (3 502684), Württemberg 2 081 151 (2 036 522), Baden 1725 464 (1657 867), Elsaß-Lothringen 1640 986 (1 603 506), Hessen 1039 020 (992 883), Hamburg 681 632 (622 530), Braunschweig 434 213 (403 773), Oldenburg 373 739 (354 968), Anhalt 293 298 (271 963), Sachsen-Meiningen 234 005 (223 832), Sachsen-Koburg-Gotha 216 603 (206 513), Bremen 196 404 (180 443) Sachsen-Altenburg 180 313 (170 864), Lippe 134 854 (128495), Reuß jüngere Linie 132 130 (119 811), Schwarzburg-Rudolstadt 88 085 (85 863), Lübeck 83 324 (76 485), Schwarzburg-Sonders- Hausen 78 074 (75 510), Reuß ältere Linie 67 468 (62 754), Waldeck 57 766, (57 281) und Schaumburg- Lippe 41224 (39163) Einwohner.
* Im Anschluß an die erwähnte schössen- gerichtliche Entscheidung, wonach vier Personen, die in einem Erfurter Lokal bei einer Schlägerei Stühle und Bierseidel zertrümmert hatten, von der Anklage der Sachbeschädigung freigesprochen wurden, weil sie nicht die Absicht hatten, dem Wirth Schaden zuzu- fügen, sondern sich körperlich zu verletzen, wird der „Dorfzeitung" noch Folgendes geschrieben: Da das Gericht der Ansicht war, daß der Wirth unstreitig gewußt habe, in welcher Absicht die Beschuldigten gehandelt hätten (und zwar jedenfalls nicht in der, ihn zu schädigen), so legte es ihm wegen fahrlässiger Denunziation die nicht unbeträchtlichen Kosten des Verfahrens auf. Da ferner auch die frühere Schadenersatzklage damit endete, daß er nicht nur nichts erhielt, sondern außerdem noch die Gerichts- und Auwaltskosten zu bezahlen hatte, weil eben die vier Herren nichts besaßen, so hat er alles in allem rechtes Pech gehabt.
Hersfeld, 20. Januar. Bezüglich der Bezahlung der gesetzlichen Feiertage, welche seitens mehrerer Gewerkschaften durch Lohnbewegungen zur Anerkennung gebracht wurde, entschied das Berliner Gewerbegericht, daß eine solche Forderung rechtlich nicht begründet sei.
Hersfeld, 20. Januar. Die Jahrhundertfeier des Geburtstages Kaiser Wilhelms des Großen soll, nach der „Voff. Ztg.", in Preußen einheitlich stattfinden und drei Tage währen. Am Sonntag, dem 21. März, sollen in den Kirchen FestgotleS- dienste abgehalten werden. Für den eigentlichen Festtag, Montag den 22. März, werden öffentliche Festakte, Paraden, Schulfeiern und Abends Illuminationen stattfinden; an diesem Tage sollen auch die öffentlichen Gebäude beflaggt werden. Am Dienstag, dem 23 März,
sollen volkstümliche Veranstaltungen, Kommerse rc. so veranstaltet werden. Von diesem Programm sind auch N
die übrigen Bundesstaaten in Kenntniß gesetzt worden.
Philippsthal, 16. Januar. Am heutigen Tage waren es 25 Jahre, daß unser allverehrter Bürgermeister Herr Lingemann in sein Amt als Bürgermeister der Gemeinden Philippsthal-Creutzberg mit Hof Thalhausen eingeführt wurde. Aus Anlaß dieses, heute festlich begangenen Tages, beglückwünschte der aus Hersfeld eingetroffene Königliche Landrath Geheimer Regierungsrath Herr Freiherr von Schleinitz den Jubilar. Se. Hoheit, Landgraf Ernst von Hessen übermittelte feinen Glückwunsch unter Uebersendung eines prachtvollen Bou- quets. Die Gemeindevertretung gratulirte in corpore und überreichte unter bezüglicher Ansprache des Vizebürgermeisters eine goldene Uhr mit goldener Kette; auch sonstige werthvolle, und recht sinnige Geschenke ließen erkennen, daß es sich die Spender hatten angelegen sein laffen, dem Jubilar ihre Zuneigung in besonderer Weise erkennen zu geben. Die Geistlichkeit,
Lehrer und Beamten hatten es sich ebenwohl zur Ehre gerechnet, den um unser Gemeindewesen rc. so verdienten Mann ihre Huldigungen in verschiedener Weise darzubringen. Der Gesangverein Liederkranz ernannte den Gefeierten zu seinem Ehrenmitglieds und brächte demselben unter Mitwirkung des Kirchenchors Abends
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eine musikalische Ehrung durch Vortrag stimmungsvoller e und herzerfreuender Lieder dar. Bei dem alsdann statt- d findenden Festessen wurden Worte der Verehrung, der k Liebe und des Dankes gesprochen, und auch der Verlauf d des Abends, sich würdig den Geschehnissen des Tages r anreihend, bekundete, welcher Hochschätzung und Verehrung r sich der nunmehr in seine zweite Amtsperiode eintretende i S Bürgermeister erfreut. In den Annalen unserer Ge- t meinde wird der seltene und festliche Tag eine bleibende ( c und ehrenvolle Stelle einnehmen. I i
Cassel, 19. Jan. In vergangener Nacht wurde im | i Laden des Herrn Metzgermeisters Dietrich, Fünffenster- . s straße 8, ein frecher Einbruchs-Diebstahl verübt. Die Diebe zertrümmerten die Scheibe des Oberlichtes in der Ladenthür, schoben die Riegel zurück und stiegen dann in den Laden ein. Den Einbrechern gelang es, Schinken, j Würste und Fleisch, im Gesammtwerthe von 50 Mk, । fortzuschaffen. Von den Einbrechern hat man seither : keine Spur.
Göttingen, 16- Jan. (Zum Möringer Mordanfall.) Die neulich gebrachte Nachricht, daß der eine der 5 Attentäter auf die Lehrerin Fräulein Busch eingefangen • worden sei, ist dahin zu erweitern, daß der gefangene Verbrecher der vorn Staatsanwalt gesuchte, in Rostock geborene Maurer Wilhelm Mahn ist. Dieser hat seine > Betheiligung an dem Verbrechen bereits eingestanden. - Sein Mitschuldiger ist der Maurer Karl Timmermann, ( und es sind also die Verbrecher jene beiden Handwerks- . barschen, die am 7. Januar im Celler Krankenhause ver- ( pflegt worden sind.
Marburg, 19. Jan. Gelegentlich des gestern Abend im großen Museumssaale zur Feier des hundertjährigen 1 Geburtstages Kaiser Wilhelms des Großen stattgehabten ) Commerses der Marburger Studentenschaft wurden Hul- k digungstelegramme an Se. Majestät den Kaiser, sowie W an Fürst Bismarck abgesandt.
Marburg, 18. Januar. Gestern Mittag verstarb hierselbst an einem Nierenleiden der Privatdozent der Rechte Dr. jur. Otto Müller, früher in Halle. Der '
Leid überwinden half. Obgleich es offenbar den Ge- ; schwistern nicht in den Sinn kam, den Tod des Griffen; Moritz am völlig unschuldigen Sohne des Mörders rächen zu wollen, so konnte man sehr wohl den Bischof Heinrich, als nächsten Anverwandten des Erschlagenen und auch als hohen Kirchenfürsten, zum Schiedsrichter in der Sache machen und um einen Urtheilsspruch angehen.
Abt Reimarus zögerte nicht lange mit Ausführung dieser Absicht und schickte Bruder Masko mit schriftlicher und mündlicher Botschaft nach Hildesheim. Seit zwei Wochen war derselbe fort, und in den letzten Tagen wartete man stündlich auf seine Wiederkehr.
Mit einem tiefen Athemzuge fuhr der Abt sich mit der Hand über die Augen und schickte sich an, von neuem die Arbeit auszunehmen, als er sich plötzlich lauschend aufrichtete. Aus dem Nebengemach schallte das Oeffnen und Schließen einer Thüre, und gleich darauf näherten sich eilige Schritte der kleinen Verbindungsthür. Es wurde angeklopft, und der längst Erwartete trat ein, staubbedeckt und wegemüde.
Erregt schritt ihm der Abt entgegen und bot ihm die Hand, die der junge Mönch ehrerbietig an die Lippen drückte.
„Grüß dich Gott, Marko, bist du wohlbehalten wieder angelangt, und ist deine Reise ohne Fährniß verlaufen?"
„Ohne jeglichen Unfall, hochwürdiger Abt, und meine Miffion ist erfüllt!"
«®0 n'n '$ begierig um zu hören, welchen Bescheid du bringst. Aber du bist müde und erschöpft vom langen Rrtt! Setze dich und dann berichte in Ruhe!"
Eigenhändig schob der Abt seinem Schüler einen Stuhl zum Tische. Er öffnete den Wandschrank, holte eme Flasche hervor, goß zwei Gläser voll klaren Weines und bot eines davon Masko hin, der es durstig aus einen Zug austrank. Es war eigenes Gewächs, an den sonnigen Abhängen der Hoopthales gezogen; für den verwöhnten Geschmack späterer Zeiten gewiß ein herbes, wenig verlockendes Tränklein, damals aber eine seltene arnd köstliche Stärkung bei langer Geistesarbeit des
Nachts oder nach körperlicher Ermüdung. Masko wischte ; sich erquickt den Mund, lehnte sich ausruhend zurück und i begann seinen Bericht.
„Anstrengend und wenig erfreulich war der Ritt, Tag für Tag im Sattel bei dem nassen, unerquicklichen Wetter. Um so angenehmer erschien mir die gütige Aufnahme und treffliche Versorgung, welche mir im Hause unsers hochwürdigsten Bischofs zu theil wurde. Gleich am ersten Abend fand ich Gelegenheit, meinen Auftrag auszurichten, und als der Bischof erfuhr, weshalb ich gekommen war, ließ er seine Schwester ersuchen, bei unserer Unterredung zugegen zu sein!"
„Kam sie wirklich?" unterbrach der Abt denSprecher, „Sahst du die unglückliche Frau?
„Ich habe sie mehrmals gesehen und gesprochen, und der Anblick ihres gramerfüllten Antlitzes flößte mir herzliches Mitleid ein. Sie war gütig und freundlich zu mir, von edler Herablassung. Sie war meist in Gesellschaft ihrer beiden Knaben, und gewiß wird sie mit der Zeit in der Erziehung der wohlgebildeten Kinder Trost finden!"
„Aber die Hauptsache, Marko! Ließ sich Bischof Heinrich bereit finden, ein Urtheil auszusprechen?"
„Er hat mehrere Tage Bedenkzeit gebraucht und lange gezögert, endlich aber unter Berathung mit Frau Elika eine Sühne festgesetzt und im Namen der Kirche strengen Gehorsam gefordert. Hier bringe ich die verbriefte und versiegelte Urkunde!"
Ohne Zögern erbrach Abt Reimarus das Schreiben und überflog seinen Inhalt. Seine Züge wurden sehr ernst, und lange Zeit sprach keiner von den beiden ein Wort. Dann faltete der Abt das Pergament zusammen, verschloß es in die Schublade seines Tisches und wandte sich seinem Gefährten wieder zu.
„Es ist schwer, Masko, sehr schwer für unsern armen Freund. Und dennoch — ich will froh sein, venn ich Graf Hermann bewegen kann, sich mit dieser Rache zu begnügen. — Glaubst du, daß Frau Elika dazu beigetragen hat, die Forderungen zu verschärfen und die 1 Strafen so empfindlich zu machen?"
„Ich weiß eS nicht, hochwürdiger Abt, doch glaube ich es kaum. Sie sprach mit hoher Achtung von der r edlen Ritterlichkeit und der strengen Tugend unsers jungen Edelherrn, den sie ja vor einigen Monaten auf i der Homburg kennen lernte!"
Der Abt erhob sich und reichte seinem Schüler nochmals die Hand. „Nun wohl, Masko; du hast deinen Auftrag mit Umsicht und Treue vollzogen, ich danke dir. j Warten wir ab, was der morgende Tag uns bringt. Willst du Befehl geben, daß mit Tagesgrauen ein Bote zum Eberstein reitet, den jungen Grafen hierher zu laden! Und nun schlafe wohl. Du wirst der Rnhe bedürfen!"W
9. Der Freund.
Die ersehnte Ruhe wollte nicht kommen; zu mächtig; hatten die Ereignisse der letzten Wochen das Gemüth des jungen Mönches erregt, und zu sehr bangte sein Herz vor der Entscheidung des morgenden Tages. Er trug tiefes Leid um das traurige Geschick der beiden Geschwister, denen er in dankbarer und herzlicher Liebe zugethan war seit der Kindheit Tagen. Immer wieder schwebte das rosige, fröhliche Antlitz der Jungfrau vor seinen Augen, mit dem heiteren, sorglosen Lächeln, und daneben quälte ihn der Anblick eines abgehärmten Frauen- bildes, das in stummer Verzweiflung flehend die Hände zu ihm aufhob. Auf seinem langen, einsamen Ritt hatte ihn der Gedanke an das Herzeleid seiner Jugendgespielin begleitet, und derselbe ließ ihn auch jetzt keine Ruhe. Er hatte sich redlich gemüht, den Bischof von HildeS- heim für den jungen Heinrich einzunehmen, er hatte ihm seine hohe Weisheit, feine Güte und den Adel seiner Gesinnung geschildert, in der Hoffnung, den Urtheilsspruch dadurch zu lindern. Ob ihm das gelungen, wusste er nicht. Aber eigentlich war es ja auch nicht die Strafe, was ihn am meisten bedrückte; den» er glaubte, damit würde Heinrich schon fertig werden, sondern der
Eigensinn und Jähzorn des Ebersteiners schien ihm unzähmbar und würde sicherlich seinen Freund zu Gr»»de richten und mit ihm die Schwester, die in thörichter Verblendung diesem Manne ihr Herz geschenkt hatte. (F. f.)