Einzelbild herunterladen
 

MüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 30. December 1896

47. Jahrgang.

falls Sie dieSchlüchterucr Zeitung" bisher durch die Post bezw. vom Landbriefträger bezogen haben, das Abonnement auf dieselbe für das nächste Vierteljahr rechtzeitig erneuern zu wollen, damit in der regelmäßigen Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Post liefert nur bis zum 31. d. M. und nur in dem Falle weiter, wenn der Abonnementsbetrag mit dem etwaigen Bestellgeld im Voraus entrichtet ist.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit 1. Januar beginnende neue Vierteljahr

ladet freundlichst ein

Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Deutsches Reich.

Berlin. Zum Diner und zur Bescheerung im Neuen Palais war am 24. d. M. Nachmittags außer den Prinzlich sck aumburg-lippeschrn Herrschaften, welche noch zum Besuch bei dem Kaiserpaar verweilen, auch der Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein erschienen. Das Kaiserpaar wohnte am ersten Weihnachtsseiertag dem Gottesdienst bei und verlebte die Festtage im engeren Kreise der königlichen Familie mit ihren Gästen.

In der Familie des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst steht zu Anfang des kommen­den Jahres eine seltene Feier bevor, nämlich das goldene Ehejubiläum des Reichskanzlers mit seiner Gemahlin, der Fürstin Maria geb. Prinzessin von Sayn-Witlgen- stein-Berlcburg. Das Paar wurde am 16. Februar 1847, dem Geburtstage der damals 18jährigen Fürstin, zu Frankfurt a. M. getraut.

Die Commission des Abgeordnetenhauses zur Vor- berathung der Entwürfe einer Städteordnung und einer Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau ist folgendermaßen zusammengesetzt: von Baumbach, Fideikommißbesitzer, Dr. Beckmann, Landrath, Jsenburg, Hauptmann der Landwehr, Landwirth, von Kröcher, Hauptritterschaftsdirektor, Rittergutsbesitzer, Vorsitzender, von Pappenheim-Liebenau, Kammerherr, Rittergutsbesitzer, Dr. Schilling, Landrath, Schriftführer, Wincklcr, Land­rath, Rittergutsbesitzer, von Christen, Rittergutsbesitzer, Kreisdeputirter, Schriftführer, von Trepper-Laski, Re­gierungspräsident, Zimmermann, Amtsrichter, Beinhaucr, Gutsbesitzer, Hofmann, Amtsrichter, Junghenn, Rentner, Premierlieutenant a. D., Schriftführer, Dr. phil. Lotichus, Cahensly, Stadtverordneter, Kaufmann, Dosbach, Aus- Hilfsprister, Verleger, Buchdruckereibesitzer, Hobler, Amts­richter, Schriftführer, Kircher, Kaufmann, Dr. Lieber, Privatmann, Spähn, Kammergerichtsrath, Stellvertreter des Vorsitzenden, Jaeckel, Stadtrath, Kaufmann.

Die Untersuchung gegen den Criminal-Commissar

Dresden. Die Verhandlungen über den Zusammen­stoß des von Dresden kommenden Schnellzuges mit dem im Bahnhof Löbau stehenden Kaiserzuge am 12. Sep­tember, geben ein klares Bild, was dabei herauskommt, wenn ein übereifriger Beamter einen rasch ausgesprochenen Wunsch des Kaisers als einen Befehl auffaßt, den er unbedingt ausführen müsse. In dem Plaidoycr des Oberstaatsanwaltcs kommt der sehr bchcrzigenswerthe Ansspruch vor: Stationsvorsteher Götze hat kein Rück­grat gehabt gegenüber dem Transportdirektor Winkler, seinem Vorgesetzten. Daß aber dieser erst recht ohne jede männliche Festigkeit vor einem ohne jede befehlende Absicht gesprochenen kaiserlichen Wunsch sich gebeugt hat, erwähnt der Oberstaatsanwalt nicht. Eine kurze Zn- sammenstellung der Thatsachen ergiebt, daß drei Minuten nach dem Einlaufen des auf ein Seitengleis geführten Kaiserzug der zweite Zug der sogen. Fürstenzug im Bahnhof Löbau eintraf und hinter dem Kaiserzug auf dasselbe Seitengleis geführt wird. Da läßt Kaiser Wilhelm durch den Hofrath Schwerin dem Transport­direktor sagen, er wünsche bald abzufahren (während der Kaiserzug nach dem Fahrplan warten sollte, bis der Schnellzug von Dresden nach Görlitz den Bahnhof Löbau passirt habe). Obgleich der Schnellzug in den allernächsten Minuten keiner der Beamten sieht in i

v. Tausch ist, wie derGerm." mitgetheilt wird, auch auf die Majestätsbeleidigung ausgedehnt worden, welche der Verhaftete dadurch begangen haben soll, daß er, wie behauptet wird, falsche Berichte über den Gesundheits­zustand des Kaisers in die ihm ergebenen Blätter lancirt hat. Jmglcichen wird bestätigt, daß die Anklage wegen Meineids sich auf vier Fälle erstrecken wird. Bezüglich der Verbindung, welche Tausch mit einzelnen Redaktionen unterhalten haben soll, ist eine ganze Reihe vvn Journalisten als Zeugen geladen bezw. schon ver­nommen worden. Auch der Herausgeber derZukunft", Maximilian Harden, dürfte zur Zeugenaussage über Herrn v. Tausch veranlaßt werden, da er sowohl mit dem letzteren, wie auch mit dem jungen Leckert in persönlichem Verkehr gestanden haben soll. Daß die Untersuchung gegen Tausch nach der erwähnten Richtung hin ausgedehnt worden ist, geschah, wie in unterrichteten Kreisen verlautet, mit ausdrücklicher Zustimmung des Kaisers, der für den Sensations-Proceß von Anfang an ein außergewöhnliches Interesse gezeigt haben soll.

Die Vereinigung deutscher FeuerversicherungS- Gesellschaften hat in einer Eingabe an den Bundesrath eine Besteuerung der Zündhölzer in Anregung gebracht, hauptsächlich um eine vorsichtigere Aufbewahrung und Benutzung der kleinen feuergefährlichen Hölzchen herbei- zuführen.

Hamburg, 24. Decbr. Die Situation ist für die Arbeitgeber nicht besser geworden. Die Ersatzarbeiter reisen fortwährend ab. Die englischen Ersatzleute forderten, die Zwangslage benutzend, einen Tagelohn von sieben und einen Lohn für Nachtarbeit von vierzehn Mark. Als ihnen sechs resp. 10 Mark offerirt wurden, legten sie die Arbeit nieder. Einzelne Stauerbaase find zu Verhandlungen geneigt. Im Hafen befinden sich 178 Dampfer und 83 Segler. Heute finden mehrere Versammlungen statt.

derAufregung" über die Anwesenheit Kaiser Wilhelms und des Königs von Sachsen nach der Uhr, jeder glaubt noch 510 Minuten Zeit zu haben, während in Wirk­lichkeit schon zwei Minuten später der Schnellzug an- gebrauft kommt, dem das Signal die Einfahrt frei giebt, weil er das Nebengleis mit dem Kaiserzug und dem Fürstenzug gar nicht berührt, durchfahren muß (er hält in Löbau nicht), läßt Transportdirektor Winkler, um dem Kaiser das Einsteigen zu erleichtern", den Zug über die Weiche des Schnellzugsgleises vorrücken und nun kommt die Katastrophe: der nicht gewarnte Schnellzugsführer, der alles in Ordnung glaubt, gewahrt erst zu spät, daß sein Gleis nicht frei ist, er thut das Möglichste, aber der Schnellzug faßt die Maschine des Kaiserzuges und schlitzt ihren Eisenleib auf, so daß das Wasser herausschießt. Es ist eins der auch heut noch mffirenben Wunder, daß er nicht alles in Grund und Boden fuhr. Das Bild der totalen Zerfahrenheit, so chreibt dieBresl. Zeitung" mit Recht, tritt in eder Aussage hervor. Der zu nachgiebige Stations­vorsteher Götze, der wohl auch durch den Dienst ab­gespannt war, wollte auchgern einmal den Kaiser- ehen" und verliert dabei die Sicherheit des Dienstes aus den Augen; der dasHalt!"-Signal für den Schnellzug gebende Assistent sagt:Ja, hätte ich gewußt, um was es sich handelt, dann hätte ich dasStörungs­signal!" gegeben, das jeden Zug zum sofortigen Halten zwingt!" Die beiden in Ehren grau gewordenen Ober-

beamten müssen ihr Versehen schwer büßen mit der Ver- urtheilung zu Gefängnißstrasen.

Papenburg, 22. Dez. Nach eingetroffenen Nach­richten ist auf Dem hier beheimatheten DreimasterEmma", Kapitän Johannes Trüggen, vor Rosario, einem Hafen­platz in Südamerika, von einem Theil der Schiffsbesatzung eine furchtbare Meuterei verübt worden. Genanntes Fahrzeug verließ im Frühjahr dieses Jahres hiesige Stadt, wo es kurze Zeit vorher auf der Meyerschen Schiffswerft fertiggesteUt worden war. Der zur Be­mannung des Schiffes gehörende Steuermann des Schiffes, aus Leer gebürtig, war wegen seiner Härte, mit welcher er gegen die Matrosen verfuhr, bei diesen sehr verhaßt. Infolge dessen reifte bet der Besatzung der Entschluß, bem Steuermann meuchlings zu ermorden und um die Spur des furchtbaren Verbrechens zu ver­wischen, die Leiche über Bord zu werfen. Durch das Loos wurde alsdann bei Matrose bestimmt, welcher die ruchlose That ausführen sollte. Derselbe zögerte auch nicht lange mit der Ausführung des teuflichen Planes,

jchnitt dem ahnungslosen Steuermann, als sich dieser auf dem Vorderdeck befand, die Kehle durch und warf . ihn über Bord. Hierauf sprang der Mörder, ein ; Holländer, selbst in das Meer und ertränkte sich. Dieser schreckliche Vorgang hatte sich so rasch abgespielt, daß 1 der Kapitän des Schiffes nichts davon gewahr wurde.

Nachdem das Schiff in Rosario vor Anker ging, deser- ' tirten die am Morde betheiligten Matrosen.

Wesel. Die Ungültigkeitserklärung der Weseler Willibrordi-Lotterie ist erfolgt, weil sich am Schluß des Ziehungsgeschäft zeigte, daß sich ein Hauptgewinn mehr als planmäßig im Glücksrade befand. Der königliche Kommissar ließ nach Feststellung dieser Thatsache das Ziehungsgeschäft unterbrechen und machte telegraphisch dem Minister des Innern hiervon Mittheilung. Von dem Lotterieunternehmer Karl Heintze war das Angebot erfolgt, den mehr gezogenen Hauptgewinn aus eigener Tasche zu bezahlen, um die mit der neuen Ziehung verknüpften Weiterungen zu vermeiden. Bei Ablehnung dieses Angebots ist jedenfalls die Thatsache entscheidend ins Gewicht gefallen, daß mit dem letztgezogenen Haupt­gewinn gleichzeitig die Prämie von 150 000 Mark ver- bunden war. Für dieglücklichen" Gewinner bringt das Vorkommniß eine sehr unangenehme Weihnachts- bescheerung. Man sagt, das einzelne größere Gewinne bereits diskontirt worden seien.

Wegen Betruges sind in Troppau sechs Mädchen, Töchter angesehener Bürger angeklagt, eines Betruges, den sie aus Eitelkeit, aus Sucht nach Putz, Tand und Luxus begangen haben. Ein hoher Standesbeamter er­hielt vor Kurzem einen Brief, in dem ihn die Haupt­darstellerin des Troppauer Theaters um einen Geld­betrag bat, den sie zur Anschaffung der für eine Rolle nöthigen Toiletten bedürfe. Der Beamte, Ganlanthomme durch und durch, legte in der That eine größere Bank­note nebst seiner Visilkarte in ein Couvert, hinterlegte dasselbe aber nicht, wie ersucht wurde, poste restaute, sondern ließ es der Schauspielerin persönlich überreichen. Diese, der es nicht eingefallen war, Jemandem um Geld anzugehen, stürmte empört zu dem Absender und ver­langte Genugthuung für die ihr anscheinend angethane Beleidigung. Man forschte der Sache nach und eS wurde ermittelt, daß sechs Mädchen der Troppauer Ge­sellschaft auf den Namen von Schauspielerinnen hin eine ganze Reihe ähnlicher Briefe an verschiedene Herren ge­schrieben und auch ganz ansehnliche Summen erhalten hatten. Mit dem Gelde bestritten die Mädchen ihre Toilettenbedürfnisse.

Apolda, 22. Dezember. In einem nahe gelegenen Orte fand am Donnerstag große Treibjagd statt, an welcher 16 Schützen Theil nahmen. Als Rendezvous gehalten wurde, zeigte es sich, daß sämmtliche 16 Mann

nur 2 Sperlinge zur Strecke gebracht halten.

Weimar, 23. Dezember. Seit einigerZeit verschwanden im Schalterraume des hiesigen Postamtes häufig auf meist unerklärliche Art Geldbeiräge, und jetzt erst ist eS gelungen, festzustellen, daß ein zehnjähriges Schulmädchen auf wahrhaft raffinirte Weise alle diese Diebstähle aus- geführt hat. Die Mutter des Kindes hat um dessen Thaten gewußt, fanden sich doch bei der Haussuchung allein 11 fremde Portemonaies vor.

Mühlhausen i. Thr., 21. Dezember. Ein ver­waistes Gut. Der städtische Gutspächter Brinkmann jun. zu Pfafferode, gegen den aus einem Civilprozeß wegen Zuckerrübenlieferung ein Meineidsverfahren eingeleitet war, das am 16. d. M. vor dem Erfurter Schwurgericht mit seiner Freisprechung endete, hat vorgestern, am 19. d. M., das Gut plötzlich verlassen, ohne daß man weiß, wohin er sich gewandt hat. Einem Gerücht zufolge ist er nach Holland oder Amerika abgereist, und aus Aeuße­rungen von ihm schließt man, daß er nicht mehr zurück­kehren will. Er war kontraktlich verpflichtet, das Gut noch 6 Jahre zu behalten, und hat seinerzeit der Stadt eine Kaution von 10,000 Mark gestellt. Zur Bewach­ung des verwaisten Gutes sind städtische Feldschutzbeauue dorthin beordert.

Bayreuth. Der Krach des Vorschußvereins ist un­vermeidlich, denn der Fehlbetrag wächst lawinenartig und hat bereits eine halbe Million erreicht. Und noch sind nicht alle Anmeldungen erfolgt. In den betheiligten Kreisen macht sich eine unbeschreibliche Panik geltend, welche die zwei Worteunbeschränkte Haftpflicht" bei en Mitgliedern erzeugt haben, denn nicht nur, daß der Verlust ihrer Einlagen bevorsteht, sie müssen nun auch