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und städtischen Behörden. Die Bewohner der umliegen­den Ortschaften waren fast vollzählig erschienen. Feuer­wehrleute mit brennenden Fackeln bildeten Spalier, Feuerwehrleute trugen auch die Särge.

Vom Maine, 15. December. Eine interessante Proklamation einer nicht hessischen Gemeindebehörde in der Nähe von L. spielte der Zufall denDarmst. Hess. Volksbl." in die Hände. Der Erlaß lautet wörtlich: .Den Familienvätern zur Beachtung. Der Beginn des Schulunterricht ist auf den 15. Oltbr. festgesetzt. Bei dieser Gelegenheit richtet das Gemeindekollegium an die Eltern die Mahnung, ihre Kinder vom ersten Tage an in die Schule zu schicken und sie den Besuch der Klassen ohne Unterbrechung sortsetzen zu lassen. Nur der Anfang ist schwer, nachher geht es dann ganz von selber. Es giebt schon genug Schafsköpfe unter Euch und anderwärts, als daß die Nothwendigkeit vorläge, deren Zahl noch zu vermehren. Merkt also auf, ein für allemal, und vergeßt nie, daß Eure Kinder ohne eifrigem Schulbesuch nichts anderes werden können als Esel. Man lasse sich das gesagt sein 1 Für das Kollegium: H."

Ausland.

Oesterreich. In dem Szechenyi-Schachte hat eine Explosion schlagender Wetter stattgefunden, infolge deren das Grubengebäude und der Aufzug abbrannten. Der Transportaufzug blieb unversehrt. Während der sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten fanden noch drei weitere Explosionen statt. Ein Theil der Arbeiter konnte gerettet werden. Bon den 86 Bergleuten, welche ein­gefahren waren, sind 40 als Leichen geborgen worden, 18 sind in tödtlich verletztem Zustande and Tageslicht gefördert worden, 28 werden noch vermißt, gelten jedoch für verloren.

Spanien. In einem Brief eines deutschen Kauf­manns in Manila, den die Hamb. Nachr. veröffentlichen, werden Eizelheiten über die Scheußlichkeiten berichtet, welche die Spanier gegen gefangeneVerdächtige" nicht etwa schon der Theilnahme an dem Aufstande Ueberführte verüben: Unter den Festungswerken von Santiago befindet sich ein kleiner ummauerter Raum, der durch ein einziges Loch an der Decke Licht und Luft erhält. In diesen Behälter wurden 59 Gefangene heruntergelassen und vorgeblich um Schutz gegen den Regen das Loch verschlossen. Als der Regen aufhörte, wurden die Leichname von 59 Erstickten hervorgezogen. Um aus den Verdächtigen Geständnisse herauszupressen, sind Daumenschrauben, spanische Stiefel, alle mittelalter­lichen Erfindungen dieser Art wieder an der Tages­ordnung. In Nueva Ecija sollen Gefangene ertränkt worden sein, um die Mühe des Transports nach Manila zu sparen. Dcportirten wurden von den sie bewachenden Soldaten alles von Geldwerth genommen. Da die Gefangenen am Bestimmungsort frei gelassen werden und sich ihren Unterhalt selbst suchen müssen, werden die meisten wohl jämmerlich verkommen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 22. Dec.

* Absender von WeihnachtSpacketen seien darauf aufmerksam gemacht, daß am ersten Weihnachtsfeiertage im ganzen Deutschen Reiche die Landpostbestellung ruht. Man gebe also nach dem Lande bestimmte Sendungen so auf, daß sie noch am 24. December bestellt werden können.

* Alle im Jahre 1893 ausgestellten Quittungs­karlen der Jnvaliditäts- und Altersversicherung werden ungiltig, falls sie nicht bis zum 31. December zum Um­tausch vorgezeigt werden. Nach § 104 des Jnvaliditäts- und Altcrsversichcrungs-Gesetzes verliert eine Quitlungs- karte ihre Gültigkeit, wenn sie nicht bis zum Schlüsse des dritten Jahres, das dem am Kopfe verzeichneten Jahr, also dem Jahr der Ausstellung, folgt, zum Um­tausch eingereicht worden ist. Der Umtausch der Karte muß erfolgen, auch wenn sie noch nicht mit Marken ge­füllt ist, denn nach dem Gesetz ist Jeder berechtigt, zu jeder Zeit auf seine Kosten die Ausstellung einer neuen Quittungskarte gegen Rückgabe der älteren Karle zu verlangen und ist auch sogar von diesen Kosten befreit, falls die Karte mit mindestens 30 Marken gefüllt ist.

Die Zahl der Weihnachtsurlauber im Soldaten- standc soll dieses Mal ein besonders große sein. Auf Befehl des Kaisers wird angeblich beim Gewähren von Urlaub den Anträgen soweit wie irgend möglich Folge gegeben werden.

* Am l. Januar k. J. tritt der durch Reichsgesetz vom 6. August d. I. (R.-G.-Bl. Seile 786) dem §33 der Gewerbe-Ordnung neu hinzugefügte Absatz 5 in Wirksamkeit. Nach dieser Gesetzesbestimmung bedürfen von dem genannten Zeitpunkt ab alle Vereine, welche den gemeinschaftlichen Einkauf von Lebens- und Wirlh- schaftsbedürfnissen im Großen und deren Absatz un Kleinen zum ausschließlichen oder hauptsächlichen Zweck haben, einschließlich der bereits bestehenden, sofern die­selben Gastwirthschaft, Schankwirthschast oder Spiritus betreiben, wenn auch nur in der Beschränkung auf den KreiS ihrer Mitglieder, der Concession, worauf wir derartige Vereine und Gesellschaften aufmerksam machen.

Das Reichsgericht hat neuerdings den Unter­schied zwischen Handwerk und Fabrik fcstgestellt. Die bisher herangezogene, jedoch nur beispielsweise aufzu-

fassende Scheidung zwischen fabrik- und handwerksmäßiger Arbeit, welche das Unfallversicherungs-Gesetz ausgesprochen hat und welche als Gesichtspunkt der Scheidung eine gewerbsmäßige, von mindestens zehn Arbeitern aus­geführte Be- und Verarbeitung von Gegenständen" fest­hält, ist, wie jedes praktische Beispiel lehrt, absolut falsch, da die Grenzen vollkommen verschwommen erscheinen. Auch die Aufassung, für fabrikmäßige Arbeit die Be­nutzung der Maschine als entscheidendes oder milent- scheidendes Kriterium hinzustellen, ist aus demselben Grunde falsch, da niemals die Grenze zwischen Maschine und Werkzeug festgestellt werden kann und selbst die Einfügung der motorischen Maschine in den Betrieb nicht stichhaltig ist, da deren Arbeits- oder HandarbeitS- kraft auch für das Endresultat, das Fabrikat vollkommen Indifferenz ist. Das Reichsgericht hat daher einen anderen Grundsatz festgestellt und dieser ist dieArbeits­theilung". Arbeitet der producirende Arbeiter allein an der Fertigstellung des Werkes, so ist Handwerk vorliegend, arbeiten jedoch verschiedene Arbeiter zur Fertigstellung, jeder nur an einem Theile des Fabrikates, so ist das eineFabrikthätigkeit".

* Am Samstag Morgen gegen 10 Uhr Überfuhr der Personenzug bei Stein 76 ein junges Frauenzimmer, welchem der Kopf und ein Arm abgefahren wurde. Die Selbstmörderin wurde als die 18 Jahre alte Tochter des Tagelöhners Schäfer von hier erkannt. Andauernde Kränklichkeit und fortgesetzte Mißhandlungen seitens ihrer Angehörigen haben die Unglückliche zum Selbstmord getrieben.

Elm. Am Samstag Abend hat auf dem Bahnhöfe Elm ein Zusammenstoß zweier Güterzugs-Lokomotiven stattgefunden. Die eine wollte zur Vorspannleistung anfahren, gerieth aber in Folge irriger Beobachtung des Weichenstellungssignals statt aufs Haupt- auf ein todtes Geleise, welches zum Maschinenschuppen führt und wo die andere Maschine stand. Es entstand nur einiger Materialschaden.

Ulmbach. Gestern brach in dem vor einem Jahr neu erbauten Wohnhaus eines Schreiners Feuer aus, welches auch die angrenzende Scheuer ergriff und beide Gebäude in Asche legte. Es wurde nur wenig gerettet.

Vom Vogclsberg, 19. Dez. Der nördliche Theil der Provinz Oberhessen wird seit einiger Zeit von mehreren Hausircrn bereist, die angeblich aus Aachen sind und in der Gegend eine Manufaktur-Niederlage haben. Mit ihren Stoffen ziehen sie dann von Ort zu Ort. Wer für 15 Mark Waare nimmt, kann sich weitere Stoffe bis zum Werthe von demselben Betrage alsGratisgabe" auswählen. Wie derDarmstädt. Ztg." versichert wird finden die Leute bei der Landbevölkerung zahlreiche Ab­nehmer. Gleichzeitig lassen sich dieselben von den Käufern ein Schriftstück unterschreibe,', worin ihr fernerer Besuch gewünscht wird. In einer Gemeinde sollen mindestens für 300400 Mk. Stoffe gekauft worden sein. (Gewisse Leute werden nicht alle!) Die in der Gegend ansässigen Geschäftsleute sind begreiflicherweise von der Sache wenig erbaut, zumal in diesem Falle alles baar bezahlt wird, während sie oft auf Jahr und Tag Kredit gewähren müssen.

Fulda, 17. December. Recht erfreuliche Aussichten für die Gläubiger bietet die Schlußvertheilung im Concursverfahreu des Kaufmann H. Schmerbauch hier- sclbst, welcher sich im Anfang dieses Jahres während einer Zeitlang auchZeitungs-Verleger" nennen konnte (er gründete dieBebracr Zeitung"). Nach der Be­kanntmachung des Konkurs-Verwalters steht den Passivas iu Höhe von 9730 Mk. 24 P'g. eineMasse" von 438 Mk. 64 P g. gegenüber, von welcherSumme" jedoch die Kosten des Conkursverfahrens noch in Abzug zu bringen sind, sodaß die Gläubiger höchstens 3 4 Procent ihrer Forderungen erhalten werden.

Bebra, 17. Dez. Ein bedauerlicher Unfall ereilte am Sonntag in dem benachbarten Dorfe Rockensüß die Dienstmagd Emilie Mohr des Landwirths Funk. Das Mädchen traf bei einer Beschäftigung mit einem beim Putzen der Pferde beschäftigten Knecht im Pferdestalle zusammen, wobei sich erstere dem Knecht gegenüber einen Scherz erlaubte, indem sie eine kritistrende Bemerkung bezüglich des Pferdeputzens machte. Der Knecht, hierüber erbost, schleuderte die eiserne Strigel gegen das Gesicht des Mädchens, sodaß ihr das rechte Auge vollständig zerschmettert wurde. Die Bedauernswerthe wurde durch ihren per Draht herbeigerufenen Vater in die Klinik nach Göttingen gebracht.

Homberg, 19. December. Ein seltenes Jubiläum begeht der hiesige Bürgermeister Winter am kommenden Neujahrstage. An diesem Tage sind es nämlich 60 Jahre, daß dieser Herr das Amt eines Bürger­meisters in der hiesigen Stadtgemeinde bekleidet. Von den städtischen Behörden sind bereits Vorbereitungen ge­troffen worden. Möchte der greife Jubilar den Jubel­tag in voller Rüstigkeit feiern.

Frankenberg, 15. Dezember. Die Corbacher Zeitung schreibt: Die Verwaltung der Stadt Frankenberg hat die Absicht, die vor den Thoren der Stadt befind­liche Wasserkraft der Eber dem Allgemeinwohl nutzbar zu machen, und zwar durch die Anlage eines Elcktrizitäts- werkes. Es soll dadurch eine brillante Stadtbeleuchtung und eine billige Arbeitskraft für die Gewerbetreibenden geschaffen werden. Am nächsten Mittwoch begibt sich

zu diesem Zwecke eine Kommission von Frankenberg nach Corbach, um die dortigen elektrischen Anlagen in Augen­schein zu nehmen.

Marburg, 14. Dezember. Am Sonnabend langte aus einem ungefähr neun Stunden entfernten Walde bei Frankenberg ein Wagen voll Weihnachlsbäume hier an. Als man die Bäume ablaben wollte, sprang ein Fuchs zwischen denselben heraus und auf die Straße. Erst gestern Vormittag während des Gottesdienstes ge­lang es einem Marburger Nimrod, den von der Straßen- jugend verfolgten Meister Reinecke mitten in der Stadt zu schießen.

Wiesbaden, 18. Dez. Aufsehen erregt der Selbst­mordversuch eines 12jährigen Knaben, der gestern Abend hier vorgekommen ist. Der Volksschüler Bremser, Sohn eines Taglöhners in der Hellmundstraße, hatte einen Christbaum entwendet. Dies wurde entdeckt und der Baum ihm abgenommen. Nun drohte ihm eine Frau, jedenfalls in der Absicht, dem jugendlichen Lang­finger Angst zu machen, und ihm für die Zukunft die Lust nach fremdem Eigenthum zu vertreiben, mit Anzeige in der Schule. Dies muß den Knaben derart in Auf­regung versetzt haben, daß er einen Revolver, den sein Vater merkwürdiger Weise geladen offen in seiner Tisch- schublade liegen hatte, ergriff und sich damit Schüsse in den Kopf beibrachte. Die Verletzungen sind lebens­gefährlich. Der Junge wurde in das städtische Kranken­haus gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt.

Vermischtes.

Eine Uhr, die nur alle 40 Jahre aufgezogen zu werden braucht, hat der Chicagoer Juwelier Campbell construirt. Die Uhr hat 15 Zoll Durchmesser und wiegt 75 Pfund; sie ist so eingerichtet, daß das Rad, um welches die Feder läuft, sich erst in 2'/r Jahren einmal herumdreht. Das nächste Rad, auf welches das Feder- rad die Kraft überträgt, braucht ein Jahr zu einer ein» maligenDrehung um seine Achse, und so geht das weiter bis hinab zu den Rädern, deren Drehungen die Stunden und die Minuten anzeigen.

Er fragt noch. Abraham :Komm 'rein, MoseS, der Klapperstorch hat Dir ein Brüderchen gebracht!" Moses:Auch einer von unsre Lait, Vaterleben?"

Kürzeste Definition. Frau:Sag einmal Männchen, was ist dennSkat" für ein Spiel? Mann: Ach liebes Kind, das ist sehr einfach. Man kriegt jedesmal 10 Karten, dann kriegt man 2 Stunden Grob­heiten und dafür zahlt man schließlich noch einige Mark baares Geld zu.

Revanchirt. Krämer:Wie kommen Sie dazu, mir für ein bestelltes halbes Kilo Fleisch nur 400 Gramm zu schicken und doch 500 Gramm bezahlt zu nehmen?" Fleischer:Ja, das weiß ich nicht; ich hatte eben kein 500 Grammgewicht bei der Hand und legte dafür ein Pfundpacket von Ihrem Thee auf die Wage."

Beneidenswerthe Situation.Sie haben's aber gut da oben, Herr Dachdecker."Glauben S', daß das a Vergnügen is den ganzen Tag auf die Dächer umherz'krabbeln?Aber sicher sein S' wenigstens vor die Radfahrer!"

Markt- und Handelsnachrichten.

Frankfurt, 21.£>ntmbtr. Der heutige Viehmarkt war mit 418 Ochsen, 34 Bullen, 871 Kühen, Stieren und Rindern, 329 Kälber», 531 Hämmeln u. 1418 Schweinen befahren. Die Preise stellten stch wie folgt: Ochsen i. Qual. Mark 65-67, 2. Qual. 56-60, Bullen 1. Qual. 50-52, 2. Dual. 46-48, Kühe, Rinder und Stiere 1. Dual. 52 -54, 2. Dual. 4046, Alle» per 100 Pfund Schlachtgewicht. Kälber 1. Dual. 5863 Pfg, 2. Dual. 50- 52 Ps., Hämmel 1. Oval. 58-60 Pfg., 2. Dual. 38-44 Pfg., «Schweine 1. Dual. 5455 Pfg., 2. Dual. 5253 Pfg. Alle» per 1 P'und Schlachtgewicht.

Frankfurt». M., 2t. Dezember. Hiefigr» Weizen 16,25 , Hiesiger Roggen 13,5013,75 Russischer 14,00 14,50 Hiesige Berste 15,00-17,00, Pfälzer 15,00 17,00 Hafer je nach Qualität hiesiger 11,75-12,50 Mark Alles per 100 Ktlo

Praktisch, gut und billig das ist das Ur­theil Aller, welche ein Universalblatt wie denPrak­tischen Wegweiser", von dem eine dritte Probc-Nr. der Stadtauflage unserer Zeitung beiliegt, ihrer Durchsicht unterziehen. Man sieht es, liest es, und bestellt es sofort auf der Post; denn 30 Pfg. für dieses Blatt hat Jeder übrig, der vernünftig genug ist, die große Bedeutung nützlicher Rathschläge für seine Wirth­schaft anzuerkennen.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

1. h. Weihnachtstag, den 25. Dezember 1896. Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hat tendorff. 2. h. Weihnachtstag, den 26. Dezember 1896. Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Heck. Sonntag, den 27. Dezember 1896. Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff. Wochendienst: Herr Superintendent Heck.

Katholischer Gottesdienst.

1. h. Weihnachtstag.

Bonn. 10'/a Uhr Herr Pfarrer Orth, Herolz.

2. h. Weihnachtstag,

Bonn. 10*/a Uhr Herr Pfarrer Orth, Herolz.

Sonntag Vorm. 101/« Uhr, Herr Pfarrer Orth, Herolz.