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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Jt« 103. Mittwoch, den 23. December 1896. 47. Jahrgang.

NM° Kitte, vergessen Sie nicht,W

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Amtliches.

J.-Nr. 8938. Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh in Steinau ist erloschen. Die Sperr- maßregeln sind aufgehoben.

Schlächtern, den 22. Dezember 1896.

Der Königliche Landrath: i. V. Goerz.

Weihnachten.

Eine festtägliche Stille ruht auf der Bühne des sonst so ruhelosen politischen Welttheaters. Was wir heute von ihren Szenen melden können, ist nur noch eine Nach­lese der letzten Tage, arm und dürftig wie selten. Das sinnigste und gemüthvollste Fest des ganzen Jahres nimmt alle Geister gefangen, zwingt alle zu seinem Kultus und es scheint fast, als ob die große weltbewegende politische Maschine sich selber einige Tage der Ruhe gönnen wollte. Alle Parlamente haben sich vertagt, die Diplomaten und Beamten, die Bürger und Bauern kurzum alle, alle bringen den idealen Bedürfnissen des Herzens, dem idyllischen Familienglück und der stillen Gemüthserbau­ung im häuslichen Kreise der Lieben ihren Tribur.

Es steht der Presse nicht gut zu Gesicht, wollte sie die religiöse Seite des Festes zum Gegenstand der Be­sprechungen machen; wir wissen sehr wohl, daß dabei oft die beste Absicht verkannt, daß sich dadurch manche'" Leser verletzt fühlt; aber gerade das Weihnachtsfest hat neben seiner kirchlichen Bedeutung auch eine hohe familiäre und sittliche, und an diese beiden wollen wir anknüpfen.

Schon unsere heidnischen Altvordern feierten zu Be­ginn des Winters das Julfest, das Fest der Sonnen­wende; wenn auch die stärkere Kälte erst nach diesem Feste eintrat, so kehrte mit ihm doch, wenn auch nur allmählich, das Helle Sonnenlicht zurück; diese Wieder­kehr des allbelebenden Lichtes fand in dem Julfest seine Feier und ihre freudige Bedeutung war im Volksbe­wußtsein so festgewurzelt, das Verlangen nach Licht war im deutschen Volke stets ein so reges, daß die christliche Kirche späterhin den Geburtstag Jesu auf diesen Tag setzte, um auch damit symbolisch anzudeuten, daß in ihm dasLicht der Welt" aufgegangcn sei.

Obwohl der religiöse Kern gewechselt, und das Fest eine erhabenere Bedeutung gewonnen hat, so ist doch der äußere Charakter des Weihnachtsfestes, die allgemein ge­hobene Feierstimmung, die naive, herzerquickende, sinnig- wonnige Festfreude, derselbe geblieben.

Die Tage des herrlichen Weihnachtsfestes sind wieder herangekommen. Liebe und Freundschaft wetteifern mit einander, um anderen Freude zu bereiten; geheimnißvoll war das Schalten und Walten in allen Familien während der letzten beiden Wochen; ein Jeder hatte seine Heim­lichkeiten, seine streng zu behütenden Ucberraschungen; die Summe der angesammelten Liebesbeweise ergießt sich heute über Jung und Alt und schafft auch aus der ärmsten Hütte einen Tempel der reinsten Freude, die von Gebern und Empfängern gleichmäßig empfunden wird. Und die Freude macht auch gute Menschen; sie schmilzt manche harte Herzensrinde, versöhnt so manche Gegensätze, die man für unversöhnlich ansah; sie öffnet manches Herz, das schon für verknöchert galt, und macht es hilfsbereit und freigebig. Die Freude bringt alle Stände einander näher und äußert sich also auch nach der socialen Rich­tung in segensreicher Weise; so mancher Tropfen Neid und Unzufriedenheit, der allmählich den ganzen Menschen zu vergiften droht, verfliegt und giebt den Gesinnungen und Ansichten wieder Raum, auf deren Herrschaft die Ordnung der ganzen gesitteten Welt beruht.

In dem Sinne, daß das Fest seinen veredelnden Einfluß auch nach jener Richtung in recht weitem Um­fange ausübe, rufen wir unseren Lesern freudig zu:

Frohe Feiertage!"

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat Sonnabend einem Herrn- feste beigewohnt, welches das Osfizierkorps des Garde-

Füsilier-Regiments veranstaltet hat. Anwesend war auch u. A. der greife Feldmarschall Graf Blumenthal.

Die Kaiserin Friedrich ist nach Kiel zum Besuch des Prinzen Heinrich gereift. Von Kiel gedenkt die Kaiserin zu längerem Aufenthalte nach Berlin zu kommen.

Meldungen in Berliner Blättern über eine Artillerievorlage sind nur durch unerhörten Vertrauens­bruch veröffentlicht worden. Die Mitglieder der Budget- Commission des Reichstages waren verpflichtet, nicht einmal den eigenen Fraktionen Mittheilungen zu machen.

Bremen, 15. December. DasKleine Journal" er­fährt aus Bremen: DerSalier" ist, wie nunmehr fest- gestellt werden konnte, gegen drei Uhr morgens infolge der Brandung an eine Klippe geworfen, dadurch zer­schmettert und zum sofortigen Sinken gebracht worden. Ein Bruder des dritten Offiziers des Schiffes, Gehrels, der seiner Zeit auf derElbe" als Arzt stationirt war, ist mit demselben gleichfalls untergegangen.

Spandau. Ein beim Militär wohl noch nicht vor­gekommener Betrugsfall hat sich bei einem Truppentheil in Spandau zugetragen. Am 1. November d. I. trat beim 3. brandenburgischen Trainbataillon ein 20jähriger Kaufmann Namens Fränkel aus Berlin als Einjährig- Freiwilliger ein. Er wies alle dazu erforderlichen Papiere aus, aber war mit Geld nur sehr schwach ver­sehen. Er behauptete, Geldsendungen für ihn würden bald eintreffen. Die Kosten der Equipirung, 300 Mk., legte der Vorgesetzte Wachtmeister aus. Der Einjährige, der, wie alle seine Kameraden, außerhalb der Kaserne in Privatlogis wohnte, fand allenthalben in der Stadt leicht Kredit: so bei seiner Wirthin, verschiedenen Restau­rateuren und anderen Gewerbetreibenden, ferner auch bei den reichlich mit Geldmitteln ausgestattcten übrigen Ein­jährigen. In voriger Woche sollte er aber, da sein andauernder Geldmangel ausgefallen war, und Geld­sendungen für ihn immer noch nicht eingetroffen waren, vor dem Hauptmann erscheinen. Dieser Begegnung ging er indeß aus dem Wege. Er lieh kurz vorher noch von einem Einjährigen 20 Mk. und ist seitdem verschwunden. Der davon benachrichtigte Vater erschien und erklärte, er habe keine Mittel, um für seinen Sohn eintreten zu können. Er habe ihm zwar attestirt, daß er für die Kosten des einjährigen Dienstes aufkommen würde; sein Sohn habe ihm aber stets gesagt, er würde mit Ableistung der Dienstzeit bis zum letzten Termin, dem 25. Lebens­jahr, warten, bis zu welcher Zeit er selbst so viel ver­dient haben würde.

Hamburg. Nach den vorliegenden Nachrichten ist der Hasenarbeiterstreik in Hamburg als beendet anzusehen, da die Mehrzahl der Arbeiter in Uebereinstimmung mit der Forderung des um seine Vermittelung angerufenen Senats, am Montag, so weit möglich, die Arbeit auf­nehmen werden. Den Kampf auf die Dauer fortzuführen, mußte den Arbeitern schwierig, ja unmöglich werden, da die erhofften Unterstützungen aus England und Amerika ausblieben, während die Arbeitgeber schon aus England eine Anzahl Ersatzarbeiter herangezogen und noch ganz und gar nicht durch den Ausstand erschöpft waren. Der Senat wird es übernehmen, die Ent­stehung des Streikes zu untersuchen, etwaige Mißstände, namentlich in Bezug auf die Lohnsätze und Arbeits- daucr zur Sprache zu bringen.

Köchen, 13. Dez. Eine Verwechslung soll sich der K. Ztg." zufolge bei der Taufe zweier Kinder ereignet haben. Die Hebamme hatte die Täuflinge der betreffenden Familien zur Kirche gebracht und dem den Taufakt voll­ziehenden Geistlichen durch ein Versehen insofern nicht zmrcsfcnde Angaben gemacht, daß sie den Knaben als Mädchen und umgekehrt das letztere als Knaben be­zeichnete. Auch von den Taufzeugen war der Irrthum nicht bemerkt worden, und erst als man zu Hause an- gekommen, der Mutter des Knabenzum strammen Mädchen" gratulirte, klärte sich die Sache auf. Selbst­

UM" Des hl. Wrihnachtssestes wegen erscheint die nächste Nummer

verständlich muß nun der Taufakt nochmals vor sich gehen.

Erfurt, 19. December. Hier tritt die Influenza der Pferde in geradezu verheerender Weise auf und alle dagegen ergriffenen Mittel haben sich bisher als wirkungs­los erwiesen. In 2 Tagen sind einem einzigen Pferde- besitzer drei Thiere verendet.

Bei einer Jagd, die kürzlich in der Nähe von Rudolstadt abgehalten wurde, kam einem der Theil- nehmer ein Rehbock in Schußweite. Im Moment des Schusses erhielt der Jäger einen gewaltigen Stoß in den Rücken, der in sofort zu Boden warf. Nachdem sich der Gestürzte mit Mühe wieder erhoben, sah er zu seinem Erstaunen hinter sich ein Reh mit gebrochenem Genick liegen. Dasselbe war in wilder Flucht auf den Jäger gestoßen und hatte sich dabei den tödtlichen Bruch geholt.

Aus Wittenberg berichtet man: Hauptmann Köls von der vierten Compagnie des 20. Regiments, früher bei der Luftschifferabtheilung, ist von seinem Burschen durch einen Schuß aus einem Jagdgewehr schwer ver­wundet worden. Der Bursche, der in dem Dorfe Crop- stedt ortsangehörige Musketier Schütze, welcher im zweiten Jahre dient und bei der Compagnie seines heiteren Temperamentes wegen wohl gelitten ist, sollte vielfacher Trunkenheit wegen abgelöst und mit Arrest bestraft werden; er soll geäußert haben, daß er erst seinen Hauptmann, dann sich selbst erschießen wolle. Die letzte Ursache der Katastrophe, die keine Zeugen halte, ist uoch nicht bekannt. Der Schuß traf den Hauptmann in die Schulter, aus der die Kugel herauS- geschmtten worden ist. Der schwer, aber nicht lebens­gefährlich Verletzte hat Ausnahme im Garnisonlazareth gefunden. Der Bursche, der sich nach der That ein« prügelt hatte und jeden Eindringenden zu erschießen drohte, ist von einer Patrouille überwältigt nnd in j Untersuchungsarrest abgeführt worden.

Krouenberg b. Elberfeld, 18. December. Ein Un­glück ereignete sich gestern in der Werkzeugfabrik von Fritz Jbach zu Breitenbruch. Der 14 Jahre alte Schleiferlehrling Nikolaus Weyersbach wollte an einem Tags zuvor neu eingesetzten großen Schleifsteine arbeiten. Kaum hatte er denselben in Bewegung gesetzt, so sprang der Stein mit einem lauten Knall auseinander. Als sich die anderen in der Nähe befindlichen Arbeiter vom ersten Schreck erholt hatten und nach der Unglücksstelle liefen, war Weiyersbach verschwunden; ein großes Loch in einer Fachwerkwand aber zeigte, wo er geblieben war : ein großes Stück des Schleifsteins war ihm vor die Brust geflogen, hatte ihn mit sich gerissen und ihn dann durch die Wand gedrückt. Der junge Mensch lag, gräßlich verstümmelt, in einem Nebenraume todt auf einem Fasse.

Mainz, 17. Dez. Gegen die Erdrückung durch die Riesenwaarenhäuser sind in einer Reihe von Städten die Geschäftsleute mit Energie gemeinsam vorgegangen. In Mainz macht jetzt die Metzgerinnung damit den Anfang. Dieselbe fordert in einem Cirkular ihre Mit­glieder und deren Frauen auf, ihre Weihnachtseinkäufe bei den gediegenen Mainzer Kaufleuten und Handwerkern zu besorgen.Sind wir Metzger", heißt es in dem Cirkular,auch nicht direkt geschädigt durch diese neu- auftauchenden Riesenwaarenhäuser, welche viele unserer hiesigen strebsamen Geschäftsleute ruiniren und die Taschen auswärtiger Großspekulanten füllen, so dürfen wir doch grundsätzlich ich für keinen Pfennig bei denselben einkaufen." Das Mainzer Journal hofft, daß sich bald noch andere Vereine und Berufsarten diesem Vorgehen im Interesse der gesammten Mainzer Geschäftswelt anschließen werden. (Auch für andere Städte zu empfehlen! Die Red.)

Aschaffenburg, 17. December. Heute Nachmittag um 4 Uhe wurden die bei der Katastrophe in der Kromer'schen Zündstofffabrik tödtlich Verunglückten be­stattet. Die bis jetzt Verstorbenen sind Mädchen und haben ein gemeinsames Grab erhalten. Die Beerdigung erfolgte auf Kosten der Stadt, die durch den gesammten Magistrat und die Stadtverordneten vertreten war. Der Bürgermeister legte im Namen der Stadt unter herzlichen Worten der Theilnahme einen Kranz nieder. Der Pfarrer, welcher die Einsegnung vornahm, widmete gleichfalls den Verblichenen einen ehrenvollen Nachruf. An dem Trauergefolgc betheiligte sich speciell die Geist­lichkeit, Vertreter des OfficierkorpS sowie der staatlichen

den 30. December er.