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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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Samstag, den 19. Dcccmicr 1896.
47. Jahrgang.
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Die Expedition der „Schlüchterner Zeitung."
Deutsches Reich.
Berlin. In der kaiserlichen Familie wurde am Donnerstag der Geburtstag des am 17. Dezember 1890 geborenen Prinzen Joachim gefeiert. Mit ihm begeht auch noch sein Vetter, Prinz Friedrich Sigismund, ältester Sohn des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold, seinen Geburtstag. Letzterer ist ein Jahr jünger als Prinz Joachim. Aus fürstlichen Familien ist von diesem Tage auch noch der Geburtstag der Königin Elisabeth von Rumänien zu verzeichnen.
* — Nach dem Entwurf der Städteordnung, wie er gegenwärtig der Commission verliegt, soll die Stadt- verordneten-Versammlung in Städten von nicht mehr als 2500 Einwohnern aus 12, in Städten mit 2500 bis 5000 Einwohner aus 18 Mitgliedern bestehen, der Magistrat aus dem Bürgermeister und in Städten bis 2 500 Einwohnern 2 Schöffen, in Städten mit 2 500 bis 10000 Einwohner 4 Schöffen.
• — Der Kommission zur Vorberathung derStädte- und Landgemeinde-Ordnung für Hessen-Nassau gehören folgende Abgeordnete an: von Kröcher, Vorsitzender; Spähn, Stellvertreter; von Baumbach, Dr. Beckmann, Jsenburg, v. Pappenheim-Licbenau, Dr. Schilling, Winckler, v. Christen, v. Tepper-Laski, Zimmermann, Bauer, Hofmann, Jungheun-Hanau, Dr. Lotichius, Cahensly, Dasbach, Hobler, Kircher, Dr. Lieber und Jäckel.
• — Wie stark die Jnvaliditäts- und Altersversicherung die Mittel des Reiches bereits in Anspruch nimmt und wie groß dir jährliche Steigerung dieses Anspruches ist, zeigt folgende Zusammenstellung. Der Zuschuß, den das Reich zu den auf Grund des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgefetzes zahlbaren Renten in Höhe von 50 Mk. für jeden Rentenempfänger zahlt, ist ausgesetzt im Etatsjahr 1894/95 auf 13,96 Mill. Mark, 1895/96 auf 15,3 Mill. Mark, 1896/97 auf 17,97 Mill. Mark, 1897/98 auf 21,3 Mill. Mark. Die Zunahme gegen das Vorjahr beträgt hiernach im EtatSjahr 1897/98 rund 3,33 Mill. Mark gegen 2,66 und 1,35 Mill. Mark in den beiden Vorjahren. Nach den statistischen Unterlagen, die seiner Zeit bei der Einbringung des Gesetzentwurfs gegeben sind, wird im Jahre 1901/02 der Zuschuß sich bereits auf etwa 38,6 Mill. Mark und später selbst unter Zugrundelegung der Volks- zahl vom Ende der 80er Jahre bis auf 68 Mill. Mk., vermuthlich also bei der starken Zunahme der Bevölkerung noch weit höher steigen.
* — Ueber die Gehaltserhöhungen für Beamte der preußischen Eisenbahnverwaltung erhält das „Berl. Tgbl." nachstehende Mittheilungen. Es sollen vom 1. April ab nach der Regierungsvorlage erhalten: Präsidenten der Eisenbahndirektionen 12 000 Mk. (früher 10 000 M.). Mitglieder der Eisenbahndirektionen 4200—7200 Mk. (früher 4200—6000 Mk.) in 15 Jahren. Vorstände der Betriebs-, Maschinen-, Werkstätten-, Telegraphen-, VerkehrSinspektionen 3600—6300 Mk. (früher 3600 bis 5400 Mk.) in 15 Jahren. Hauptkassenrendanteu 6000 Mk. (früher 4800 Mk.). Vorstände des Rech- nungSbüreaus 4200—5400 Mk. (früher 4200—4800 Mk.) in 6 Jahren. Hauptkassenkassirer 3000—4200 Mark (früher 3000—3600 Mk. in 9 Jahren. Be- triebskontroleure 2700—4200 Mk. (früher 2700 bis 3600 Mk.) in 12 Jahren. Eisenbahnsekretäre, Kassen- revisoren, Rechnungsrevisoren, Bahningenieure 1800 bis 3600 Mk. in 24 Jahren. Güterexpeditionsvorsteher und Stationskassenrendanten 2400—4200 Mk. (früher 2400—3200 Mk.) in 12 Jahren. Stationsvorsteher 1. Klasse 2100—4200 Mk. (früher 2100—3200 Mk.) in 12 Jahren. Stationsvorsteher 2. Klasse, Stationseinnehmer und Güterexpedienten 1800—3200 Mk. (früher 1800—2600 Mk.) in 18 Jahren. Betriebs- sekretäre 1500—3000 Mk. (früher 1500—2700 Mk.) in 21 Jahren. Bureauassistenten, StationSverwalter
Miethe für 20 000 Mk. im fürstlich Blücher'schen Palais.
Berlin, 14. December. Vier Menschenleben hat eine Explosion in einem Laboratorium auf dem Grundstücke Speuerstraße 23 zu Moabit gefordert. Der Inhaber des Laboratoriums, Georg Jsaac, ein Sohn des Stadtraths Jsaac zu Charlottenburg und früherer Verleger der dortigen „Neuen Zeit" und drei Arbeiter sind getödtet und vollständig in Stücke gerissen worden.
Essen a. R., 14. December. Die „Rh.-Westf. Ztg." meldet: Gestern Nachmittag 5 Uhr brach in der Kohlenaufbereitungsanstalt der im Besitze der Dortmunder BergbaugesellschaftbefindlichenZeche„General" Feuer aus. Die Anstalt nebst Kohlenwäsche ist gänzlich abgebrannt. Auch ein Förderschacht wurde vom Feuer ergriffen und vernichtet. Die Seilscheiben mit Kabel und eine kleine Fördermaschine stürzten in die Tiefe. Die Wasserhaltung ist gestört, so daß die Gefahr des Versaufens vorliegt. Arbeiter waren nicht in der Grube. Die Pferde, 30 an der Zahl, konnten sämmtlich herausgeschafft werden.
— Eine interessante Entscheidung fällte dieser Tage das Landgericht in Karlsruhe in Civilsachen. Bei einem Konkursverfahren war eine Lebensvcrsichcrungs- police über 10000 Mk. für 5 Mk. erworben und, da der Versicherte bald starb, die Summe auch eingezogen worden. Da die in bitterster Noth lebenden Hinterbliebenen von dem Policeninhaber nichts erhalten konnten, so strengten sie einen Prozeß an. Das Urtheil lautete, der Inhaber der Police habe keinen Rechtsanspruch an die Versicherungssumme, sondern habe sie nach Abzug seiner thatsächlichen Auslagen zurückzuerstatten.
— Eine angenehme Erbschaft fiel dem Städtchen Kanderu in Baden zu. Einer ihrer ältesten Einwohner, der dieser Tage im Aller vou 91 Jahren starb, setzte die Stadt als Univcrsalerbin seines etwa 400 000 Mk, betragenden Vermögens ein. Nur an 40000 Mark hat die Stadt davon als Legate herauszubezahlen.
Metz. Ein wichtiges Glied in der Kette der Germantsirung tritt in jüngster Zeit in Metz zu Tage. Ein großer Theil der Hausbesitzer zog nach dem Kriege nach Frankreich, ohne das Grundeigenthum zu veräußern, weil man annahm, daß die Einverleibung Elsaß-Lothringens in Deutschland nur vorübergehend sein und daß man nach einigen Jahren wieder in die alten Verhältnisse zurückkehren werde. Seit man sich in dieser Erwartung getäuscht sieht, suchen die Herren ihr Eigenthum zu verkaufen. So sind in Jahresfrist nicht weniger als 236 Häuser in den Besitz von Deutschen übergegangen. Metz nimmt demnach auch in dieser Hinsicht immer mehr den Charakter einer deutschen Stadt an. Die alteinheimische Bevölkerung befindet sich bekanntlich schon seit mehreren Jahren in der Minderheit.
Aschaffenburg, 16. December. In dem Hauptraum der electrischen Zünderfabrik von Kromer fand gestern Abend eine Explosion statt, welche das ganze Gebäude zerstörte. Von den in dem Raum befindlichen Arbeiterinnen wurden 8 getödtet, die übrigen 7 erlagen bald nach dem Transport in das Krankenhaus ihren Verletzungen. Von sieben im Nebenraum beschäftigten Arbeiterinnen erlitt eine tödtliche Verletzungen; die übrigen sind mehr oder minder schwer verwundet. Von 3 außerdem in der Fabrik befindlichen Arbeitern wurde einer getödtet, die beiden anderen schwer verletzt. Die Ursache der Explosion ist bisher noch nicht festgestellt, da alle in dem Hauptraum befindlich gewesenen Personen getödtet sind.
Gieße», 15. December. Hier wurde von der Polizei eine Falschmünzer-Werkstatt entdeckt. Verhaftet wurde ein Schuhmacher Prescher, dessen Mutter und dessen Onkel, sowie ein junger Mensch, der die falschen Einmarkstücke auszugeben versucht hatte. Eine Anzahl fertiger und halbfertiger Einmarkstücke fand sich in der Wohnung der Verhafteten vor.
und Stationsassistcnten 1500—2700 Mk. (früher 1500 bis 2200 Mk.) in 18 Jahren. Die Zeit, in der das Höchstgehalt erreicht wird, ist bei allen Categorien dieselbe wie früher.
* — Eine Umfrage über die Miethspreise der Arbeiter-Wohnungen ist vom Vorstände des Deutschen Buchdruckervereins verunstaltet worden. Aus den Mittheilungen der Magistrate geben wir folgende Wohnungspreise wieder, wobei die eingeklammerten Zahlen die Miethspreise in der nächsten Umgebung bedeuten: Münster 90—150 Mk., Marburg 150 (120) Mk., Barmen 150—220 (120—180) Mk., Magdeburg 180 (130) Mk., Crefeld 190-210 (180-200) Mk., Hannover 200—250 (100—150) Mk., Jserlohn 200 bis 300 Mk., Hamburg 200-360 (180—300) Mk., Gießen 240-250 (100) Mk, Elberfeld 240-270 Mk., Berlin 240-400 (180—330) Mk., Mülhausen i. E. 240—400 Mk., Frankfurt a. M- 250-420 Mk., Pirmasens 300 (120) Mk., Dortmund 300 (240) Mk., Thorn 300—400 (270—300) Mk., Stuttgart 300 bis 450 (220—300) Mk., Posen 300—480 (270-450) Mk , München 420 (350) Mk. Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß die Wohnungspreise sich keineswegs allein nach der Größe der Stadt richten, sondern auch durch andere Umstände beeinflußt werden. So sind danach in Berlin billigere kleine Wohnungen zu finden als in vielen anderen erheblich kleineren Städten.
— Was in Deutschland in Konkursen verloren wird ergiebt eine nach Berichten des Kaiserlichen Statistischen Amtes znsammengestcllte Verlustliste. Danach kamen im Jahre 1895 6361 Bankerotte vor; die Zahl der Gläubiger bclief sich auf 264 509, die Summe der Forderungen auf nahezu 225 Millionen Mark. Von diesen gingen 181 Millionen effektiv verloren, während die Aktiva insgesammt an 54 Millionen ausmachten und die Gerichts- und Verwaltungskosten etwa durchschnittlich 10 Prozent hiervon verschlangen. An dem Verlust ist Berlin allein mit fast dreizehn Millionen Mark betheiligt.
* - Für Nebengeschäfte in Apotheken, auch für eine ganz in den Rahmen ihres Berufs fallende Fabrikation, ist nach einer neuen, anscheinend generellen Verfügung die Nachsuchung einer Genehmigung erforderlich. Die „Pharm. Ztg." theilt eine allen Apothekern einer östlichen Provinz zugegangene Verfügung mit, wonach eine Genehmigung des Regierungspräsidenten nöthig ist für Nebengeschäfte wie Selterswasser-, Essig-, Verbandstoff- u. s. w. Fabrikation, für Schank- und Gastwirihschaft, Drogenhandel und dergleichen.
— Das neue Reichstagsgebäude ist bekanntlich ein so „geniales Kunstwerk", daß die Erbauer sich um seine praktische Brauchbarkeit wenig gekümmert haben. Man hat es fertig gebracht, ungeheuer viel Raum in hohen Hallen, Gängen, Corridoren zu verschwenden, die nothwendigsten Lokalitäten dagegen vergessen. Für den Direktor des Hauses hat man nachträglich mit Mühe und Noth eine Dienstwohnung aus einem großen Korridor hergestellt. Für eine Präsidial-Wohnung aber war schlechterdings in dem ungeheuren Steinhaufen kein Plätzchen zu erübrigen. Millionen über Millionen hat man in das Haus gesteckt, aber der Präsident muß zur Miethe wohnen. Jetzt hat die Regierung sich unter der Hand erkundigt, ob man nicht etliche Mill. für ein besonderes Präsidialgebäude neben dem „Reichshause" springen lassen möchte. Die Neigung scheint aber bei den meisten Parteien nicht sonderlich groß zu sein. So wird denn wohl nichts anderes übrig bleiben, als ein einfacheres Gebäude zu errichten. Von anderer Seite wird denn auch schon gemeldet, daß ein prunkloses Reichstags-Präsidial-Gebäude ohne Repräsentationsräume gegenüber dem Reichstagsgebäude mit einem Kostenaufwand bis zu 500 000 Mk. noch in dieser Session gefordert werden wird. Jetzt wohnt der Präsident zur
Ausland.
Petersburg, 16. December. Der persische Consul in Odessa bestätigte auf Grund von Berichten aus Teheran, daß der Schah im nächsten Frühjahr über Rußland nach Deutschland und Frankreich reisen wird.
Lokales und Provinzielles.
*^Schlüchtern, 18. Dec.
— Verliehen: dem Lehrer und Kirchendiener Kirft im Ramholz der Kantortitel.