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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
.M 100. Samstag, dc« 12. December 1896. 47. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. December. Es ist sehr bemerkt worden, daß der Kaiser sofort nach seiner Rückkehr den Chef des Berliner Polizeipräsidiums, Herrn v. Windheim, ins Neue Palais bei Potsdam befohlen hat. Es handelte sich bei dieser Audienz augenscheinlich um Aufklärungen über die Machenschaften des Herrn v. Tausch und die Stellung der politischen Polizei gegenüber dem Auswärtigen Amt. Das Staatsministerium plant übrigens angeblich eine gründliche Umwandlung der politischen Polizei.
Hamburg. 8. Dezember. Ein Anschlag am Staatsquai sichert allen morgen die Arbeit ausnehmenden Arbeitern auch den Lohn für die Streikzeit zu. Den Feiernden wird dagegen gesagt, daß sie niemals wieder an dieser Stelle Arbeit erhalten wurden. — Eine heute Abend stattfindende Bahnarbeiterversammlung wird Stellung zum Streik nehmen. Angeblich sind heute 175 000 Mark an Unterstützungen ausgezahlt worden. Es gehen große Beträge ein, die Blätter berichten von Beiträgen hiesig r Geschäftsleute in Höhe von 40000 und 25000 Mark. — Der „Hamb. Corr." theilt mit, daß von 179 im Hafen liegenden Dampfern 118 arbeiten mit 243 Gängen. Da es ungeübte Arbeiter sind, geht die Arbeit nur langsam vorwärts und die Güter häufen sich bedenklich an. — Der für Aufnahme von Ersatzarbeitern bestimmte Flußdampfer „Kaiser" ist Nachts plötzlich gesunken. Es wird ein Verbrechen vermuthet. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Trier, 8. Dezember. Am ersten December ist in feierlicher Weise bei Ocksen die Gründung der dort anzulcgenden staatlichen Weinberge vor sich gegangen. Der Regierungspräsident v. Heppe that persönlich den ersten Rebstock pflanzen und dadurch den großen Werth bekunden, welchen die Regierung der Neuanlage bevmßt. Es ist nur naturgemäß — so bemerkt die Triersche Z. — daß die mit großen Mitteln arbeitende Regierung bestrebt sein wird, in ihren Weinbergsanlagen Muster zu schaffen, welche den anderen Winzern zum Vorbild dienen können. Bei der einen Anlage in Ocksen wird es nicht bleiben, sondern an geeigneten Stellen der Mosel und Saar werden zweifellos weiter staatliche Weingüter entstehen, so daß der 1. December in gewissem Sinne für den Weinbau Rheinpreußens den Beginn einer neuen Acra anzeigt. Von Nassau hat 1866 Preußen große fiskalische Weinberge übernommen und es hat sich bei deren Bewirthschaftung gut gestanden. Es wird ganz gewiß auch bei der neu eingeschlagenen Wirthschafts- richtung an der Saar und Mosel nicht schlecht fahren und gleichzeitig den betreffenden Gegenden Wohlthaten zuwenden.
München. Wieder ein Opfer des Duellunfugs. Wahnsinnig wurde dieser Tage ein 24jähriger Student, Jurist, aus München in seine Heimath nach Bonn bc fördert. Wegen einer Lappalie mußte er sich auf Ausspruch des Ehrengerichtes hin mit einem Kollegen schlagen. Eine schlecht parirte Hochquart durchschlug die Schädeldecke, Blut ergoß sich in das Gehirn und er ist unrettbar dem Wahnsinn verfallen. Aber seine Ehre ist gerettet.
Karlsruhe. Ueber das Befinden deS siebzigjährigen GroßherzogS Friedrich von Baden bringt, die „K. Vztg."tief bedauerlich lautende Mittheilungen, die wie das Blatt versichert, von venraucnswerther Seite stammen sollen. Gegenüber den aussichtsvoll lautenden Karlsruher Hof- berichten wird in jenen Darlegungen behauptet, die Situation sei derartig, daß man sich schlimmerer Befürchtungen nicht entschlagen könne, da das operativen Eingriffen entrückte Uebel leider im Fortschreiten begriffen sei.
Erfurt, 9. December. In der vergangenen Woche- waren in der hiesigen königlichen Gewehrfabrik zwei Gewehre abhanden gekommen. Es ist nunmehr ermittelt worden, daß eine Ordonanz des hiesigen Militärkasinos die Gewehre entwendet und dieselben dem Dienstmann Hecker übergeben hat. Letzterer verkaufte ein Gewehr an den Gastwirth Möller hier; das andere versteckte er unser den Fußboden eines Auktionslokales an der Pilse. Der Soldat sowie Hecker sind verhaftet.
In WcißcnfclS bestehen jetzt 18 mechanische Schuhfabriken mit Kraftbetrieb, 20 mechanische Schuhfabriken ohne Kraftbetrieb, 4 Ausputzereien mit Kraftbetrieb, 18 Schaft- und kleinere Schuhfabriken ohne Kraftbetrieb 26 Schuhhandlungen, In den Fabriken werden
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 11. Dec.
* — Auf die Bckantmachung des Königl. Haupt-- stcucramtes Hanau im vorigen und heutigen Kreisblatt, betreffend die am 1. Januar einzuführenden Mieths - l i st e n machen wir unsere Leser hiermit aufmerksam, damit sie sich bei Zeit danach richten und vor Strafe schützen.
* — Eine große Sehenswürdigkeit wird in diesen Tagen auf nur kurze Zeit den Einwohnern unserer Stadt vor Augen geführt werden. In dem Saale der „Turnhalle" hier wird am Sonntag den 13, Montag den 14. und Dienstag den 15. d. Mts., wie aus dem Jnseratentheil unserer Nummer ersichtlich ist, ein außergewöhnlich künstliches Uhrwerk ausgestellt sein, dessen Ingangsetzung durch einen komplizirten, feinst durchgearbeiteten Mechanismus bewerkstelligt wird. Die großartige Uhr ist von dem Uhrmacher Wilhelm Martin aus Coblenz konstruirt. Wir können die Besichtigung der Uhr einem Jeden bestens empfehlen; die Anfertigung der Uhr war eine schwierige Arbeit, welche viel Geduld erfordert hat.
* — Um Entwendungen von Weihnachtsbäumen aus den Forsten, sowie den Handel mit solchen unredlich
1438 Arbeiter und 569 Arbeiterinen, in der Hausindustrie 923 Personen beschäftigt. 1 Betrieb beschäftigt 184 Personen, 8 Betriebe mehr als 100 und 8 Betriebe 50—100 Personen u s. w.
— Reisende Falschmünzer sind in Liegnitz verhaftet worden. Zwei Männer hatten sich in verschiedenen dortigen Wirthschaften dadurch auffällig bemerkbar gemacht, daß sie in ausgiebiger Weise zechten und mit neuen Fünfmarkstücken bezahlten. Die Männer wurden schließlich in einer Destillation verhaftet, und nun fand man bei ihnen eine Menge falscher Fünfmarkstücke, darunter eine Anzahl noch nicht ganz fertiger. Ihre Koffer hatten die beiden Falschmünzer auf der Durchreise in Kohlfurt gelassen, dieselben wurden telegraphisch nach Liegnitz beordert, und man fand darin die Falsch- münzerwerkzeugc und ebenfalls noch viele Fünfmarkstücke. Die beiden Verhafteten geben an, geborene Schlesier, jetzt aber aus Essen gekommen zu sein.
Husum. Zum zweiten Male seine silberne Hochzeit feierte am 1. December der Eiscnbahuangcstcllte Helm. Seine erste Frau starb 1866 nach reichlich 25jähriger Ehe. Helm schloß dann im Jahre 1871 zum zweiten Male eine Ehe und steht jetzt im 81. Lebensjahre.
Ausland.
— In Moskau haben Massenverhaftungen von Studenten stattgefunden. In Moskau sind an 1000 Studenten der dortigen Universität arretirt worden. Anlaß zu dieser durch die besonders große Zahl der Verhaftungen ungewöhnlichen Maßregel hat eine geplante Demonstration der Studenten gegeben. Dieselben wollten nach dem Woganka-Friedhof hinausziehcn, wo die meisten Opfer der Chodinka-Katastrophe liegen, und auf den Gräbern derselben einen Kranz mit folgender Widmung niederlegen: „Den Krönungsgästen Nikolaus II., getödtet auf der Chodinka 1896." Besonders erwähnt muß werden, daß die Mehrzahl der Verhafteten nicht aus Moskau selbst, sondern aus allen Theilen deS Reiches stammt. Es ist dies ein sehr deutlicher Beweis dafür, daß die revolutionären Bestrebungen nicht nur in den Residenzen zu Hause sind, sondern sich über einen sehr großen Theil des Reiches erstrecken.
Amerika. England hat bekanntlich neuerdings seine Liebe zu Deutschland wieder einmal dadurch bethätigt, daß es bei der amerikanischen Regierung die Auferlegung eines Zolles für deutsche Schiffe durchsetzte, die in amerikanischen Häfen vor Anker gehen. Der Zoll ist ein so hoher, daß der deutsche Handel nach Amerika schwer geschädigt werden würde. Nunmehr hat die deutsche Regierung einen förmlichen Protest gegen diese Verfügung des Präsidenten Clevelaud erheben lassen und event. Gegenmaßregeln angedroht, die den amerikanischen Export noch Deutschland lahm zu legen geeignet sein würden. In Washington wird man sich die ganze Sache daher wohl, noch überlegen und voraussichtlich die Forderung dcr Tonnenabgaben für deutsche Schiffe ausheben, noch ehe dieselben in Kraft getreten sind.
erworbenen Weihnachtsbäumen zu verhindern, wird gegenwärtig von den ForstaufsichtSbehörden die Regierungs- Polizeiverordnung betreffs der Ausführung deS Feld- und Forstpolizeigesetzes in Erinnerung gebracht, weil bisher alljährlich zahlreiche Personen beim Entwenden von Weihnachtsbäumen aus den Forsten oder beim Verkauf solcher gestohlenen Bäume ertappt worden sind. Das Forstpolizeigesetz bestimmt in dieser Hinsicht: „Wer Brennholz, unverarbeitetes Bau- oder Nutzholz, junge Nadelhölzer, Weihnachtsbäume rc. transportirt oder in Ortschaften einbringt, hat sich auf Erfordern der Polizei-, Forst- oder Steuerbeamten durch eine Bescheinigung der Polizeibehörde seines Wohnortes oder des WaldcigeuthLmers über den redlichen Erwerb dieser Hölzer auszuweisen" und werden Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen streng bestraft.
* — Keine ungekochte MilchI Frankfurter Blätter schreiben: Bei dem Vorkommen der Maul- und Klauenseuche in Viehbeständen der näheren und weiteren Umgebung unserer Stadt ermähnt der Polizeibericht das Publikum dringend, alle Milch vor dem Genusse gründlich abzukochen, weil nur hierdurch jeder Ansteckungsgefahr und schädlichen Einwirkung vorgebeugt wird. Die Maßnahme, so fügt die amtliche Bckantmachung hinzu, findet auch daher besondere Rechtfertigung, weil immerhin einzelne Seuchenausbrüche verheimlicht zu werden pflegen.
* — Für Jäger. Ein Fall, der besonders für Jäger von Interesse sein dürfte, wurde in der letzte» Kreisausschußsitzung des Kreises Tübingen verhandelt. Die Gciß-Nidder Jagd ist an einen Herrn aus Frankfurt a. M. verpachtet. Ein dem Landwirth Troß gehöriges Baumstück mit etwa neunjährigen Apfelbäumen ist zwischen zwei kleinen Wäldchen gelegen, zwischen welchen die Rehe wechseln.. Troß hatte seine Bäume im verflossenen Winter zum Schutz gegen Wildschaden gut mit Stroh verwahrt und dasselbe im Frühjahr von den bis dahin unbeschädigt gebliebenen Bäumchen wieder entfernt. Er erstaunte nicht wenig, als er gegen Ende Mai wahrnahm, daß die Rindcnfctzen von seinen Obst- bäumen herabhingen. Da diese Beschädigung durch Rehböcke veranlaßt war, welche an den jungen Stämmen ihr ncngebildctcs Gehörn „gefegt" hatten, so verlangte Troß Schadenersatz von dem Jagdpächter. Dieser weigerte sich jedoch, und auch ein Sühneversuch blieb erfolglos. So hatte sich am Samstag, 21. Nov. d. J. der Kreisausschuß mit der Angelegenheit zu befassen. Auf Grund der eidlich erhärteten Zeugenaussagen, sowie der Gutachten der zugezogeucn Sachverständigen wurde der Jagdpächter zur Schadenersatzleistung und zur Traguug der entstandenen Kosten verurtheilt, da angenommen «wurde, daß derjenige Landwirth, der seiner Pflicht durch Anbringung von Schutzvorrichtungen genügt hat, auch entschädigt werden müsse, wenn ein Schaden durch Rehe herbeigeführt wird, obgleich das Wildschaden- gesetz nur von Hasenschaden rede. Der Pächter muß somit den liquidirten Schaden von 46 Mk. nebst den nicht unbedeutenden Kosten zahlen.
* — Die Zugpferde im Winter. Jeder erfahrene Landmanu wird schon die Beobachtung gemacht haben, daß in seinem Pferdebestand die meisten Erkrankungen zur Winterszeit stattsinden. Das rührt davon her, daß die Pferde, die vom Sommer und Herbst her täglich anstrengende Arbeit gewohnt sind, nun mit einmal der gänzlichen Ruhe genießen, dabei gewöhnlich von den Knechten überfüttert werden; andererseits neigen die Pferde außerordentlich leicht zu Erkältungen, wenn sie mehrere Tage in häufig zu warmen Stallungen gestanden haben und dann wieder einen Tag bei kaltem Wetter arbeiten sollen. Man füttere die Pferde im Winter nur knapp und mit leicht verdaulichem Futter. Vor allen Dingen gebe man ihnen möglichst alle Tage Arbeit. Bei ungünstiger Witterung sind Decken unerläßlich.
* — Der Minister für Handel und Gewerbe hat angeordnet, daß auf den Legitimationskarten für inländische Kaufleute und Handlungsreisende diejenigen Handelsartikel angegeben werden, die den Gegenstand des geschäftlichen Unternehmens der vertretenen Firmen bilden, damit ersehen werden kann, ob der Inhaber der Karte die Grenzen des § 44 der Gewerbeordnung einhält.
* — Bildung eines Kleinbahnfonds. Der kürzlich geschlossene Landtag für Kurhessen hat die Bildung eines Kleinbahnfonds beschlossen, um den Bau von Kleinbahnen