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3» 97. Mittwoch, den 2. December 1896. 47. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser begab sich Freitag Vormittag in Kiel unter dem Salut der Flotte vomKönig Wilhelm" in das Schloß, um der Prinzessin Heinrich seine Glückwünsche abzustatten.

Die Prinzessin Heinrich wurde am 27. Nov. in Kiel von einem Prinzen entbunden.

Der Kaiser hat einen eingehenden Bericht über den Ausstand der Hamburger Hafenarbeiter eingefordert.

Von der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 für Preußen wird das endgiltige Ergebniß in der amt­lichenStatist. Korr." veröffentlicht. Danach sind im preußischen Staatsgebiet gezählt worden 31,855123 orts- anwesenden Personen. Am 1. Dezember 1890 wurden gezählt 29,957,367 Personen. Die Bevölkerung hat also seit 1890 um 63,35 aufs Tausend zugenommen, wobei die inzwischen mit der preußischen Monarchie ver­einigte Insel Helgoland eingerechnet worden ist. Jähr­lich beträgt die Zunahme 12,36 aufs Tausend. Die durchschnittliche jährliche Volkszunahme hat während des letzten Jahrfünfts im preußischen Staate einen höheren Betrag erreicht als jemals zuvor, seitdem verläßliche Aufnahmen des Standes der Bevölkerung stattgefunden haben, das heißt seit der Errichtung des Norddeutschen Bundes.

Hamburg, 27. November. Am 3. Dezember kommen mit derMoravia" einige Hundert Italiener hier an zum theilweisen Ersatz für die streikenden Hafenarbeiter. Die Stauer erklärten, sie hätten mehr als genügend an Arbeitskräften.

Hamburg. Zum Streik der Hamburger Hafen­arbeiter wird gemeldet: Es wurde bekannt gegeben, daß Solidaritätserklärungen von England, Holland und fast allen Nord- und Ostseehäfen eingelaufen sind. Bis Sonntag Abend sollten sich die Maschinisten und Dock- leute entschelden, ob sie dem Streik beitreten, was aber zweifellos erscheint. Die Ausständigen werden, wenn nicht alles trügt, ihre Drohung wahr machen. Zer­schlagen sich die schwebenden Unterhandlungen, so tritt Dienstag der angekündigte Generalstreik ein, aus dem dann, nach Mittheilung desCentral-Streikkomitees, ein Streik aller nordeuropäischen Hafenarbeiter werden soll. Einige ginnen sind zum Nachgeben bereit, da sie bereits Tausende verloren haben. Augenblicklich arbeiten im Hafengebiet ungelernte Arbeiter und junge Leute für das Wohl ihrer Vaterstadt. Ausländer, vornehmlich Polen und Italiener, sind in Massen bestellt. Alle Interessenten und Rheder sind auf das Aeußerste gefaßt. Unter Bedeckung von Schutzleuten wurden 30 Mann auf dieHelvetia" gebracht und daselbst internirt. Eng­lische Polizeiagenten sollen mit derAugusta Viktoria" eingetroffen sein. Am Sonntag wurden überall Flug­blätter zu den Montagsversammlungen verbreitet, die mit den Worten schließen:Aus die Schanzen! Der Sieg ist unser! Kommt zum Appell!" Bis Sonntag Nachmittag 5 Uhr streikten bewiesenermaßen: 6000 Schauerleute, 3500 Ewerführer. 700 Seeleute, 200 Schiffsmaler, 600 Quaiarbeitcr, 900 Schiffsreiniger, 500 Getreidearbeiter und 460 Kesselreiniger. Etwa 6000 Mann von diesen sind ledig, die andern ver- heirathet. Der Ausstand der Gas- und Wasserkunst­arbeiter ist von diesem Streik unabhängig.

Düsseldorf. Ein größeres Geschäft in Düsseldorf verkauft zum Zwecke der Reklame einige Artikel unter Einkaufspreis, selbstverständlich in der Erwartung, daß die Käufer dieser Artikel auch andere Sachen, bei denen ein ordentlicher Nutzen abfällt, bei ihm entnehmen. So war auch ein Haushaltungsgegenstand als Lockvogel ein­gelegt, den das Geschäft bei einem hiesigen Handwerker anfertigen ließ, und zwar zu 30 Mark, um ihn dann zu 25 Mark zu veräußern. Das Geschäft ging bald sehr flott, sodaß der Lieferant seinen Verpflichtungen nicht rasch genug nachzukommen vermochte. Unser Hand­werker wußte sich aber in einer sehr einfachen Weise aus der Klemme zu ziehen; er ließ tagsüber von dritten Per­sonen die Waare in genügender Anzahl in dem Ge­schäfte zu 25 Mark auskaufen, um sie am anderen Tage dann wieder zu 30 Mark per Stück prompt abzuliefern.

Lippstadt, 28. Nov. Eine Brandstiftung aus Rache, ausgejührt von einem jungen Manne von Bildung und r' aus guter Familie, setzt unser Städtchen in große Auf­regung. Der Lehrling S. in einer der hiesigen Apotheken hatte Mißhelligkeiten mit dem Apothekerunb dem Provisor und wurde entlassen. Abends verkündete die

Glocke, daß Feuer ausgebrochen sei. S. hatte das Laboratorium angezündet, nachdem er verschiedene Gifte genommen hatte. Er ist verhaftet und geständig. Ueber die Einzelheiten dieser That ist Folgendes festgestcllt: Seit einigen Monaten hatte S. mit dem Besitzer und dem Provisor in Folge Ausbleibens und Trinkens Auf­tritte, bei denen er schon Drohungen ausstieß. Am Sonntag kam er wieder spät nach Hause und wollte den Provisor würgen. Dieser mußte die ganze Nacht auf seiner Hut sein und erwirkte am Morgen die Entlassung des S. Als S. am Nachmittag sich in Küche und Laboratorium noch zu schaffen machte, kam der Besitzer hinzu und schöpfte sogleich Verdacht, daß S. Gifte bei­gemengt habe, hütete sich aber, etwas zu sagen. Bald darauf stürzte S., der inzwischen Benzin ausgegossen und entzündet hatte, mit einem schweren Eisen in die Zimmer, um nach eigener späterer Angabe den Provisor, den Apotheker und dessen Frau zu tödten. Nachdem die Frau einen ihrem Manne geltenden Schlag aufge­fangen halte, wurde S. von dem Apotheker niederge­worfen und gehalten, bis die herbeikommende Polizei ihm Handfesseln anlegte. S. hatte mehrere Gifte ge­nommen; da dieselben als Gegengifte gewirkt haben, so wird er voraussichtlich genesen. Von den frechen Reden des Burschen im Gefängniß sei die Prophezeiung er­wähnt, daß das Schlimmste noch käme. Glücklicherweise ist dies durch rechtzeitige Vernichtung sämmtlicher Vor- räthe und Medicamente verhütet worden.

Erfurt, 27. November. Für die Erweiterung des hiesigen Wasserwerks war die Verlegung von 4700 Metern Druckröhren ausgeschrieben worden. Am Dienstag Mit­tag fand die Eröffnung der eingegangenen Offerten statt. Diese enthielten aus die in 2 Loosen auszugebende Ar­beit als Höchstforderung 20,700 Mk. und 21,600 Mk., als Mindestforderung 5819 und 6072 Mk. Die Diffe­renz in den Forderungen des ersten Looses beträgt hier­nach 14,881 Mk. Bei dem zweiten Loosc beläuft sich der Unterschied zwischen Mindest- und Meistgebot sogar auf 15,528 Mk. Da müssen doch etweder die einen ganz unverschämte Forderungen gestellt oder die anderen falls sie rechnen können es auf einen Betrug ab­gesehen haben. Drastischer kann jedenfalls das heutige Submissionsunwesen nickt beleuchtet werden.

Straßburg, 26. November. Heute Abend ging vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichtes nach Stößiger Verhandlung der Prozeß gegen die Inhaber der hier unter dem Namen Moses Frank bestehenden Getreide- handlung, Moses Frank, dessen Sohn David Frank und Theodor Kaufmann, ferner gegen den Ober-aufseher beim hiesigen Proviantamt, K. Müller, sowie den Taglöhner Freisberg, zu Ende, welche angeklagt waren, den Militär- fiscus bei Haferlieferungen fortgesetzt betrogen, Be stechungen verübt bezw solche angenommen zu haben. Das Urtheil lautete gegen Moses Frank auf 2 Monate, David Frank ebenfalls 2 Monate und Kaufmann 3 Monate Gefängniß. Ferner hat die Firma Moses Frank die Kosten zu tragen. Müller wurde zu 5 Monaten Gefängniß, 3 Jahren Ehrverlust und 1000 Mark Geld­strafe verurtheilt. Freisberg wurde freigesprochen.

Nürnberg. Ein glücklicher Gewinner wird gesucht. Am 22. Oktober hat bereits die Ziehung der 13. Landesausstellungslotterie zu Nürnberg stattgefunden. Von größeren Gewinnen ist bis jetzt der vierte Haupt­gewinn im Werthe von 10,000 Mark auf Loosnummer 299259 noch nicht abgeholt worden. Die nicht bis 1. Dezember reklamirten Gewinne werden versteigert, und der Erlös noch bis zum 30. Dezember gegen Rück­gabe der Gewinnloose ausgefolgt. Nach diesem Termin ist derselbe zu Gunsten des Ausstellungsunternehmens verfallen. Die ungefährlichen Säbelscheiden und der gefährliche Kochlöffel. Jüngst schlugen zu Nürnberg ein Artillerist und zu Ansbach ein Ulan je einen Neben - Menschen derart auf den Kopf, daß jedesmal klaffende Wunden durch den Hieb entstanden. Das Militär­gericht in Würzburg, vor dem beide Fälle abgehandelt wurden, erklärte die Säbelscheiden als nicht gefährliche Waffen und sprach die Thäter frei. Anders steht die Geschichte mit dem Kochlöffel. Man höre: Kürzlich kam das Küchenpersonal eines größeren Restaurants in der Nähe von Nürnberg in Streit, in dessen Verlauf eine holde Küchenfee ihrer lieben Kollegin mit dem Kochlöffel einen Klaps aus den Arm versetzte. Die Affaire kam vor dem Nürnberger Schöffengericht zum Austrage, wobei der Amtsanwalt den Kochlöffel als ein im Sinne

des Gesetzes gefährliche Waffe erklärte. Urtheil 5 Mk. Geldstrafe.

Aus Unterfranken, 25. Nov. In Poppenhausen richtete ein in der Wernerschen Brauerei ausgebrochenes Feuer großen Schaden an. Vor einigen Tagen kam in das Geschäftslokal der Kitzinger Effekten- und Wechsel­bank ein Bauersmann, um ein in seinem Besitze befind­liches Veteranenloos kontrolliren zu lassen, das er fast übersehen hatte, nachzuschen. Als ihm jedoch die Mit­theilung gemacht wurde, daß dasselbe mit dem Haupt­treffer von 25 000 Mark gezogen wäre, wurde derselbe vor Freude vollständig sprachlos, und konnte seiner Er­regung erst nach einiger Zeit Herr werden. Das Trefferloos wurde prompt ausbezahlt, und verließ der Glückliche unter Segenswünschen das Geschäftslokal. Fortuna hat dieses Mal ihr Füllhorn keinem Unwürdigen zugewendet, denn der Gewinner ist Vater von 9 Kindern und lebt in sehr bescheidenen Verhältnissen. Die Viehseuche tritt in Unterfranken immer noch verheerend auf; so sind in Büchold bis jetzt 90 Stück und in Heugrumbach schon 150 Stück Rindvieh zum Opfer gefallen.

Ausland.

Aus Kuba kommen über Newyork Nachrichten, die von der Lage des Aufstandes ein wesentlich anderes Bild ats die spanischen Telegramme geben. Es wird gemeldet, die Aufständischen hätten einen Preis von 5000 Doll. auf den Kopf des Generals Weyler gesetzt. Eine Kompagnie texanischer Rinderhirten bewerbe sich um das Geld. Sie haben Zündnadelgewehre und lugen mit ihren Feldstechern aus, wo sie einen spanischen Offi­zier erblicken können. Die Texaner sollen 1000 Doll. für jeden getödteten Offizier erhalten. Ebenfalls aus amerikanischer Quelle wird gemeldet, General Weyler sei in sein Hauptquartier Artemisa zurückgekehrt, nachdem er die Unmöglichkeit eingeschen, die Aufständischen zu überwältigen.

Lokales «ud Provinzielles.

* Schlächtern, 1. Dec.

* Herr Dr. Joseph Flügel, seither Lokal- kaplan in Marborn, ist vom 15. December ab zum Pfarrer in Mittelkalbach, Kreis Fulda, ernannt worden.

* Schulamtskandidat Karl Klostermann von Roth ist mit der Verwaltung der 1. Schulstelle zu Oberzell beauftragt.

* Das seit einigen Tagen eingetretene, wenn auch noch gelinde Frostwetter legt den Hauseigenthümern die Mahnung nahe, für die Wasserleitung rechtzeitig be­sorgt zu sein. Bisher ist die Temperatur zwar noch nicht tiefer als bis auf 45 Grad unter Null gesunken, indessen ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß der Frost über Nacht plötzlich eine starke Zunahme erfährt, und das Zufrieren der Hausleitungen ist eine Wider­wärtigkeit, die Manchem noch von früher her in unan­genehmer Erinnerung sein wird. Man suche sie deshalb bei Zeiten diesmal zu vermeiden, indem man, so lange die kalte Witterung anhält, während der Nachtstunden die nicht in froftfreien Räumen liegenden Leitungen abstellt.

* Als Gewerbegehülfen anzusehen sind nach Höchst- instanzlichen Entscheidungen die bei Restaurateuren rc. beschäftigten Hausdiener, Köchinnen und ähnliche An- gestellte, vorausgesetzt, daß dieselben nicht vorwiegend im privaten Hausdienst thätig sind. In den allermeisten Fällen unterstehen daher obengenannte Personen der Gewerbegerichtsbarkeit. Die bezeichneten Personen unter­stehen fortan also auch nicht mehr den Bestimmungen der Gesindeordnung, sind jedoch zur allgemeinen Kranken­versicherungskasse anzumelden, worauf wir hiermit die Betheiligten hingewiesen und aufmerksam gemacht haben wollen.

* Behördliche Beglaubigungen von Unterschriften sind stempelfrei, so hat jetzt der Minister des Innern in einem Runderlaß an die Regierungspräsidenten ent­schieden, nachdem bis jetzt fast ausnahmslos die Unter­schriftsbeglaubigungen von den Behörden nur gegen Entrichtung einer Stempelgebühr von 1,50 Mk. voll- zogen wurden.

* Die Anzahl der Apotheken im Reg.-Bez. Cassel beträgt im Jahre 1895/96 114 (gegen 118 im Jahre 1890/91), sodaß auf jede Apotheke 7459 Einwohner kommen (1890/91 6108 Einwohner), Durchschnittlich