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schlWerner^eitung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

tM 93. Mittwoch, den 18. November 1896. 47. Jahrgang.

Bekanntmachung.

I.-Nr. 3024. K.-A. Die Gebrüder Heid in Sicinan beabsichtigen, zum Betriebe ihrer Ziegelbrennerei einen neuen Ziegelbrennofen auf ihrem in der Gemarkung Stcinau belegnien Grundstück, Blatt LL., zu er­richten.

Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in 2 Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Zeichnung und Beschreibung können während der Dienststunden in dem Bureau des Kreisausschusses ein­gesehen werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in demselben Bureau

Donnerstag, den 3. December, Vm. 10 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Schlüchtern, den 13. November 1896.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser, welcher am Freitag und Sonn­abend in Letzlingen zur Jagd weilte, ist wohlbehalten nach dem neuen Palais zurückgekehrt.

Die feierliche Vereidigung der Rekruten der Gar­nisonen Berlin, Spandau, Charlottenburg und Groß- Lichterfelde, welche tags zuvor wegen ungünstiger Witter­ung abgesagt worden war, hat am Donnerstag Mittag im Beisein des Kaisers im Berliner Lustgarten stall- gesunden. In seiner Rede bei der Vereidigung ermähnte der Kaiser die Rekruten zu Religiosität und zum Ge­horsam und wies auf den 100-jährigen Geburtstag Kaiser Wilhelm's I. hin. Es müsse festgehalten werden, was er geschaffen, damit man bei dem himmlischen Appell vor ihm bestehen könne. Hieran schloß sich eine besondere Ansprache an die versammelten und zu dem Zweck zu engster Gruppe herangezogenen Offiziere und zwar sehr ernste Worte über den Fall Brüsewitz. Die Ansprach war streng intim und so leise gehalten, daß von dem Inhalt kein Wort an die weitere Oeffentlich- keit gelangt ist.

Zu den Gehaltserhöhungen der Offiziere verlautet nach derRhein.-Westf.-Ztg " Folgendes: Die Premier- lieutenants sollen auf 1800 Mark Gehalt, also um monatlich 60 Mark steigen. Hauptleute nur noch in einer Klasse mit 3600 Mark existiren, also dem Satze, den die Hauptleute erster Klasse der Jn'anterie heute beziehen, die Majors um 6u0 Mark jährlich, also auf 6000 Mark steigen, die Oberstlieutenants eine besondere GehaltSklassc mit rund 7800 Mark Gehalt bilden, die Regimentskommandeure auf 9000 Mark Gehalt kommen. Die Elasstärke des deutschen Heeres ist für 1897/98 festgesetzt auf 23 088 Offiziere, 78 217 Unteroffiziere, 479229 Gemeine, 2107 Aerzte, 1078 Zahlmeister, Musikinspizient, Werkstättenvorsteher bei der rtuflschisfer-Abthcilung, 583 Roßärzte, 1045 Büchsen­macher und Waffenmeister, 93 Sattler und 96 850 Dienstpferde.

Berlin, 12. Nov. In der Privatklage P'arrer Witte contra Hosprediger Stöcker vernrheilte das Amts gericht Stöcker zu 600 Mark Geldstrafe event. 14 Tage Gefängniß und sprach Witte frei. Der Zeuge Freiherr von Hammerstein wurde von einem Kriminalbeamken aus dem Zuchthaus vorgeführt. Die Gründe des Urtheils führen an, der Gerichtshof sei weitergegangen als die Anklage in der Beurtheilung, welche Beleidigungspara- graphen anzuwenden seien. Es mußte auch § 187 zur Anwendung kommen. Dem Zeugen Grünberg konnte wegen wiederholten Gesinnungswechsels allerdings nicht unbedingt Glauben geschenkt werden. Dagegen sei das Zeugniß der Frau Witte durchaus einwandsfrei. Was die Wiederklage betreffe, so sei in der Erklärung des Klägers eine Beleidigung nicht gefunden worden. Außer­dem befand sich der Kläger in Wahrnehmung berechtigter Interessen. Bei der Strafabmessung wurde einerseits berücksichtigt, daß der Kampf zwischen den Parteien in heftigster Weise geführt war, andererseits aber auch, daß der Beklagte nach langer Zeit den Streit wieder ins Leben rief. Die freikonservativePost", das Organ

des Frcihrrrn von Stumm, bemerkt zu dieser Verur- lheilung des früheren Hofpredigers:Der Scheiterhaufen- brief und seine Verleugnung, das zweideutige Verhalten in Sachen desVolk, welches schließlich zum Bruche mit der konservativen Partei führte, sowie gegen Herrn v. Gerlach, der Brief an Grüneberg und seine- leugnung zeigen auch für den, welcher die Herrsch- s u ch t, die E i t e l k c i t und die vor keinem Mittel znrückschrcckende Verhetzungssucht des Führers der Christlich-Sozialen älterer Observanz nicht aus eigener Erfahrung kennt, so starke Schattenseiten des Charakters, daß die glänzenden Eigenschaften Herrn Stöckers, namentlich seine Beredsamkeit, ihre faszinirende Kraft auch auf die bisher unbedingte Gefolgschaft ver­lieren müssen, und die Frage wirft sich auf, ob im Interesse der synodalen Verfassung der evangelischen Landeskirche Herr Stöcker nicht auf die Ehrenstellen, in welche er sowohl von der General- als von der Provinzialsynode berufen worden ist, verzichten sollte."

Die preußischen Lehrer, wollen sich bei dem Be­scheide des Finanzministers Dr. Miguel, daß sich an dem Entwurf des Lehrerbesoldungsgesetzcs nichts mehr ändern lasse und daß derselbe auch alles gewähre, was die finanzielle Lage des Staates zulasse, nicht beruhigen. Man hat nämlich in Lehrerkreisen jetzt ernstlich die Ent­sendung einer Deputation direkt an den Kaiser ins Auge gefaßt. Zur Besprechung dieses Vorhabens wird der Gesammtvorstand des Landeslehrer-Vereins demnächst zu einer Sitzung zusammentreten.

München. Die Duellpflicht scheint nunmehr wenig­stens für die bayerischen Offiziere aufgehoben zu sein. DerBmb. Volksztg." wird nämlich geschrieben: Von allerhöchster Stelle ist in einem Special- salle, bei welchem ein Offizier vom Ehrengericht, weil er sich prinzipiell als Gegner des Duells erklärte, zur Entlassung mit schlichten Abschied beantragt wurde, dahin ent­schieden worden, daß dies Urtheil hinfällig und durchaus kein Grund vorhanden sei, einen Offizier, der einen solchen Standpunkt einnehme, zu entlassen. Das bayerische Kriegsministerium hat in diesem Sinne eine Aenderung der betr. Ehrengerichts-Satzungen verfügt, und so ist denn der Weg angebahnt, daß Duelle in der bayerischen Armee allmählich zu den Seltenheiten gehören werden." Diese Nachricht ist derGermania von gut unterrichteter Seite als durchaus authentisch bezeichnet worden.

Meiningen. Auch den 1870/71 Gefallenen des 32. Regiments soll bei Wörch ein Denkmal errichtet werden. Die Anregung hierzu ist von den O filieren des 32. Regiments in Meiningen ausgegangen. Die Kosten für das Denkmal belaufen sich auf 15000 Mk. und sollen durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden. Das Offizierskorps in Meiningen hat allein 6000 Mk. ge­zeichnet; von privater Seite sind 1500 Mk. eingegangen.

Erfurt, 12. November. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern in dem benachbarten Orte Bindersleben. Dort gerieth der Landwirlh Kerst, ein verheiratheter Mann und Vater einer sehr zahlreichen Familie, mit einem Bein tn das Räderwerk einer Dampfdreschmaschine. Das Getriebe zermalmte das Bein; der Unglückliche, der während des ganzen schaurigen Vorganges bei voller Be­sinnung geblieben war, verstarb bald daranf.

Bückeburg Mit Bezug auf die durch mehrere Blätter gegangene Mittheilung, daß in einem nahe Hamburg belegenen hannoverschen Jagdbezirk ein schwarzes Reh erlegt und als große Seltenheit einem Museum in Ham­burg überwiesen fei, schreibt derHann. C.":Selten ist schwarzes Rehwild keineswegs. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts brächte der Graf Wilhelm von schaumburg-Lippe, früher Artillericchef im sieben­jährigen Kriege unter Herzog Ferdinand von Braun- schweig und seit 1762 Oberfeldherr des portugiesischen Heeres, aus Portugal schwarzes Rehwild in seine Hei- math. Dasselbe wurde in den Bückeburger Forsten aus­gesetzt und hat sich dort sehr vermehrt, sodaß der starke Rehyand in den dortigen, sowie in den angrenzenden hannoverschen Forsten überwiegend aus schwarzem Nch wild besteht. Von dort haben sie sich weiter verbreitet und finden sich vereinzelt in ganz Hannover und sind auch in Mecklenburg stellenweise stark vertreten."

Ausraud.

Rom, 16. Nov. Die italienische Regierung erhielt gestern früh die offizielle Nachricht, daß der Friede mit

Abessynien am 26. Oktober abgeschlossen worden sei. Die Bedingungen lauten: Abschaffung des Vertrages von Utschalli, Unabhängigkeit Aetiopiens und Freilassung der Gefangenen. DerDon Chiseiotle" erfährt, Msgr. Macarius habe einen eigenhändig von Menelik geschlichenen, an den Kaiser Nikolaus gerichteten Brief mitgebracht; derselbe sei durch einen besonderen Kurier des Vatikans nach S. Petersburg gesandt worden. Der päpstliche Unterhändler bei Menelik, Msgr. Macarius erklärte, daß die Gefangenen freigelassen werden, sobald der Negus zuverlässige Gewähr für die aufrichtige Friedens­liebe der Italiener erhält. Die Gefangenen würden gut behandelt, Grausamkeiten nicht verübt. (Papst Leo hat bekanntlich vom Negus Menelik von Abessynien die sofortige Freilassung erbeten. In seiner Antwort erklärt nun Menelik, daß seine erste Regung der Wunsch ge­wesen, dem Papst zu Willfahren. Er habe aber die Regung Niederkämpfen müssen, weil die italienische Re­gierung plötzlich wieder feindselig auftrete.) Die Gazetta de Venezia" veröffentlicht" einen Brief eines italienischen Soldaten aus Saganeiti, welcher berichtet, das Fort von Adigrat sei mit 2500 Schoanern infolge Verkennung der von den Italienern vorbereiteten Minirarbeilen in die Lust gesprengt worden.

Madrid, 13. Nov. General Weyler gab seinen Truppen die Weisung, jeden Zeilungskorrcspondcnten, ob Ausländer oder Spanier, der sich auf dem Kriegs­schauplatze zeige, niederzuschießen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 17. Nov.

* JnvaliditätS- und Altersversicherung. Ein wichtiger Paragraph ist, wie die Erfahrung lehrt, gar Vielen noch völlig unbekannt. Die gegenwärtige Jahres­zeit, die die meisten Veränderungen, besonders im Bau- lach, herbeiführt, bietet Veranlassung, die Aufmerksamkeit der Interessen auf den betreffenden Paragraphen des Klebegcsetzes von Neuem hinzulenken. Es heißt dort: Wird ein zwischen einem Versicherten und einem be­stimmten Arbeitgeber bestehendes Arbeits- oder Dienst- verhältniß derart unterbrochen, daß ersterer aus der Versicherungspflicht vorübergehend ausscheidet, so kann für einen vier Monate nicht übersteigenden Zeitraum das Versicherungsoerhältniß auch ohne Beibringung von Zusatzmarken dadurch freiwillig aufrecht erhalten werden, daß der Arbeitgeber oder der Versicherte die bisherigen Beiträge fortentrichtet."

* Jetzt, wo die Rekruten eingestellt sind, dürfte es angebracht sein, auf folgende Vergünstigungen für 'ßoftjenbunge t an Soldaten aufmerksam zu machen. Für gewöhnliche Briefe bis zum Gewicht von 60 Gramm und Postkarten an Soldaten kommt Porto nicht in An­satz. Für Packete ohne Werthangabe bis zum Gewicht von 3 Kilogramm wird 20 P g. Porto berechnet, ohne Unterschied der Entfernung. Für Postanweisungen bis !5 Mark Einzahlung beträgt das Porto 10 Pfg. Die Sendungen müssen mit dem Vermerk:Soldatenbrief! Eigene Angelegenheit des Empfängers" versehen sein. Alle anderen Postsendungen unterliegen der vollen Porto­zahlung. Auch kommen jene Vergünstigungen weder auf beurlaubte Militärpersonen, noch aus Einjährig-Frei­willige zur Anwendung.

* Gegen das Aufspringen auf fahrende Züge hat die Eisenbahn-Verwaltung folgende scharfe Verfügung erlassen:Die Siations- und Fahrbeamlen werden angewiesen, jeden Versuch Seitens der Reisenden, auf einen im Fahren begriffenen Zug aufzuspringen, bei der Vorgesetzten Eiscnbahn-Betrieds-Jnspeklion zur An- zeige zu bringen. Diejenigen Beamten, welche daS Anfspringen auf fahrende Züge dulden oder gar unter­stützen, werden ohne Nachsicht in hohe Geldstrafe ge­nommen.

* Für die Interessenten des Klcinbahnprojekies SchlüchternSchmalnau dürste folgende Mittheilung von Interesse sein:Seitens der Juvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt für die Provinz Branden­burg werden, neuen Bestimmungen zufolge, diefür gemeinnützige Zwecke" auszuleihenden Darlehen auch zu billigen Zinssätzen für den Bau von Klein­bahnen gewährt. Orlsgcmeindcn wollen dahin­gehende Anträge an den Vorstand dieser Anstalt stellen. Der für diesen Zwecke festgesetzte Dahrlehnsfonds be­trägt vorläufig 2 Millionen Mark." - Hiernach könnte man ja versuchen, ob die Versicherungsanstalt für