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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt« vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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Samstag, den 7. November 1896.

47. Jahrgang.

Bestellungen

auf dieSchlüchterner Zeitung« werden noch fortwährend von allen

-.....------------ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Die Diskouto-Erhöhungen.

So oft der Zinsfuß herabgeht, giebt es stets eine Anzahl von Leuten, die darüber klagen und mit vollem Recht. Eine Herabsetzung der Rente aus Staats- pavieren, wie sie sich in großem Maße als erforderlich zeigt, greift verhüngnißvoll in das Schicksal zahlreicher Menschen ein. So oft der Zinsfuß steigt, klagt ebenfalls eine große Anzahl von Leuten; es wird ihnen erschwert, die Mittel für Unternehmungen aufzubringen, mit denen sie gerade beschäftigt sind, und wenn nicht allein der Wechseldiekonto, sondern auch der Hypothekenzins steigt, so wird die ganze große Klasse der Landwirthe und der städtischen Hausbesitzer schwer belastet. Der wünschens- wertheste Zustand wäre ohne Zweifel der, daß jeder, der Geld braucht, es zu einem billigen Zinse verlangen kann, und jeder, der Geld unterzubringen hat, eine hohe Rente dafür herauswirthschaften kann. Allein es liegt auf der Hand, daß ein solcher Zustand in der Welt nicht zu erreichen ist.

Bet aller Theilnahme für das Unglück derer, die hohe Wechselzinsen bezahlen müssen und bei nicht minderer Theilnahme für das Unglück derer, die sich mit niedrigen Hypothekenzinsen begnügen müssen, bei voller Anerkennung des Ungemachs, das für den Einzelnen aus jeder Schwankung des Zinsfußes hervorgeht, müssen wir doch sagen, daß wir es für das größte Unglück halten würden, wenn der Zinsfuß niemals schwankte, schreibt dieVoss. Ztg." Der Zinsfuß ist der Preis des Kapitals und wie die Preise sämmtlicher Waaren hängt auch er von einer unendlichen Fülle stets wechselnder Zustände ab. Man pflegt zu sagen, daß die Preise von Angebot und Nachfrage abhängen und daS ist auch vollständig richtig, nur ist damit blutwenig gesagt. Denn Angebot und Nachfrage sind keine einfachen Erscheinungen, die man mit Augen sehen und mit Händen greifen kann; es sind Worte, mit denen man ganze Reihen von Erscheinungen zusammenfassend bezeichnet, ohne diese Erscheinungen in ihre einzelnen Bestandtheile zu zerlegen. Wenn sich das Angebot oder die Nachfrage vermehren, so ist das selten auf einen einzigen Grund zurück- zuführen, sondern es wirken viele Umstände zusammen. Wenn wir uns mit den Zuckerpreisen beschäftigen, so haben wir zu fragen, in welcher Weise Wind und Wetter auf die Menge und den Gehalt der Zuckerrüben cinge- wirkt haben, wie es auf dem Kriegsschauplatze auf Cuba aussieht, ob die allgemeinen Wohlstandsverhältnisse eine Zunahme des Zuckerverbrauchs begünstigen und ob eS dem Saccharin gelungen ist, dem Zucker einen merklichen Wettbewerb zu bereiten. Das ist eine ganze Reihe von Thatsachen, von denen keine einzige mit der anderen in nachweisbarem Zusammenhänge steht. Bei jeder ein­zelnen Waare ist die Gestaltung der Preise eine sehr verwickelte Erscheinung; am verwickeltsten aber ist sie bei dem Preise des Kapitals, und es ist immer ein Zeichen großer Oberflächlichkeit, wenn man eine einzelne Zins- schwavkung auf einen einzigen Grund zurückführen will, beispielsweise auf den Bestand der Goldwährung.

Hohe Waarenpreise baden Nutzen für den Verkäufer und Nachtheile für den Käufer; mit niedrigen Preisen verhält es sich umgekehrt. Und so haben auch hohe und niedrige Zinsen für den Einen Vortheile und für den Andern Nachtheile. Alle die wechselnden Erscheinungen tragen aber zum Wohle der Gesammtheit bei. Sie zwingen den, der von den nachtheiligen Folgen betroffen wird, seine Kräfte anzustrengen, um diesen Nachtheilen zu entgehen. Ein niederer Zinsfuß regt den Unter­nehmungsmuth an und ein hoher Zinsfuß zwingt zu einer strengen Prüfung, welche Art von Unternehmungen die lohnendste ist. Ob hohe oder niedere Preise, hoher oder niederer Zins besser für die Menschen sei, ist eine Frage, die sich ebensowenig beantworten läßt, wie die Frage, ob Regen oder Sonnenschein für daS Wohl der Menschen ersprießlicher ist.

Die Zinserhöhung, die die Reichsbank bei uns jüngst vorgenommen hat, findet ihre Erklärung haupt­sächlich in dem Umstand, daß die Industrie wiederum Lust zu neuen Unternehmungen gewonnen hat und scheint aus diesem Grunde eine erfreuliche Erscheinung zu sein. Daß die Geldvorräthe der Welt sich als unzu-

j reichend erwiesen haben, den Anforderungen der Industrie zu genügen, ist eine Behauptung, die mit den Zahlen in Widerspruch steht. Sie geht aus von Leuten, die im Voraus entschlossen sind, jede Erscheinung, die sich im wirthschastlichen Leben herausstellen wird, im Sinne ihrer einseitigen Bestrebungen zu deuten.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Nov. Der Kaiser ist heute früh gegen 9 Uhr in Groß-Strelitz eingetroffen. Nach Begrüßung der Anwesenden fuhr S. M. der Kaiser nach dem Jagdrevier.

Der Ueberschuß in Preußen beträgt 60 Mill. Mk., wovon circa 52,5 Mill. von der Eisenbahnverwaltung her­stammen. Die Einnahmen waren um 94,7 Mill. Mk. höher, als der Finanzminister bei Aufstellung des Etats angenommen hatte,

Das Eiserne Kreuz in der Handelsflagge ist bekanntlich durch kaiserliche Ordre vom Juli d. I. den Führern deutscher Seehandelsschiffe verliehen worden, so lange sie Offiziere des Beurlaubtenstandes der Kriegs­marine sind, ober wenn sie früher als Seeoffiziere der Marine angehört haben und mit der Erlaubniß zum Tragen der Uniform verabschiedet worden sind. Jetzt ist nach denHamb. Nachr." eine Anzahl von Kapitänen der Hamburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd auf kurze Zeit in den aktiven Marinedienst eingetreten, um das Patent als Reserve-Offizier durch eines acht- wöchentliche Uebung zu erwerben. Beide Gesellschaften haben alle Kapitäne, die nur irgend Aussicht haben, diese Vergünstigung zu erreichen, veranlaßt, sich dieser Uebung zu unterziehen.

Die Justiz-Kanzleigehülfen haben eine Petition an den preußischen Landtag gerichtet, worin sie die traurige Lage schildern, in welche sie durch die Kanzlei­verordnung vom 1. April d. I. versetzt worden sind. Das frühere Tagespensum ist von 32 auf 36 Seiten gesteigert, dagegen ihr Einkommen nicht erhöht, sondern sogar vermindert worden; denn früher ist ihnen die sog. Formulararbeit ebenso bezahlt worden, wie Kanziei- bogcnarbeit, und jetzt werde ihnen dafür am Schlüsse des Monats ein Abzug von 25 Prozent gemacht. Die Petenten bitten den preußischen Landtag, dahin wirken zu wollen, daß die früheren Verhältnisse wieder ein« geführt werden.

Vom Landgericht zu Magdeburg wurde der Fleischer Bock, der seiner Frau ein Ohr abgebissen, so daß dieselbe dauernd entstellt ist, und seinen Schwiegervater derartig [ in den Daumen biß, daß der Daumen abgenommen werden mußte, zu 5 Jahren Gefängniß verurtheilt.

Zu der Frage konfessioneller Mischehen schreibt man aus der Provinz Sachsen: Unser Konsistorium hat die Geistlichkeit erneut auf die großen Verluste hingewiesen, die der evangelischen Kirche fortgesetzt aus konfessionellen Mischehen erwachsen, auf diesem Gebiete abermals pein­lichste Aufmerksamkeit zur Pflicht gemacht und den Geistlichen in geeigneten Fällen sanftes, aber entschiedenes Einwirken anempwhlen. Die provinzialsächsische Presse weist jedoch demgegenüber darauf hin, daß man sich über die Lässigkeit uud Glcichgiltigkeit unserer Bewohnerschaft in solchen Dingen so lange nicht zu verwundern brauche, als noch in deutschen Herrscherhäusern Religionswechsel aus Anlaß von Eheschließungen stattfinde.

Die Königl. Präparandenschule Wnnsiedcl besitzt zur Zeit in zwei Klassen je einen Schüler. Es scheint sonach bei den Oberfranken dte Lust nach dem Beruf eines Lehrers nicht mehr sehr groß zu sein.

Ausland.

Türkei. Die Lage im Orient wird von Tag zu Tag unsicherer; die Verhaftungen von Armeniern mehren sich in bedenklicher Weise; daneben ist es kein Geheimniß mehr, daß die Pforte um-asscnde Vorbereitungen trifft, um bei gegebener Gelegenheit einen entscheidenden Schlag gegen die Armenier zu führen. Man entschuldigt die Rüstungen mit der bevorstehenden Ernennung eines armenischen Patriarchen in Konstantinopel. Die in Aussicht genommene Persönlichkeit bietet nämlich für die Vertretung der armenischen Interessen nnr geringe Garantien, da die Pforte nur einen ihr genehmen Geistlichen für den wichtigen Posten zu bestätigen ent­schlossen ist. Daß sich die Armenier mit dieser Aenderung der üblichen Verhältnisse schwer zufrieden geben werden, leuchtet allerdings ein. Der Ernennungstag des neuen

Patriarchen wird daher in Konstantinopel bereits all­gemein als der Termin des Ausbruchs einer neuen Revolution angesehen.

Abcssinien, Die griechische ZeitungPatris« ver­öffentlicht einen längeren Bericht eines seit vielen Jahren Abessinien bereisenden griechischen Kaufmanns über die Vorbereitungen, welche der Negus Melenik für einen neuen Angriff gegen die Italiener getroffen habe. Der Schreiber meint, es sei für einen Kenner Meleniks gänzlich unbegreiflich, wie man sich in Italien der Hoffnung hingebe, der Negus werde mit den Italienern einen Frieden abschließen, so lange diese auch nur noch einen Fuß breit abessinischen Landes besetzt hielten. Ebenso trügerisch sei die Hoffnungauf die Freigabe der Gefangenen. Der Negus habe vielmehr seine Vor­bereitungen zum Vormarsch gegen die Marebliuie in so umfassendem Maße getroffen, daß er diesmal mindestens 130000 Bewaffnete ins Feld führen werde. Deren Ausrüstung sei auch taum noch mit der vorjährigen zu vergleichen, da sich Menelik außer den von den Italienern erbeuteten Gewehren und Kanonen noch 40 000 neue Gewehre aus Europa beschafft habe. Und endlich habe er auch ausreichend für die Versorgung seiner Truppen mit Lebensrnitteln Vorsorge getroffen, weshalb man in Europa wohl bald von der Wieder­aufnahme des Feldzuges hören werde.

Amerika. In den Vereinigten Staaten hat am 3. November die Wahl des Präsidenten stattgefunden; obwohl das amtliche Wahlresultat noch nicht festgcstellt ist, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß Mac Kinley gewählt wurde. Von seiner Amtsführung ist für den deutschen Handel mit Amerika nichts ersprießliches zu -warten; dennoch ist er ein geringeres Uebel, als sein Gegenkandidat, der Silberwährungsmann Bryan.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 6. Nov.

* Das seit vorgestern eingetretene klare Wetter wird allgemein mit Freuden begrüßt. Heute Morgen waren die Felder und Dächer bereift, vielfach die Fenster mit Eisblumen geziert und die Gräben und Wasserlöcher mit Eis bedeckt.

* Unter dem Rindvieh eines hiesigen Viehhändlers ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und deshalb Gcmarknngssperre verhängt worden.

* In der Nacht vom 3. auf den 4. Nov. wurde in Vollmerz ein fetter Ochse aus dem Stalle gestohlen, und gegen 4 Uhr Morgens bei einem hiesigen Wirth eingestellt, von wo das Thier nach Steinau weiter transportirt werden sollte. Der Eigenthümer entdeckte jedoch den Diebstahl noch zeitig am Morgen, folgte der Spur nach hier und mit Hilfe der Polizei kam er wieder in den Besitz seines Ochsen. Der Dieb aber hat sich nicht wieder sehen lassen und fehlt jede Spur von ihm.

* Nächsten Montag findet dahier der sog.Kalte Markt" statt.

Das amerikanische Obst bereitet den deutschen Obstbauern eine starke Konkurrenz. Die ersten ameri­kanischen Aepfel diesjähriger Ernte sind eingetroffen. Der 1. Ozeandampfer hatte eine Obstladung an Bord, die 240 Eisenbahnwagen füllte. Der Centner wird mit 48 Mark bezahlt, während gute deutsche Aepfel im Durchschnitt 16 Mark kosten.

Zur Frage derKommunalbesteuerung in Preußen verdient folgende Meldung Berliner Blätter Beachtung. Dem Vernehmen nach sind die preußischen Gemeinden von der zuständigen ministeriellen Stelle aufgefordert worden, spätestens bis zum 1. Februar 1897 die Arbeiten für den Etat auf das Jahr 1897/98 zu beenden, damit die Aufsichtsbehörden ihre Thätigkeit bezüglich der kommunalen Besteuerung von da ab beginnen können. Die Aufforderung ist aus dem Bestreben hervorgegangen, die Ausführung der in dem neuen Kommunalabgaben- gesetze enthaltenen Bestimmungen möglichst genau kon- troliren zu können und so darauf hinzuwirken, daß die Absicht, die die Gesetzgeber verfolgt haben, auch ver­wirklicht werde. Andererseits kann nicht geleugnet werden, daß die Kommunen durch die Aufforderung in eine schwierige Lage gebracht werden. Wenn die Gemeinden sich mit ihren Budgetarbeiten so beeilen sollen, daß sie zwei Monate vor dem Inkrafttreten des neuen Etats mit diesem bereits vollständig fertig sein sollen, so werden sie in die Unmöglichkeit versetzt, Ausgaben, die sich für das nächste Finanzjahr noch in den letzten beiden