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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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Jß 88. Samstag, den 31. Oktober 1896. 47. Jahrgang.
NsKsil«»1^-»1 °uf die „Schlüchterner Zeitung" ^IJirUUUylU werden noch fortwährend von allen - .' -----1 Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Oktober. Unser Kaiser und sein Bruder, Prinz Heinrich, trafen Dienstag früh gegen 9 Uhr in Mcppen ein. Geh. Rath Krupp, Admiral Knorr und Staatssekretär Hollmann empfingen Se. Majestät am Bahnhof, bestiegen sodann den Hofzug und geleiteten den Monarchen nach dem Krupp'schen Schießplatz. In der Stadt Meppen waren der Bahnhof, die Kirchen und viele Privatgebäude mit Fahnen geschmückt. Als der Hoszug auf dem ebenfalls reichen Flaggenschmuck tragenden Schießplatz ankam, stieg am Empfangsgebäude die Königsstandarte empor. Der Kaiser begrüßte den Direktor der Krupp'schen Werke, wie auch die anwesenden Marineoffiziere. Bis Nachmittags 4 Uhr wohnte der Kaiser Schießversuchen der Marine mit Geschützen bei, die zur Ausrüstung der neuesten Panzerschiffe in Aussicht genommen sind. Sodann erfolgte die Wciterfahrt über Essen nach Villa Hügel, wo ein Diner stattfand. Am Mittwoch besichtigte der Kaiser in Essen die
Krupp'schen Werke.
— Die „Hamb. Nachr." brachten vor Kurzem die selsame kaum glaublich erscheinende Nachricht, daß in den achtziger» Jahren ein deutsch-russisches Abkommen bestanden habe, wonach beide Reiche sich gleichzeitig Neutralität zusicherten im Falle eines von ihnen angegriffen würde. Die Mittheilung hat namentlich in Oesterreich viel Aufsehen gemacht, und es ist vielfach der Wunsch hervorgetreten, die Regierung möge auch ihrerseits das Wort zur Sache ergreifen. Der „Reichs- anzeiger" ist zu der Erklärung ermächtigt, daß dies nicht geschehen wird. „Diplomatische Vorgänge der von den ^cmmnyyuuuun, an urim ökuc uu» ^cumiyuug»™^ „Hamburger Nachrichten" erwähnten Art gehören ihrer beS Gerichtsherrn tritt. Die bestehenden Militärgerichte Natur nach zu den strengsten Staatsgeheimnissen; sie - gewissenhaft zu wahren, beruht auf einer internationalen Pflicht, deren Verletzung eine Schädigung sehr wichtiger Staatsinteressen bedingen würde. Die kaiserliche Regierung muß daher auf jede Klarstellung verzichten, sie wird jenen Auslassungen gegenüber weder Falsches berichtigen, noch Unvollständiges ergänzen, in der Ueberzeugung, daß die Zuversicht in die Aufrichtigkeit und die Vertragstreue der deutschen Politik bei anderen Mächten zu fest begründet ist, als daß sie durch derartige „Enthüllungen" erschüttert werden könnte".
—- Die in chilenische Dienste getretenen deutschen Offiziere haben, wie aus Chile gemeldet wird, ihre Kontrakte gekündigt. Da sich die deutschen Osfiziere in Chile als ein geschlossenes Osfizierkorps betrachten, so erfolgte die Kündigung im Namen aller Betheiligtcn. Kontraktmäßig hat sie sechs Monate vor Ablauf des auf ein Jahr lautenden Vertrages zu erfolgen; sie geschah früher, um einem nicht auf Thatsachen beruhenden Gerücht in chilenischen Osfizierskreisen zu begegnen, wonach einige deutsche Herren sich erboten hätten, unter den allen Bedingungen noch ein drittes Jahr bei der
chilenischen Armee zu verbleiben.
— Alljährlich ist vom Kaiser das Präsidium der Brandenburgischen Provinzialsynode empfangen worden Als erster geistlicher Beisitzer gehört auch der Hofprediger a. D. Stöcker zu demselben. Es ist nun in diesem Jahre sehr bemerkt worden, daß der Kaiser nicht das gesammte Präsidium, sondern nur den ersten Vorsitzenden der Synode, Herrn v. Levetzow, in Audienz
empfangen hat. ,
— Der Entwurf einer Landgemeindeordnung für Hessen-Nassau. dem ein von dem Regierungspräsidenten von Tepper-LaSki ausgearbeiteter Entwurf zu Grunde . gelegen hat. wird bekanntlich dem Landtag in der nächsten Session vorgelegt werden. Nach dem Entwurf solle offiziöser Mittheilung zufolge im Allgemeinen die Bestimmungen der Landgemeindeordnung für die östlichen Provinzen auf die Provinz Hessen-Nassau ausgedehnt, dabei aber möglichst die Einrichtungen und Verhältnisse geschont werden, wie sie sich namentlich in dem kur- hessischen Theile der Provinz nach der dort bestehenden Gemeindeordnung vom 23. Oktober 1834 gestaltet haben. Die letztere bestimmt u. A., daß einzelne Ge- bände und Grundstücke jeder Art, mit Einschluß der
Domänen- und Rittergüter, der Staats- und anderer Es gelang damals trotz größter Anstrengungen der Waldungen, „welche bisher nicht in der Gemarkung I Untersuchungsbehörden nicht, den Thäter zu ermitteln.
einer Gemeinde begriffen waren", derjenigen Gemeinde, zu der sie nach den Verhältnissen am besten passen, und unter thunlichster Berücksichtigung der Wünsche der Betheiligtcn einzuverleiben. Die Verwaltungsbehörde hat zu diesem Zwecke womöglich eine Uebereinkunft unter den Betheiligtcn zu vermitteln, oder nach Maßgabe der einschlägigen Bestimmungen der Gemeindeordnung die nöthigen Anordnungen zu erlassen. Beim Erlaß des Reichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz wurden aber viele Rittergüter und fiskalische Grundstücke zu selbständigen Gutsbezirken zusammengelegt, so daß die Gemeindcverbände durch die Armenpflege mehr belastet wurden. Ferner soll dem Landtage in der bevorstehenden Tagung auch der Entwurf einer neuen Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau zugehen.
— Dem Bundesrath ist die neue Militärstrafprozeßordnung zugegangen. Znr Zeit wird über Soldaten und Offiziere streng geheim zu Gericht gesessen. Die Verhandlung erfolgt lediglich auf Grund des akten- mäßigen Materials. Mündlich tritt der Angeklagte mit seinen Richtern überhaupt nicht in Berührung. Als Richter fungiren Offiziere, Unteroffiziere und Gemeine, wenn ein Gemeiner, Offiziere und Unteroffiziere, wenn ein Unteroffizier, und Offiziere, wenn ein Offizier vor den Schranken steht. Der einzige juristisch gebildete Beirath im Militär-strafprozeß ist der Auditeur. Dieser nimmt eine ganz eigenartige Stellung ein, indem er Ankläger und Vertheidiger in einer Person ist. Dadurch kommt der Angeklagte in 99 unter 100 Fällen zu kurz; denn einem alten Erfahrungssatze zufolge bleibt, wenn Jemand zugleich Ankläger und Vertheidiger ist, das Zünglein der Waage nicht gleich, sondern der Zug zur Belastung des Angeklagten überwiegt und läßt die Vertheidigung unwillkürlich zurücktreten. Ein weiterer schwerer Uebelstand ist der gänzliche Mangel von
Berufungsmitteln, an deren Stelle das Bestätigungsrecht
sprechen also in Wirklichkeit nicht Recht, sondern sie geben nur Gutachten ab, deren Anerkennung in das Belieben des Gerichtsherrn gestellt ist, der unbeschränkt jedes ihm nicht zusagende Erkenntniß so lange umstoßen kann, bis endlich ein Spruch in dem von ihm gewünschten Sinne gefällt worden ist. Eine Verbesserung des Militärstrafprozeffes wird alle diese Unvollkommenheiten zu treffen haben.
— Der Mörder des Justizraths Levi, Bruno Werner, konnte bisher immer noch nicht ergriffen werden. Trotz der eifrigen Thätigkeit der Kriminalpolizei, die fortwährend Streifen in der Umgebung Berlins abhält, hat sich nicht die geringste Spur von dem Vielgesuchten entdecken lassen. Sollte Werner überhaupt noch am Leben sein, und sollte er thatsächlich in den Wäldern und nicht etwa irgendwo anders Unterschlupf finden, so dürfte ihn nur eine anhaltend strenge Winterwitterung der Polizei in die Arme treiben. — Die Serie der entsetzlichen Thaten, die seit einiger Zeit Berlin in Aufregung erhalten, hat am Montag Mittag durch eine furchtbare Familien- tragödie eine neue und traurige Bereicherung erfahren. Eine Mutter tödtete ihre drei Kinder und sich selbst. Das älteste Mädchen hing erdrosselt an der Küchenlhür, das zweite an der Bettstelle, das kleinste an einem Nagel und die Mutter, eine Frau Limberg, am Ofen.
— 40,000 Wohnungen stehen in Berlin leer. Der Oktoberumzug nahm einen riesigen Umfang an. Die Zahl der leerstehenden Quartiere dürfte gegenwärtig etwa 40,000 betragen oder annähernd 1 Prozent der Gesammtzahl aller Miethswohnungen, wobei die großen und elegant eingerichteten Wohnungen in den westlichen, süd- und nord-westlichen Stadttheilen allerdings zahlreicher vertreten sind. Wenn die Bauwuth so andanert, stehen große Krache bevor.
Kiel, 26. Okt. Eine blutige Schlägerei fand in der vergangenen Nacht zwischen Mannschaften des Minen- schiffcs „Pelikan" und des Artillerieschulschiffs „Mars" statt, in deren Verlauf der Matrose Lentz vom „Pelikan" erstochen und der Obermatrose Schmidt schwer verletzt wurden.
Ulm, 22. Okt. Sonntag, den 26. Februar 1893, Vormittags nach 11 Uhr, wurde bekanntlich die Professors- tochter und Klavierlehrerin Selma Reuß auf einem Spaziergang, den sie auf den etwa eine Viertelstunde von der Stadt entfernten Safranberg machte, ermordet.
Jetzt theilt der Staatsanwalt mit, daß der des Mordes dringend Verdächtige in dem in Saigon in Chochinchina liegenden Bataillon der französischen Fremdenlegion unter dem (wohl angenommenen) Namen Harry Bondora verhaftet worden ist. Nach den bei ihm Vorgefundenen Briefen hat er vor dem Morde in Ulm gewohnt und mit einem Mädchen Namens Emma ein Verhältniß unterhalten. Nach dem Mord soll er zuerst nach Bayern entflohen sein. Wie die „Ulmer Schnellpost" zu berichten weiß ist, die Spur des Mörders auf merkwürdige Weise gefunden worden. Ein an den Fremdenlegionär Harry Bondora gerichteter Brief, in welchem ein Freund, ein Friseurgchilfe, jenen warnt, vorerst nach Deutschland zurückzukehren, da wegen der Geschichte in Ulm immer noch Nachforschungen angestellt werden, soll als unbestellbar zurückgekommen sein und dürfte den Grund zur Festnahme des angeblichen Bondora, der in Saigon in Cochinchina bei der französischen Fremdenlegion dient, gebildet haben.
Ausland.
Konstantinopel. Ein Erlaß des Großveziers an die mit dem Sicherheitsdienst betrauten Behörden besagt, daß in der 'letzten Zeit 60 Armenier aus dem Auslande eingetroffen und in die armenischen Stadtiheile eingedrungen seien, wo sie die Bevölkerung auffordern, ihre alten Quartiere zu verlassen, und sich in die christlichen und europäischen Quartiere zu zerstreuen, da das Komitee binnen 12 Tagen ein großes Komplott plane. Der Erlaß ordnet daher größte Wachsamkeit an. Es zirkuliren Gerüchte, daß von den Armeniern geplant werde, in den muhamedanischen Vierteln Feuer anzulegen.
Chicago, 24. Okt. Das höchste Bauwerk der Welt w.rd demnächst Chicago besitzen. Der neue Eifelthum wird 1200 Fuß hoch werden und soll 800 000 Dollars kosten. An der Basis nimmt der Bau 326 Quadrat- Fuß ein. Der erste Absatz befindet sich in einer Höhe von 200 Fuß, der vierte und letzte in einer Höhe von 1000 Fuß.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 30. Okt.
* — Schulamtscandidat Herr CarlLichteufeld zu Salmünster wurde provis. zum Lehrer der 2. Schul- stelle in Rothenbergen ernannt.
* — Der neue Anbau am Güterschuppen des Bahnhofs Schlüchtern wird am 1. November d. Js. bezogen. Es wird von da ab in die neuen Räume die Abfertigung des gesummten Güter- und Viehverkehrs, also sowohl der abgehenden wie der ankommenden Sendungen, verlegt. Damit kommt die bisherige Abfertigung im Stationsgebäude in Fortfall.
* — Die Kgl. Eisenbahu-Verkchrsiuspektiou in Fulda ersucht uns um Aufnahme des Nachstehenden: Die bahn- amtlichen Rollfuhrunternehmer haben die vertragliche Verpflichtung, der Eisenbahnverwaltung binnen 48 Stunden den Nachweis über die Ablieferung der Güter zn erbringen, andernfalls sie zu Ordnungsstrafen bis zu 30 Mark herangezogen werden können. Nach Mittheilung der Rollsuhrleute quittiren viele Empfängerin Schlüchtern erst nach mehrmaliger Aufforderung in den Rollkarten, so daß die Rollführer außer Stande sind, ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen. Im Interesse dieser Leute und zwar zum Schutze vor Unannehmlichkeiten möchte man hiermit ersuchen, die Quittungsleistung sofort bei der Empfangnahme der Güter zu leisten. Für die Güterempfönger ist die als- baldige Abquittirung aber auch und zwar deshalb von Bedeutung, weil sich die Eisenbahnverwaltung bei termin- mäßiger Rücklieferung der Rollkarten davon Ueberzeugung verschaffen kann, ob die Güter den Empfängern auch rechtzeitig zng'estellt worden sind.
Die „Kölnische Zeitung" schreibt in No. 943: „Bei Löwenberg in Schlesien ist ein Goldfund gemacht worden, bei dem es sich um ein Vorkommen von theil- weise deutlich sichtbaren Spuren im Quarz handelt. Nach oberbergamtlichen Analysen sind bis zu 139,92 xr reines Gold in 1000 kg Gesteinsmasse enthalten. DaS Oberbergamt Breslau hat die Muthung für 4 Millionen Quadratmeter ertheilt, und die Ausbeutung ist laut einer in Köln getroffenen Vereinbarung dem Privat- geologen Paul Schwengers (früher Besitzer des Bergwerks „Kohenhof" bei Elm) in Altenhaßlau Lei Gelnhausen übertragen worden.