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sjfitt^ 47. Jahrgang.
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sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser wird von Wiesbaden aus, wo er bis zum 20. d. Mts. verweilt, einen Ausflug nach Essen machen, um die Krupp'sche Gußstahlfabrik zu besuchen. Daselbst herrscht gegenwärtig eine überaus rege Thätigkeit. Es werden unter Anderem auch Versuche mit einer neuen für die Leistungfähigkeit der Geschütze und Geschosse wichtigen Erfindung angestellt, über die natürlich noch nichts Näheres in die Oeffentlichkeit bringt. Der Kaiser soll sich für diese neue Erfindung sehr interessiren.
— Ein rumänisches Blatt erfährt aus angeblich sicherer Quelle, daß der Besuch des Kaisers Wilhelm in Bukarest auf den 20. Mai 1897 festgesetzt sei. Von Bukarest aus werde der Kaiser über Odessa nach Petersburg reisen, um dem Zaren seinen Gegenbesuch zu machen.
— Die beiden Häuser des Landtags sind bis zum 20. November einberufen worden. Die amtliche Bekanntmachung steht unmittelbar bevor.
— Ein Garnisonwechsel tritt gegenwärtig bei folgenden Truppentheilen ein. Es werden verlegt: das 3. Bataillon 2. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 32 von Kassel nach Meiningen, das 2. Bataillon des Infanterieregiments Herzog von Holstein (Holstein- scheS) Nr. 85 von Neumünster nach Rendsburg, die 2. Eskadron des 2. Westfälischen Husarenregiments Nr. 11 von Benrath nach Düsseldorf, der Stab des Fußartillerieregiments von Hindersin (Pommersches) Nr. 2 von Swinemünde nach Danzig, das Pionierbataillon von Rauch (Brandenburgisches) Nr. 3 von Torgau nach Spandau. Im Anschlüsse au die diesjährigen Herbstübungen sind im September bereits verlegt: das 2. Rheinische Husarenregiment Nr. 9 von Trier nach Straßburg i. E., das Ulanenregiment Groß- herzog Friedrich von Baden (Rheinisches) Nr. 7 von Saarburg nach Saarbrücken (St. Johann), das Schles- wig-Holsteinsche Ulanenregiment Nr. 15 von Straßburg i. E. nach Saarburg, das 2. Bataillon des Garde-Fuß- artillerieregiments von Küstrin nach Spandau.
— Zum Aufstande der Wahehe wird dem „B. L.-A." aus Sansibar telegraphisch berichtet, daß der stellvertretende Gouverneur Oberstlieutenant von Trotha auf seinem Marsch vom Seengebiet zur Küste abgeschwenkt sei und den Wahehe in einem größeren Gefecht zwischen Süd-Useke und Kissalo eine schwere Niederlage beigebracht und sie aus Ugogo zurückgeworfen habe. Oberstlieutenant v. Trotha sei durch von der Küste kommende Karawanen, die von den Wahehe in Ugogo geplündert wurden, von dem Einfall dieses Stammes unterrichtet worden und habe sich darauf in Eilmärschen in das Gebiet begeben. Um in Zukunft den Wahehe die Lust an Empörungen etwas zu beschneiden, wolle Oberstlieutenant von Trotha die angesehensten der gefangenen Wahehe als Geiseln nach Dar-es-Saalam führen. Außerdem soll der kriegerische Stamm zur Auslieferung des größten Theiles der in seinem Besitze sich befindenden zahlreichen Hinterlader gezwungen werden. Sollte diese Bedingung nicht erfüllt werden, sehe man sich zum Vernichtungskampfe genöthig. Bei den bisherigen Kämpfen gegen die Wahehe ist keiner der theilnehmenden deutschen Offiziere und Unteroffiziere nennenswcrih verwundet worden.
— Die Hochseefischerei und deren Schutz in der Nordsee finden seitens der Reichsregierung stetig größere Beachtung. Da die deutschen Fischereischutzfahrzeuge Ende September außer Dienst stellten, sind einige Angaben über die Thätigkeit und Erfolge in diesem Sommer von Interesse. Der Aviso „Meteor" übernahm im Frühjahr Unter dem Kommando des Kapitänlieutenants Neitzke den Schutz der Nordseefischerei und wurde von dem Wachtboot „Wega" und den manöverirenden Torpedobooten unterstützt. Bei der Formirung der Herbstmanöverflotte wurde der „Meteor" den Aufklärungsgruppen zugetheilt und zur Verfügung des Flottenchefs gestellt; das kleine Schulschiff „Hay" übernahm den Fischereischutz. „Hay" wird seine Kreuztouren in der Nordsee bis zum 20. September fortsetzen; alsdann tritt § Meteor" bis Ende September an die Stelle des
Schulschiffs. Der „Meteor" hat seine Aufgabe mit großem Erfolg ausgeführt und ein Uebergreifen fremder Fischer auf deutsches Gebiet wirksam verhindert. Das Schiff besuchte den niederländischen Hafen Delfzyl und den dänischen Hafen Esbjerg, wo her Kommandant von den Maßregeln des Auslandes zum Schutze der Fischerei Kenntniß nahm und ein gemeinsames Vorgehen der Nordsee-Küstenländer anbahnte. In der englischen Hafenstadt Lowestoft fand eine Zusammenkunft des „Meteor" mit den Fischereikreuzern der Nordseestaaten, dem dänischen „Grönsund", dem englischen „Hearty" und dem niederländischen „Dolfyn" statt. Der Kommandant des dänischen Kanonenbootes leitete die Konferenz. Es ist dort beschlossen worden, jährlich eine Versammlung aller Kommandanten der Fischereischutzfahrzeuge einzuberufen, um sich über gemeinsame Maßregeln zu verständigen und über die Mittel zur Hebung der Hochseefischerei zu berathen.
— Es ist wirklich beabsichtigt, zwar nicht allen kleinen Rentern, aber den Wittwen und Waisen von Beamten und Offizieren, die durch die Konvertirung der 4proz. Anleihe eine Verminderung ihrer kleinen Rente erleiden, dafür eine Entschädigung zu gewähren. Man scheint zu beabsichtigen, aus den Zinsersparnissen eine Art Dispositionsfonds für diese bevorzugten kleinen Rentner abzuzweigen.
— Von den Postunterbeamten auf dem Lande war vielfach über den Mangel an geeigneten Wohnungen geklagt worden. Der Staatssekretär des Reichspostamts hat deshalb angeordnet, daß die Reichspostverwaltung überall, wo sich ein Mangel an Wohnungen für Unterbeamte auf dem Lande zeigt, mit dem Bau eigener Wohnhäuser vorgehen soll. Die Miethe soll den Betrag des Wohnungszuschußgeldes für den betreffenden Ort nicht übersteigen.
Darmstadt, 10. Oktober. Das russische Kaiserpaar straf um neun Uhr hier ein und wurde am Bahnhöfe von der Großherzoglichen Familie herzlichst begrüßt. Großer militärischer Empfang fand an der Ehrenpforte am Rheinthor statt, dann folgte die Begrüßung durch die Stadtvertretung mit einer Ansprache des Oberbürgermeisters. Bei der Fahrt nach dem Palais saß im ersten vierspännigen Wagen der Kaiser mit dem Großherzog, iin zweiten die Kaiserin mit der Großherzogin; es folgten das Großfürstenpaar Sergius, mit der Prinzessin Battenberg. Die Stadt ist reich geschmückt. Das Wetter ist prächtig. Das Publikum brächte den hohe» Gästen herzliche Ovationen dar.
Darmstadt, 11. Oktober. Der Großherzog hat den Kaiser von Rußland zum ersten Inhaber des großherzoglich Hessischen Dragoner - Regiments (Leibdragoner- Regiments) Nr. 24 ernannt. Und kaum 24 Stunden vorher verkündete derselbe Kaiser von Rußland die französisch-russische Waffenbrüderschaft. Wie reimt sich das zusammen? — Gestern hat das Zarenpaar kaum das Palais verlassen. Zur Festvper für heute (Sonntag) zu Ehren des Zarenpaares („Lohengrin") sind 1500 mehr Bestellungen eingegangen als berücksichtigt werden können. Der erste Rang gelangt überhaupt nicht zum Verkauf, ebensowenig die acht ersten Reihen des Sperrsitzes. Das Foyer bleibt für den Abend für das Publikum geschlossen. Der Vorsicht halber mußte gestern Vormittag das ganze im „Lohengrin" auf und hinter den Coulissen beschäftigte Personal den russischen Geheimpolizisten vorgeführt werden, damit kein Unrufener sich einschleichen kann. Sehr unangenehm empfindet die Bürgerschaft das große Aufgebot Petersburger und Berliner Detektivs und die sonstigen getroffenen Anordnungen. So mußten alle Hausbesitzer in denjenigen Straßen, durch welche das Zarenpaar bei seinem Einzüge kam, die Kellerfenster schließen, und alle diejenigen Fremden, die Fenster gemiethet hatten, mußten namhaft gemacht werden.
Mainz, 10. Oktober. Eine hiesige Frau brächte ihrem Sohne, dem 27 Jahre alten Tagelöhner Michael Kirsch, das Vesperbrod auf die Baustelle im Gartenfeld. Bei ihrem Erscheinen rief sie den Sohn mit seinem Vornamen, er drehte sich um und stürzte vor den Augen der Mutter fünf Stockwerk hoch vom Baugerüst in die Tiefe. Mit doppeltem Schädelbruch, Armbruch und blutenden Verletzungen lag er todt vor den Augen der unglücklichen Mutter. Nach Aufnahme des Thatbestandes wurde die Leiche nach dem Friedhof verbracht, wo morgen Bormittag die gerichtliche Obduktion stattfindet.
Butzbach, 7. Oktober. Im „Wetterauer Boten" lesen wir: „Die von meiner Frau und meiner schönen Tochter gegen meinen Bruder Andreas Strasheim 4, dessen Frau, Söhne, Töchter, Schwiegersöhne und Schwiegertochter auf die raffinirteste, schmählichste, niederträchtigste, roheste und verwerflichste Weise ohne allen Grund, bloß aus Neid und Mißgunst, in Form von Schmähschriften verbreiteten Anschuldigungen und Ver- läumdungen, die zu erfinden und auszusprechen allem menschlichen Ehrgefühl, aller Sitte, aller Moral, allem Glauben an Gott und Religion Hohn spricht, nehme ich im Namen meiner Familie hiermit zurück und danke meinem Bruder, daß er mich mit meiner Familie vor weiterer Schmach und Schande verschont hat. Griedel, 5. Sept. 1896. Peter Strasheim 25."
Nicht leicht dürfte eine Stadt verhältnißmäßig so wenig „Bürger" haben, wie Regensburg. Bei einer Einwohnerzahl von 42 000 und über 9000 Haushaltungen beträgt die Zahl derjenigen, die das Bürgerrecht besitzen, nur 1300.
— Vom bayerische» Oberlande wird der Münchener „Allg. Ztg." geschrieben: Wenn man den Berichten gewisser bayerischer und außerbayenscher Zeitungen Glauben schenken darf, soll im sogenannten Haberer- gebiete eine sehr erhebliche Aufregung über die noch immer fortdauernden Verhaftungen herrschen, deren Zahl inzwischen das erste Hundert bereits überschritten hat. In Wirklichkeit ist aber gerade das Gegentheil der Fall. In den besseren Kreisen der ländlichen Bevölkerung ist man ganz zufrieden damit, daß es den Behörden endlich gelungen ist, mit eiserner Hand durchzugreifen und hoffentlich auf immer einem Unfug zu steuern, der sich mit der Zeit gewissermaßen zu einem Sport der ver- werflichsten und rohesten Art ausgewachsen hat. Leider giebt es noch immer Leute, die in vollständiger Ver« kennung der thatsächlichen Verhältnisse auch heute noch die Haberfeldtrciber mit einem Heiligenscheine umgeben möchten und in ihnen die Verfechter von Recht und guter Sitte erblicken. Wer aber nur einmal die von ganz unglaublichen Unfläthigkeiten und Gemeinheiten strotzenden Veröffentlichungen gelesen hat, die nach jedem Haberfeld- treiben massenweise vertheilt werden, und deren Inhalt den Gegenstand der vorgenommenen Vollsjustiz gebildet hat, wird von der Schwärmerei für diese sonderbaren Volksrichter sehr bald gründlich geheilt sein. Ueber die Einzelheiten der weitverzweigten Untersuchung wird strengstes Stillschweigen beobachtet; jedoch sind die Behörden sicherem Vernehmen nach im Besitze eines so umfassenden Belastungsmaterials, wie Mitgliederliste, Geheimschriften, Listen über geleistete Geldbeiträge u.s. w. gelangt, daß es leicht wäre, noch die doppelte Anzahl der bis jetzt erfolgten Verhaftungen vorzunehmen. Durch die umfangreiche Untersuchung ist es auch festgestcllt worden, daß nach der seitherigen Uebung Haberfeldtreiben in einem bestimmten Orte stets nur auf Ansuchen von Bewohnern in diesem erfolgt sind, und daß die betreffenden Bewohner nicht nur die nöthigen Unterlagen für die sogenannte Gerichtsverhandlung, sondern auch neben einem ansehnlichen Geldbetrag noch für das nöthige Bier, für Munition und so weiter zu sorgen hatten. Auch haben die gerichtlichen Ermittelungen Klarheit über die Herkunft der Geldmittel gebracht, mit denen nicht nur die Kosten der einzelnen Haberfeldtreiben bestritten, sondern auch der etwa dritten Personen zugefügte Schaden von geheimnißvollen Absendern auf die freigebigste Weise vergütet wurden. Man hat es hier nach den zu Gerichtshanden gekommenen Listen vortrefflich verstanden, diejenigen wohlhabenden und angesehenen Bauern dauernd in Kontribution zu setzen, die in jungen Jahren auch einmal der Habererfahne gefolgt sind, sich aber längst zurückgezogen haben. Daß die erfolgten Verhaftungen sich auf Schuldige dieser Klasse nicht erstreckt haben, ist selbstverständlich. Wäre dies indessen geschehen, so hätte man thatsächlich ganze Landstriche entvölkern können.
Halle a. S., 8. Oktober. In Steinhauterode bei Heiligenstadt erschoß nach zweitägiger fröhlicher KirmeS- feier der Schlossergesclle Krupsch seine Braut und sich selbst. Nach einem von ihm hinterlassenen Zettel ist Geldmangel das Motiv der That gewesen.
Hamburg, 7. Oktober. Das Landgericht verurtheilte als Berufungsinstanz die mit einer Sterbekasse verbundene militärische Kameradschaft von 1881, einen ausgeschlossenen sozialdemokratischen Gastwirth wieder als Mitglied aufzunehmen. In der Begründung heißt es,