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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

32 80. Samstag, den 3. Oktober 1896. 47. Jahrgang.

^UfblhtttAMI °uf dieSchlüchterner Zeitung" UUIlytll werden noch fortwährend von allen ' ""- - - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Teutsches Reich.

Berlin, 1. Oktober. Der russische Kaiser wird, wie jetzt mit Sicherheit verlautet, bei der Rückkehr vom Darmstädter Hofe in Berlin verweilen.

Wie aus Rominten gemeldet wird, erlegte der Kaiser am Mittwoch früh einen Achtzehnender und nahm Vormittags die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs­marineamts und des Chefs des Marinekabinets entgegen.

Stettin, 29. Sept. Der frühere protestantische Pastor Rauh von Cladow (Pommern) ist wegen Unter­schlagung von 40000 Mk.Kirchengeldern zu 7 Jahren Zucht­haus und 7 Jahren Ehrverlust verurtheilt worden. Der Präsident des Stettiner Gerichtshofes, Landgerichts- Direktor Gentz, bemerkte in der Urtheils-Begründung: Der Gerichtshof hat bei Abmessung der Strafe die hohe Summe, die lange Dauer der Verbrechen, den groben Vertrauensbruch des Angeklagten gegen seine Vorgesetzten und Gemeinde-Aeltesten und endlich in Er­wägung gezogen, daß der Angklagte den kirchen- und religionsfeindlichen Elementen Anlaß zu Angriffen auf Kirche und Religion gegeben hat." Diese Begründung verdient Beachtung.

Görlitz. Zehn junge Mädchen als Reisende einer Niederlausitzer Tuchfabrik hausieren gegenwärtig in den Ortschaften der Mark mit Stoff zu Herrenanzügen. Sie machen gute Geschäfte, und die Spekulation, aus der schwachen Seitedes starken Geschlechts" Kapital zu schlagen, erweist sich als geglückt. Die jungen Damen besitzen große Ucberredungskunst, so daß es ihnen nicht schwer fällt, denkleinen Rest, der gerade noch zueimm Anzug reicht", los zu werden.

Die Abpfändung eines Kindes ereignete sich in Allstedt in Sachsen. Der dortige Gerichtsvollzieher 'pfändete unter großem Menschenauflauf ein zweijähriges Mädchen, indem er dasselbe seinem Vater zuführte. Die Vollstreckung erfolgte auf gerichtliche Entscheidung. Der Vater hatte, da unmittelbar nach der Geburt des Kindes die Mutter starb, dieses den Großeltern mütter­licherseits in Pflege gegeben, die das Mädchen dem Vater nun gutwillig nicht wieder herausgeben wollten.

Das Schöffengericht zu Zena verurtheilte einen Bierpantscher der schlimmsten Art zu sechs Wochen Gefängniß, welcher als Büffetier in einer dortigen weil bekannten Bierwirthschaft alle Neigen gesammelt und mit frischem Bier verschänkt hatte; so hatte er in die Trink Hörner der Studenten zuerst Spülwasser, dann Bier- gegossen. Versuchten die Lehrlinge sich gegen dies Treiben aufzulehnen, so gab es Prügel.

Worms. Wegen Wässerns der Milch wurden von dem Schöffengericht in Worms in seiner letzten Sitzung drei Frauen aus Nachbarorten zu 100, 150 und 300 Mark Geldbuße verurtheilt.

Eupen, 30. Sept. In einem aus Aachen an den Spinnereibesitzer Leonhard Peters, in dessen Fabrik ein Weberstreik ausgebrochen ist, gerichteten Drohbriefe wird demselben mit Erschießung und Sprengung der Spinnerei gedroht, falls Peters die Weber innerhalb drei Tagen nicht wieder annehme.

Elberfeld. Vor ungefähr 14 Tagen verstarb hier der das Amt eines Kirchmeisters bekleidende Rentner Friedrich Kirberg. Wie sich nunmehr herausstellt, hat derselbe ein ihm anvertrautes Kapital von 75,000 Mk., sowie Mündelgelder von über 200,000 Mk. unterschlagen. Man schätzt die Gesammt-Unterschlagungen auf über 300,000 Mk.

Ausland.

Paris, 28. Sept. Zur Sicherung des Zaren während seines bevorstehenden Besuchs in Paris hat der französische Minister des Innern Barthou mit dem Polizeipräfekt Lepine eine Reihe von Ausnahmemaß- regeln vereinbart; diese übersteigert an Strenge Alles, was man bisher in Paris erlebte. Während der Vor- beifahrt des Zaren müssen alle Terrassen vor den Kaffeehäusern, alle Estraden und Sessel verschwinden. Zwischen dem Wagen und dem Publikum bleiben zehn Meter Raum für das Militär reservirt, das überall Spalier bildet. Von dem Verbote der Oeffnung der Fenster mußte abgesehen werden, doch wurden alle

Hausbesitzer angewiesen, ihnen unbekannte Personen nicht an die Fenster zu lassen. Vor jedem Hause auf dem Wege der Vorbeifahrt des Zaren werden zwei Polizisten Wache halten.

Ein interessantes Experiment beabsichtigt Rußland im nächsten Jahre vorzunehmen, nämlich eine Volks­zählung nach den in den übrigen europäischen Staaten geltenden Grundsätzen. Der Gedanke wird schon seit dem Jahre 1870 erwogen, doch stieß seine Ausführung bisher auf unüberwindliche Hindernisse. Jetzt sind die Vorbereitungen so ziemlich beendet, sodaß im Sommer nächsten Jahres die Zählung stattfinden kann, welche zum erstenmale eine genauere Ermittelung der Seelenzahl Rußlands bewerkstelligen soll. Welch ungeheuere Auf­gabe damit übernommen wird, läßt sich nicht nur aus der Ausdehnung Rußlands, sondern auch aus der Ver- schiedenartigkeit seiner Einwohnerschaft schließen.

Türkei. In der asiatischen Türkei wüthen Mord und Brand in schonungsloser Grausamkeit. In den Städten Egia, Kaisarich und Gemerik haben die blutigsten Metzeleien stattgefunden, denen Hunderte und Aber- Hunderte von Armeniern und Türken zum Opfer gefallen sind. Einige Städte und Dörfer im Vilaget Kaisarich sind durch Brand eingeäschert und dem Erdboden gleich gemacht worden. In Gemerik wurden 129 Armenier getötet; aber auch den Muhammedanern geht es schlecht, sie suchen sich und die ihrigen in Sicherheit zu bringen.

wurde, daß der Thurm unbedingt Umfallen muß. Hoffentlich gelingt es der Staatsanwaltschaft, welcher die Sache sofort angezeigt wurde, den Thäter zu ermitteln.

Bockenheim. Lieutenant Hausmann vom 13. preußischen Husarenregiment, dessen Inhaber König Humbert von Italien ist, erhielt nach Schluß der Manöver in Lothringen den Auftrag, nach Monza zu reiten, und dem König Humbert die Glückwünsche des Regiments zur bevorstehenden Vermählung des Prinzen von Neapel darzubringen. Lieutenant Hausmann brach am 12. September von Falkenberg auf und gelangte über Zabern, Straßburg, Basel, Luzern, Andermatt und den Gotthardpaß am 19. September, Vormittags 11 Uhr, in Monza an. Roß und Reiter befanden sich in vorzüglicher Verfassung. Der König nahm Lieutenant Hausmann sehr gnädig auf, lud ihn zu Tische, ließ ihn an der Tafel zu seiner Rechten sitzen und ernannte ihn zum Cavaliere (Ritter). Die Strecke, welche Lieutenant Hausmann in 7 Tagen 42 Stunden zurückgelegt hat, beträgt 730 Kilometer.

Frankfurt, 29. Sept. Am Friedberger Thor waren gestern Morgen 46 Wagen Kelterobst angefahren. DaS Malter wurde mit 1011 Mark je nach Qualität be­zahlt. Die Preise für Heu sind infolge der ungünstig ausgefallenen Grummeterndte auf dem hiesigen Markte sehr in die Höhe gegangen und erfuhr der Centner eine Preiserhöhung von 2 Mark. Billige Nüsse wird es diesmal zu Weihnachten geben. Die Ernte im Rhein­gau und an der Mosel, die jetzt in vollem Gonge ist, liefert die besten Resultate. Die Früchte sind durchweg sehr groß und auch vom bestem Wohlgeschmack. Die Preise sind ziemlich niedrig: einSimmerer" Nüsse, in dem etwa 13001400 Stück enthalten sind, kostet nur 44,50 Mk. Das Versandgeschäft ist ein flottes; eS liegen umfangreiche Bestellungen vor. Auch aus Schlesien wird über eine gute Nußernte berichtet. Dort wird der Nußbaum allerdings weil weniger angepflanzt als Kern- Obstbäumc; wo aber Nußbäume vorhanden sind, haben sie reichlichen Ertag gegeben. Die diesjährigen Früchte stehen zudem an Wohlgeschmack den rheinischen und französischen nicht nach.

Cassel. Der Landes-Direktor der Provinz Hessen- Nassau hat an die ihm unterstellten Behörden und Be­amten nachstehende Verfügung ergehen lassen:Auf Vorschlag des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau habe ich mich damit einverstanden erklärt, daß die Bestimmungen, welche die preußischen Minister des Innern und der Finanzen unter dem 20. Mai 1896 zur Vereinfachung des Geschäftsganges und zur Ver­minderung des Schreibwerks getroffen haben (ReichS- anzeiger vom 26. Mai 1896 Nr. 126) auch im schrift­lichen Verkehr der provinzialständischen Behörden mit den staatlichen und kommunalständischen Behörden zur Anwendung gelangen."

Cassel. Am Donnerstag Abend wurde die Leiche eines jungen Apothekers aus Münster in der Nähe der Trambahnstation auf Wilhelmshöhe gefunden. Es wurde sofort konstatirt, daß eine Vergiftung vorlag und wie festgestellt wurde, durch Coffeln. Es liegt aber wahr­scheinlich kein beabsichtigter Selbstmord vor. Man erklärt sich den traurigen Vorfall vielmehr in der Weise, daß der junge Mann, welcher sich betr. seiner Tauglichkeit zum Militärdienst untersuchen lassen und gern freikommen wollte, zur Erzeugung eines künstlichen Herzklopfens das diese Wirkung hervorrufende Koffein einnahm, wobei durch eine zu starke Dosis Herzlähmung eintrat. Eine praktische Einrichtung, die Nachahmung verdient, besteht in den hiesigen Volksschulen. Es sind nämlich ür die unteren Klassen stets eine Anzahl Pantoffel vorräthig, die denjenigen Kindern, die mit nassen Schuhen oder Stiefeln in die Schule kommen, gegeben werden. Die Mittel hierzu sind von den Erben eines hier verstorbenen, unverheiratheten Herrn auf dessen besonderen Wunsch hin zur Verfügung gestellt worden.

Homberg, 29. Sept. Durch das anhaltende Regen­wetter während der letzten Wochen ist die Kartoffelernte in unserer Gegend als eine nicht gute zu bezeichnen, die überall laut werdenden Klagen hört man auch hier. Die Preise sind in Folge dessen ziemlich hoch gestiegen, kostete der Centner Kartoffeln während der letzten Jahre 1,50 Mark, 1,80 Mk., so ist heute der Durchschnitts­preis 2,40 Mk. bis 2,70 Mk. Eine größere Zufuhr Kartoffeln wird, da der eigene Bedarf hier nicht gedeckt werden kann, aus der Friedberger Gegend erwartet.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 2. Oktbr.

* Versetzt wurde Herr Postassistent Bätten- hausen von Cassel nach Schlüchtern.

* Seit dem I. Oktober 1896 bis 1. April 1897 werden die Postschalter und die Güterabfertigungsstellen auf den Bahnhöfen erst um 8 Uhr Morgens geöffnet.

* Der heutigen Nummer unseres Blattes ist der von 1. Oktober ab in Kraft getretende neue Fahrplan beigelegt. Im Allgemeinen stimmt derselbe von einigen kleinen Aenderungen abgesehen mit dem Fahrplane des vorigen Winterhalbjahres überein.

* Aus Landwirthschaftskreisen werden wir er­sucht, auf folgendes einfache, mit bestem Erfolg erprobte Mittel aufmerksam zu machen, welches das Faulen der in die Keller gebrachten Kartoffeln verhindert: Man bringe inmitten des Kartoffellagers einen Pfahl an und stelle um diesen einen Kartoffelkorb ohne Boden, welcher zur Hälfte mit ungelöschtem Kalk gefüllt ist. Dieser zieht die in dem Kartoffelhaufen noch vorhandene Feuchtigkeit an, sodaß die übrigen Kartoffeln trocken lagern. Auch Bündel Stroh, welche zwischen die Kartoffeln gesteckt werden, sind zu dem angeführten Zweck sehr zu empfehlen.

* In Wallroth steht bei Bauer Georg Rüffer ein Apfelbaum in Blüthe.

r. Oberzell, 1. Oktober. Die hiesige Straßenbrücke wird gegenwärtig einer Reparatur unterzogen, während welcher eine Jnterimsbrücke errichet ist, welche jedoch nur mit höchstens 25 Centner Gewicht befahren werden darf. Herr Lehrer Gunkel dahier trat heute in den Ruhestand.

Wächtersbach, 29. Sept. In dem Dorfe Fischborn ist dieser Tage an einem 17jährigen jungen Menschen Namens Betz ein schrecklicher Mord begangen worden. Am dritten Tage nach seinem Verschwinden machte die verwiltwete Stiefmutter der Behörde Anzeige; die Leiche wurde in dem in der Nähe des Ortes befindlichen Weiher aufgefunden. Den oder vielleicht die Mörder wird die eingeleitete Untersuchung wohl bald ausfindig gemacht haben.

Oberrodenbach, 30. Septbr. Gegenwärtig ist man hier mit dem Abernten der Aepfel beschäftigt. Dieselben sind trotz der wenig günstigen Witterung nach Qualität und Quantität gut ausgefallen. Der Preis für Schüttcl- obst bewegt sich, wie demH. A." geschrieben wird, zwischen 10.50 bis 11 Mk. pro Malter. Wenn man den Ertrag auf ca. 3000 Malter schätzt, so dürfte das eher zu niedrig als zu hoch angeschlagen sein. Es möge daraus ersichtlich sein, welchen Nutzen man aus der Anlage von Obstbäumen ziehen kann. Pflanzt Obstbäume!

Hanau. Ein gemeiner Bubenstreich wurde dieser Tage dadurch begangen, daß an dem in diesem Frühjahr auf dem Hünstein bei Holzhausen errichteten Aussichts­thurm ein Eckpfosten mit einer Axt derart abgehauen