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EWmltrMung

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Samstag, den 26. September

1896

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Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Teutsches Reich.

Berlin. Nachrichten aus Romintcn zufolge erfreut sich der Kaiser daselbst fortdauernd des besten Wohlseins. Die Kaiserin, welche gestern früh wohlbehalten in Plön angelangt ist, gedenkt daselbst bis zum nächsten Sonn­abend zu verweilen und sich an diesem Tage nach Grünholz zu beuchen.

Der Kaiser hat nach Beendigung der diesjähr­igen großen Herbstübungen an zahlreiche Feldwebel, Vicefeldwebel und Wachtmeister des königlich sächsischen (XII.) Armeekorps die Rothe Adler-Medaille und die Krieger-Verdienst-Medaille verliehen, Ehrenzeichen, deren Verleihung bisher nur sehr selten stattgefunden hat. Beide Medaillen stehen im Range des Militär-Ehren­zeichens zweiter Klasse und des Allgemeinen Ehren­zeichens, welches wegen seiner Inschrift:Verdienst um den Staat", nicht an Ausländer verliehen werden kann. Gestiftet ist die Rothe Adlev - Medaille von König Friedrich Wilhelm IV. Die Rothe Adler-Medaille ist eine ausschließliche Militärdekoration und wird vom Militärkabinet ausgegeben, gehört also nicht in das Ressort der Generalordenskommisfion. Die Krieger- Verdienstmedaille ist von Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1892 ursprünglich als Ehrenzeichen für farbige Angehörige der deutschen Schutztruppe in Afrika und als Auszeich­nung für besondere kriegerische Leistungen gestiftet und wird inzweiKlassen als silberne Medaillen von verschiedener Größe verliehen und am weiß-schwarzen Bande getragen.

Ueber die Verwendung von Luftballons bei den Kaiscrmanövern werden bemcrkensmcrlhe Angaben gemadjt. Jedes Korps hatte einen Ballon, der 1000 Meter hoch stand und an Kabeltauen befestigt war, die je 60 Mann regierten; jeder Ballon hatte sechs sechsspännige Gas­wagen zur Füllung. Das Abladen, Füllen und Anf- steigen des Ballons dauerte nur 14 Minuten. Von oben wurde- drahtlich ins Hauptquartier gemeldet, aber auch Meldetaschen mit Zeichnungen über den Aufmarsch der feindlichen Truppen wurden an den Haltekabeln herunter gelassen, bis weilen wurde auch in einem kleinen Ballon ein Offizier mit besonders wichtigen Nachrichten zur Berichterstattung entsandt.

DieN. A. Z." wendet sich in einem ersichtlich offiziösen Leitartikel gegen die in Deutschland betriebene Agitation zu Gunsten der bedrängten Armenier.Alle Staatsmänner Europas sagt das Blatt sind darin einig, daß irgend welche Mahnungen bei der Pfortenregierung nur dann Erfolg haben, wenn sie ge­meinsam von allen Großmächten ausgesprochen werden. Offenbar machen sich also um den Schutz der Christen in der Türkei diejenigen Mächte am meisten verdient; welche sich bemühen, die Einmüthigkeit im Vorgehen der Diplomatie aufrecht zu halten. In dieser Hinsicht ist die deutsche Reichsregierung mit Erfolg allen Pflichten nachgekommen, welche ihr durch Rücksichten der Mensch­lichkeit auferlegt waren." DieN. A. Z." fragt dann weiter; Wozu also weiter drängen? Was verlangen denn eigentlich die Armennierfreunde vom Deutschen Reich? Daß es den Krieg, dem Großbritannien aus- weicht, auf sich herbeizichc? Und dies ganz allein aus dem Grunde, weil ein solches unüberlegtes Verhalten, den Beifall eines Theiles der Armenier und vielleicht eines noch größeren Theiles der Engländer fände? Der hier berührte Gedanke ist zu absurd, um ernsthaft disculirt zu werden. Seine unvergleichliche Sinnlosigkeit erhält aber erst dann die rechte Beleuchtung, wenn man dedenkt, daß es eine Lösung der armenischen Frage in dem Sinne wie die armenischen Aufständischen sie allein wollen, überhaupt nicht giebt. Es wird dann weiter ausgeführt, daß die Armenier Kleinasiens ein über sehr große Distrikte zerstreutes Völklein sind. Gerade in Kleinasien, aber sei die Türkei unerbittlich und grausam in der Unterdrückung von Aufstandsversuchen.Denn Kleinasien das wissen die Türken längst ist das

Land, in das sie sich zuletzt, wenn die christlichen Provinzen dem osmanischem Reich verloren gehen sollten, allein noch zurückziehen können. Hier wollen sie unter jeder Bedingung Herr sein."

Das zu erwartende Defizit der Berliner Gewerbeausstellung ist von dem Berliner Stadtverord­neten Rosenow, einem Mitglicde des Ausschusses, auf mindestens 20 Prozent des Garantiefonds geschätzt worden. Zugleich gab Herr Rosenow der Hoffnung Ausdruck, daß der Magistrat die Wiederherstellung des Treptower Parkes nicht verlangen und die hierzu erforderliche bedeutende Ausgabe den Unternehmern ersparen werde.

Aus Sachsen. Eine Gemeinde bei Dresden hat das Zerschlagen von Straßensteinen an zwölfmindest- fordernde Schulkinder" vergeben. Während sonst Erwachsene )ür den Kubikmeter Steine drei Mark erhalten, wird diesen Kindern für dieselbe Leistung nur 1,40 Mk. bezahlt, sodaß sie bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit in der Stunde sechs bis sieben Pfg. verdienen. Auch müssen sich die Kinder die zur Arbeit nöthige Schutzbrille auf eigene Kosten beschaffen.

Die Dresdener Schmuckfedernindustrie verlangt, daß die jetzt sehr erhebliche Einfuhr der Köpfe und Flügel von Staaren, Lerchen, Finken und anderen Singvögeln aus Italien gänzlich verboten wird, und zwar sowohl aus humanitären wie wirthschaftlichcu Gründen. Durch jene Einfuhr wurde die deutsche Straußenfedernindustrie stark geschädigt, da die Körper­theile der Singvögel zu billigem Federschmuck verwendet werden.

Aus Greisenhagen in Pommern wird berichtet: Die von der Staatsanwaltschaft gegen den vor mehreren Monaten verhafteten Pastor Hermann Rauh aus Cladow erhobene Anklage lautet auf Unterschlagung im Amte, schwere Urkundenfälschung und einfache Unterschlagung. Rauh hat bekanntlich mittelst Nachschlüssel aus einer Kassette für etwa 40000 Mk. Werthpapiere entwendet und bei deren Versilberung die Unterschriften zweier Mitglieder des Gemeindekirchenraths gefälscht.

Bom Rhein, 21. September. Dem ausführlichen Bericht der Klösterkellerei C. F. Eccart in Bad Kreuznach entnehmen wir u. A., daß es eines anhaltend warmen trockenen Nachsommers und stets heiteren Himmels bis tief in den Oktober hinein bedarf, um noch einen selbständigen Mittelwein zu sichern. Die Wahrschein­lichkeit ist aber, daß das Hauptquantum des diesjährigen reichen Ertrages ein gewöhnliches, billiges Gewächs geben wird.

Ausland.

Brüssel. Parminter, der kürzlich schwere Anklagen gegen eine Anzahl Congo Offiziere erhob, veröffentlicht im BrüsselerSoir" ein Schreiben, worin er nicht nur die früheren Anklagen aufrecht hält, sondern noch neue hinzufügt. Parminter erklärt, daß die Congo-Beamten am 21. August 1894 anläßlich der Züchtigung eines Negerstammes 60 Frauen und Kinder ermordeten, sowie mehrere verstümmelten. Weiter versichert Parminter, die Congo-Regierung habe von allen diesen Vorgängen längst Kenntniß, ohne einzuschreiten. Die Angelegenheit erregt in Brüssel ungeheures Aufsehen.Le Patriote" veröffentlicht einige Aeußerungen katholischer Congo- missionäre, welche die schwersten Anklagen, wie Abschneiden von Ohren, Händen und Frauenbrüsten durch mehrere Congo-Offizicre sowie den Mädchenhandel zur Ver­sorgung der Harems bestätigen. .Le Patriote" fügt hinzu, den Missionären sei durch ihre geistlichen Vor­gesetzten jede Enthüllung der Greuelthaten am Congo strengstens untersagt.

Oedenburg, 21. Septbr. Die Ortschaft Hunod ist während eines gewaltigen Orkans gänzlich niedergebrannt. 102 Häuser, 125 Nebengebäude, sämmtliche Hausthiere,

sowie die eingebrachte Erndle wurden ein Raub der Flammen.

Rußland. In Sebastopel sind kürzlich vier Panzer­schiffe, drei Kanonenboote und mehrere Torpedoboote in See gegangen und kreuzen vor Otschakow. Der Ge­schwader-Kommandant hat den Befehl erhalten, bei Einlaufen eines Telegramms vom russischen Botschafter in Konstantinopel sich mit der übrigen Schwarzen Mccr-Flotte zu vereinigen und direkt nach dem Bosporus zu gehen. Die Schwarzemeer-Flotte und die Truppen Südrußlands sind in kriegsbereiten Zustand gesetzt.

In Konstantinopel ist trotz der offenkundigen Absicht des Sultans, die Stadt in die Luft zu sprengen, wenn irgend ein europäisches Lchiff es wagen sollte, zum Schutze der Armenier in den Bosporus ernzufahren, die Ruhe bisher erhalten geblieben. Man hatte allgemein befürchtet, daß diese brutale Herausforderung einen stürmischen Protest hervorrufen würde; man hat sich geirrt. Ob die augenblickliche Ruhe die Stille vor dem Sturm bedeutet, entzieht sich zunächst der Beurtheilung. Schlimm liegen die Dinge in Konstantinopel, sodaß sich der Sultan ebensowenig eine Stunde sicher fühlt, wie die Armenier. Die blutigen Metzeleien in der asiatischen Türkei, denen 600 Armenier zum Opfer fielen, haben die Sorge um die Sicherheit in der Residenz des Sultans noch verstärkt. Es sind unsäglich traurige Zustände, die amgoldenen Horn" herrschen. Angesichts derselben wird der Wunsch nach baldiger endlicher Lösung der türkischen Frage immer dringender und allgemeiner. Da die Mächte aber das denkbar größte Interesse daran haben, die Wirren auf ihrem Herde zu lokalisieren, da ein vorzeitiger Eingriff in die orientalischen Dinge einen Weltkrieg entfesseln würde, so ist der Zeitpunkt augen­scheinlich noch sehr fern, wo man von Ruhe und Ordnung in der Türkei wird reden können.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchter», 25. Sept.

* Herr Postassistent Asp ist von Schlächtern nach Hofgeismar versetzt worden.

* Als Geschworene für die nächste Schwurgerichts­sitzung zu Hanau sind aus dem Kreise Schlüchteru ausgeloost: Gastwirth Phil. Günther zu Mottgers, Gastwirth Nie. Hildebrand zu Steinau, Bauer Nie. Weitzel I zuKressenbach und Bauer Joh. Löffert zu Sterb fritz.

* Zur Hebung des Töpfergewerbes in Marjoß hat der Kreisausschuß einem jungen, strebsamen Töpfer 200 Mark bewilligt, wenn er den Besuch einer keramischen Schule nachweist und sich verpflichtet mindestens 10 Jahre lang sein Gewerbe in seinem Heimatsdorf zu treiben. Außer einer besseren technischen Ausbildung wird aber auch der genossenschaftliche Zu­sammenschluß nothwendig sein, wenn die Töpferei im Spessart wieder zur Blüthe kommen soll.

* Zahlreiche Militär-Sonderzüge passirten in den letzten Tagen den hiesigen Bahnhof. Dieselben förderten theils die Truppen der 21. Division aus den Manövern in Thüringen in ihre Garnisonorte Hanau, Frankfurt, Wiesbaden u. s. w., theils kamen sie aus Elsaß-Lothringen und dienten zur Rückbeförderung der bei den dortigen Regimentern entlassenen Reservisten in ihre Heimath, die östlichen Provinzen. Die letzteren Züge halten meistens eine ungewöhnliche Länge.

Der Unterrichtsminister beabsichtigt, im kommenden Winter in Berlin einen Fortbildungskursus für Volks- schullehrer einzurichten. Als Lehrfächer sind Pädagogik, Gesundheitslehre, vaterländische und Kulturgeschichte in Aussicht genommen. Die Sammlungen in den Museen sollen dabei eine besondere Verwendung erfahren. Vom Ministerium können aber, wie mitgetheilt wird, nur für wenige Lehrer aus jeder Provinz Beihilfen gewährt werden. Deshalb sollen in erster Linie solche Lehrer zu den Kursen zugelassen werden, welche die Kosten selbst bestreiten. Auch ergeht an die städtischen Behörden die Aufforderung, städtische Fonds für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Vom Reichsversicherungs-Amte ist einem land- wirthschaftlichen Arbeiter in Jlmenan, welcher sich beim Schießen von Sperlingen so verletzt hatte, daß seine Erwerbsunfähigkeit Einbuße erlitt, eine Rente zugcsprochen worden. Die zuständige Berufsgenossenschaft hatte dem Manne die Rente verweigert, da kein landwirthschaftlicher Betriebs-Unfall vorliege. In Berlin wurde aber