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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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32 77. Mittwoch, den 23. September

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1896.

LV" Kitte, vergessen Sie nicht,W

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Die Expedition derSchlüchterner Zeitung."

Aus Deutsch Südwestafrika berichten Briefe eines aus Magdeburg stammenden Kriegsfreiwilligen, die derMagdeb. Ztg." zur Ver­fügung gestellt wurden, interessante Einzelheiten, die für das südwestafnkanische Kriegs- und Lagerleben charakte­ristisch sind. Der Schreiber dieser Briefe ist allerdings nicht ins Gefecht gekommen; als seine Truppe auf dem Kriegsschauplatz ankam, war der Krieg mit den Khauas- Hottentoten und den diesen verbündeten Hereros zu Ende. In der allgemein gehaltenen Einleitung des Berichts heißt es u. A. folgendermaßen:

Es war keine Kleinigkeit, fast acht Wochen hindurch stets unter freiem Himmel zu liegen. Bei den kalten Nächten ich taxire die Temperatur auf etwa 5 Grad will dies viel sagen, zumal wenn die Wagen in Folge des sandigen oder felsigen Weges nicht nach­kommen konnten und man nur auf die eine Pferdedecke angewiesen war, die als Sattelunterlage diente; Mäntel durften auch nicht aufgeschnallt werden, damit die Pferde nicht allzu sehr belastet wurden. Das ist aber eben das afrikanische Reiterleben, den Sattel unter dem Kopf, den Stcrnenhimmcl über sich und das Herz voller Humor und froher Hoffnung. Viel Schlaf hat es übrigens nie gegeben, denn wegen der Hitze und da wir außerdem, namentlich in der letzten Zeit, durch feindliches Land ritten, wurden stets in der Nacht die größten Strecken zurückgelegt. Da hieß es aber stets kurze Zügel und lange Sporen, damit man nicht mitsammt dem Pferde in der Dunkelheit, die weniger der Nacht denn meist hakten wir schönen Mond und sternenhellen Himmel als dem dicken Staube zuzuschreiben war, bei dem steinigen, holprigen Boden einfach kopfüber schoß. Mit dem Essen war es manchmal auch nur mangelhaft. Proviant gab es ja immer genug, aber oft fehlte in Folge von Mangel an Wasser oder Holz die Gelegenheit zum Kochen, oder wenn man sie hatte, war man eben zu müde und zog es vor, schnell trocken Brot und heißen Kaffee zu genießen, um die übrige Zeit zum Schlaf zu benutzen. War Fleisch da, so wurde Hottcntotcnbcaf gemacht, das heißt es wurden Fleischstreifen auf Kohlen gedörrt, was ganz fein schmeckt; nur muß man mit der eventuell daran klebenden Asche nicht zu penibel sein. Auf Kaffee habe ich immer gehalten und ihn stets gemahlen bei mir gehabt. Eigentlich kann man nicht sagengemahlen", denn Kaffeemühlen waren natürlich nicht vorhanden. Der Kaffee wird einfach in Koch­geschirren gebrannt, mit dem Seitengewehr nothdürstig klein gestampft oder zwischen zwei Steinen zerrieben, dann gekocht, und der Göttertrank, den man Mokka nennt, ist fertig. Ich habe übrigens in meinem Leben noch nie so schlechten Kaffee gesehen, wie er hier von den Truppen verzehrt wird; es ist der reine Schund, lauter sweaping. Beim Brennen war entweder der eine Theil gut und der andere noch ganz roh, oder die eine Hälfte verbrannt und die andere leidlich. Trotzdem hat es mir doch meist immer ganz gut geschmeckt Wenn wir ein­mal einen Ruhetag halten, dann ging es natürlich hoch her. Da wurde gekocht, gebraten und Brot gebacken, daß es eine wahre Freude war, zumal an solchen Tagen meine Jagdbeute stets eine angenehme Abwechslung mit dem ewigen Rindfleisch brächte. Meine Kochiruppe bestand aus sechs Mann, außer mir aus noch einem Kriegsfreiwilligen S. und vier alten gewiegten Leuten, die schon drei Jahre bei der Truppe gedient hatten und mit dem Transport unter Major Francois ins Land gekommen waren. Sie wußten unter den schlechtsten Verhältnissen immer noch etwas ausfindig zu machen und von den Eingeborenen durch Güte und durch Geschenke in Gestalt von Proviant, Tabak oder Salz, was besonders gern genommen wurde, oder wenn das nicht half, auch mit Drohungen Milch, Holz oder was sonst möglich war, einmal sogar 13 Eier, herauszuholen. Was man an solchen Tagen aber verzehren kann, spottet

jeder Beschreibung; haben wir Sechs es doch fertig gebracht, an solchem Ruhetage meine Jagdbeute, einen jungen Klippbock und sieben Perlhühner, innerhalb 12 Stunden zu verspeisen, natürlich mit dem gehörigen Quantum Kaffee dazu. Ein wahrer Festtag war der Sonntag nach Pfingsten, an dem uns die Liebesgaben von Groß- und Klein-Windhoek traten. Da hatten wir Thee, weißen Würfelzucker, Corned Beef, Tabak, für den Mann zwei Schachteln Schweden und für je vier Mann eine Flasche Cognac. Es war ein richtiger Festtag.

Was den Krieg selbst anbetrisit, so sind wir leider nicht ins Gefecht gekommen, denn der uns übertragene Umzingelungsmarsch wurde durch die freiwillige Unter­werfung der betreffenden Hererostämme, die wohl von unserem Marsche Wind bekommen hatten, unnöthig. Jetzt ist der Krieg vorbei, und vorgestern bin ich meiner Pflicht als Kriegsfreiwilliger entbunden.

Nun werden die Einzelheiten des sehr anstrengenden und gefahrvollen Marsches von Salem aus und allerlei interessante Vorkommnisse geschildert. Ueber Witboi und Samuel Herero theilt er Folgendes mit:

Ich habe Hendrik Witboi, als mich ihm sein Unter­kapitän in Okahandya vorstellte, gesagt, daß wir seinet­wegen bei Salem recht unangenehme Stunden gehabt hätten, worauf er sehr geschmeichelt lachte, aber sagte, ob wir denn nicht gewußt hätten, daß er jetzt ein Bundesgenosse der Deutschen sei. Was er seinerzeit dem Major Leutwein versprochen, würde er auch halten. Witboi ist ein kleiner starker Herr, der schon ziemlich weißes Haar und Bart hat; er fragt eingehend, z. B. was ich hier wolle, beobachtet scharf und sieht Einen beim Sprechen mit seinen intelligenten Augen stets fest an. Beim Reiten (er sitzt ziemlich krumm und mit kurzen Bügeln zu Pferde) trägt er stets eine schwarze oder dunkelblaue Brille. Das Gegentheil von ihm ist Samuel Hcrera, mit dem ich Gelegenheit hatte, in Okahandya ein Glas Bier zu trinken. Man merkt gleich, daß er enorm gutmüthig ist und wenig eigenen Willen hat. Er genießt auch nicht das Ansehen wie Witboi, dagegen ist sein Aeußeres einnehmend; ein großer, schlanker, schön gebauter Mann in sauberer europäischer Kleidung. Beide sprechen deutsch, Witboi sogar recht gut.

Sehr gerühmt wird die weitgehende Gastfreundschaft auf den Stationen und Missionsansiedlungen, die die Truppe berührte. Die für den Umzingelungsmarsch bestimmten Mannschaften sammelten sich bei Osana, wo sie, soweit sie es noch nicht waren, beritten gemacht wurden. (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser reist nach derPost" am 24. d. M. nach Rominten zur Hirschjagd. Die Kaiserin trifft, wie das letztgenannte Blatt sicher vernommen haben will, am 26. d. M. auf Schloß Grünholz bei Flensburg zu längerem Aufenthalt ein.

Im Laufe dieses Jahres sind bereits 48 preußische Generale pensionirt worden. 1895 wurden 42, 1894 58, 1893 63, 1892 50, 1891 71, 1890 70, 1889 67 und 1888 77 pensionirt. Im ganzen sind seit 1888 546 Generale pensionirt worden; von diesen sind 65 verstorben. Die Zahl der noch lebenden Generale, welche früher pensionirt worden sind, beträgt 276. Im Ganzen leben z. Z. 757 penstouirte preuß. Generale.

Gegen die Konvertirung der 4prozentigen Staatspapiere laufen, wie dieN. P C." hört, an allen maßgebenden Stellen und besonders auch zu Händen des Kaisers zahlreiche Bittschriften ein. Dieselben rühren vorwiegend von Pensionären, Offiziers- und Beamten-Wittwen her und gehen von der Ansicht aus, daß der Staat die Verpflichtung habe, den Inhabern seiner Schuldtitel den vollen Genuß der 4 Prozent mindestens einige Generationen hindurch zu gewähren.

Auf die Verminderung des Schreibwerkes wird jetzt besonders von der Eisenbahnverwaltung Gewicht gelegt. In diesen Tagen ist wieder ein Zirkularerlaß ergangen, in dem bemerkt wird, daß die Schriftstücke noch immer nicht kurz genug abgefaßt würden. Es wird angeorbnet, daß alle Schriftstücke so kurz zu fassen sind, wie es die nöthige Klarheit der Darstellung nur irgendwie zuläßt. Die Curialien sollen fast ganz fort- fallen. Hoffentlich gewöhnt man sich auch im Privat­verkehr daran, dies Beispiel nachzuahmen und zieht den ehrwürdigen Sitz des Geistes nicht mehr kraus, wenn einWohlgeboren" oder sonstiges Epitheton omans auf dem Briefumschläge fehlt.

Bremen. Neue Durchdringungsstrahlen? Der Bremer General-Anzeiger" bringt eine Nachricht, wonach Herr F. Dormann, zur Zeit in Syke bei Bremen neue Durchdringungsstrahlen entdeckt, welche es ermöglichen, durch dicke (22 Centimeter starke) Eisenpla tten zu photographiren. Es sind bereits über 50 Aufnahmen gemacht. Professor Slaby Berlin soll sich sehr für die Entdeckung interefftren. Möglich scheint jetzt Alles zu sein.

Thor», 15. Septbr. In Slesin bei Rakel erkrankten in einer Arbeiterfamilie nach Genuß von Pilzen unter Vergiftungssympiomen acht Personen. Trotz ärztlicher Hilfe sind bereits drei Erwachsene gestorben, darunter die Pilzsammlerin, die sechzigjährige Großmutter der Familie, welche als gute Pilzkennerin galt. Welcher Art die Pilze gewesen, konnte nicht mehr festgestellt werden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 22. Sept.

* - Am Montag morgen trafen ca. 20 Officiere mit Pferden und Burschen hier ein. Dieselben sollen das Gelände der Umgebung, besonders nach Fulda zu, besichtigen, da dem Vernehmen nach im nächsten Jahre eine größere Truppen - Uebung in hiesiger Gegend stattfinden soll.

* Nächsten Sonntag, den 27. September, findet hier die Herbst-Gauvorturuerstunde des Oberfulda-GaueS unter Leitung des Gauturnwarts Schneider aus Fulda statt. Es betheiligen sich die Vorturner der Gauvereine Bebra, Fulda(2 Vereine), Hersfeld, Rotenburga. F, Schlüch teru und Tann (mit ca. 50bis 60 Turner). Das Turnen beginnt um 11 Uhr und wird bis 1 Uhr dauern. Nach dem gemeinsam in der Turnhalle stattfindenden Mittagsessen ist ein Ausflug geplant und zwar entweder über den Ohl nach dem Acisbrunnen ober nach Schloß Ramholz. Abends findet in der Turnhalle Ball statt.

* Der neue Fahrplan der Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt ab 1. October enthält einige Früherlegungen von Zügen und zwar:

Zug 26 Bebra ab 7.37 (bisher 7.42), Frankfurt an 12.03 (bisher 12.18) erhält in Frankfurt neue Anschlüsse nach Cronberg und Kassel. Zug 16 Hanan ab 11.58 (bisher 12.06), Frankfurt an 12.26 (bisher 12.33) erhält in L-achsenhausen Aufenthalt.

Zug 272 Friedberg ab 6.00 (bisher 6.14), Hanau an 6,57 (bisher 7.16).

Zug 44 Elm ab 6.31 (bisher 6.44), Gemünden an 7.40 (bisher 7.55); Zug erhält in Gemünden an Zug 61 nach Aschaffenburg bezw. Frankfurt Anschluß.

* Bei kaufmännischen Besuchsanzeigen, welche als Drucksachen versendet werden, ist es jetzt gestattet, den vollen Namen des betreffenden Reisenden hand­schriftlich beizufügen. Bisher wurden derartige Sendungen mit Strafporto belegt.

* Regierungsseitig ist entschieden, daß die Unter- Nutzung der Angehörigen von zu Uebungen eingezogenen Mannschaften auch für die Tage zu gewähren ist, an welchen die Einberufenen den Weg zum Gestellungsorte, sowie für die Tage, an welchen die Mannschaften den Weg znm Heimathsort zurücklegen. Bei Nichteinstellung oder vorzeitiger Entlassung des Einberufenen ist die Unterstützung nur für diejenigen Tage (einschließlich der vorschriftsmäßigen Marschtage) zu gewähren, an welchen der Einberufene seiner bürgerlichen Beschä'tigung durch die Einberufung thatsächlich entzogen ist. Ebenso ist bei den Mannschaften zu verfahren, die in Berücksichtigung einer Reklamation nicht zur Einstellung gelangt sind. Auch für den Fall freiwilliger Ableistung einer militä­rischen Uebung kann die Familie Gewährleistung der gesetzlichen Unterstützung beanspruchen.