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Erscheint Mittwoch und Sanstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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«M 71. Mittwoch, den 2. September 1896.

Teutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser besichtigte am Freitag auf dem Tempelhofer Felde die zweite Garde-Jnfanterie-Brigade. Am Sonnabend hat der Kaiser einen Jagdausflug nach Barby unternommen. Die Kaiserin ist Freitag Plötzlich nach Plön gereist, weil Prinz Eitel Friedrich unwohl geworden war. Generalarzt Dr. Zunker, der die Kaiserin begleitete, konnte alsbald feststellen, daß es sich nur um eine unerhebliche Krankheitserscheinung handelte, und so ist denn die Kaiserin bald wieder zurückgereist.

* Der Landwirthschaftsminister hat aus ein Gesuch des deutschen Landwirthschaftsraths nach den Borschlägen der technischen Deputation für das Vete­rinärwesen eine Belehrung über die Bedeutung und Bekämpfung der Tuberkulose unter den Hausthieren ausarbeiten lassen. Als das hauptsächlichste Mittel gegen die Verbreitung der Rindertuberkulose wird in diesem Schriftchen die Impfung sämmtlicher Thiere mit Tuberkulin angegeben. Zunächst sollen unter staatlicher Aufsicht Versuche angestellt werden, um den Nachweis zu erbringen, daß bei sorgfältiger Ausführung des an­gegebenen Verfahrens eine Ausrottung des Krankheits­keimes und die Schaffung eines tuberkulosefreien Vieh­bestandes möglich ist. Die Kosten der Impfungen werden aus der Staatskasse bestritten und das Tuber­kulin aus den Apotheken der thierärztlichen Hochschule zu Berlin und Hannover geliefert werden. Den Be­sitzern ist ferner eine Entschädigung für den Fall zu­gesichert, daß wider Erwarten infolge der Impfung Viehverluste eintreten sollten. Auch wird zu den Kosten der zur Durchführung der Tilgungsmaßregeln erforder­lichen Einrichtungen eine Beihilfe aus der Staatskasse gewährt werden. Dagegen sollen sich die Landwirthe verpflichten, den Vorschriften der Anweisung genau nach zukommen.

* Für Unteroffiziere sollen besondere Schulen zur Ausbildung im Verwaltungsdienste eingerichtet werden. In Trier hat man damit bereits den Anfang gemacht. Bestimmend hierfür ist die Thatsache, daß Militäranwärter für den Verwaltungsdienst vielfach nicht befähigt sind, oder nicht genügende Kenntnisse haben, infolge dessen Civilanwärter vorgezogen werden müssen. Dem will man durch den Unterricht zu Gunsten der Militäranwärter abhelfen.

Breslau, 26. Aug. Die freie Vereinigung der Viehhändler des oberschlesischen JndustriebezirkS beschloß, laut derVoss. Ztg." zur Abhilfe des herrschenden Schweinemangels die Gutsbesitzer Schlesiens, Pommerns, Brandenburgs, Ost- und Westpreußens durch die Zeitungen zu schleunigsten Angeboten von fetten Schweinen aufzufordern.

Lützen, 27. August. Die sogenannte Bornaische Pferdekrankheit, welche sich in diesem Jahre vom König­reiche Sachsen aus auch über unsere Gegend verbreitet hat, trat hier in einer geradezu beunruhigenden Weise auf. Die Todesfälle bei dieser Krankheit betrugen über 80 Prozent, und mehr als 500 Thiere sind in hiesiger Gegend ein Opfer der Seuche geworden. Nachdem sich im Verlaufe von einigen Wochen kein neuer Krankheits­fall gezeigt hatte, werden jetzt wieder durchschnittlich wöchentlich zwei neue Erkrankungen thierärztlich festge- stellt. Gegenwärtig grassirt das unheilvolle Uebel be­sonders im Delitzscher Kreise. Dorthin wird sich im Auftrage des Herrn Landwirthschaftsministers der Direktor der königlichen thierärztlichen Hochschule in Berlin, Herr Geheimrath Professor Dr. Schütz, nach Ablauf seines Urlaubs begeben, um eingehende Untersuchungen über die Krankheit anzustellen und den Schleier über ihr Wesen zu lüften, weil nur bei richtiger Erkenntniß der­selben eine erfolgreiche Bekämpfung möglich erscheint.

Ruhla, 27. Aug. Dorf und Stadt ist in unserem Ruhla zu friedlichem Bunde vereint. Die größere Hälfte unserer Einwohner (3000) verehrt bekanntlich in dem Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha,^ die kleinere Hälfte (2500) in dem Großherzog von Sachsen-Weimar den Landesvater. Nun hat der Herzog von Koburg seine Hälfte zur Stadt erhoben, und so lange man von Seiten Sachsen-Weimars diesem Beispiele nicht folgt, sind wir nun hier Dörfler und Städter durcheinander.

Ausland.^

Konstantinopel, 29. August. Die Lage ist noch eine sehr unruhige. Entsetzliche Scenen ereigneten sich abi letzten Donnerstag und in der Nacht vom Donnerstag

auf Freitag. Ueber 1000, wahrscheinlich an 2000 Armenier sind getödtet. Fortwährend werden noch Bomben geworfen. Wenn die Diplomatie nicht eingreift, so kann die Erregung auch den Europäern gefährlich werden. Bis jetzt sind die Deutschen unverletzt. Der Generalkonsul ist dauernd zur Stelle. Fast alle Läden sind geschlossen. Man gewinnt den Eindruck eines vollkommenen Kriegszustandes. Versteckte Armenier wurden mit Gewalt aus den europäischen Magazinen geholt und getödtet. Die türkische Bevölkerung erzähl« sich, der Sultan habe 50 Stunden Zeit zur Metzelei der Armenier gegeben. Die Verletzung von Europäern werde indessen mit Zuchthaus, eine Tödtung mit dem Strang bestraft werden. Die mit Knüppeln ausgerüstete freiwillige Polizei hat die meisten Mordthaten verübt.

Nach Meldung aus Konstantinopel erhielt die Pforte gestern eine Mittheilung des armenischen Comi- «6s des Inhalts, seine Agenten würden ihre Thätigkeit mit allen Kräften sofort von Neuem beginnen, wenn die Niedermetzelungeu nicht binnen zwei Stunden aufhören würden. Eine gleiche Mittheilung sollen auch alle Bot­schafter erhalten haben.

Sansibar, 29. August. Zur Zeit des Bombarde­ments auf das Palais befanden sich 3000 Personen darin, von denen 500 getödtet und verwundet wurden. Said Kalid hat sich in das deutsche Konsulat geflüchtet. Das englische Konsulat verlangte seine Auslieferung, was jedoch der deutsche Konsul verweigerte.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 1. September.

* Wie wird das Wetter? Ein neuer Wetter- kundiger, Namens Habenicht in Gotha, konkurrirt jetzt mit Falb. Er prophezeit einen anhaltend schönen Herbst bis in den November hinein und dann einen harten schnee- und eisreichen Winter. Falb aber sagt, daß die Niederschläge in Landregen übergehen und prophezeit auch für September und Oktober Regen und immer wieder Regen. Wer wird Recht behalten?

* DieDeutsche Tageszeitung" bringt über die Aussichten der diesjährigen Kartoffelernte folgenden Be­richt: Vom befreundeter Seite wird uns über die dies­jährige Kartoffelernte auf Grund von 25 Berichten, die am 21. August von 25 zuverlässigen und angesehe­nen Landwirthen geliefert wurden, die originaliter vor uns liegen, geschrieben: Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern und ein Teil der Mark hatten bis Anfang eine fast beispielose Dürre, welche das Einbringen einer mittleren Winterungs-Ernte begünstigte, dagegen Somme­rung, Futter- und Hackfrüchte schwer geschädigte. Der Westen hatte eine gute Getreideernte, die unter der Ungunst des Regenwetters der letzen 3 Wochen schwer geschädigt wurde und zum Teil faulend und jetzt noch draußen liegt. Die Kartoffelernte-Aussichten sind dem ent­sprechend, der Osten sah einer quantitativ geringen Ernte entgegen, die jetzt durch anhaltendes Regenwetter auch qualitativ geschädigt ist, da die unter kollosaler Dürre abgestorbenen und fast ausgereiften Knollen austreiben und von frischem ansetzen, sodaß auch die Haltbarkeit sehr zweifelhaft erscheint. Der gesammte Westen erwar­tete eine mittlere Kartoffelernte. Die letzten Wochen endlosen Regenwetters haben diese Hoffnung vernichtet; 30 60 Proz. faule Kartoffeln melden bereits heute Königreich Sachsen, Provinz Sachsen, Westfalen, wäh­rend der Rhein noch ganz günstig zu ernten scheint. Mit einem Worte: die Witterung dieses Sommers war im Osten, abgesehen von einzelnen Strichregen, von vorn­herein ungünstig beeinflußt durch Dürre, im Westen sind die guten Ernteaussichten durch den dreiwöchigen Regen schwer geschädigt.

Aus dem Bogelsberg, 21. Aug. Die Preise für Rindvieh sind in diesem Sommer nicht so hoch wie sonst. Infolge dessen ist auch der Gang des Handels mit Rindvieh ein schleppender.. Für Kälber, die sonst mit 4550 Mk. bezahlt wurden, giebt man nur durch­schnittlich 35 Mk. Dieser niedrige Preis für das Rind­vieh wird aber zur Hauptsache nicht etwa veranlaßt durch die geringen Futterergebnisse des jetzigen Sommers oder durch die zu erwartende schlechte Grummeternte, sondern durch die unselige, den Handel lähmende Maul- und Klauenseuche. In den Schweinepreisen ist letzt­hin eine Besserung zu verzeichnen, prima Waare wird per Pfund Lebendgewicht mit 37 und 38 Pfg. bezahlt.

(B. A.)

Hünseld. Nachdem höheren Orts die Versetzung des Königlichen Kreissekretärs Loock dahier zurückge­zogen worden ist, ist an dessen Stelle der Königliche Kreissekretär Falkenthal aus Frankenberg nach Schmal- kalden in gleicher Eigenschaft versetzt worden.

Kailbach, 25. August. Auf der Station Kailbach wurden in diesem Jahre 2700 Centner Heidelbeeren und Himbeeren versandt und durchschnittlich 7 Mk. pro Centner gelöst also eine Einnahme von 18,900 Mk. welche sich auf die Orte der hiesigen Umgegend vertheilt. Der Versandt geschah nach Mannheim, Frankfurt und Hamburg.

Witzenhausen, 26. August. Dem Gastwirth S. in Weißenbach wurde aus einem Tische die Summe von 240 Mk. entwendet. Der Thäter ist ein Gast, welcher den allein anwesenden Sohn des Wirths veranlaßte, einige Zeit das Gastzimmer zu verlassen. Der Spitz­bube ist unbehelligt entkommen und es fehlt jede Spur.

Kassel, 27. August. (Hochwasser und Ueberschwem- mung). Die unaufhörlichen kolossalen Regengüsse der letzten Tage haben ein rapides Anschwellen der sämmt­lichen Flüsse im hiesigen Bezirk herbeigeführt. Nicht nur bei Kassel, sondern namentlich am Oberlaufe ist die Fulda seit gestern rapid gestiegen und hat die Niede­rungen überfluthet. Jenseits der Stadt Fulda und im Rhöngebiet sind Wolkenbrüche niedergegangen. Bei Horas, Hünfeld, Hersfeld rc. sind die Thalniederungen und der Wiesengrund auf weite Strecken überschwemmt. Auch die Nebenflüsse, insbesondere Haun, Losse, Geis, Nüst rc. sind ausgetreten. Amtliche WasserstandStele- gramme melden steigendes Hochwasser aus Fulda und Rotenburg bei einem Pegelstand von 1,60 Mtr. über Null

Marburg, 27. Aug. Wie dieOberhess. Zeitung"' mittheilt, ist ein hiesiger Schlosser im Begriff, eine Er- rndung zu realisiren, die einen enormen Umschwung im Radfahrwesen bedeuten würde. Derselbe hing bereits vor 25 Jahren, also zu einer Zeit, als die Fahrräder- Jndustrie sozusagen noch im Entstehen begriffen war, dem Gedanken nach, ob es nicht möglich sei, eine Ma­schine zu konstruiren, welche durch Federbewegung so weit gebracht werden könnte, daß sie durch das Gewicht des auf derselben sitzenden Körpers mit leichten Senken und Heben sich von selbst fortbewegte. Eine bereits damals in Cassel von ihm gebaute derartige Ma chine funktionirte nicht vollkommen, eine in Leipzig nachgeashmte hatte ein noch weniger günstiges Resultat. Durch be­sondere Verhältnisse gezwungen, verfolgte der Erfinder längere Zeit seine Idee nicht mehr; in der letzten Zeit hat er sie nun aber um so fester wieder in die Hand genommen. Und jetzt soll es dem genialen Mann, der uns bekannt ist und dem wir solches wohl zutrauen, wirklich gelungen sein, zu seinem Ziele zu gelangen. Die Maschine, welche er zu bauen beabsichtigt, soll der­maßen konstruirt werden, daß bequem 5 Personen Platz nehmen können, die schon angeführten Bewegungen machen und dann, wie die bereits von fachkundiger Seite ausgeführten Berechnungen ergaben, etwa 2 Stunden Wegs in einer halben Stunde zurücklegen. Eine Steigung der Straße soll dem Fortbewegen der Maschine nicht im geringsten hinderlich sein. Wir wünschen dem Manne, daß ihn nunmehr nichts mehr an der Aus­führung seines Vorhabens hindern wird.

Gisselberg bei Marburg, 27. Aug. Gestern Abend trafen verschiedene Wagen mit Zigeunern hier ein. Die­selben spannten ohne Weiteres ihre Pferde aus und stellten sie in die Ställe der Bauern, welche aber damit nicht einverstanden waren und deshalb mit den Nomaden in Streitigkeiten kamen. Noch spät Abends mußte von Marburg ein Gendarm geholt werden.

Neukirchen, 26. Aug. Die Lehrer des Bezirksver­eins Neukirchen bei Ziegenhain sehen sich in Folge einer Notiz, welche auch von derHessischen Post" am 4. Aug. unter Oberaula, 31. Juli, gebracht wurde, veranlaßt zu konstatiren, daß der Artikel über die ge­schehene Verhaftung des Lehrers Roth wegen Sittlich- keitsverbrechen den Thatsachen nicht entspricht. Der festgenommene Roth ist ein Mensch, der in früherer Zeit taglohnte, zuletzt im Gemeindehause zu Görzhain wohnte, 68 Jahre alt ist und vor länger als 40 Jahren nur kurze Zeit dem Lehrerstande angchört hat, also auf den Titel Lehrer keinerlei Anspruch machen kann.

Wiesbaden, 28. Aug. Mit welchen Mitteln Falsch- münzer und ihre Helfershelfer ihre Produkte an den