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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 70. Samstag, den 29. August 1896.

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Deutsches Reich.

Berlin. Vor dem Kaiser fand am Donnerstag auf dem Bornstedter Felde eine Brigadevorstelluug der ; zweiten Gardekavalleriebrigade statt. Der Kaiser hatte sich zu Pferde vom Neuen Palais nach dem Bornstedter Felde begeben und ritt nach beendigter Besichtigung nach dem Palais zurück.

Der Reichsoberlehrer in Kamerun, Herr Theodor Christaller, ist am Schwarzwasserfieber gestorben. Er ist nun der dritte von fünf schwäbischen Lehrern, die das Klima Deutsch-Westafrikas als Opfer gefordert hat. Mit Christaller verliert das Reich einen seiner hervor­ragendsten Pioniere in Afrika. Zehn Jahre weilte er in der Kolonie und war dem Dienstalter nach der älteste Beamte in Kamerun. Für Sprachen, wie auch sein Vater, Missionar Christaller, in besonderem Maße begabt, arbeitete er ein Lexikon der Duallasprache aus, das eben jetzt in seinen beiden Bänden fertig geworden ist.

DemKleinen Journal" zufolge wird die Berliner Gewerbeausstellung nach eingehender Berechnung Sach­verständiger mit mindestens einer Million Mark Verlust abschließen. Die zwangsweise Versteigerung des TheatersAlt-Berlin" in der Gewerbe-Ausstellung wurde beendet. Der ziffermäßige Ertrag der Lizitation war 16 000 Mk. für das um 300 000 Mk. hcrgestellie Theater. Der mit 1000 Mk. bezahlte Vorhang wurde vom Lieferanten selbst um 22 Mk. zurückgekauft.

Einer Meldung aus Bremen zufolge setzte der Lloyd die Zwischendeckpreise von New-Iork und Baltimore auf 134 und 105 Mk. fest und ermäßigte sie für Schnell

* dampfer nach New-Aork auf 150 Mk. Der Bau eines gewaltigen Schnelldampfers für den Norddeutschen Lloyd nähert sich auf der Schichau'schen Werft in Danzig seiner Vollendung. Der Koloß, für dessen im September - stattfindendeu Stapellauf das Fahrwasser der Weichsel an der betreffenden Stelle erheblich verbreitert werden muß, ist ein Schwesterschiff des kürzlich auf der Werft des Vulkan in Stettin abgelaufenen Lloyddampfers Friedrich der Große". Die Länge des Schiffes über Steven in der Wasserlinie mißt 160 m, die Breite 18,3 m, die Tiefe vom Oberdeck gemessen 11,58 m. Das Deplacement beträgt brutto 17 700 Tons, womit die Größenverhältnisse weit über die der bisherigen großen überseeischen Schnelldampfer gehen. Das Schiff erhält zwei gesonderte Maschinen und Doppelschrauben; die Geschwindigkeit wird 14 Knoten in der Stunde be­tragen. WieBoesmanns telegraphisches Büreau" meldet, ist infolge der Aufhebung des v. d. Heydtschen Reskriptes vom 3. November 1859 für die brasilianischen Provinzen Rio Grande do Sul, Santa Catharina und Parana dem Norddeutschen Lloyd für seine Agenten in Preußen die Konzession ertheilt worden, Passagiere nach den drei vorbenannten Staaten Südbrasiliens anzunehmen. Hannover. Ein Hrxenprozeß wird demnächst die Gerichte im Kreise Dannenberg (Hannover) beschäftigen. Im Dorfe Zadrau bei Dannenberg an der Elbe wollte, ' fo wird von dort geschrieben, bei einem reichen Bauern das Vieh nicht fressen, weil es nach Ansicht der Leute vcrhcxl" war. Nun wurde aus Lüchow ein Mann requiriert, der Geister bannen konnte. Unter allerhand Zaubersprüchen nahm der Mann die Verbannung des Geistes vor. Dafür forderte und erhielt er 60 Mark. Einmal hilft aber so eine Sache nicht, deshalb mußte er noch ein zweites und drittes Mal erscheinen, natürlich kostete das viel Geld Dem Bauern hatte schließlich die Geschichte an 1100 Mark gekostet, aber die Thiere fraßen noch immer nicht. Schließlich hörte die Polizei von dem Schwindel und nun wird der Hexenmeister vor Gericht erscheinen. Und das am Ende des 19. Jahr­hunderts.

Vom Harz. Im ganzen Harz haben die meisten Hotels so gut wie keinem Besuch zu verzeichnen. Der Brocken liegt zeitweise unter Schnee. In den höher gelegenen Harzlandschaften müssen die Hotels bereits heizen. Seit Wochen Regen und Kälte und nur selten ein Sonnenblick. Die Witterung ist abnorm und bringt dem Lande großen Schaden.

Salzwedel, 23. Aug. Ein Näubcrlcben führen in unserer Umgegend acht adgelohnte oder entlaufene Knechte. Zuerst tauchten die Vagabunden in dem Gehölz auf LübbarS und Molitz zu auf und machttn r die Gegend unsicher. Das Vieh getraut sich Niemand m^r auf die Haide zu führen, da in verschiedenen Süßen die Hütejungen Überfällen wurden. Die Besitzer

l Schießerei und Schlächterei. In Psamotia liegen viele ' Hunderte Todte. Am Brückenkopf von Stambul ist ebenfalls Metzelei. Der türkische Pöbel, mit Messern und Prügeln bewaffnet, greift die armenischen Häuser an und stürzt die Abgeschlachteten zum Fenster hinaus. Polizei und Militär stehen thatenlos in den Straßen, die voll Karren mit Leichen sind.

Zanzibar, 25. August. Sofort nachdem der Tod des Sultans bekannt geworden war, ergriff Said Kalid, der Onkel des Sultans, Besitz von dem Palaste und erklärte sich selbst zum Sultan, indem er sich im Palast mit 700 bewaffneten Askaris verbarrikadirte. Die englischen KriegsschiffePhilomel",Trush" undSparrow" landeten beim Zollhause Mannschaften, welche jetzt die Befehle der englischen Regierung erwarten. Alle Frauen haben sich in das englische Konsulat begeben, da Unruhen befürchtet werden.

Zanzibar, 27. August. Das Bombardement auf das Palais Said Kaids begann um 9 Uhr Vormittags und dauerte 50 Minuten, während dieser Zeit wurde von den KriegsschiffenRaccoon",Thrush", und Sparrow" eine starke Kanonade unterhalten. Die Anhänger Said Kalids hatten eine wohlbewaffnete Streitmacht hinter den Barrikaden, welche ein lebhaftes Feuer bis zum Ende unterhielten, die Verluste sind noch unbekannt.

Lokales «»d Provinzielles.

* Schlüchtern, 28. August.

Nach einer Bekanntmachung der königlichen Eisenbahndirektion Breslau wird dieselbe für die durch FunkenauSwurf der Lokomotiven verbrannten Feld- f r ü ch t e von jetzt an keine Entschädigungen mehr zahlen, da nach den gesetzlichen Bestimmungen leicht entzündliche Gegenstände nur in einer Entfernung von mindestens 38 Meter und der anderthalbfachen Höhe des Eisenbahn­dammes, von der Mitte des Schienengeleises an ge­rechnet, gelagert werden dürfen, wenn sie nicht durch Schutzvorrichtungen gegen das Eindringen von glühenden Kohlen ober Funken gesichert sind. Ein großer Theil der an den Eisenbahndämmen liegenden Aecker hat nun aber überhaupt gar nicht eine Breite von 40 Metern, den Eigenthümern wäre es also für die Zukunft unmög­lich, ihr Feld mit Getreide zn bestellen. Im gegebenen Falle wird der Eisenbahnfiskus trotz der Bekanntmachung von den Feldbesitzern jedenfalls in Anspruch genommen werden, und dann wird es sich zeigen, ob die neue An­wendung des Ausdrucksleicht entzündliche Gegenstände" auf F e l d f r ü ch t e berechtigt ist.

der umliegenden Orte ergreifen Vorsichtsmaßregeln, um ihre Gehöfte vor einem Aufgehen in Flammen zu schützen. Alle Tage wird in den Ortschaften ein- gebrochen, ohne daß man der Einbrecher habhaft werden kann. Es sind Gendarmen in hiesiger Gegend zusammen- gezogen, doch verliefen alle Nachforschungen bisher vergeblich, nur hat man bei Callehne eine große Höhle im Walde entdeckt, die den Strolchen als Lagerstätte gedient hat.

Stargard i. Pommern, 26. August. DemBerl. Tagcbl." zufolge sind in Daber 33 Personen infolge Genusses von schlechtem Schweinefleisch schwer erkrankt.

Neustadt a. S., 25. August. Die Zahl der Zucht­bullen, welche zum diesjährigen Bartholomäi-Zuchtbullen- markt dahier angetrieben wurden, beträgt nach amtlicher Zahlung 346. Wenngleich diese Zahl gegen die Vor­jahre zurückgegangen ist, so hat dies nicht viel zu be­deuten, da..die bessere Qualität der Bullen den Ausgleich gibt. Der Ankauf durch Gemeindekommissionen und Private für's Ausland war ein sehr reger und wurden je nach Alter und Schönheit der Thiere 350 600 Mk. bezahlt. Das alle Renomme unseres Bartholomäi-Zucht- bullenmarktes besteht also noch fort.

Worms. Ueber den gegenwärtigen Stand der Wein­berge in Rheinhessen ist in einem eben erschienenen offiziellen Bericht die nicht sehr erfreuliche Nachricht ent­halten, daß die Weinberge zurückgehen und die Reb- krankheiten überhand nehmen.

Die Gemeinde Oos in Baden hatte den Orts- d i e n e r Jhle zum Bürgermeister gewählt. Gegen die Wahl war Einspruch erhoben worden, der jetzt vom Bezerksrath verworfen worden ist.

Aus Butzbach wird geschrieben: Die 4. Schwadron des 2. Großh. Hess. Dragoner-Regiments Nr. 24 verläßt am 26. d. Mls. unsere Stadt, um nach den Manövern nach Darmstadt verlegt zu werden. Die 3. Schwadron war bereits im Vorjahre verlegt worden. Beide Schwadronen bildeten seit 1818 die hiesige Garnison. Die Stadt gab am 20. ds. Mls. der Schwadron ein Abschiedsessen. Die Kaserne wird sofort einem Umbau unterworfen, da sie zur Unterbringung eines neu zu errichtenden hessischen Jnf. Regts. bestimmt ist.

Gießen, 26. August. Einem hiesigen Oekonom verendeten in letzter Zeit kurz hintereinander zwei ca. 1000 Mark werthe Pferde und zwar so plötzlich, daß er sich die Ursache nicht erklären konnte. Er veranlaßte deshalb bei dem zweiten Pferde eine Sektion und fand sich nun, daß das Pferd vergiftet worden war. Ein der That verdächtiger Knecht, Vater von 5 Kindern, welcher früher bei dem betr. Oekonom in Dienst gestanden hat, wurde verhaftet.

Ausland.

Bern. Durch einen Schlammstrom, der in der Breite von 100 Meter aus dem Lammbach ausgebrochen, ist im Berner Oberland das Dorf Kienholz verwüstet worden. Die Einwohner haben alle Häuser verlassen, da neue Bergbrüche zn befürchten stehen. Ein Neben­gebäude des GasthausesWilhelm Tell" wurde von dem Strom 100 Fuß weit unversehrt bis zum Bahndamm fortbewegt. Die Brünigbahn sowie das Gelände bis zum Brienzer See ist verschüttet. Die Bruchstelle ist 2 l/a Stunden von Kienholz entfernt. Wie aus Brienz telegraphisch gemeldet wird, dauerten die Schlamm- rutschungen des Lammbaches bei Kienholz noch während dcs Montags fort. Die Feuerwehren der Nachbarorte arbeiten, um alles bewegliche Gut, Heu und Feldfrüchte in Sicherheit zu bringen. Bisher ist kein Unfall von Personen vorgekommen. 40 Familien haben Alles ver­loren. 200 Personen sind in Brienz untergebracht. Schwanden und Hoffstetten sind sehr gefährdet. Die Unglücksstätte macht einen erschütternden Eindruck. Man hofft der Katastrophe bald Einhalt zu thun, da der Regen aufgehört hat.

Konstantinopel, 27. August. Eine Anzahl armenischer Revolutionäre bemächtigte sich gestern Nachmittag 1/s Uhr des Gebäudes der Oltomanbank und tödtete die Gendarmen, welche dasselbe bewachten. Nachher feuerten die Armenier aus den Fenstern und vom Dach auf die Polizei. Das Gebäude ist noch in ihrem Besitz. In später Abendstunde brachen gleichzeitig in anderen Stadtvierteln Unruhen aus, welche den ganzen Abend hindurch dauerten. Die Oltomanbank wurde von Armeniern mit Bomben beworfen; es ist eine allgemeine

* In Cornelimünster bei Aachen hat sich ein vom dortigen Seminar soeben entlassener junger Lehrer bereit erklärt, als Einjährig-Freiwilliger zu dienen. Es ist dies, soweit bekannt, der erste Fall, daß von der Be- fugniß der Volksschullehrer zum einjährig-freiwilligen Dienst Gebrauch gemacht wird. Die Behandlung der Lehrer bei den militärischen Uebungen ist in der letzten Zeit ungleich besser geworden, als sie es früher war. Ein Beispiel von Behandlung der zur Uebung einbe- ruienen Lehrer hat jüngst wieder ein Hauptmann des 112. Infanterie - Regiments in Mülhausen gegeben. Der Offizier stellte seiner Mannschaft die Lehrer vor mit der Mahnung, daß ihnen jeder mit der Achtung und Zuvorkommenheit begegnen möge, die ihrem Stande und ihrer Bildung gebühren. Auch befreite er die Lehrer vom Stubendienst und stellte ihnen in Aussicht, daß er die tüchtigsten unter ihnen nach Schluß der Uebung zu Gefreiten und Unteroffizieren in Vorschlag bringen werde.

Vom Vogelsberg. Wiederholt hat man in den letzen Wochen in den Blättern die Mittheilung von der Ein­weihung des Lehrerheims Schreiberhau in Schlesien ge­bracht und es das erste Deutsche Lehrerheim genannt. Demgegenüber sei hier jedoch bemerkt, daß Schreiberhau nicht das erste, sondern das zweite derartige Gebäude in Deutschland ist. Das erste befindet sich nämlich schon seit vorigem Jahre ganz in unserer Nähe, zu Schot- ten im Großherzogtum Hessen. Dasselbe ist auf Anre- gung des Herrn Lehrers Schultheiß in Schotten von einer kleinen Zahl hessischer Lehrer im vorigen Jahre erbaut, am 1. Oktober eröffnet worden und führt den Namen Lchrerheim Vogelsberg. Statutengemäß kann jeder deutsche Lehrer und Lehrerfreund durch einen einmal zu leistenden Beitrag von 10 M., der jedoch in Raten von 5 M. in zwei aufeinander folgenden Jahren ge-