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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 69. Mittwoch, den 26. August 1896.
Amtliches.
Abschrift einer Verfügung an die Herren Bürgermeister von 12 Gemeinden, für welche nur Bullen erster Klasse zulässig sind.
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Euer rc. benachrichtige ich hierdurch, daß ich die Körungskommission auf Veranlassen der landwirthschaft- lichen Kreiskommission und des Vorstandes des land- wirthschaftlichen Kreis-Vereins unter Zustimmung des Kreisausschusses angewiesen habe, für die dortige Gemeinde in Zukunft nur noch Bullen erster Klasse rein- blütiger Simmenthaler Race zur Verwendung zuzulassen. Sie werden daher wohl thun, schon jetzt für die Beschaffung eines solchen Bullen Vorsorge zu treffen, um bei Eintritt eines plötzlichen Bedarffalles nicht zu außergewöhnlich hohen Ankaufskosten genöthigt zu werden.
Die Kommission, welche der Kreisverein in den ersten Tagen des Septembers nach dem Simmenthal schickt, würde bereit sein, auch für Ihre Gemeinde einen einwandsfreien 6-monatlichen Bullen mitanzukaufen, der sich auf circa 400 Mk. stellen dürfte und bis zum Frühjahr nächsten Jahres sprungfähig sein würde. Ich empfehle Ihrer Gemeinde daher, von dieser Gelegenheit Gebrauch zu machen, da eine günstigere und billigere Gelegenheit zum Erwerb eines Originalbullen kaum sich bieten dürfte. Bestellungen nimmt der Kreisrentmeister Pfalz graf entgegen, welcher auch nähere Auskunft ertheilen wird.
Schlüchtern, den 24. August 1896.
Der Königliche Landrath: Roth.
Handwerkerprüfungen.
Ein Kongreß von Bereinigungen freier Barbiere und Friseure hat sich mit aller Entschiedenheit gegen die Prüfungen der Handwerker ausgesprochen; er hat damit ein Beispiel gegeben, dem möglichst bald alle diejenigen Handwerker folgen werden, die von der Einführung der Zwangszünfte oder des Befähigungsnachweises Nachtheile zu erwarten haben. Die Zahl der unzünstigen Arbeiter in Deutschland ist um sehr viel größer als die der zünftigen, und es ist eine bcdauernswerihe Erscheinung, daß sie sich ebenso unthätig verhalten, als die Zünftler rührig sind, als ob sie von der Gefahr, mit der sie bedroht sind, Nichts merkten.
Für den größten Theil der Handwerksleistungen ist eine Prüfung ein Unding, schreibt die „Voss. Ztg." Der Käufer hat nicht das geringste Interesse daran, zu wissen, wie der Meister beschaffen ist, der ein Werk hergestellt hat, sondern nur daran, wie das Werk ausgefallen ist. Wenn ich ein Paar neue Stiefel erhalte, so frage ich nur darnach, ob sie mir bequem sitzen oder mich drücken, und darüber bin ich selbst der einzige zuständige Sachkenner. Wenn sie mir Schmerzen verursachen, so wird mich der Gedanke wenig trösten, daß der Meister, der sie mir hergestellt hat, alle Prüfungen mit der größten Auszeichnung bestanden und vielleicht auch noch auf einer Anzahl von Gewerbeausstellungen Prämien und Ehrendiplome erworben hat. Aber wenn sie mir gut passen und ebenem noch gut halten, so werde ich das nächste Paar Stiefel gewiß wieder bei ihm bestellen, selbst wenn ihn die Innung als einen Pfuscher bezeichnet. Und man darf überzeugt sein, daß auch die entschiedensten Jnnungsschwärmer ganz eben so denken und ebenso handeln. Wenn ein Mensch gezwungen wird, einen Tag lang in zu engen Stiefeln Herumzu- laufen, gehen leicht alle seine Grundsätze in die Brüche,
Das Beispiel, das wir gewählt haben, ist vielleicht das wirksamste, aber es gibt eine Reihe von Handwerksleistungen, mit denen es gerade ebenso beschaffen ist. Mit dem Schneider ist es nicht anders als mit dem Schuhmacher. Ein Rock, der uns schlecht sitzt, bringt uns nicht in gleichem Maße zur Verzweiflung wie ein paar enge Stiefel, aber das Urtheil darüber steht allein dem Empfänger zu. Und so geht es mit den Leistungen des Tischlers und des Schlossers, des Bäckers und des Fleischers; die Friseure haben sich bereits gemeldet.
Es gibt eine Anzahl von gewerblichen Leistungen, bei denen der Empfänger nicht in der Lage ist, ihre Güte zu prüfen. Wenn ich mir eine Arznei bereiten lasse, so bin ich schlechthin außer Stande zu beurtheilen, ob sie nach der ärztlichen Vorschrift und untadelhaft zubereitet ist. Ich bin genöthigt, Vertrauen zu dem zu haben, der sie zubereitet hat. Und damit es mir erleichtert werde, dieses Vertrauen zu fassen, hat die Obrig
keit vorher sich überzeugt, ob er die Kenntnisse besitzt, deren er bedarf um sein Geschäft zu betreiben. In diesem Falle hat Niemand gegen eine Prüfung etwas einzuwenden; auch die entschiedensten Manchestermänner in Deutschland sehnen sich nicht darnach, die quack- salberischen Zustände eingeführt zu sehen, die in anderen Ländern bestehen. Und so geht es mit dem ganzen Hcilpersonal. Aerzte, Thierärzte, Hebammen, Heilgehilfen unterliegen einer Prüfung, weil der, welcher ihre Dienste in Anspruch nimmt, außer Stande ist, zu beurtheilen, ob sie die Dienste sachgemäß leisten. Man hat in Deutschland sogar etwas Uebriges gethan; selbst der Hufschmied, der ein Pferd beschlagen will, muß sich einer vorausgehenden Prüfung unterwerfen.
So gibt es noch eine Anzahl von anderen Gewerben, die mit Recht prüfungspflichtig sind. Der Lootse muß das Fahrwasser kennen, durch welches er das Schiff bringt, denn derjenige, der seine Dienste in Anspruch nimmt, kennt es sicher nicht. Jedes Gewerbe, bei dem sich eine Prüfungspflicht empfiehlt, ist in Deutschland längst prüfungspflichtig. Man könnte uns allenfalls einwenden, daß die Bauhandwerker hier fehlen, deren Leistungen eine sachverständige Prüfung nöthig machen. Aber hier besteht die polizeiliche Abnahme des Baues; das Werk wird geprüft, ehe es in Gebrauch genommen werden darf, und diese Prüfung dient dem Schutze des Publikums viel sicherer, als wenn man den Meister daraufhin prüft, ob er das Werk hätte gut machen können.
Die Gesellenprüfung, die Meisterprüfung ist in den meisten Handwerken schlechthin nutzlos; sie schließt nicht aus, daß schlechte Arbeiten hergestellt werden, aber sie schließt aus, daß gute und preiswürdige Leistungen an den Mann gebracht werden. Schließlich hat auch noch jeder ungeprüste Arbeiter einen Schutzmeister gefunden, der ihm gegen die Entrichtung des Meistergroschens die Güte seiner Arbeiten bescheinigt, Und das wird das letzte Ergebniß der Handwerkerprüfungen sein: Der Schutzmeister und der Meistergroschen leben wieder auf und der fleißige und geschickte Arbeiter wird einem Müßiggänger tributpflichtig.
Deutsches Reich.
Berlin. Der „D. Staats- und ReichsAnzeiger" veröffentlicht im nichtamtlichen Theil seiner Nummer vom Montag folgende Mittheilung: In der Presse sind in letzter Zeit wiederholt Zweifel an der Durchführung der in Aussicht gestellten Reform des Militärstrafprozesses geäußert worden. Dem gegenüber sind wir zu der Mit- iheilung ermächtigt, daß es die Allerhöchste Willeus- meinung Seiner Majestät des Kaisers ist, dem Bundesrath wegen der Militär-Strafprozeßordnung im Herbst dieses Jahren einen Gesetzentwurf vorlegen zu lassen, welcher der von dem Reichskanzler am 18. Mai d. J. im Reichstage abgegebenen Erklärung entspricht.
Born Harz. Die meteorologische Station auf dem Brocken meldet, daß es am Montag früh eine Stunde lang (zwischen 5 — 6 Uhr) bei orkanartigem Sturme geschneit hat. — Das ist ein bischeu früh!
Wie aus Mainz gemeldet wird, sind die Mordbuben, welche heimtückisch den Kaserneninspektor Niederamyer niederstachen, in drei Tagelöhnern ermittelt worden. Sie haben aus reiner Mordlust gehandelt. — In Mainz verurtheilte das Kriegsgericht einen Arbeitssoldaten, der kürzlich von seiner Truppe desertirt und in Bingen verhaftet worden war, wegen wiederholter Fahnenflucht zu einer Zuchthausstrafe von 5 Jahren und zur Ausstoßung aus dem Heere.
Augsburg, 22. August. Die „Abendzeitung" meldet vom Lager auf dem Lechfeld: Aus bisher unaufgeklärter Ursache ging bei den gestrigen Schießübungen des ersten Fuß-Artillerie-Regiments ein Geschütz schweren Kalibers los. Das Geschoß drang in die Brustwehr der Batterie ein. Es explodirte und verletzte die gesammte Geschützbedienung sehr schwer. Aerztliche Hilfe war sofort zur Stelle, ein Mann ist auf dem Transport nach dem Lazareth gestorben. Vier sind schwer verwundet. Die Bedienung trifft keine Schuld.
Eine amtliche Ortsbesichtigung bei dem Bäcker in Lobberich bei M.-Gladbach, durch dessen Backwerk vor kurzem, wie berichtet, in 18 Familien Vergiftungserscheinungen hervorgerufen wurden, ergab, daß sich hinter dem Backofen noch eine Menge weingelben Pulvers befand, das als Arsenik erkannt wurde und von einem
Kammerjäger herrühren soll. Dem Bäcker wurde einstweilen das Backen untersagt.
Tremessen, 20. Aug. Im Alter von etwa 120 Jahren starb gestern, wie der „Ges." mittheilt, die Hospitälin Fräulein Detzekiewicz. Sie ist als Unterthanin des früheren Königreiches Polen geboren, war Zeuge der Grundsteinlegung der dortigen katholischen Pfarrkiche, die vor drei Jahren das hundertjährige Jubiläum feierte und erfreute sich bis zum Tode verhältnißmäßig guter Gesundheit.
Ausland.
Kleinasien. Wegen eines geplanten Angriffes auf die Christen in Trapezunt ist neulich in aller Stille das russische und österreichische Wachtschiff von Konstantinopel dorthin beordert worden. Wie weiter versichert wird, seien nur durch das Eintreffen dieser Schiffe die gefürchteten Unruhen verhindert worden; außerdem aber stehe an der türkisch- armenischen Grenze bereits ein russisches Heer von 50000 Mann bereit, bei dem Wiederausbruch von Unruhen sofort in das türkische Armenien einzurücken.
Newyork, 22. August. Wie die hiesigen Blätter melden, hat der Kapitän John O'Brien Philadelphia auf einem Dampfer, vermuthlich dem „Howard", mit der größten Dynamitladung verlassen, welche jemals nach Kuba verschifft wurde. Man glaubt, daß dieselbe für Freibeuter bestimmt sei. (Diese Sendung erfolgte vermuthlich auf Bitten des Führers der Aufständischen Maceo, der, wie wir kürzlich zu melden in der Lage waren, sich um Hilfe an die kubanischen Kreise in Amerika wandle.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 25. August.
* — Der 24. August, im Kalender St. BartholomäuS genannt, ist ein bedeutungsvoller Tag für weite Kreise des Volkes. Der Landmann hält nichts von den modernen Wetterpropheten, die durch den Mund der Zeitungen ihre Orakelsprüche verkünden, er hält vielmehr fest an den Ueberlieferungen seiner Vorfahren, welche bestimmten Tagen des Jahres eine prophetische Bedeutung im Hinblick auf die Gestaltung des Wetters beimaßen. Unter diesen Tagen spielt der Bartholomäus- tag eine wichtige Rolle insofern, als er das künftige Herbstwetter im voraus bestimmen soll. „Wie Bartholo- mäitag sich hält, so ist der ganze Herbst bestellt!"
* — Die Legende vom Siebenschläfer, an die noch vielfach namentlich auf dem Lande fest geglaubt wird, ist selten so gründlich wiederlegt worden, wie im gegenwärtigen Jahr. Obgleich der gefürchtete Tag ohne Regen war, hat es in der folgenden Zeit fast jeden Tag geregnet.
* — Sedanfeier. Wie die „Rh.-W. Ztg." erfährt, sind die preußischen Schulbehörden ermächtigt worden, auch am 2. September d. Js. und künftig zur Betheiligung der Schuljugend an der Feier des Sedantages den Schuluntericht an den öffentlichen Volksschulen ausfallen zu lassen und die Abhaltung einer Schulfeier an diesem Tage zu veranlassen. Es bleibt den Schulbehörden überlassen, die ihnen unterstellten Lokalschul- inspektoren mit entsprechender Anweisung zu versehen. Da, wo eine solche Feier stattfindet, hat sie an die Stelle des gewöhnlichen Schulunterrichts zu treten.
* — Wer den Vernichtungskampf gegen die Kohlraupen erst dann beginnt, wenn die Raupen bereits da sind, hat einen doppelt schweren Stand. Raupen entwickeln sich bekanntlich aus Eiern, und die Kohlraupen aus den Eiern des Kohlweißlings. Diese gelben, nicht einmal kohlsaatgroßen Eier findet man zur Zeit in Häufchen zu je 20 bis 100 Stück an der Unterseite der Kohlblätter kleben, woselbst man sie beim Umkehren des Blattes auf den ersten Blick entdeckt. Man suche nun alle paar Tage die Kohlblätter ab, schneide die Eierfelder heraus, sammle und verbrenne oder mache sie auf andere Weise unschädlich. Die Arbeit muß sofort begonnen und fortgesetzt werden, da jetzt bei gutem Wetter täglich neue Häuschen entstehen.
— Zuschlagsfahrkarten beim Zugführer. Vom 1. Sept. ab wird auf den preußischen Staatsbahnen die dem reisenden Publikum gewiß willkommene Neuerung eingeführt, daß die Zugführer der Schnellzüge mit Zuschlagskarten versehen werden. Will also ein Reisender vom Personenzug zum Schnellzug übergehen, oder im Schnell-