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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

H ~ 1896.

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Amtliches.

I -Nr. 5786. In Mollgers ist unter dem Rind­vieh die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Zur thunlichsten Verhütung der Weiterverbreitung der Seuche ordne ich hiermit aus Grund der Bundesraths- instruktlvn vom 27. Juni v. I. zur Ausführung der §§. 19 bis 29 des Reichsgesetzes vom -77^- be­treffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen Beilage zu Nr. 34 des Amtsblatts 1895 und der mir ertheilten Ermächtigung für sämmtliche Ort­schaften des Amtsgerichtsbezirks Schwarzen­fels auf die Dauer von vierzehn Tagen, vom Tage der Bekanntmachung ab gerechnet, Folgendes an:

1. Das Treiben von Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen außerhalb der Feldmarkgrcnzen ist verboten.

2. Das Verladen von Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen auf den Eisenbahnstationen in Jossa, Sterbfritz und Vollmerz ist verboten.

3. Die Abgabe von Milch (Mager- und Buttermilch, auch Mölke) aus den Molkereien ist nur dann ge­stattet, wenn dieselbe vorher bis zu 1000 C. erhitzt, oder eine Viertelstunde lang einer Temperatur von 90 C. ausgesetzt worden ist, im Uebrigcn sind die durch meine Kreisblattsbekanntmachungen vom 1. April 1896 Nr. 2389 und 8. April 1896 Nr. 2489 Kreisblatt Nr. 15 veröffentlichten Vorschriften des Herrn Regierungspräsidenten zu befolgen resp, zu beachten.

4. Die Ausführung von Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen zum Zwecke sofortiger Abschlachtung ist mit Genehmigung der Ortspolizeibehörde gestattet, wenn a. das Vieh oben bezeichneter Gattung, das ansgcführt werden soll, unmittelbar vorher von einem approbirten Thierarzte untersucht wird und dieser sein Gutachten dahin abgiebt, daß dasselbe von der Maul- und Klauenseuche nicht befallen ist,

b. die Polizeibehörde des Schlachtortes mit der Zu­führung der Thiere sich vorher einverstanden erklärt hat, und

c. wenn im Uedrigen die im §. 59 letzter Absatz der oben bezeichneten Bundesrathsinstruktion ertheilten Verhaltungsmaßregeln befolgt werden.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, die vorstehenden Anordnungen unter Bekanntgabe der Strasvorschristen des Eingangs erwähnten Gesetzes unverzüglich zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, für strikte Durchführung derselben zu sorgen und Zuwider­handlungen zur Bestrafung zu bringen.

Nach Ablauf der vierzehntägigen Frist bleiben die vorstehenden Anordnungen bis auf Weiteres für Mott- gers bestehen.

Schlüchtern, den 14. August 1896.

Der Königliche Landrath: i. B.: Goerz.

Teutsches Reich.

Berlin, 17. August. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin werden heute Abend um 6 Uhr von Wilhelmshöhe abreifen und nach dem neuen Palais in Potsdam zurückkehren. Auch die drei jüngsten Kinder des Kaisers werden heute mit nach Potsdam zurückreisen.

Sicherem Vernehmen nach hat der Kriegsminister v. Schellendorff den erbetenen Abschied erhalten. Zu seinem Nachfolger ist der General von Goßler ernannt worden.

-- Das Petroleum-Monopol ist fertig. Die beiden Petroleumimporteure Deutschlands haben mit dem amerikanischen Fusionsring einen Vertrag abgeschlossen. Wenn sich nun noch die russische Nobel-Gruppe anschließt, dann ist das Petroleum-Weltmonopol fix und fertig. Wie nun derD. Tagesztg." gemeldet wird, hat sich der russische Herr Finanzminister gegen den Beitritt der Nobelgruppe zum amerikanischen Petroleumringe erklärt. Dadurch könnte allerdings die unbeschränkte Macht des Ringes gebrochen werden, d. h. wenn es nicht Roth­schilds Einflüsse gelingt, den russischen Finanzminister umzustimmen.

Kiel. Der Kaiser Wilhelm-Kanal hat sich bei der soeben erfolgten Durchfahrt unserer Herbstmanöverflotte destenS bewährt. Die aus nicht weniger als 45 Schiffen bestehende Flotte passierte unter dem Befehl des Admirals Knarr den Kanal ohne die geringste Havarie bei möglichst schneller Fahrt. Die Torpedoboote durchliefen den Kanal in sieben, die größten Panzerschiffe in etwas über neun Stunden.

Bremen Der Seehandel in Bremen zeigt eine starke Abnahme, welche noch bedeutend größer ist als die Hamburgs. Umgekehrt zeigt Antwerpen bis jetzt in diesem Jahre einen ganz bedeutenden Zuwachs, während Ham­burg die Zunahme, die es in diesem Jahre in den eis­freien Monaten gehabt hat, fast vollständig wieder einbüßt. Der Rückgang in Bremen beträgt bis jetzt fast um ein Achtel seines Berkehrsumfangs, nämlich um 150 000 Registertonnen. Der Rückgang des Tonnengehaltes läßt sich bis zum 1. Juli aus der veränderten Messungs­methode erklären. Doch von da ab ist sie wieder gleich und so kommt für den Monat Juli eine Abnahme von 30 Schiffen mit 33 000 Tonnen heraus, was einem Sechstel des ganzen Verkehrs gleichkommt. Einen interessanten Fund hat dieser Tage der in der Weser gegenüber Hammelwarden arbeitende bremische Bagger A. V." gemacht. Durch denselben wurde nämlich ein alles Kriegsschiff freigelegt, welches vielleicht aus dem Stedinger Kriege herrühren mag. In dem Schiffe wurde unter mancherlei Kriegsmaterial auch eine Kanone mit dazugehörigen Steinkugeln, eine kleine Handkanone, Enterhaken, Entermesser und anderes gefunden. Die Kanone, welche etwa einen Meter lang ist, war auf einem Holzklotz als Lafette mit einem Bügel befestigt. Die Steinkugeln haben einen Durchmesser von 10 bis 12 Centimetern. Die Gegenstände werden dem Bremer Museum einverleibt werden. Das Schiff selbst hat noch nicht gehoben werden können.

Aus Osnabrück schreibt man: Bekanntlich hat vor 10 Jahren Prof. Dr. F. Knoke in seinenKriegszügen des Germanicus" die Schlacht im Teutoburger Walde in die Gegend zwischen Jburg und dem Habichtswalde bei Stift Lenden verlegt. Nunmehr ist es ihm gelungen (nach seiner soeben erschienenen SchriftDas Varus- lager im Habichtswalde bei Stift Lenden", Berlin, Gärtner 1896), in dem südöstlichen Abschnitte dieses Waldes ein vollständiges Römerlager aufzufinden, das mit seinen Spitzgräben und abgerundeten Ecken, sowie mit seinen vier Thoren alle Merkmale römischer Be­festigungskunst ausweist und nach Lage, Größe und Be­schaffenheit vollständig den Bedingungen des zweiten Lagers entspricht, das die Römer im Teutoburger Walde aufgeschlagen haben. Funde von Waffen weisen auf den Kampf hin, der hier stattgefunden hat. Auch ein großer Leichenhügel mit mehr als hundert Kubikmetern Aschenerde ist in der Nähe des Lagers gefunden worden. Alles deutet darauf hin, daß wir endlich die Spuren der berühmten Varusschlacht wieder gewonnen haben.

Hannover. Eine tragikomische Szene spielte sich heute Mittag auf dem hiesigen Bahnhöfe ab. Die Ehe­frau eines Kölner Schneidermeisters war ihrem Ehe­gatten mit dem ganzen Vermögen durchgebrannt. Sie hatte den Personenzug benutzt, der betrogene Gemahl aber bestieg den v Zug und konnte dadurch die Aus- reißerin auf dem hiesigen Bahnhof in Empfang nehmen. Die Bahnpolizei intervenirte zu beiderseitiger Zufrieden­heit.Er" erhielt sein Geld wieder und dampfte damit nach Köln zurück, währendSie" in anderer Richtung weiterfuhr.

Erfurt, 17. August. Unter der hiesigen Einwohner­schaft grassiert gegenwärtig eine ruhrartige Krankheit. So sind innerhalb der letzten zwei Wochen an Brech­durchfall allein 52 Personen gestorben.

Aus Elbing wird gemeldet, daß in Betreff des schweren Brandunglücks in Zeyersvorderkampen, bei dem bekanntlich sechs Personen ums Leben kamen, der in Gemeinschaft mit seiner Mutter verhaftete 17jähr. Sohn des schon früher in Haft genommenen Schiffers Gott­schalk zugestanden hat, daß er das Haus auf Veran­lassung des Vaters angcsteckt habe. Der Vater habe ihm gesagt, er solle das Gebäude anstecken oder er werde ihn (den Jungen) todischlagen.

Ausland.

Rom. Die Verlobung des italienischen Kronprinzen mit der Prinzessin Helene von Montenegro soll bereits in nächster Zeit statlsinden. Die Prinzessin tritt zur katholischen Kirche über. Wie verlautet, ist der Fürst von Montenegro der Zustimmung des Kaisers Nikolaus versichert

Madrid, 15. August. In Saragossa, Bourges uud Leres sind große Unruhen ausgebrochen über die revo­lutionäre Agitation, welche man dort überall im Geheimen betreibt. In den Kasernen wurden an die Soldaten

zahlreiche Flugschriften vertheilt, worin diese aufgefordert werden, bei einem etwaigen Zusammenstoß mit den Civilisten nicht auf diese zu schießen. Die Ruhestörer wurden verhaftet und von der Militärbehörde soll ganz energisch gegen dieselben vorgegangen werden.

Christiania, 14. August.Aftonposten" zufolge ist Frithjof Nansen in Vardoe, an der Nordostspitze Nor­wegens, cingctroffen. Die ZeitungVerdens Gang" erhielt folgende Depesche von Nansen selbst:Wohl in der Heimath eingetroffen nach glücklicher Expedition." Nansen's SchiffFram" ist vom Eise auf einer Höhe von 84 Grad nach Westen getrieben. Das Schiff wird in Spitzbergen erwartet. Ueberall wohin Nansen vordrang war Eis, jedoch mit großen Waken. Das Wasser hatte hier eine Tiefe von 3800 Metern. Die ersten 190 Meter zeigten Kälte. In der größeren Tiefe hatte das Wasser/a Grad Wärme, wahrscheinlich wegen des Golfstromes. Wegen der bisher unbekannten Schäreu konnte Nansen die Mündung des Olenekflusses mit dem Fram" nicht anlaufen, um Hunde an Bord zu nehmen. Die Folge war, daß er keine ausreichende Anzahl von Hunden hatte und somit bei 86° 15' umkehren mußte. Mit einer genügenden Anzahl von Hunden und Kajaks wäre der Nordpol erreicht worden. Die Landreise war sehr mühevoll. Nansen und Lieutenant Johannsen verließen am 14. März 1895 denFram" auf dem 84. Grad nördlicher Breite, um das Meer weiter nord­wärts zu untersuchen, als derFram" vorgedrungen war. Die Expedition hat ihren Plan ausgeführt. Sie hat sich nordwärts von den neusibirischen Inseln durch das Polarmeer durchgedrängt und das Gebiet bis zum 86 0 14 ' nördlicher Breite untersucht. Nördlich vom 82. Grad wurde kein Land mehr gesehen. Nansen und Johannsen wandten sich also südwärts nach Franz Josefs­land, wo sie überwinterten. Bärenfleisch und Walfischfett waren hier ihre Nahrung. Hier war es auch, wo sie Jackson und denWindward" antrafen. Auf letzterem langten sie gestern Nachmittag 4"a Uhr bei bestem Wohl­sein in Vardoe ein. DerFram" wird in Vardoe oder in Bergen bald erwartet. Das Schiff hat sich als EiS- fchiff vortrefflich bewährt.

Petersburg, 13. August. Das medizinische Fach­blattWratsch" theilt mit, der Spitaloberarzt Denissenko in Brjansk glaubte behaupten zu können, daß der Saft des Sohoellkrautes (Chelidonium Majus) die Krebs- Krankheit heile.

Pittsburg, 14. August. Ein gewaltiger Platzregen verursachte hier und in Alleghany starke Ueberschwemmungen. Der Verkehr ist unterbrochen. 30 Personen sind um» gekommen. In der Umgebung wurden Brücken und Häuser fortgeschwemmt.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 18. August.

* Der Auftrieb auf dem heutigen Viehmarkt dahier war ca. 350 Stück Vieh. Die Preise waren sehr hoch für gute junge Kühe und schöne Stiere. Der Handel lag fast ausschließlich in den Händen der Vieh­händler; Landwirthe konnten nur wenig verkaufen. Tags vorher wurden verkauft unter den Handelsleuten ca. 150 Stück.

Dem Berl. Pol. Nachr. zufolge hat der Justiz­minister eine Verfügung erlassen, worin er allen Amts- gerichtcn empfiehlt, den Bauhandwerkern Einsicht in die Grundbücher der Grundstücke, zu denen sie Material oder Arbeiten geliefert haben, zu gestatten, ohne daß sie die Erlaubniß des Bauunternehmers nachzusuchen brauchen. Um Einsicht in das Grundbuch zu erlangen, ist es nur erforderlich, daß die Bauhandwerker dem Grundbuchrichter gegenüber den Nachweis führen, daß sie zu dem Bau Arbeit oder Material geliefert haben bezw. vertragsmäßig liefern sollen.

* Gartenbesitzer und Landwirthe mögen auf ihre Kohl- und Kraulpflanzen acht haben, denn schon sitzen zahlreiche Eierhäufchen der Kohlweißlinge rc. auf der Unterseite der Blätter. Mit einem Fingerdruck sind dieselben zu vernichten, so lange die Räupchen noch nicht ausgekrochen sind. Man kann Pflanzen vor dem Zer- fressenwerden bewahren, wenn man Kinder anhält, alle 4 5 Tage die Pflanzen abzusuchen und Eier und Räupchen zu tödten. Die Mühe wird sich lohnen, denn sonst stehen im Herbst die Pflanzen wie Besen auf dem Felde.

* Kaust am Platzei Jeder hat das Recht, zu