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MuchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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Mittwoch, den 12. August

Amtliches.

J.-N. 1892 K.-A. Der Zimmermann Augustin Hausmann zu Soden beabsichtigt, zum Betriebe eines Dampssägewerks einen neuen beweglichen Dampfkessel auf seinem in der Gemarkung von Soden belegenen Grundstück, Blatt H Nr. 693/2, aufzustellen.

Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in 2 Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungn in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Zeichnung und Beschreibung können während der Dienststunden in dem Bureau des Kreisausschusses ein- gesehen werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in demselben Bureau

Donnerstag den 27. August er.,

Vormittags 10 Uhr, vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Ein­wendungen vorgegangen werden wird.

Schlüchtern, den 7. August 1896.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Befinden des Kaisers hat sich in Wilhelms­höhe infolge der milden Waldluft erheblich gebessert. Der Monarch machte bereits einen Spaziergang zum Herkules hinauf, sowie eine Ausfahrt hinter den HabichtSwald bis Elgershausen. Hier verließ Se. Majestät den Wagen, unternahm in Gesellschaft des Generalarztes Dr. Leuthold einen Aufstieg über das Gebirge und stieg bei der Löwenburg wieder zum Schlosse hinab. Die Kaiserin ist wohlbehalten von der Reise nach Wesel, Ruhrort und Essen auf Schloß Wilhelmshöhe wieder angekommen. Am Sonnabend weilte die Kaiserin in Essen. Sie be­sichtigte dort die zu den Krupp'schen Anlagen gehörende Haushaltungsschule und Kleinkinderschule und begab sich dann, von 1000 Arbeitern jubelnd begrüßt, nach dem Schmelzbau, wo Prinz Heinrich nach Besichtigung ver­schiedener Werkstätten schon eingetroffen war, um dem Guß eines Kanonenrohres beizuwohnen. Von da begaben sich die hohen Herrschaften nach dem Rathhaus, wo ein Ehrentrunk kredenzt wurde. Eine Anzahl Ordens­dekorationen wurden verliehen. Bei der Abfahrt wurden der Kaiserin und dem Prinzen Heinrich große Ovationen bereitet.

Kaiser Nikolaus hat sich mit der Kaiserin beim Kaiser Wilhem nach Breslau zu den Anfang September stattfindenden Manövern angesagt.

Düsseldorf. Aus dem rheinisch-westfälischen Gebiet wird gemeldet, eS sei beabsichtigt, die vorwiegend industriellen Regierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg zu einer neuen Provinz zu erheben. Dieser Gedanke, durch dessen Verwirklichung die wiederholt aufgeworfene Frage der Theilung der Regierungsbezirke Düsseldorf und ArnSberg eineLösung" fände, liegt so nahe, daß er bei der Staatsregierung wiederholt den Gegenstand von Berathungen gebildet hat. Der neue Düsseldorfer Regierungspräsident soll die schon oft erörterte, aber eben so oft wieder vertagte Frage aufgegriffen haben.

Bom Rhein, 1. August. Vor einigen Tagen er­krankten in dem kleinen Städtchen Lobberich am Nieder- rhein plötzlich sieben Familien unter den gleichen Krank- heitSerscheinungen, die nur auf eine Vergiftung zurück­geführt werden konnten. Allmählich dehnten sich die Erkrankungssälle auf 18 Familien aus, und nun kam man zu der Vermuthung, daß wahrscheinlich das von den Familien genossene Weißbrot eines dortigen Bäcker­meisters, dessen Frau und Kinder übrigens selbst erkrankt sind, der Träger des Giftes sei. Das Bürgermeisteramt zu Lobberich sandte die Reste dieser Brote an das Lebensmitteluntersuchungsamt zu M.-Gladbach, das zu dem Resultate kam, daß in sämmtlichen Brotstücken Arsenik als arsenige Säure vorhanden war. Bei einzelnen Stücken war stellenweise der Giftgehalt so groß, daß er unbedingt tödtlich gewirkt haben würde. Die gerichtliche Untersuchung ist sofort eingeleitet worden; die meisten Erkrankten befinden sich erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung.

Jserloh«, 3. August. Die Erdsenkungen in der sogenannten Lehmkuhle, einem ehemals blühenden Stadt­

theil mit großen Geschäfts- und Wohnhäusern und einer Kirche, an deren Stelle sich jetzt ein großer Schlammteich befindet, dehnen sich als eine Folge des Bergbaues noch immer weiter aus, so daß neuerdings wieder mehrere Häuser gefährdet sind. So entstand dieser Tage an der Langstratze wieder ein großer Tagesbruch, der an seiner Oberfläche mindestens 5 Meter im Durchmesser mißt. Kurz vorher hatte die Frau des Eigenthümers an der betreffenden Stelle noch Blumen gepflückt.

Bremen. Der außerordentliche Einfluß, welchen die größte deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft, der Nord­deutsche Lloyd in Bremen auf das Wirthschaftsleben der Nation ausübt, erhellt unter anderem aus dem gewaltigen Verbrauch an Proviant und Kohlen, welcher auf den Schiffen des Norddeutschen Lloyd sich jährlich ergiebt. Nach den jetzt vorliegenden statistischen Auf­stellungen stellen sich die Ziffern der an Bord der Dampfer des Norddeutschen Lloyd im Jahre 1895 ver­brauchten hauptsächlichen Konsumartikel auf etwa 5/a Millionen Mark an Werth. Dazu kommt ein Kohlen- verbrauch von etwa 700,000 Tons im Werthe von über 10 Millionen Mark. Aus den im Jahre 1895 verbrauchten Nahrungsmitteln heben wir einige Haupt­ziffern heraus. Es wurden verbraucht: Frisches Fleisch 2/2 Mill. Pfund, gesalzenes Fleisch 589,000 Pfund, präserviertes Fleisch 117,800 Pfund. Dazu kommen etwa 2200 Stück lebendes Vieh und 166,582 Stück Geflügel. An Getränken wurden unter anderm verzehrt 637,107 Flaschen Bier und außerdem 520,268 Liter Faßbier, 100,000 Flaschen Rotweine, 78,000 Flaschen Rhein- und Moselweine, 30,000 Flaschen Rum, Genever und Liköre, 25,500 Flaschen Champagner, 15,000 Flaschen Cognac, 175,000 Flaschen Mineralwasser rc. Die Gesammtliste der einzelnen Verbrauchsartikel aus dem Proviantwesen umfaßt 150 verschiedene Artikel.

München. Ein unglaublicher Ehrengerichtsspruch. Nach der Mittheilung desNeuen Münchener Tage­blattes" hat ein Student der Philologie eine rückständige Forderung an einen Münchener Rittmeister zu machen, dessen Sohn er Privatstunden gegeben hatte. Der Student benöthigte sein mühsam verdientes Geld, konnte es aber trotz verschiedener schriftlicher Ansuchen vom Herrn Rittmeister nicht erhalten, so daß er sich endlich veranlaßt sah, die Forderung durch einen Rechtsanwalt vertreten zu lassen. Statt aber die Forderung zu be­gleichen, sandte der Herr Rittmeister dem Philologen einen Kartellträger mit einer Pistolen'ordcrung. So habe es das militärische Ehrengericht bestimmt, da der Rittmeister durch das Ansuchen des Studenten um Be­zahlung sich in seiner Ehre schwer verletzt fühlen müsse. Der Philologe trug die Sache dem Münchener 8. 0. (Ausschuß der Corps. Red.) vor, der ganz vernünftig dahin entschied, der Rittmeister habe keinen Grund, sich beleidigt zu fühlen, wenn er in höflicher Form um die Begleichung einer eingegangenen Schuld ersucht werde, wodurch das unsinnige Duell unterblieb Das ist denn doch etwas starker Tabak, eine solche Entscheidung des militärischen Ehrengerichtes!

Ausland.

Athen, 7. August. Das englische KriegsschiffHood" und das französische KriegsschiffLinois" sind eilig nach Kandia abgegangen. Hier tritt mit Bestimmtheit das Gerücht auf, die Muselmanen seien in die Stadt Kandta eingedrungen, hätten mehrere Häuser geplündert und zahlreiche Personen ermordet. Eine amtliche Bestätigung liegt nicht vor. Privatdepeschen melden, in Kandia seien ernste Ruhestörungen vorgekommen. Die Muselmanen seien in die Stadt eingedrungen, hätten mehrere Per­sonen getödtet oder verwundet und andere Grausamkeiten verübt. In das russische Viceconsulat sei mit Gewalt eingebrnngen worden, der Viceconsul Sarros, ein Grieche von Geburt, sei mißhandelt, der Generalgouverneur schwer verwundet worden. Die Truppen seien nicht im Stande, die Ruhe wieder herzustellen.

Pest, 8. August. Ueber das furchtbare Unwetter, welches große Gebiete Ungarns verwüstet hat, werden folgende Einzelheiten gemeldet: Durch einen furchtbaren Wolkenbruch wurde in Holics die Ernte vernichtet und in Skalitz ein Mann von den Fluthen weggerissen. 2 Kinder werden vermißt. In Trentschin-Teplitz ist in Folge andauernden Regens der Teplafluß ausgetreten, die Bäder sind jedoch unversehrt geblieben. In KecS- kemet hat ein Cyklon verbunden mit Hagelschlag eine

junge Weinpflanzung vernichtet, Obstbäume entwurzelt und zahlreiche Gebäude beschädigt. Der Schaden zählt nach Millionen. Auch aus Dunaföldvar wird ein furcht­barer Orkan gemeldet, der in der ganzen Umgebung die Wein- und Obsternte vernichtet hat. Auf der Reverer Wirthschaft des Grafen Teleki riß der Sturm einen großen Schafstall nieder. Vier Schafhirten mtb eine Frau wurden unter den Trümmern begraben und als Leichen hervorgezogen. In Szent-Andras wurden zwei junge Leute durch den Einsturz eines Schuppens schwer verletzt. In Soll wurden zahlreiche Häuser von der Fluth hinweggeschwcmmt und ist der Kirchthurm ein» gestürzt. Auch Mohacz wurde von einem Orkan, der von Hagelschlag gefolgt war, heimgesucht. In Paks stürzten mehre Häuser ein und in Koermcnd wurde die Weinernte durch ein Gewitter mit Hagelschlag vernichtet.

New«Nork, 10. August. Im ganzen Lande herrschte gestern eine furchtbare Hitze; 70 Personen sind in New- Dork und Umgegend dem Sonnenstich und dem Hitzschlag erlegen. Viele Todesfälle aus denselben Ursachen wurden aus anderen Theilen des Landes gemeldet. In Hahnville drang ein Hause in das Gefängniß, in welchem sich fünf des Mordes angeklagte Italiener in Haft be« fanden, ein, führte dieselben aus dem Gefängniß und lynchte sie.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 11. August.

* Der Kreisausschuß hat dem Lehrer Seil in Sarrod behufs Beschaffung von kleinen landwirthschaft- lichen Schriftchen zwecks Vertheilung als Prämien an diejenigen Schulkinder, welche sich bei dem Einfängen von Kohlweißlingen besonders verdient gemacht haben, 10 Mark bewilligt.

Eine für Jäger wichtige Anordnung hat die preußische Eisenbahnverwaltung getroffen. In Frage kommt dabei die Beförderung frisch geschossenen Wildes, welches vom Jäger als Gepäck aufgegeben wird. Nach der Anweisung gilt nämlich erlegtes Wild nicht als Reisegepäck und genießt daher auch nicht die freie Be­förderung bis zum Gewicht von 25 Kilogramm. Die Gepäckabfertigungsstellen sollen vielmehr in solchem Falle die Fracht für das ganze aufgelieferte Gewicht zum Expreßgutsatze in Anrechnung bringen. Dagegen ist es den Jägern gestattet, einzelne leicht zu tragende Stücke Kleinwild in Jagdtaschen rc. mit in das Wagenabtheil zu nehmen, sofern die Mitreisenden hierdurch nicht be« lästig! werden und durch genügende Verpackung des Wildes oder festes Verbinden der Schußstellen eine Ver­unreinigung des Wagens durch aussickerndes Blut ver­hindert wird. Bei der demnächst beginnenden Hasenjagd dürfte diese Verordnung zuerst praktische Anwendung finden.

* Strenger Winter in Sicht? Die Blätter der Bäume beginnen in diesem Jahre auffallend früh zu fallen, selbst schon die Kastanienblätter. Die Landleute sagen, dies bedeute einen frühen Herbst und einen strengen Winter.

* Die Frage, ob ein Arbeiter entlassen werden kann, der wegen Erstehung einer Freiheitsstrafe von der Arbeit wegbleibt, ist von dem Gewerbegericht Karlsruhe bejaht worden. Der Arbeiter, der eine Freiheitsstrafe verbüßen müsse, habe sich das durch eigenes Verschulden zugezogen und müsse deshalb geradeso behandelt werden, wie ber» jenige Arbeiter, der die Arbeit unbefugt verlassen habe; deshalb sei der Arbeitgeber gemäß § 123, Ziffer 3 der Gewerbeordnung zur sofortigen Entlassung des Arbeiters berechtigt.

Mittelsiun, 8. August. Sehr schnell ereilte der Tod den Schneidermeister und Musiker Maier von hier. Am vergangenen Sonntag und Montag spielte er noch flott zur Kirchweihe auf, und Dienstag früh 5 Uhr war er bereits eine Leiche. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Er hinterläßt eine Frau mit mehreren Kindern.

Vom Bogclsberg. Bei Ausführung der Nebenbahn Friedberg-Hungen wurden in den letzten Tagen mehrfach Alterthumsfunde gemacht. So fand man in der Nähe von Echzell beim Abheben eines Ackers Menschenschädel, Pferdckuochen, Hufeisen von eigenthümlicher Form, Münzen römischen Ursprungs in Größe eines Mark­stückes, Thonkrüge. eine Vase von Terra sigillata mit der Inschrift BIRIVSF, mehrere kleine Schalen und schließlich eine größere mit Asche gefüllte Urne, die aber