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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 63. Mittwoch, den 5. August 1896.
R^ispklit^NK« °"^ die „Schlüchterner Zeitung" 5Pt4lvuUesy»41 werden noch fortwährend von allen
- —- Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliches.
Der Land- und Gastwirth Johannes H e i n b u ch zu Marjoß beabsichtigt, auf seinem Wiesengrundstück Parzelle Blatt F Sir. 122 der Gemarkung Marjoß zum Zwecke der Wiesenbewässerung den Umbau seiner Wehranlage vorzunehmen.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir anzubringen.
Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Zeichnung und Beschreibung der Anlage können während der Dienststunden im Bürcau des Kreisausschusses eingesehen werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in demselben Bureau
Donnerstag den 20. August e.,
Vormittags 10 Uhr, vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.
Schlüchtern, den 30. Juli 1896.
Der Vorsitzende des Kreisausschusscs: Roth.
Die Herreu Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden (excl. Schlächtern) werden ersucht, das für sie bestellte Exemplar des neuen Stempelsteuergesetzes nebst Ausführungsbestimmungen vom 31. Juli 1895 gegen Entrichtung von 1 Mark innerhalb 8 Tagen im Kreisansschußbureau abholen zu lassen.
Schlächtern, den 30. Juli 1896.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser, der seit seiner Rückkehr von der Nordlandreise in Wilhelmshöhe weilt, ist Sonnabend mit der Kaiserin in Cassel gewesen und machte dort Besuche bei dem kommandirenden General von Wittich, bei dem General von Schweinitz und Prof. Knackfuß.
— 31. Juli. Die Ankunft des Kaisers auf Wilhelmshöhe erfolgte Freitag Abend. Auf dem Bahnhöfe waren die Kaiserin und die kaiserlichen Kinder zur Begrüßung anwesend. Die Fahrt nach dem Schlosse fand unter dem Jubel einer vielköpfigen Menschenmenge statt. Der Kaiser verbleibt bis zum 7. August in Wilhelmshöhe und reist dann nach Ruhrort, Wesel und Essen. Mitte August dürfte Se. Majestät wieder im Neuen Palais bei Potsdam eintreffen. Ueber die Absicht Kaisers Wilhelms, nach Danzig zn gehen, ist an maßgebender Stelle nichts bekannt.
— Eine Ergänzung zu den amtlichen Berichten über die neueren Kämpfe der Schutztruppe mit den Khauashottentottcn und Ovambandjcru enthalten, wie die „Voss. Ztg." schreibt, in Kapstadt aus Walfischbai mit dem Dampfer „Leutwein" eingetroffene Nachrichten von Ende Juni. Zu Okahandya, dem Sitze des Hererohäuptlings Samuel Maharero, wurde ein Kriegsgericht eingesetzt, das über die gefangen genommenen Häuptlinge Nikodemus und Kahimmema aburthcilen sollte. Sie wurden beide zum Tode verurtheilt und der Spruch auch unmittelbar danach vollzogen; sie wurden durch ein Poleton von acht Soldaten erschossen.
— 31. Juli. Nach einer telegraphischen Meldung des 'kaiserlichen Gouvernements in Dar-es - Salaam ist der bei der ostafrikanischen Plantagen-Gesellschaft angestellte Pflanzungsleiter Friedrich Schröder wegen der von ihm verübten Gewaltthätigkeiten von dem kaiserlichen Gericht in Tanga zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurtheilt worden.
— Das Reichsmarineamt theilt Folgendes mit: S. M. Kreuzer „Cormoran" ist am 30. Juli nach Chefoo zurückgekehrt mit der Nachricht, daß S. M. S. „Arkona" den Sachverhalt der Strandung des „Iltis" bestätigt. Ursache noch unbestimmt. Commandant und Besatzung des „Iltis" sind mit drei Hurrahs auf den Kaiser in den Tod gegangen. Nach ferneren Einzelheiten über den Untergang des „Iltis" brach das Kanonenboot in jwei Theile auseinander, nachdem es auf Felsen aufge-i
i laufen war. Der vordere Theil blieb über Wasser. Die 11 Ueberlebeuden hielten sich 2 Tage an den Trümmern fest, bevor sie gerettet wurden.
Thor». Bei einem Brande auf dem Rittergute Przependowo im Kreise Obornik, der 5 Ställe, 1 Scheune und 3 Schuppen einäscherte, verbrannten 262 Stück Vieh, nämlich 2 Zugpferde, 6 Fohlen, 142 Schafe, 98 Schweine und 14 Kühe. — Drei Knaben in Padgorze fanden gestern auf dem Artillerieschießplatz einen Zünder, welchen sie in ihrer Wohnung entluden; der Zünder explodirte, wobei ein Knabe furchtbar verstümmelt und sofort getödtet, die beiden anderen aber schwer verletzt wurden.
Aus Bayern. Ein „Untersuchungsrichter" ist vor Kurzem in der Umgegend von Hof au'getaucht, der in einem schwierigen Falschmünzerprozeß Ermittelungen „anzustellen hatte" und in verschiedenen Ortschaften einzelne Goldstücke und Hundertmarkscheine mit Beschlag belegte. Festgenommen entpupte er sich als ein Bäckergeselle Namens Merkel.
Augsburg, 29. Juli. Von zuverlässiger Seite erfährt man, daß in der letzten Zeit zwischen Baiern und China bedeutende Abschlüsse über ausrangirte Mauser- gewehre gemacht wurden, und zwar beträgt die Gesammt- zahl der Bestellung 30,000 Stück, die bereits in Hamburg nach Hongkong verschifft wurden. Weitere Ankäufe stehen bevor. Auch von Preußen will China größere Massen Gewehre ankaufen. Diese Bestellungen werden auf den Besuch des Vizekönigs Li-Hung-Tschang zurück- geführt.
Das in Tübingen neuerbaute „Frauenheim für alleinstehende Honoratiorentöchter" zeigt, wie zwecklos nnd planlos oft die Wohlthätigkeit betrieben wird. Seit Jahren wurde durch Privatwohlthätigkeit zu diesem Zweck mel geopfert, ein Bazar brächte eine große Summe ein, das Königspaar steuerte reichlich bei. Ein schönes Haus in der Hechingerstraße steht offen, um dem Zweck, zu dem es eingerichtet, zu dienen, aber eines, nämlich das Wichtigste, fehlt, Diejenigen nämlich, die das neue Heim bewohnen sollen. Keine einzige Person hat sich gemeldet, welche unter den aufgestellten Bedingungen darin wohnen möchte. Es lag darum wohl auch absolut kein Bedürfniß zur Gründung dieses „Heims" vor, und die vielen auf- gewendeten Mittel sind einfach der sonstigen Wohlthätigkeit auf ganz unnöthige Weise entzogen worden. Das Frauenkomitee muß jetzt zu dem Mittel des Vermiethens des Hauses an Familien greifen.
Straßburg, 30. Juli. Ein Doppelmord hat das Dorf Pfetterhausen bei Altkirch in Aufreguag versetzt. Zwei Schwäger waren mit der Bertheilung eines von ihnen geschlachteten Schweines beschäftigt; einer von ihnen sagte scherzweise zum anderen, er „schnaufe" ja, als ob er die Schwindsucht hätte. Darob wurde dieser wüthend, er sprang auf und stieß seinem Schwager das Schlachtmesser in die Rippen; dieser sah das Messer blitzen, er parirte, hob zum Schlag aus und stieß seinerseits dem Verwandten das Messer in die Brust. Beide sanken zu gleicher Zeit um, einer war sofort todt, der andere in zwanzig Minuten.
Ausland.
Agram, 31. Juli. Nach einer sechswöchentlichen öffentlichen Gerichtsverhandlung wurde heute Vormittag gegen die Stenjevecer Vcrbrecherbande das Urtheil gefällt. Von 36 Angeklagten, denen 18 Mordthaten, zahlreiche Raubanfälle und Diebstähle zur Last gelegt wurden, sind 19 zum Tode verurtheilt, einer zu 20jähriger, einer zu 17, zwei zu 15, einer zu 10, einer zu 1 ’/a und drei zu Ijährigcr schwerer Kerkerhaft. Unter den zum Tode Veruriheilten befinden sich auch zwei Frauen. Acht Angeklagte wurden freigesprochen.
Explodiert sind in einem Geschäftsladen zu Fünf» kirchen (Ungarn) plötzlich Raketen und Feuerwerkskörper. Theile von Sprengkörpern flogen bis auf die Straße. Die Zahl der durch die Explosion Verwundeten wurde auf 200 angegeben. Fünfzig davon sollen tödtlich verletzt sein, mehreren Verwundeten mußten die Gliedmaßen amputiert werden. Auf dem Schauplatz der Katastrophe spielten sich fortwährend erschütternde Scenen ab. Zahlreiche Verwundete sind grauenhaft zugerichtet.
Japan Ueber ein Seebeben an der Küste von Nordjapan wird aus Tokio geschrieben: In der Nacht des 15. Juni ist der nördliche Theil der Hauptinsel * Japans von einem schrecklichen Unglück heimgesucht worden.
Das Wasser des Großen Ozeans zog sich plötzlich von der gewohnten Strandlinie zurück, als wollte Neptun einmal tief Athem holen. Dann aber ergossen sich mächtige Wellen mit zerschmetternder Gewalt über die Dünen, die sonst auch der höchsten Fluth eine Grenze setzten. Als wieder Ruhe eintrat, waren Häuser und Bäume und Fruchtfelder verschwunden. Am schlimmsten war die Katastrophe in den sich verengernden Buchten, in denen sich das eindringende Meereswasser zu furchtbaren Bergen aufstaute, so daß auch verhältnißmäßig hoch gelegene Punkte von der Fluth erreicht wurden.« So ist z. B. die Hafenstadt Kamaishi, der wegen der nahe gelegenen Eisenminen ein rasches Aufblühen bcvor- stand, mit ihren 5000 Einwohnern vollständig vom Erdboden verschwunden. Die am härtesten getroffene Küstenlinie ist der bergige, an Vorsprüngen und Fjorden reiche Strand etwas nördlich von Sendai in einer Ausdehnung von 60 deutschen Meilen. Amtlich festgestellt sind bisher 8784 Todesfälle, 555 Verwundungen, 1974 verschwundene Häuser; aber nach sorgfältig zusammengestellten Privatmittheilungen belauft sich der Schaden auf über 15,000 Menschenleben und fast 5000 Häuser. Für viele große Bezirke ist nicht nur die diesjährige Ernte verloren, sondern es ist auch für viele Jahre die Ertragfähigkeit der Felder dahin.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 4. August.
* — Auf Antrag des Stadtrathes ist seitens des Provinzialrathes die Abhaltung je eines Viehmarktes am 18. August und 22. September er. in der Stadt Schlüchtern genehmigt.
* — Ein sehr bedauerliches Unglück hat sich am letzten Freitag auf der Straße von Hohenzell über Lindenberg - Niederzell zugetragen. Der Bursche des Fr. Eckhardt zu Schlüchtern wurde, trotzdem er mit seinem schwerbeladenen Sandwagen auswich, so weit er konnte, von einem schnell daherkommenden Personenfuhrwerk um« gerissen, kam in Folge dessen unter den schwerbeladenen Sandwagen und trug schwere Verletzungen an Kopf, Schultern und der einen Hand davon, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Verunglückte war ein nüchterner, allgemein beliebter Mensch.
* — Aus der Strafkammer-Sitzung vom 30. Juli. Der Bandagist H. von Güsten, der erst vor Kurzem von der zusammengesetzten Strafkammer in Fulda zu 1 Jahr und 14 Tagen Zuchthaus verurtheilt worden war, ist nun abermals beschuldigt, in der Nacht vom 21. auf den 22. März in Schlüchtern in das Haus eines Lehrers eingebrochen und verschiedene Silbersachen, Löffel, eine Uhr, ein Armband rc. gestohlen zu haben. Seinem in voriger Sitzung gestellten Antrag, ihm einen Vertheidiger beizuordnen, war entsprochen worden, jedoch blieb dies ohne besonderen Einfluß, er wurde des schweren Einbruchdiebstahls schuldig erkannt und ihm eine Zusatzstrafe von 1 Jahr Zuchthaus zudiktirt. Von der erlittenen Untersuchungshaft werden 2 Monate abgerechnet.
* — Die Verlustliste des „Iltis" weist leider auch verschiedene Namen auf, durch welche Familien aus der Provinz Hessen in Trauer versetzt wurden. Der Lieutenant zur See, Moritz von Holbach, welcher den Tod in den Wellen fand, ist aus Wiesbaden gebürtig, der ertrunkene Oberboolsmannsmaat Friedr. Carl Wiefer ist der Sohn des in der Bogenstraße in Hanau wohnenden Schneidermeisters Wieser, und der Obermaschinist Heinrich Hill stammt aus Leisenwald, Kreis Gelnhausen.
— Ein Berliner Blatt will erfahren haben, daß die Gehaltsaufbesserung der Subalternbeamten in der Weise geschehen solle, daß das Anfangsgehalt um 300 Mark und das vom Tage der Anstellung ab nach 18 Jahren zu erreichende Höchstgehalt um 600 Mark erhöht wird. Bei den meisten königlichen Subalternbeamten wird demnach das Jahresgehalt ausschließlich des gesetzlichen Wohnungsgeldzuschusses bei der Anstellung 2100 Mark und das Höchstgehalt 4200 Mark betragen. Die gleichzeitige Gehaltsaufbesserung der höheren Beamten dürfte wohl auch entsprechend höher sein. Bestätigung bleibt abzuwarten.
— Behufs Ersparung von Beamtenkräften im Gebiete der Justizverwaltung ist gegenwärtig angeordnet worden, daß bei gewissen kleineren Amtsgerichten, die gleichwohl mit einem Gerichtssekretär und einem Gerichtsassistenten besetzt sind, wo es angängig erscheint,