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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

61. Mittwoch, den 29. Juli 1896.

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ScUfHhtMAMi auf b,e »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ...... .........: Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

J-Nr. 5274. Am 30. d. Mts. findet in Fulda ein Viehmarkt statt.

Bei dem Auftrieb von Vieh sind die Bestimmungen der vom Herrn Regierungs-Präsidenten in Nr. 30 des diesjährigen Kreisblatts veröffentlichten Marktordnung zu beachten resp, zu befolgen.

Schlüchtern, den 25. Juli 1896.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird in diesem Jahre Gast des Erzherzogs Friedrich auf dessen Bellyer Herrschaft sein, um an den dort zu veranstaltenden Jagden theil zunehmen. Kaiser Wilhelm war bereits einmal in Bellyc, als noch der frühere Besitzer Erzherzog Albrecht am Leben war.

Mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetz­buches dürste wohl eine Verjüngung des Richterpersonals durchgeführt werden. Das scheint wenigstens die Mil. Pol. Corr. zu meinen, wenn sie schreibt:Wie wir erfahren, wird im Zusammenhang damit, daß über drei Jahre das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft tritt, in der nächsten Zeit eine vollständige Erneuerung des gesammten Richterpersonals im ganzen deutschen Reiche, vom Reichs­gericht angefangen, sich vollziehen."

Preußischer Saatenstaud. Nach dem neuesten Saatenstandsbericht waren Mitte Juli die Ernteaus- sichten für Winterweizen, Winterspelz, Winterroggen und Wiesen dieselben wie im Juni (also gut bis Mittel), die Aussichten für Kartoffeln haben sich etwas verbessert, dagegen diejenigen für Sommerweizen, Sommcrspelz, Sommerroggen, Sommergerste, Hafer, Erbsen und Klee etwas verschlechtert. Die bereits im Juni aus einzelnen Provinzen gemeldeten Klagen über anhaltende Trocken­heit haben im laufenden Monat noch eine Verstärkung erfahren.

München, 24. Juli. Das Haberfeldtreiben in den Borbergen der bayerischen Alpen hat seineRomantik" jetzt vollständig eingebüßt. Bekanntlich nennt man Haberfeldtreiben, wenn nach der Haberernte im Ober­lande unbeliebten Personen eine obligate Katzenmusik gebracht wurde und unter Läuten der Glocken, Schießen, Fenstereinwerfen, Verlesen satyrischer Reime über das Leben der Angefeindeten rc. Man hielt dieses Habcr- fcldtreiben in vielen Kreisen für eine ArtVehmgericht" und trotz schwerer Kirchenstrafen und Einschreitens weltlicher Behörden war es nicht auSzurolten. Noch nie ist etwas entdeckt worden. In den letzten Jahren ist dieseVolksjustiz" völlig verroht, in den Gedichten fehlte die den Oberländern eigene satyrische Ader, es wurde unfläthiges Zeug vorgebracht, Leute erschossen, Eigenthum zerstört rc. Und nun ist es endlich auch gelungen, einer Anzahl Habercr habhaft zu werden. Ein Buchdrucker verlor einen Haberer-Zettel, wurde verhaftet, nannte einige Namen, auf denen weiter gebaut wurde, so daß jetzt über 100 Haberer ihrer Verurtheilung entgegensehen wegen Landfriedensbruches. Gefängniß nicht unter 3 Monaten droht allen, aber eine große Anzahl wird schwere Zuchthausstrafe erhalten, weil Gewaltthätigkeiten gegen Personen begangen und Sachen zerstört wurden. Verhaftet ist auch der Bürgermeister von Sauerlach. Es stellt sich heraus, daß viele mit- thaten, weil sie von den Haberern Schaden an Leib und Leben, Brandstiftung rc. befürchteten. Das Haber­feldtreiben, welches stets die handelnden Personen geschickt zu verdecken wußte, geht so glücklicher Weise der Ver­nichtung entgegen, denn die schweren Strafen, welche jetzt herauskommen, werden abschreckend wirken. Be­greiflicher Weise wird die Untersuchung, welche fortgesetzt neue Momente bringt, im ganzen Lande mit großer Spannung verfolgt.

Stuttgart, 23. Juli. In der Militärschwimmschule bei Berg wurde ein Soldat, der mit knapper Noth das erste Mal den Neckar durchschwommen hatte, bei einer Schwimmübung in voller Ausrüstung von seinem Vor­gesetzten gezwungen, ein zweites Mal die Uebung zu machen. Der Soldat ertrank hierbei.

Aus Mainz schreibt man derKl. Pr.": Ein

Prozeß, wie er wohl selten die Gerichte beschäftigt hat, kam hier vor einigen Tagen zum Austrag. Bei Gele­genheit des elften deutschen Schützenfestes, das vor zwei Jahren dahier staltfand, stiftete ein Vorstandsmitglied des hiesigen Schützenvereins einen Preis, bestehend aus zwei BronzefigurenKrieg und Frieden", nach dem Original auf dem Nationaldenkmal dargestellt. Der Schenkgcber hatte die beiden Statuten in einem hiesigen Geschäft um den Preis von 200 Marck erstanden und es wurden daher die beiden Figuren in der Preisschieß- liste mit einem Werth von 200 Mk. aufgeführt. Bei dem Preisschießen fielen die beiden Figuren einem Herrn aus Chemnitz als Preise zu. In seiner Heimath an­gekommen, ließ der Schütze die beiden Figuren abschätzen, aber die Experte taxirte sie nur auf 130 Mk ab. Nun­mehr verlangte der Schütze, die Mainzer Schützengesell- schaft sollte ihm die Differenz im Betrag von 70 Mk. herausbezahlen, und als die Gesellschaft sich weigerte, strengte der Chemnitzer Schütze eine Klage gegen die Gesellschaft an. In der Gerichtsverhandlung bestritt der Vertreter der Schützengesellschaft, daß der Kläger das Recht habe, eine Entschädigung zu verlangen; die beiden Figuren seien von der Gesellschaft als Preis bei dem Konkurrenzschießen bestimmt worden und der Schenk- geber habe für dieselben die Summe von 200 Mark in einem reellem Geschäfte bezahlt. Man brauche auch nicht diese Kunstgegenstände auf Heller und Pfennig abzuschätzen, für den Einen hätte ein Gegenstand diesen, für den Anderen jenen Werth und der Preis von 200 Mark entspreche dem Handelswerth. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an, wies den Kläger mit seiner Klage ab und verurtheilte ihn auch noch in die entstandenen Kosten. Von Rechtswegen."

Jserlohn, 23. Juli. Vom Jserlohner Schöffen- gcrichi wurde der Gastwirth Karl Krollmann zu 300 Mk. und dessen Ehefrau zu 30 Mk. Geldstrafe verurtheilt, weil beide das abtröpfelnde und abgestrichene Bier in die Gläser gefüllt hatten.

Annaberg, 24. Juli. Peinliches Aufsehen erregt das amtliche Eingeständniß, daß Selbsteinschätzungen hiesiger einkommensteuerpflichtiger Bürger als Makulatur verkauft worden sind.

Beuthen, 22. Juli. Im Oktober». I. verunglückten auf der Eisenbahn zwischen Kattowitz und Laurahütte ein Oberkellner und ein prakiischer Arzt. Der Ober­kellner wurde nachO. Gr. Ztg." von der Eisenbahn­verwaltung mit einer Abfindungssumme von 500 Mar! bedacht. Außerdem erhielt er eine Bahnhofsrestanration zugewiesen. Der Arzt, der seinen Schaden auf 500 000 Mk. angiebt, steht mit der Verwaltung noch in weiterer Unterhandlung.

Ausland.

Türkei. Die Nachrichten aus Macedonien lauten sehr bedrohlich. Es scheinen mehrere griechische Banden in den südlicheren Bezirken aufgetreten zu sein, die mit den türkischen Truppen zusammengestoßen und bisher offenbar siegreich gewesen sind. Man betheuert, nicht gegen die türkische Regierung vorgehen, sondern nur den bulgarischen Freischaaren entgegentreten zu wollen. Die kretensischcn Nachrichten sind ebenso unerfreulich. Seit fünf Tagen finden heftige Zusammenstöße zwischen Türken und Insurgenten statt, trotz aller offiziellen Versicherung der Behörden zu Kanea, daß der Waffen­stillstand respektirt werde.

Japan. Ueber die furchtbaren Verheerungen durch die Fluthwelle, welche am 15. Juni über einen großen Theil der Nordostküste von Japan hereinbrach, liegen jetzt eingehendere Nachrichten vor. Nach den ursprüng­lichen Telegrammen hatte es den Anschein, als ob das gewaltige Ausbäumen des Meeres die Folge eines Erd­bebens gewesen. Die ausführlicheren Nachrichten lassen das aber doch zweifelhaft erscheinen. Zwar ist hier und da ein Zittern der Erde wahrgenommen worden, aber man neigt doch mehr der Ansicht zu, daß aus unbekannten Gründen eine Veränderung des Meerbodens eingetreten ist. Jedenfalls aber war die furchtbare Empörung des Wassers die Folge irgend welcher solcher Veränderungen. Die furchtbare Fluthwelle war 80 Fuß hoch und er­streckte sich 300 englische Meilen weit von Südwest nach Nordost. Die Katastrophe ereignete sich um 8 Uhr Abends. Da aber die Japaner an der Küste die Ge­wohnheit haben, sehr früh aufzustehen und ebenso früh zur Ruhe zu gehen die Arbeiten sind fast immer

bis um die Mittagsstunde beendet so wurden die Bewohner der heimgcsuchten Distrikte im Schlafe, ohne voraufgcgangcnc Warnung hinwcggerasft. Zehntausende versanken in wenigen Minuten lautlos und ahnungslos ins Meer. Ursprünglich glaubte man, daß die ersten Meldungen über den Umfang des Unglücks übertrieben seien. Aber mit jedem Tage nehmen die Hiobsposten gräßlichere Gestalt an, und am 22. Juni unterlag es keinem Zweifel mehr, daß mehr als 30,000 Personen getödtet, eine große Zahl verwundet sind und daß die Befürchtungen wegen Ausbruchs einer Epidemie durchaus nicht unbegründet seien, da in Folge des Mangels an Arbeitskräften und bei der plötzlich eingetretenen warmen Witterung die Leichen nicht beerdigt werden konnten. Natürlich hat es an Sendungen zur Unterstützung der Ueberlebenden nicht gefehlt. Aber die Noth ist nicht so groß, als man annahm: es sind eben die Familien mit allen ihren Gliedern zu Grunde gegangen, und die Zahl der Ueberlebenden ist gering. In der Provinz Jwate meldet die Polizei allein 25,043 Todte, 1250 Verwundete und 5030 zerstörte Häuser. Nach den allerletzten Nach­richten wird das Naturereigniß selbst noch unbegreiflicher. Dampfer, welche während der Katastrophe nur etwa 30 Bkeilen von der Küste entfernt vorüberfuhren, be­richten, daß sie nichts Außergewöhnliches wahrgenommen haben. Die See sei ruhig gewesen, und Fischer, die hinausgezogen waren, ihrem Berufe nachzugehen, kehrten ahnungslos am Morgen mit ihrem Fang zurück und fanden ihre Heimathsorte zerstört. Man wird also aus weitere Anhaltspunkte für die Beurtheilung des Vor­ganges warten müssen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 28. Juli.

Das seit mehreren Monaten in Folgr verarm Regierungsbezirk Cassel Herrschenden Maul- und Klauen­seuche erlassene Verbot der Abhaltung von Viehmärkten ist jetzt vom Herrn Regierungspräsidenten für diejenigen Kreise aufgehoben worden, in denen sich in letzter Zeit solche Krankheitserscheinungen nicht mehr gezeigt haben.

* Mit dem Ertrage der Kornernte kann der Landwirth zufrieden fein; das Korn hat mit Ausnahme der schlecht bestellten Aecker einen recht guten Bestand, ist lang emporgewachsen und hat vollkommene Aehren, deren Neigung zum Erdboden bekundet, daß sie schwer sind. Ueberhaupt läßt die Getreideernte ein zufriedenstellendes Ergebniß erwarten. Der Weizen, der allerdings seines geringen Preises wegen lange nicht mehr in dem Maße wie ehemals gezogen wird, ist gut gewachsen. Hafer und Gerste versprechen bessere Resultate zu liefern wie im vorigen Jahr. Wie die Getreideernte, so be­rechtigt auch der Stand der Hackgewächse zu guten Aus­sichten. Die Kartoffeln sehen recht üppig aus, ebenso Dickwurz, Gemüse- und Krautpflanzen.

* (Jnvaliditäts- und Altersversicherung.) Wäh­rend der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1896 sind von versicherten Personen des Kreises Schlüchtern durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern im Ganzen 131 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende Juni 1896 zur Erledigung: 82 durch Festsetzung des Rentenauspruchs, 49 durch Ablehnung. Die be­willigten Altersrenten betrugen: in 1891 für 21 männ­liche und 10 weibliche Personen zusammen jährlich 3535 Mark 80 Pfg., in 1892 für 15 männliche und 3 weibliche Personen zusammen jährlich 2208 Mark, in 1893 für 8 männliche und 3 weibliche Personen zu­sammen jährlich 1266 Mark, in 1894 für 7 männliche und 2 weibliche Personen zusammen jährlich 1077 Mark, in 1895 für 4 männliche und 4 weibliche Personen zu­sammen jährlich 944 Mark 40 Pfg., in 1896 im I. und II. Vierteljahr für 5 männliche Personen zusammen 626 Mark 20 Pfg., mithin in der Zeit vom 1. Januar 1Ö91 bis Ende Juni 1896 --- 9657 Mark 60 Pfg. Von den 82 Rentenempfängern sind bezw. waren be­schäftigt: 48 in der Land- und Forstwirthschaft, 8 in der Industrie, 9 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 11 im Staats- rc. Dienste, 6 im Gesindedienste. Ende Juni 1896 blieben, nach Abgang durch Tod, noch 59 Altersrenten mit zusammen 7080 Mark 60 Pfg. zu !ahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, von welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Juni 1896 durch Vermittelung des Königlichen Land«