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- Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich I Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
.M 60. Samstag, den 25. Juli 1896.
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i^^H^Ihntrt^tt auf die „Schluchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen --~ ' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Aus Molde, 22. Juli, wird gemeldet: Die „Hohenzollern" blieb heute hier vor Anker. Der Kaiser nahm Vorträge entgegen. Das Wetter ist trübe und regnerisch, so daß die geplanten Landpartien voraussichtlich aufgegeben werden dürften. Morgen findet eine Zusammenkunft mit König Oskar statt, der um 9 Uhr auf der „Hohenzollern" erwartet wird. Der König wird von dem norwegischen Hofstaat gegleitet sein.
— Die mittelst Allerhöchster Kabinetsordre vom 28. Mai d. Js. genehmigte neue Bekleidungsvorschrift für die Offiziere und Sanitätsoffiziere des Königl. Preußischen Heeres enthält u. a. eine Verordnung, die für das Kriegervereinsleben von ehrenvoller Bedeutung ist. Danach muß von den Offizieren und Sanitätsoffizieren des Beurlaubtenstandes, welche bet Aufstellungen von Militär- oder Kriegervereinen, bei den von diesen veranstalteten Festlichkeiten und bei Beerdigungen von Mitgliedern derselben zugegen sind, die Offiziersuniform angelegt werden, ebenso darf diese bet sonstigen vaterländischen Festen angelegt werden. In allen Fällen muß, soweit nicht Paradeanzug Platz greift, Gesellschafts- anzug (d. t. Woffenrock, Epaulettes und Helm) angelegt werden.
* — Ueber die deutschen Krankenkassen im Jahre 1894 bringt die „Medizin. Wochschr." einen interessanten Bericht. Die Gesammtzahl der Kassen betrug 21552 mit 7,282,000 Mitgliedern. Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen belief sich auf etwa 2 '/z Millionen mit etwa 43,700,000 Krankheitstagen. Die Erkrankungen sind gegen das Vorjahr um 300,000, die Krankheitstage um 2>/s Mill. zurückgegangen. Die Arzneikosten hatten eine Höhe von etwa 17 ’/« Mill. Mk., auch sie haben sich vermindert und zwar um 270,000 Mk. Au Krankengeldern wurden 42% Mill. bezahlt, hier betrug die Verminderung über 3 Mill. Mark.
Posen. Mehrere Centner Gold und Silber sind, wie die Bresl. Ztg. schreibt, in der Provinz Posen auf dem Rittergute Dobicszewko bei Exin gefunden worden, nämlich 2 Centner 85 Pfund Gold- und Silbermünzen, die in sieben Büchsen in einem Steingrabe aufbewahrt waren. Die Stelle, an welcher der Fund gemacht sein soll, führt von Dobicszewko nach Potulin und liegt auf einer Anhöhe. Der Schatz könnte noch aus der Zeit des Schwedenkrieges stammen, denn im Jahre 1656 zogen die Schweden auf diesem Wege nach dem nahe gelegenen Städtchen Gollantsch, wo der bekannte „Sturm bei Gollantsch" stattfand, bei dem 450 Personen, darunter zw« Geistliche, ihr Leben verloren. Ebensogut könnte der Schatz auch aus der Zeit herrühren, als der französische General Davoust im Jahre 1812 auf dem Wege nach Rußland dort durchzog.
Kiel, 21. Juli. Die Maul- und Klauenseuche ist im südwestlichen Holstein, namentlid) in Ditmarschen, in stetem Fortschreiten und hat eine recht bedenkliche Ausdehnung genommen Der Nordostseekanal bildete bisher die Grenze des verseuchten Gebietes. Es waren strenge Vorsichtsmaßregeln angeordnet, um zu verhindern, daß die Seuche den Kanal überschreite. Trotzdem ist dieselbe auch stellenweise diesseits des Kanals aufgetreten Viehmärkte und Bahnhöfe sind gesperrt. Es soll die gefährliche Seuche, die im Jnlande entstanden, mit allen Mitteln unterdrückt werden. Schleswig-Holstein ist durch Viehsperren und Quarantänen vom Auslande abgetrennt. Die Seuche ist trotzdem ausgebrochen.
Großes Befremden erregt in Schleswig-Holstciu die Mittheilung der hochorthodoxen und strenggläubigen Leitung des Kropper Predigerseminars, daß über hundert im Amte befindliche Pastoren, die während ihrer Ausbildung Unterstützungen erhalten haben, sich weigern, ihre Schulden zu bezahlen. Das Seminar hat seit 1882 227 Geistliche ausgebildet, die nach Amerika gegangen sind und dort Anstellung erhalten haben. Ueber Hundert dieser Pastoren schulden dem Seminar die krkleckliche Summe von 182,000 Mark: nur reichlich WO Mark sind zurückbezahlt worden. Alle Bemühungen der Leiter des Seminars, die Geistlichen zur Zahlung ihrer Schulden zu bewegen, sind erfolglos geblieben. Die frommen Herren wollen einfach die in
Europa gemachten Schulden nicht begleichen, trotzdem in Amerika nur wenige Pastoren nicht im Stande sind, Sämldabträge zu entrichten. Das Seminar darf jedenfalls nicht mit Stolz auf die aus der Anstalt hervor- gegangenen Geistlichen blicken, die sich eines solchen Verhaltens schuldig gemacht haben.
Dortmund Ein seltenes Fest feierte in diesen Tagen das Dorf Kirchlinde bei Dortmund, nämlich das Fest seines tausendjährigen Bestehens. Zu Ehren des Tages wurde ein I000pfündiger Ochse am Spieß gebraten und eine prächtige Fahne gestiftet mit den Zahlen 896 — 1896. — Auch schon „Meister". In Dortmund hat sich ein Maler und Anstreicher selbständig gemacht, welcher — 17 Jahre alt ist. Dieser „Meister" sucht Lehrlinge, denen er wahrscheinlich die Erfahrungen seiner geschäftlichen Laufbahn zu Gute kommen lassen will.
Witten. Zu der Entwickelung des vielbesprochenen „Wittener Kirchenstreits" wird aus Witten geschrieben: Der Wittener Kirchenstreit, der nachgerade zu einer Sensationsaffäre geworden, hat eine völlig unerwartete Wendung genommen. Nachdem, wesentlich zur Unterstützung des Pfarrers Birkcnhoff, der Austritt von 1035 Familienvorständen aus der Landeskirche erfolgt ist, nachdem sich eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde gebildet hat, lehnt der genannte P'arrcr die Wahl der Gemeinde ab, er hat sich mit dem Superintendenten ausgesöhnt. In einer Versammlung kam es deshalb zu erregten Auseinandersetzungen mit dem Pfarrer; eine zweite Versammlung ist von der Polizei nicht mehr gestattet worden. Daß die neue Gemeinde nicht gesonnen ist, die Schwenkung mitzumachen, geht daraus hervor, daß fortgesetzt neue Austritte aus der Landeskirche erfolgen, und daß bereits eine Neuwahl festgesetzt worden.
Düsseldorf. Der verhaftete Homöopath Dr. Bol- beding, der in Düsseldorf seit 20 Jahren praktizirt, hatte die größte Praxis unter allen Aerzten. Er betrieb sein „Geschäft" in rein kaufmännischer Weise und zwar im Großbetrieb. Für die 1000 „Danksagungen", die er in den weitesten Kreisen veröffentlichte, gab er jährlich das Sümmchen von 160000 Mk. aus. Die Praxis brächte ihm diese Ausgabe mehr als reichlich ein. Denn er arbeitete mit einem Personal von 22 Leuten und ließ von Büreauschreibern außer gewissen Pulvern und Trop'en ein wunderwirkendes Geheimmittel, das den mystischen Namen „Unidpi" führte, fabrikmäßig herstellen. Wie groß der Zulauf derer, die leider „nicht alle werden", jahraus jahrein war, geht daraus hervor, daß er täglich 300 bis 500 Briefe erledigen ließ und in seiner Hauspraxis täglich 100 bis 160 tränte abfertigte oder von seinen „Angestellten" abfertigen ließ. Diese riesenhafte Praxis brächte ihm Jahreseinnahmen von 420 000 bis 450 000 Mk. ein.
Bei einer Hochzeit in einem Dorfe bei Düsseldorf entstand unter den Gästen wegen einer Frauensperson eine allgemeine Schlägerei. Als die erbitterten Kämpfer jede Friedensvermittelung abgewiesen hatten, holte der Hochzeitsvater aus dem Garten einen Bienenkorb und schüttete dessen Inhalt über die Raufenden. Die Wirkung der Bienenstiche war eine gewaltige. Alle Streiter flohen ins Freie und damit war der Friede im Hause wieder hergestellt.
In Mannheim ist das Gerücht verbreitet, daß der Großherzog von Baden anläßlich seines siebzigsten Geburtstages (am 9. September) zum König ausgerufen werden soll. Das Gerücht findet zwar in der genannten Stadt, wie man den „Münchener Neuesten Nachrichten" schreibt, vielfach Glauben, dürfte aber gleichwohl aller Wahrscheinlichkeit nach der Begründung entbehren.
Appenweier (Kanton Neubreisach), 21. Juli. Der Eigenthümer Düringer mußte sich gestern Geschäfte wegen nach Colmar begeben. Seine Frau besorgte die Arbeit auf dem Felde. Währenddem spielten die Kinder nach dem „Elf." mit Streichhölzchen und setzten durch ihre Unvorsichtigkeit Haus und Scheune in Brand. Alles verbrannte, leider auch die beiden 4 und 6 Jahre alten Kinder.
AuS Sachsen. Ueber Volksernährung und die sich in dieser vollziehenden Verschiebungen bringt der Bericht der Handelskammer zu Plauen beachtcnswerihe Notizen: Sonst waren den weniger bemittelten Bevölkerungsklassen Kartoffeln und Hering ein leckeres Gericht. Jetzt wird ihnen die nahrhafte Fleischkost vorgezogen und oft schon zum Frühstück rohes Fleisch genossen. Die billige Butter tritt immer mehr als Konkurrenzartikel gegen
Margarine in den Vordergrund, während bisher mehr Fette und Sirup als Konkurrenzartikel in Betracht kamen. Schweinefett verschwindet mehr und mehr als Konsumartikel, es wird mit Erfolg von der Margarine verdrängt.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchter», 24. Juli.
* — Landesreutmeister Krück dahier ist als Leih- bankverwalter nach Hanau versetzt. Derselbe tritt sein neues Amt am 1. August an.
* — Gerichtsdiener Bäche von Nctra ist an Stelle des Gerichtsdieners Hcuscl nach Schwarzenfels versetzt worden.
* — Nächsten Dienstag wird in Wächtersbach ein Viehmarkt abgehalten. Landwirthe und Viehhändler machen wir dabei auf die neuen Schutzmaßregeln über den Verkehr mit Vieh sowie Marktordnung, welche der Herr Regierungspräsident erlassen und die in dem heutigen Kreisblatt Nr. 30 abgedruckt sind, aufmerksam.
— Nach dem „Hessenland" sind von dem im Jahre 1866 in die preußische Armee übergetretenen kurhessischcn Offizieren, infolge der Verabschiedungen des Monat Juni, heute, nach nunmehr 30 Jahren, gerade noch 12 tm Dienste. Dieselben waren alle im Jahre 1866 noch Sekondelieutenant und gehörten mit Ausnahme eines Artilleristen sämmtlich der Infanterie an, und zwar zwei dem Leibgarderegiment, vier dem 1. Infanterieregiment (Kurfürst), vier dem Jäger- und einer dem Schützenbataillon. Bon allen anderen Truppentheilen befindet sich Niemand mehr im Dienste. Die noch in der Armee befindlichen sind nach ihrer kurhessischen Anciennetät geordnet: Oberst Fischer (Jägerbataillon), Vorstand des Bekleidungsamtes des XVI. Armeekorps; Generalmajor v. Bardeleben (Karl, Leibgarderegiment), Kommandeur der 41. Jnfanteriebrigade; Oberst v. Roques (1. Infanterieregiment), Kommandeur des Infanterieregiment Prinz Moritz von Anhalt - Dessau (5. Pommcrsches) Nr. 42; Generalmajor v. Apcll (Jägerbataillon), Kommandant der Feste Bayen; Oberst Schmidt (I. Infanterieregiment), Kommandeur des Infanterieregiment von Horn (3. Rheinisches) Nr. 29; Oberst v. Ende (Leibgarde- regiment), Kommandeur des Grenadierregiment König Friedrich III. (1. Ostpreußisches) Nr. 1; Oberstlieutenant Freiherr v. Uslar-Gleichen (1. Infanterieregiment), Distriktsoffizier bei der 8. Gendarmeriebrigade; Oberstlieutenant Scheffer (Artillerieregiment), Stabs- o fixier beim Bezirkskommando I. Berlin; Oberstlieutenant Stamm (Schützenbataillon), ctatsmäßiger Stabsoffizier beim Jnfanterie-Reg Graf Werder (4. Rheinisches) Nr. 30; Oberstlieutenant Fischer (Jägerbataillon), Kommandeur des Landwehrbezirks Montjoie; Oberstlieutenant v. Kaltenborn (1. Infanterieregiment), ctatsmäßiger Stabsoffizier beim Jnfantericregent Graf Tauentzien von Wittenberg (3. Brandenburgisches) Nr. 20 und Oberst Wiederhold (Jagerbataillon), Kommandeur des 2. Pommer« scheu Feldartillerieregiments Nr. 17.
* — Zum Militärdienst der Volksschullehrer wird der „Preuß. Lchrer-Ztg." geschrieben: Bereits vor geraumer Zeit wurden im Militär-Verordnungsblatt die Namen der sämmtlichen 114 preußischen Seminare als Anstalten publizirt, die ihren Abiturienten die Berechtigung zum Dienste als „Einjährig-Freiwillige" ertheilen. Auch das „Centralblatt für die gesammte Unterrichtsverwaltung" brächte die gleiche Veröffentlichung. Trotzdem hört man in der Praxis noch nichts von der Verwirklichung dieser Beschlüsse. Bisher hat noch kein einziges preußisches Seminar den „Berechtigungsschein" in Wirklichkeit ertheilt. Worin diese auffällige Erscheinung ihre Erklärung und dieser Widerspruch zwischen Theorie und Praxis seine Lösung findet, ist schier unerklärlich.
* Unbefugter Gebrauch einer Firma liegt nach der Gerichtspraxis nicht bloß dann vor, wenn jemand unter der Firma Geschähe abschließt, namentlich Schriftstücke mit der Finna zeichnet, sondern ebenso, wenn er diese Firma auf dem Geschäftsschild anbringt, sie in Zeitungsannoncen und Geschchtskarten verwendet. Ein Kaufmann H. H. verkaufte sein Haus und das darin betriebene Restaurationsgeschäft an einen Kaufmann L.; er gestattete ihm die Firma H. H. Nachfolger zu führen. L. meldete auch die Firma mit dem Zusatz „Nachfolger" zum Firmenregister an, unterschrieb auch mit dieser Firma. Das Firmenschlild jedoch mit dem Namen H. H., das sich noch von früher her über dem Eingang befand,