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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 22. Juli

1896.

^UfMImtflOit °"f dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - -! Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Zu der Nordlandreise des Kaisers wird aus Drontheim telegraphirt: Der deutsche Kaiser ist mit der Hohenzollern" am 18. d. M. Abends 10'^ Uhr hier angekommen. Das Wetter ist schön. Der Kaiser nimmt einen etwa dreitägigen Aufenthalt in Drontheim, wo dieHohenzollern" und der KreuzerGefion" Kohlen einnehmen werden. Nach der Wiederabfahrt von Drontheim dürfte nach einander vor Molde, Noeste, Kleve, Naes und Sylte geankert werden, während der Kaiser von Bord aus noch Eikerdalrand und Romsdal zu besuchen und von Sylte aus eine Karriolfahrt zu unternehmen gedenkt. Nach den bisherigen Bestimmungen liegt es in der Absicht des Kaisers, auf der Rückfahrt zwei Tage in Aalesund zu verweilen und von dort am 27. d. M. Abends in Oie am Norang-Fjord einzutreffen.

Die medizinische Fakultät der Universität Jena hat den Fürsten Bismarck in Erinnerung an die vor 20 Jahren erfolgte Eröffnung des Reichsgesundheits­amtes zum Ehrendoktor ernannt. Fürst Bismarck ist nunmehr Ehrendoktor sämmtlicher vier Fakultäten. Das Diplom hebt die Verdienste des Fürsten hervor um die Gesetze und Einrichtungen, durch die er das Medizinal- wesen des GesammtvaterlandeS nach einheitlichem Plane umgestaltet hat.

DieDt. Tages-Ztg." enthält folgende Erklärung: Herr v. Plötz hat unter dem heutigen Tage an die Redaktion desVorwärts ', auf dessen Behauptung, daß nach einer ihm zugegangenen Mittheilung Herr v. Plötz vor zwei Jahren ein Gehalt von 15000 Mk., im vorigen Jahre von 20000 Mark und an Nebenspesen 5 000 bis 6000 Mark bezogen und außerdem pro Jahr noch 8 000 bis 10 000 Mk. liquidirt habe, die folgende Be­richtigung zugehen lassen:Ich erkläre darauf, sämmtliiche in vorstehender Notiz enthaltenen Angaben sind unwahr. Es ist in Besonderem nicht wahr, daß ich ein Gehalt vom Bunde der Landwirthe beziehe, es ist ferner nicht wahr, daß ich Spesen oder Unkosten auch nur annähernd in der mitgetheilten Höhe vom Bunde der Landwirthe liquidirt habe." Auf die Bemerkung derD. Tagcsztg.", vor seinen Freunden und den Mitgliedern des Bundes werde Herr v. Plötz schon die passende Gelegenheit finden, eingehendere, thatsächliche Mittheilungen zu machen, antwortete dieN. A. 3 " kurz und bündig: Nachdem diese Angelegenheit erst einmal öffentlich zur Sprache gekommen ist und Herr v. Plötz überhaupt auf die Sache reagirt hat, hätten wohl noch andere Leute als seine Freunde und die Mitglieder des Bundes der Landwirthe einen Anspruch auf positive Erklärungen gehabt." Auch derReichSbote" kommt zum Ergebniß, daß es für Herrn v. Plötz doch besser gewesen wäre, gleich durch bestimmte zahlenmäßige Angaben den falschen Angaben ein für allemal den Mund zu stopfen.

Das Lehrerbesoldungsgesetz, das dem Landtage im Winter zugehen soll, nimmt nach einer offiziösen Mittheilung einen staatlichen Mehraufwand von 6,6 Millionen Mark zur Vermehrung der Dienstalters- zulagen und Erhöhung des Maximalbetrages auf 720 Mark in Aussicht. Zur Unterstützung leistungs­schwacher Gemeinden u. s. w. ist die Einstellung einer Mehrausgabe von jährlich 400000 Mk. in den StaatS- Haushaltsetat beabsichtigt.

Weimar. In einer hier kürzlich abgehaltenen Kon­ferenz von Vertretern West- und süddeutscher Alters- und Jnvaliditäts-Versicherungsanstalten war der Beschluß ge­faßt worden, nach Vereinbarung mit den Ortskranken­kassen Brustleidende, deren gänzliche Heilung nicht aus­geschlossen erscheint, auf ihre Kosten zur Heilung zu übernehmen und einem Kurort oder einem Sanatorium zu überweisen. In Ausführung dieses Beschlusses hat jetzt der Vorstand der Thüringischen Versicherungsanstalt zu Weimar den auf dem Harthberg bei Berka befindlichen beiden Kur-Etablissements gegen 30 Personen zu sorg­fältiger ärztlicher Behandlung und reichlicher Verpflegung zunächst auf die Dauer von sechs Wochen überwiesen. Dieses in humanitärer Hinsicht gewiß sehr zu begrüßende Vorgehen der Versicherungsanstalt ist aber für die Kranken an Bedingungen geknüpft, die es einem Theil derselben unmöglich machen, den Segen eines solchen

Kuraufenthalts zu genießen. Dahin gehört, daß die Krankenkassen das dem Kranken statutengemäß zustehende Unterstützungsgeld ganz der Versicherungsanstalt ohne Rücksicht auf den der Familie zustehenden Antheil über- weisen sollen. Sodann wird als Voraussetzung zur Unterbringung in eine Heilanstalt die Ausstattung mit vorgeschriebener Bekleidung, unter anderen mehreren wollenen Decken, wollenem Unterzeug, wöchentlich zwei Hemden, gefordert, was viele Arbeiter gar nicht zu er­schwingen in der Lage sind. Hier müßte auf jeden Fall Abhilfe geschaffen werden und zwar durch Gewährung finanzieller Beihilfe aus den Dispositionsfonds der Versicherungsanstalt.

In Greiz sind durch Erbschaftsregulirung zwei große Steuerhinterziehungen entdeckt worden; die Nachzahlungen und Strafen sollen gegen 40000 Mark betragen.

Aus Schlesien. Mit berechtigtem Interesse sieht man dem Ausgange eines Strafverfahrens entgegen, in welches der Naturheilarzt Dr. med. Wilhelm Häusler zu Breslau als energischer Jmpfgegner verwickelt worden ist. Derselbe hat sich bisher geweigert, seine sechsjährige Tochter impfen zu lassen. Er erhielt von der Polizei­behörde die Aufforderung, dieser gesetzlichen Verpflichtung in einer bestimmten Frist nachzukommen. Hierauf theilte Dr. Häusler der Behörde mit, daß er mit der Impfung nur unter der Bedingung einverstanden sei, daß sein Kind, wie es das Gesetz vorschreibe, mit wirklicher Schutzpocke" geimpft werde;Schutzpocke" gebe es aber überhaupt nicht, folglich habe er auch das Gesetz nicht übertreten. Wenn ihm auf wissenschaftlichem Wege nach­gewiesen würde, daß die bei der Impfung seines Kindes zu verwendende Lymphe wirklichSchutzpocke" sei, dann würde er sofort das Gesetz befolgen. Seit hundert Jahren impfe man, aber kein Arzt wüßte, womit er impfe. Der wissenschaftliche Beweis, ob die allgemein zur Verwendung kommende Lymphe auchSchutzpocke" sei, könne nur von einem Professor der Thierarzneikunde geführt werden. Denselben Einwand erhob auch Dr. Häusler, als er sich dieser Tage wegen seiner Jmpf- gcgnerschaft vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte. Dennoch wurde er zu drei Mark Geldstrafe verurtheilt; er nahm das Urtheil mit der Bemerkung entgegen, daß er diese prinzipiell wichtige Streitfrage erforderlichenfalls bis zur höchsten Instanz durchführen werde.

Die Stadt Remscheid ist vom Kölner Oberlandes­gericht verurtheilt worden, einem Knaben, der durch einen von einem dortigen Lehrer erhaltenen Schlag er­heblich verletzt und dauernd an seiner Gesundheit ge­schädigt ist, 20000 Mk. Entschädigung zu zahlen. Die Stadt wird gegen dieses Urtheil, das von allgemeiner Tragweite ist, beim Reichsgericht Berufung einlegen. Sie stützt sich darauf, daß sie über die Lehrer durchaus kein Kontroll- oder Bestimmungsrecht habe und deshalb auch für deren Handlungen nicht haftpflichtig gemacht werden könne.

Bon». Aus geringfügigem Anlaß zwei Hunde standen knurrend und kampfbereit einander gegenüber gerieth Sonntag Abend der Knecht eines Gutes in Pliterdorf bei Bonn mit einer am Rhein entlang gehenden Gesellschaft in Wortwechsel. Er erhielt hierbei plötzlich einen gewaltigen Faustschlag an den Kopf und stürzte zusammen. Aus Nase und Ohr floß Blut. Zwei andere Knechte bemühten sich vergeblich, den Geschlagenen aufzurichten, der junge Mann war durch den Schlag getödtet worden. An der linken Schläfe war nur eine geringfügige Schwellung zu bemerken. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.

Ausland.

London. Die Fahrradfabrik der Humber-Company in Coventry ist vollständig abgebrannt. In der Fabrik befanden sich nahezu 4000 Fahrräder. Mehrere be­nachbarte Häuser sind ebenfalls in Asche gelegt. Der Schaden wird auf mindestens 80,000 Pfund Sterling (1,600,000 Mark) geschätzt. Sechshundert Arbeiter sind arbeitslos.

Athen, 18. Juli. Der Kampf um Apokorona dauert fort. Bisher ist es den Türken nicht gelungen, die Christen aus ihrer Stellung zu vertreiben. Im Fort Nosare, Provinz Agios Vassikos, belagern die Auf­ständischen 3000 türkische Soldaten. Zum Aufstande der Drusen liegen Meldungen über Cypern vor, welche besagen, daß der jüngste Sieg der türkischen Truppen

bei Taley nur der Anfang weiterer erbitterter Kämpfe sein dürfte. Die Türken haben allerdings mit 12,000 Mann 5 bis 6000 Drusen zum Rückzüge aus ihren bisherigen Stellungen gezwungen, doch steht der Drusen- führer Ziblin Altras noch mit 12,000 Mann frischer Truppen in der Nähe von Haurau, wo dieselben vor 4 Wochen 2500 türkische Soldaten fast gänzlich auf- rieben und sechs Kanonen erbeuteten. Auch erwartet Ziblin Allras Verstärkungen seitens der Bcduinenstämme, welche mit den Drusen ein Bündniß zur Abschüttelung der türkischen Herrschaft geschlossen haben.

Ncwyork, 14. Juli. Ein Krach im Fahrradmarkte. DieN- A. H." schreibt: Der Fahrradmarkt befindet sich in einer panikartigen Aufregung, und zwar infolge Überproduktion und starken Wettbewerbs und daraus entstehenden Fallissements und Verschleuderung der Waare. Im letzten Monat allein haben 25 Fahrrad- firmen den Bankerott angemeldet. In Folge dessen finden hier fast täglich Auctionen von Fahrrädern fallirter oder nothleidender Fabrikanten statt, bei denen feinste Räder im Catalogpreise von 100 Dollars durch­schnittlich höchstens 35 Dollars erringen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 21. Juli.

* Das V o l k s - T ur n f e st auf dem Accis- brunnen wird in diesem Jahre nicht abgehalten.

* Ueber die Manöver der 21. Division wird gemeldet: Die 41. Brigade hält vom 5.10. September ihr Manöver zwischen Marksuhl und Schmalkalden ab. Hieran schließt sich vom 11. bis 16. September das Manöver der ganzen Division im unteren Werrathal. Am 17. und 18. September manöverirt die 21. Division gegen die bei Gotha stehende 22. Division, zu welcher die Zweiunddreißiger gehören. Am 17. findet der Ueber- gang der 31. Division über den Thüringer Wald statt. Vom 11. zum 12. und vom 14. zum 15. biwakiren die Truppen.

* Heu, in guter, trockener Waare, wird angekauft von Landwirthen, Wiesen-Besitzern und Wiesen-Pächtern von dem Königl. Proviantamt zu Hanau.

* Neue Baugewerkschule für Hessen-Nassau. Es wird für die Baugewerbetreibenden unserer Stadt und Umgebung von großem Interesse sein, zu erfahren, daß im Herbste d. J. eine Baugewerkschule in Kassel errichtet werden soll, welche am 20. Oktober den Unterricht mit den unteren Classen eröffnen wird. Man darf wohl annehmen, daß die hessischen Baugewerksmeister, sowie auch diejenigen der nächstgelegenen Landestheile, soweit sie noch nicht mit solchen Anstalten versehen sind, ihre Söhne der Anstalt zuweisen werden. Wird sie doch als Staatsanstalt alle die Vorzüge und Berechtigungen er­halten, welche die entsprechenden Schulen in Nienburg, Höxter, Jdstein, Holzminden u. s. w. besitzen, wobei sie für die Gewerbetreibenden des Regierungsbezirks den Vorzug der größeren Nähe haben wird.

* Das Oberverwaltungs-Gericht hat anläßlich eines Spezialfalles unlängst folgende Entscheidung über körperliche Züchtigung der Schüler gefällt:Der Lehrer ist zur Vornahmeempfindlicher körperlicher Züchti­gungen", und zwar sowohl bei Schülern einer andern, als auch bet solchen seiner eigenen Klasse absolut berechtigt. Da das Verhalten der Schüler auch außer­halb der Schule der Schulzucht unterliegt, so darf die Züchtigung seitens des Lehrers selbstredend auch außer­halb der Schullokalitäten stattfinden. Dasselbe Recht hat auch der Geistliche in seiner Eigenschaft als Religionslehrer. Die Schulzucht kann nur dann Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens werden, wenn eine merkliche oder wesentliche Verletzung des Schülers stattgcfunden hat. Als merkliche oder wesentliche Ver­letzung gilt aber nur eine solche, welche Gesundheit und Leben des Schülersnachweislich" gefährdet. Blut- unterlaufungen, blaue Flecken und Striemen gehören nicht hierzu; denn jede empfindliche Strafe läßt solche Erscheinungen zurück."

* Zur einjährigen Militärdienstzeit der Volks- schullehrer verlautet von informirter Seite, daß sich bisher kein einziger Lehrer zu Ableistung eines ganzen Dienst- jahres bereit erklärt hat. Was die Lehrer erstreben, ist nämlich nicht die Erlaubniß, sich durch eine einjährige Militärdienstzeit im Interesse ihres Berufs als Erzieher des Volkes eine gründliche soldatische Ausbildung zu erwerben, sondern doch zugleich auch der Wunsch, daß