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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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Samstag, den 18. Juli

1896.

R-stsli«linsn °uf bte »Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -' .....'"--.............' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser weilt seit Montag in Lärdal- sören. Bon derHohenzollern" ist auf Lärdalsören ein Telegraphenkabel ans Land gebracht und mit der Leitung nach Christiania verbunden worden, wo durch eine Um­schaltung eine eigene Verbindung mit Berlin hergestellt werden kann. Das Schiff hatte selbst das Kabel und alle nöthigen Apparate an Bord. Ein kaiserlicher Leib­gendarm besorgt das Telegraphiren. Die Verbindung mit Berlin erwies sich als vorzüglich.

Vorige Woche war der französische Dampfer Chanzy" bei denFaroeinseln auf Grund gefahren. Als der Kaiser an Bord derHohenzollern" dies erfuhr, befahl er am Sonnabend Abend demGefion", dem Dampfer zu Hilfe zu kommen. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen ist es am Montag geglückt, den Dampfer abzuschleppen. Diese neueste Kundgebung unseres Kaisers hat offenbar in Frankreich einen tiefen Eindruck gemacht. Der PariserEclair" schreibt anläßlich der Flottmachung des Dampfers durch denGefion", der Kaiser habe einen neuen Beweis seiner großherzigen Empfindungen und seiner Courtoisie gegenüber Frankreich gegeben. Das Blatt drückt dem Kaiser und den Mannschaften desGefion" seinen wärmsten Dank aus. DerFigaro" begleitet die Nachricht, die er an erster Stelle bringt, mit anerkennenden Worten.

Seiner wiederholten Ankündigung gemäß hat der Abgeordnete Bebel eine ausführlich begründete Denunziation gegen den Bund der Landwirthe bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Letztere soll dadurch ver­anlaßt werden, gegen den Bund auf Grund der Straf- bestimmungen des Vereins- und Versammlungsrechts in gleicher Weise einzuschreiten, wie sie es seinerzeit gegen die sozialdemokratische Parteiorganisation gethan. Herr v. Plöß bezieht demVorwärts" zufolge als Präsident des Bundes der Landwirthe 20000 Mark Gehalt, außerdem 6000 Mark Spesen, wobei er noch 10000 Mark jährlich sonst liquidirt.

Hannover, 13. Juli. DerHannoversche Courier" meldet: Heute früh 5'/« Uhr wurde der Maschinenmeister Ahrens, der in der chemischen Abtheilung von Eggestorffs Salzwerken beschäftigt ist, in seinem Zimmer erschlagen aufgefunden. Die Schädcldecke des Erschlagenen war an drei Stellen zertrümmert Neben der Leiche lag eine Eisenstange. Als Thäter wurde der Heizer Draeger verhaftet, welcher mit dem Ermordeten zusammen Nacht­schicht gehabt hatte. Die Heizer sollen auf den Maschinen­meister erbittert gewesen sein, weil derselbe den Heizern bereits früher das Schnapstrinken untersagt und verlangt hatte, daß dieselben den Kohlenverbrauch einschränken sollten.

Roßla. Mit der Fertigstellung deS Denkmals auf dem Kyffhäufer hofft man bis Ende September zu Stande zu kommen. Die Steinhauer- und Maurer­arbeiten, welche mit 190000 Mk. in Anschlag gebracht worden waren, haben bis jetzt schon die Summe von 600000 Mk. gekostet; die Gesammtunkosten für das Denkmal werden annähernd 1400 000 Mk. ausmachen.

Aus Würzburg, 14. Juli, wird gemeldet: In dem bekannten Waldprozeß des Frhrn. von Thüngen gegen die Gemeinde Burgsinn wurden nach dem heute ver­kündeten Urtheil die Klagen des Freiherrn von Thüngen gegen die Gemeinde Burgsinn vom 18. Juli 1888 und 15. Juni 1894 wegen eingetretener Verjährung ab­gewiesen und dem Kläger die Kosten und Erstattung der Auslagen an die Gemeinde Burgsinn auferlegt.

Der Schornsteinsegermeister Lippert in Würzburg, der den russischen Kamin in der Residenz ausbrannt hatte, wodurch s. Z. der große Schloßbrand entstanden war, hat sich am Montag früh erschossen.

Aus Rheinhessen, 14. Juli. Die Umgegend von Nieder-Saulheim war der Schauplatz eines Mordes, Man fand nämlich in den Wiesen die Leiche des sechzig- jährigen Landwirthes Runkcl aus Partenheim. Eine nähere Besichtigung des Todten ergab mehrfache Kopf­wunden; außerdem war Runkel die linke Hand abgetrennt worden. Vielleicht liegt ein Mord aus Rache vor, weil der Todte nicht beraubt worden war. Von dem Mörder fehlt noch jede Spur.

Gießen, 13. Juli. Am Ludolfsfeld im Rothaar­gebirge wurde der Forstmeister K lippert in der vergangenen Nacht in seiner Wohnung von einem Wilderer überfallen und erschossen. Seine Ehefrau und das Dienstmädchen wurden schwer verletzt. Es liegt ein Racheakt vor. Der Thäter ist entkommen. Der FrankfurterGeneral-An­zeiger" schreibt: Ein Menschenalter hindurch haben die Brüder Sommer die Gegend von Schlüchtern undCrainfeld unsicher gemacht, sie haben gewuchert in der schlimmsten Art; jedes Mittel war ihnen recht, wenn es sich darum handelte, einen Bauern zu betrügen. Der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht. David Sommer wurde im vergangenen Jahre gefänglich eingezogen und sollte vor dem Schwurgericht wegen Meineids und Wuchers ab- geurtheilt werden. Nachdem die Voruntersuchung ge­schlossen, erhängte er sich und entzog sich, beinahe 70 Jahre alt, der weltlichen Gerechtigkeit. Die Söhne seines Bruders, des Feist Sommer, wurden inzwischen abgeurtheilt, der eine vor der Strafkammer wegen Unter­schlagung und Betrugs, der andere wegen Meineids vor­dem Schwurgericht. Der Letztere verbüßt noch die ihm zuerkannte L'/zjährige Zuchthausstrafe. Am 13. d. M. hat man den Vater, den 61 Jahre alten Feist Sommer von Crainfeld, in Haft genommen, wie man hört wegen Meineids und Wuchers.

Lokales ««d Provinzielles.

* Schlüchtern, 17. Juli.

* Der wie in letzter Nr. berichtet worden infolge Durchgehens seiner Pferde schwer verletzte Bauer 97. Creß zu Hintersteinau ist am Sonntag Abend seinen Wunden erlegen.

* Aus der Strafkammer-Sitzung vom 13. Juli. Der Häfner Sch. von Altengronau hatte aus einer Grube einen Wagen voll Thon, den sich ein anderer gegraben hatte, unberechtigt abgefahren. Er war deshalb wegen Diebstahls vom Schöffengericht Schwarzenfels zu 10 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Die von ihm gegen das Urtheil eingelegte Berufung wurde als unbe­gründet verworfen.

Fulda. Am Freitag Nachmittag zog nach einem orkanartigen Sturme ein starkes Gewitter durch das Haunthal. Der Bauer Bicking zu Oberstoppel hatte eben, von der Wiese kommend, seine Ochsen in den Stall gebracht und kaum die Wohnstube betreten, als der Blitz in den Stall schlug, zündete und 4 Stück Vieh tödtete. Die Feuerspritze von Oberstoppcl und die erschienenen 4 Feuerspritzen aus den Nachbarorten, welche mit dem angesammelten Regenwasser aus den beiden Weihern versorgt wurden, konnten nur die angrenzenden Gebäude vor der Gewalt des Feuers schützen, während das An­wesen des Bücking gänzlich zerstört wurde. In der Nähe hat der Blitz noch mehrmals eingeschlagen, jedoch keinen weiteren Schaden angerichtet, als mehrere Gänse getödtet.

Fulda. WiederF.Ztg. vom Lande mitgetheilt wird, grassirt gegenwärtig an vielen Orten unserer Gegend und im Schlitzerland eine Krankheit unter den Schweinen, die zahlreich derselben zum Opfer fallen, wenn man nicht mit rechtzeitiger Tödtung dem Verenden zuvorkommt. Es zeigen sich braune Flecken auf dem Rücken der Thiere; kommen die Flecken nicht zum AuSbruch, d. ^ bildet sich darauf kein Schorf, dann geht in der Regel das Schwein ein. In Horas sollen zwei Schweine in einem Stall auf diese Weise umgekommen sein. Ob eS an der Hitze oder wo sonst die Ursache zu dieser länd­lichen Heimsuchung liegt, konnte nicht gesagt werden.

Bebra. Wie das heutige Submissionswesen das ehrliche und redliche Handwerk und Gewerbe zu schädigen geeignet ist, dafür liefert die Submission der Wasser­leitungsarbeiten auf Bahnhof Bebra einen neuen Beweis, Während das höchste Gebot (einer Kasseler Firma) sich auf 7695 Mark belief, hat ein Frankfurter Herr sich erboten, die Arbeiten für 3753 Mark auszuführen. Nach Ansicht der Sachverständigen können für diese Summe die zu der Wasserleitung nothwendigen Rohre nicht beschafft werden. Wie soll da das ehrliche Gewerbe bestehen können?

Rotenburg, 13. Juli. Das dreitägige Landwirth- schaftliche Fest, welches gestern zu Ende ging, hat einen schönen Verlauf genommen. Besonders der Festzug am Sonnabend, in welchem eine größere Anzahl zum Theil' prächtige Festwagen vertreten waren, hat auf die Zu-^ schauer einen großartigen Eindruck gemacht. Ebenso ist, die Ausstellung recht zahlreich beschickt gewesen. |

Allendorf, 10. Juli. Die niedrigsten Verwaltungs­kosten gegenüber anderen Gesellschaften weist die hiesige Ortsviehversicherung in ihrer Bilanz pro 1895/96 auf, indem diese Gesellschaft nach der Ausgabe für Beamten­gehälter nur 9 Mk. 20 Pfg. gezahlt. Ein Zeichen, daß die Vorstandsmitglieder ihre Thätigkeit nicht wegen eines hohen Gehaltes sondern um den Allgemeingewinn, welcher sämmtlichen Gescllschaftsmitgliedcrn zu Gute kommt, widmen.

Witzenhause», 10. Juli. Einen interessanten Versuch in der Kartoffelzucht hat Frau Gastwirth U. dahier ge­macht, indem sie zu Anfang des Frühjahrs statt, wie sonst üblich, Kartoffelknollen zu pflanzen, nur die Keime von solchen gepflanzt hat. Der Versuch ist als voll­ständig gelungen zu betrachten, indem bei einer jetzt vorgenommenen Untersuchung an jedem Stauden 68 der schönsten Kartoffeln hängen, welche sich beim Kochen als sehr mehlig erwiesen haben. Es mag hierbei erwähnt sein, daß in einzelnen Gegenden Oesterreichs überhaupt nur die Augen der Kartoffeln gepflanzt werden.

Kassel, 13. Juli. In höchst unangenehmer Weise wurde gestern Nachmittag das von der Kasseler Turn- gemeinde im Park der Actien-Brauerei zu Wehlheiden veranstaltete Sommerfest gestört. Nachdem das sehr zahlreich besuchte Fest bereits im schönsten Gange war, erschien ein Gendarm, welcher die Vorzeigung des land« räthlichen Erlaubnißscheines forderte. Da stellte sich heraus, das man nur die Erlaubniß des Bürgermeisters von Wehlheiden unter Entrichtung der betreffenden Be- triebssteuer erhalten, aber die ebenfalls nöthige Ge­nehmigung des LandrathsamteS einzuholen vergessen hatte. Infolgedessen forderte der Gendarm die Fest- versammlung auf, den Garten zu räumen und wohl oder übel mußte dem am Ende nachgekommen werden. Daß es nicht die freundlichsten Gefühle waren, mit welchen man die Feststätte verließ, läßt sich leicht denken. Gewiß aber dürfte daS Vorkommniß bei künftigen Fällen zur Vorsicht mahnen.

Jmmighausen i. Waldeck, 11. Juli. Am gestrigen Abend wurde der Gutsbesitzer Köhler von hier bei Aus­übung der Jagd durch den Schuß eines Elberfelder Herrn, welcher die hiesige Jagd gepachtet hat, getödtet. Der unglückliche Schütze glaubte auf ein Wild zu schießen und traf den Jagdkameraden leider gar zu gut und zwar mitten in den Kopf; der Tod trat sofort ein. Köhler, ein Mann in den besten Jahren, hinterläßt eine zahlreiche Familie. Die Gerichiskommission begab sich sofort nach Bekanntwerden des Unglücks von Corbach aus an Ort und Stelle behufs Aufnahme des That­bestandes. Der erschossene Gutsbesitzer Köhler war als tüchtiger, biederer Landwirth im ganzen Kreise bekannt. K. soll insofern das Unglück mitverschuldet haben, daß er sich ohne Verständigung von seinem Stande entfernte und in die Schußlinie der anderen Schützen eintrat.

Gelnhausen, 11. Juli. Beim Sandholen wurde am Samstag Nachmittag der Sohn des erst kürzlich verstorbenen Bürgermeister Kalkhof von Mittelgründau durch herabstürzende Sandmassen verschüttet. Erst nach zweistündiger angestrengter Arbeit gelang es, den Ver­unglückten als Leiche hervorzuziehen.

Hana», 13. Juli. Die 6. Kompagnie des Regiments Nr. 80 veranstaltete am Freitag Morgen eine Feld­dienstübung iu der Gegend von Langenselbold. Als die Truppen 10'/, Uhr zurückkehrten, wurden drei Soldaten schlapp. Der eine brach in der Judengasse zusammen und wurde in die Kaserne getragen. Von hier brächte man ihn in das Garnisonlazareth, woselbst er desselben Tages 3'/, Uhr starb. Gestern fund die Beerdigung des Verunglückten, der aus Lasset stammt und bereits im zweiten Jahre diente, unter Betheiligung der gc« sammten Kompagnie statt.

Der geheimnistvolle Neffe.

Reisen dies Jahr . . . ? Jwo! Wird nichts d'rauS. Punktum!"

Aber Männe . . ."

Punktum sag' ich! Brauchen nicht alle Jahre auf Sommerweide. Bin kein Rothschild!"

Mächtige Rauchwolken vor sich hinpaffend, ging Herr Rechnungsrath Pfeifer mit wuchtigen Schritten im Zimmer auf und ab, während seine Frau einen wehmuthsvollen Seufzer hören ließ, der vor allem der un- umstößlichenThatsache galt, mit deffRothschild'schen Familie in absolut keinem verwandtschaftlichen Verhältniß zu stehen,