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.M 57. Mittwoch, den 15. Juli 1896.
Wostok 1111 «ION °"f ^e „Schluchterner Zeitung" äPtpil-UUUylll werden noch fortwährend von allen ...... ~--------------- Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juli. Der Kaiser ist auf seiner Nordlandsreise in Mundal im Fjörlands-Mecrbuscn eingetroffen. Der Monach erfreut sich des besten Wohlseins.
— Der Kaiser wird im nächsten Monat nach Schloß Urville kommen, um den Kavallerie-Manövern des 16. Armeekorps in der Gegend von Maimeiler (Kreis Bolchen) beizuwohnen. — Der König von Sachsen feierte am Sonnabend sein 25jähriges Jubiläum als General-Feldmarschall. General von Winterfeld überbrachte ihm aus Anlaß dieses Festes die Glückwünsche des Kaisers.
— Der Reichsinvalidenfonds hat eine Höhe von 6 903 372 Mark erreicht; man sollte daher glauben, daß die Verwaltung in der Lage sei, allen berechtigten Klagen der Invaliden abzuhelfen. Das ist aber nicht der Fall. Am meisten berechtigt erscheint wohl die Beschwerde darüber, daß nach dem bestehenden Jnvaliden- gesetze den Jnvalidenbeamten des Unteroffizier- und Gemeinenstandes bei der Civilpensionirung die Jnoaliden- Pension abgezogen wird. Abgesehen von diesem Abzüge, den die invaliden Beamten, die ehemals Offizier gewesen, bei der Civilpensionirung nicht erleiden, hat der Invalide oder invalide Beamte, der aus dem Stande der Unteroffiziere und Gemeinen hervorgegangen ist, vom Tage seiner Entlassung aus dem Militärverhältniß an, bei all seinen Schmerzen von seinem geringen Einkommen die oft ganz erheblichen Kosten für Aerzte, Apotheke und Badekuren rc. allein zu tragen. Wenn auch einem invaliden Beamten ausnahmsweise zu einer Baoekur, welche mindestens 4 bis 6 Wochen dauert, eine Unterstützung von 100 Mark zu Theil wird, so ist damit nur wenig geholfen. Daß die Invaliden und invaliden Beamten im Allgemeinen wenig Gehör finden, beweist der Umstand, daß nachdem schon im vorigen Jahre der Reichstag mehrere Massenpetilioncn nach genauer Prüfung dem Herrn Reichskanzler als Material zwecks Abänderung des Jnvalidengesetzes überwiesen hat, bis heute noch nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, ob das bestehende und zum Theil sehr harte Jnvalidengesetz baldigst abgeändert werden soll.
— Gegen das Duellunwesen hielt auf der Kreissynode in Breslau Professor Kaufmann einen scharfen Bortrag; er führte in der Begründung seiner Vorschläge aus, das Duell erziehe Raufbolde, sei ein Schutz für Rowdies in Glacehandschuhen und eine Quelle der Vergiftung und Entartung der Begriffe über Ehre und Recht. „Satisfaktionsfähig" sei heut zu Tage, wer als bummelnder Student Geld vergeude, kleine Leute betrüge, und Mädchen verführe, dagegen werde dem die Ehre abgesprochen, der vor dem Feinde tapfer kämpfte, aber für unsittlich halte, sein Leben aus die Lotterie des Kugel- wechsels zu setzen, wennes sittlich verkommenen „Gentlemen" beliebe. Die Synode beschloß, Kaufmanns beifällig aufgenommene Rede zu drucken und als Flugblatt in weiten Kreisen zu verbreiten.
— Vor der Auswanderung nach Brasilien ist wiederholt von den Behörden und der Presse gewarnt worden. Die unsicheren Verhältnisse dort werden sich noch verschlechtern und zwar infolge eines Planes des brasilianischen Finanzministers, die Auswandercrangelegenheiten von der Centralregierung auf die Regierungen der Einzelstaaten zu übertragen. Es ist klar, daß mit der Dezentralisation dieses VerwaltungSzweiges dem Umsichgreifen von Mißbräuchen geradezu Vorschub geleistet werden muß. So lange die Einwanderungsangelegenheiten in einer Centralstelle geeinigt waren, ließen sie sich wenigstens einigermaßen kontroliren, und auch die Erledigung von Reklamationen ließ sich leichter und rascher bewerkstelligen, als es der Fall sein wird, wenn jeder Einzclstaat die Sache auf eigene Faust verwaltet, und die Central- tegterung mithin jede Verantwortlichkeit für das, was mit den Einwanderern geschieht oder nicht geschieht, von sich ablchncn kann. Bei dieser Sachlage muß, wie die „B. P. N." schreiben, vor der Auswanderung nach Brasilien dringender als je zuvor gewarnt werden.
Königsberg. Wie schwere Folgen Insektenstiche haben können, erfuhr an sich selbst ein hiesiger Brau
meister, der jüngst eine Geschäftsreise nach Bischofstein unternahm. Dort wurde er in einem bei der Stadt bclegenen Gehölz von einem großen Schwärm Wespen Überfällen, die ihm Gesicht, Nacken und Hände so zerstochen hatten, daß diese Körpertheile unförmlich an- schwollen. Erst zufällig hinzu gekommenen Personen gelang die Verscheuchung des Wespenschmarms von dem Körper des inzwischen ohnmächtig Gewordenen. Er mußte sich im Wagen zum nächsten Arzt begeben, der sofort die Entfernung der vielen Stacheln aus der Haut vornahm und dann dem stark Fiebernden Medicamente verabreichte. Noch jetzt, nach !4Tagen, verspürt der Verunglückte heftige Schmerzen in den zerstochenen Körpertheilen.
München. Beim Scharfschießen der Feldartillerie sind infolge des plötzlichen starken Luftdrucks schon öfter Verletzungen des Trommelfells vorgekommen. Vom bayerischen Kriegsministerium ist deshalb bestimmt, daß es der gesammten Besatzung der Batterie zum Schutze des Gehörs zu gestatten sei, die Ohren mit lose sitzenden nicht zu umfangreichen Wattepfropfen zu verstopfen. Die Watte ist gegebenen Falles vom Geschützführer aus der Protze zu entnehmen und nach Bedarf abzugeben.
Aus der Pfalz wird berichtet, daß gute Aussichten auf eine reiche Ernte vorhanden sind. Besonders ist der Stand der Reben derart, daß, treten nicht besondere Uebelstände ein, ein 1828er Weinjahr zu erwarten ist. Im Jahre 1828 war nämlich an der hessischen Bergstraße die Weinernte so reichlich, daß die vorhandenen Fässer zur Bergung des Mostes nicht ausreichten und derselbe wochenlang in Ständern, Bütten u. s. w. in den Gehöften aufbewahrt werden mußte; die Bewohner des hessischen Odenwaldes, welche leere Weinfässer zur Verfügung hatten, erhielten für ein leeres Faß ein gleich großes unentgeltlich mit Most gefüllt, der halbe Liter wurde in den Wirthschaften für zwei und drei Kreuzer ausgeschenkt, und echte Weintrinker hatten Gelegenheit, für 20 Kreuzer nach Belieben zu trinken, von welcher Begünstigung nur zu häufig Gebrauch gemacht wurde. Die alte Bauernregel „Mai kühl. Juni naß, füllt dem Bauer Scheuer und Faß" könnte sich also Reiter bewahrheiten.
Zu der Explosion des Zeughauses in Metz geht der „Franks. Ztg." ein Bericht zu, der sich u. a. folgendermaßen äußert: Die ganze Anlage des Zeughauses III, das aus mit Dachpappe gedecktem Holzschuppen besteht, ist eine verfehlte; 35 Meter vom Bahnkörper entfernt, ca. 100 Meter von einer Kesselfabrik und einer Eisengießerei gelegen, war diese mit einem Aruwande von 280 000 Mk. erbaute Anlage in steter Fcucrsgcfahr; in der Nähe war nicht einmal Wasser. Wie es möglich war, in diese Schuppen, die nur durch eine etwa zwei Meter hohe Bretterwand vom Fahrwege getrennt waren, Zünder, Sprengstoffe, Pulver oder gar, wie behauptet wird, gefüllte Granaten aufzubewahren, bedarf der Aufklärung. Es wird von zuverlässiger Seite versichert, daß selbst hohe Offiziere von dem gefährlichen Inhalt der die Aufschrift „Wagenschuppen" führenden Holzbaracken keine Ahnung hatten. Wäre nicht ein Feuerwerkshaupi- mann auf dem Zweirade herbeigeeilt und hätte gerufen: „Das Feuer hält schon an den Zündern, gleich giebt es eine Explosion", wäre das Unglück noch viel größer geworden. Dieser Ruf wurde von den Offizieren der militärischen und städtischen Feuerwehr gehört, die zum Rückzug blasen ließen. Auf dem Wege wurden die unglücklichen Opfer durch herumfliegende Eisenstücke verwundet und getödtet. Ein Glück war es, daß sich der Wind gedreht hatte, denn die noch stehenden Schuppen sollen den gefährlichsten Inhalt geborgen haben. Es ist bei der strengen Schweigevorschrift schwer, Zuverlässiges zu erfahren.
Ausland.
Japan. Von fruchtbaren Naturereignissen ist Japan in der letzten Zeit heimgesucht worden. Wir haben über die Erdbebenkatastrophe bereits berichtet. Jetzt hat die japanische Gesandtschaft in London dem „Reuterschen Bureau" eine amtliche Depesche aus Tokio mitgetheilt, nach welcher auf das Erdbeben, welches am 15. Juni an der Nordostküste Japans stattgefunden hat, eine ungeheure Meereswelle folgte, welche den Tod von 27000 Menschen verursachte; über 25000 Menschen sind verwundet worden. In Japan soll sich an vielen Orten außer der Cholera ^auch die Pest zeigen, ebenso auch auf Formosa,
lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 14. Juli.
* — Neuerdings ist mehrfach das Verfahren der preußischen Staatsforstvcrwaltung bei dem Verkaufe des Holzes aus den Stnatsforstcn insofern bemängelt worden, als behauptet wird, es werde dabei dem Bedürfnisse des Holzgewerbes, insbesondere demjenigen der kleineren Gewerbetreibenden, zu wenig Rechnung getragen, weil ein zu erheblicher Theil des znm Einschläge gelangenden Holzes in großen Loosen bereits vor dem Hiebe verkauft und das schriftliche Angebotsverfahren (Submission) in zu ausgedehntem Umfange angewendet werde. Demgegenüber weist die ministerille Berl. Corr. darauf hin, daß in den von der Preußischen Staatsforstvcrwaltung erlassenen Vorschriften über die Holzverwerthung ausdrücklich der Grundsatz an die Spitze gestellt ist, daß zunächst und vor allem der Lokalbedarf an Holz zu befriedigen und bei den zu diesem Zwecke abzuhaltenden Verkäufen an der Lizilation als Regel fcstzuhaltcn sei. Der Verkauf von Holz vor dem Einschläge und im Wege der Submission soll sich grundsätzlich nur auf das über den örtlichen Bedarf hinaus zum Hiebe kommende Holz und auf größere Verkaufsloose erstrecken. Unbestreitbar bietet das letzterwähnte Verkaufsverfahren, wenn es auf die vorzugsweise von den Händlern und großen Konsumenten begehrten Holzsortimente beschränkt wird, so mannigfache und erhebliche Vortheile sowohl für den Käufer als auch für die verkaufende Forstverwaltung, daß innerhalb dieser Grenze auch für die Folge daran festgehalten werden muß.
* - Für den Handel mit Kaffee und Kaffee-Surrogaten ist eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung, die von der dritten Strafkammer am Landgericht II in Berlin gefällt wurde. Der Fabrikant Wolfs in Schöneberg betreibt eine Kaffeebrennerei, worin auch Surrogate hergestellt werden. Er führt u. A. sogenannten „Viktoria-Malzkaffee", der nur aus gebranntem Roggen besteht. Proben dieses von ihm bezogenen Surrogats waren bei Kaufleuten entnommen worden und hatten ihm eine Anklage wegen Vergehens gegen das Nahrungs- mittclgcsctz zugezogen. Der Gerichtschemiker erklärte, daß von „Kaffee" keine Rede sein könne, da dieser in dem Fabrikat nicht enthalten sei. Letzteres habe als „Roggenmalzkaffee" bezeichnet werden müssen, denn unter „Malz" versteht man im Allgemeinen nur ausgekeimte und geröstete Gerste. Der Gerichtshof entschied, daß letztere Feststellung nicht erforderlich sei, ein Verstoß gegen daS Nahrungsmittelgesetz liege schon darin, daß die Bezeichnung „Kaffee" zur Anwendung gelangt sei. Unter der Bezeichnung „Malz-Kaffee" müsse das Publikum eine Mischung von Malz und Kaffee verstehen. Da aber Kaffee in dem Surrogat nicht enthalten war, so sei die Bezeichnung falsch und geeignet, das Publikum zu täuschen. Da der Angeklagte aber jedenfalls keine schlimme Absicht gehabt, sei nur anf 15 Mark Geldstrafe erkannt worden.
* — Die Zeit der Schwindelreklame ist vorüber. Von allen Seiten kommen Nachrichten über die wohlthätige Wirkung, welche das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs schon jetzt ausübt. Die „Hessische Landesztg." erzählt ein allerliebstes Stücklein. Das genante Blatt erhielt am 30. Juni folgendes Inserat in Auftrag: „Zur diamantenen 455. Größtes Waarenhaus auf dem Kontinent. Billigstes Geschäft Berlin's. Wegen Erbtheilung großer Ausverkauf von 25,000 prima Schlafröcken 50 Prozent unter dem Kostenpreis. Nie dagewesene Gelegenheit!" Darauf sandte sie folgendes Telegramm nach Berlin: „Diamantene 455. Berlin. Inserat kann erst in vor- dadirter Nummer 1. Juli erscheinen, also nach Inkrafttreten des Gesetzes über unlautern Wettbewerb. Erbitte daher wahrheitsgemäße Angaben. Landeszeitung." Mit „wendendem Draht" erhielt sie folgendes, vermuthlich in einer Art von Galgenhumor wahrheitsgemäß abgeändertes Inserat: „Zur Similidiamantenen 455. Größtes Waarenhaus im Hause. Billigstes Geschäft in der Etage. Wegen Geldbedarfs wollen wir unsern gesammten Vorralh von 21 Schlafröcken zweifelhafter Qualität 175 Prozent über’m Kostenpreise verkaufen. Nie dagewesene Gelegenheit für Dumme aller Art!" — Diese wahrheitsgemäß verlockende Offerte unterbreiten wir hiermit allen Interessenten.
* — Ein für Landwirthe sowie für Metzger hochwichtige gerichtliche Entscheidung ist vor Kurzem zu