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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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M 53. Mittwoch, den 1. Juli 1896.
I^fhilmirt^ °us die „Schlüchterner Zeitung" H werden noch fortwährend von allen " ! Postanstalten und Landbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Die Entscheidung in der amerikanischen Währungsfrage.
Daß Amerika das Land der politischen Ueberraschungen ist, hat es auch diesmal mit der Resolution der republikanischen Partei vom 18. Juni gezeigt. Noch einige Tage zuvor konnten die Silberfreunde auf einen Sieg rechnen. Auf einmal hieß es in dem republikanischen wie in dem demokratischen Lager, „nur mit einer guten Währungsplanke könne man siegen", und in diesem Gefühle machten noch in der letzten Stunde die Anhänger Mac Kinleys, der eben noch durch seine Hinneigung zum Silber die Mittelstaaten gewonnen hatte, eine entscheidende Schwenkung gegen die freie Silberprägung. Die Politik der republikanischen Partei erklärt sich aus folgender Lage der wirlhschafttichcn Verhältnisse: In wirthschaftlicher Beziehung theilt sich die Union in die nordöstliche Slaatengruppe, die sich von Massachusetts im Norden bis Maryland im Süden erstreckt, und in den Süden und Westen, der von der Gesamnufläche der Bereinigten Staaten mehr als die Hälfte einnimmt, aber in seiner wirthschaitlichen Entwicklung, da manche seiner Distrikte erst vor einigen Jahrzehnten neu besiedelt worden sind, noch zurück ist. In dem kleineren Theile, d. h. in den Staaten New-York, Pensyloanien, Illinois u. f. w. befinden sich die großen Industrien; der Werth ihrer Fabrikate beträgt jährlich 14 Milliarden Mark, der der übrigen Staaten nur 3 ’/a Milliarden Mark Neben der Großindustrie ist auch die ganze Kommuni kation, der Einfuhrhandel und das Eisenbahnwesen sowie die gefammle Kapitalmacht im Nordosten beisammen, dessen Zentrum New-York, der größte Geldmarkt des Landes bildet. Dem dortigen Kapital und der dortigen Initiative verdankt der Süden dem Westen seine wirth- schaftliche Entwickelung. Dafür ist er aber auch in industrieller und kommerzieller Richtung von Wall Street abhängig, wo seine Hypothekengläubiger, seine Eisenbahn- direktionen, seine Exportkommissionäre sind. Aus diesem unbehaglichen Abhängigkeitsgefühl entwickelte sich eine Agitation mit dem Ziele des engeren Zusammenschlusses des Westens und des Südens gegen die Ucbermacht der nordatlantischen Häfen, gegen die Konkurrenz der östlichen Fabrikate, gegen die Willkür der New-Yorker Eisenbahnkompagnien, gegen die Diktatur des dortigen Großkapitals. Dem Westen gehören nun die Staaten an, die Silber produzieren und in denen der SilberdoUar auch zirkuliert. Um Wall Street zu ärgern und die Rentabilirät der Silberminen zu steigern, um gleichzeitig auch die eigenen Hypothekenschulden womöglich zu erleichtern, dafür sind die Wählermassen im Westen immer zu haben. Man mochte ihnen früher noch so oft vorhalten, daß dadurch das europäische Kapital abgefchrecki und der verschulvete Theil des Landes es sei, der durch eine schwankende Währungspolitik am meisten geschädigt würbe; die Wähler hörten nicht darauf. In den letzten Monaten dagegen hatte die Geschäflsflaue eine praktische Unterweisung darüber ertheilt, welche Einbußen bevor- ständen, wenn die Fortschritte der Silberfreunde den Geldmarkt noch mehr beunruhigen würden. Die Führer der republikanischen Partei halten, wenn sie nicht feste Wührungsprinzipien aufstellten, den Ausbruch einer Krise zu befürchten, die ihnen zur Last geschrieben werden und ihre Sache gefährden mußte. So gelang es den Führern der Goldpartei, Platt von New-York und Lodge von Massachusetts, die Delegirten des Westens und Südens umzustimmen. Nun ist es an den Demokraten, die bisher in ihrer Mehrheit der Silberfreiprägung und dem Freihandel zuneigteil, ihre Gegner in Bezug auf Konsoli- dierung der Goldwährung und Anziehung der Zollschranke zu übertrumpfen.
DentfeyeS Reich.
Berlin. Der „D. Reichs- und Pr. Staats-Anzeiger" dctöfsentlicht in seiner Nummer 152 die Entlassung des Ministers o. Berlepsch und die Ernennung seines NachwIgers in folgendem Wortlaut: „Seine Majestät der König haben AUergnädigst geruht: den L-iaats- minifter für Handel und Gewerbe Freiherrn v. Berlepsch seinem Ansuchen gemäß von seinem Amt unter Belastung dss Titels und Ranges eines Staatsministers zu enl- vmden, und den Untcrstaatssekrelär des Staatsraths,
Wirklichen Geheimen Rath Brefeld zum Staatsminister und Minister für Handel und Gewerbe zu ernennen." — Die von den deutschen Regierungen vereinbarte neue medizinische Prüfungsordnung ist in Berlin soeben veröffentlicht worden. Die wichtigsten Neuerungen sind die folgenden: Das Studium wird von neun auf zehn Semester ausgedehnt. Nach der Staatsprüfung muß der Kanditat ein Praktikantenjahr auf einer Universitätsklinik, Poliklinik oder einem entsprechend berechtigten öffentlichen Krankenhause zurücklegen. Auf jeden Praktikanten müssen bei normaler Belegung mindestens 20 Kranke treffen. Vom praktischen Jahre ist mindestens ein halbes Jahr der Behandlung innerer Krankheiten zu widmen. Die Approbation als Arzt wird dem Praktikanten aitr Grund des Gutachtens einer Kommission ertheilt oder eventuell zeitweise oder dauernd versagt. Die Anatomie, Physiologie, Chemie sollen eingehender als bisher geprüft werden. Ein neues Prüfungsfach bildet die Jrreuhcilkunde. Svezialärzte bedürfen einer besonderen Approbation, die nur solchen Aerzten ertheilt wird, welche sich zwei Jahre in einer Sondcrklimk spezialistisch ausgebildet haben. Der Doktortitel soll nur approbieren Aerzten verliehen werden auf Grund einer gehaltreichen gedruckten Dissertation und strenger mündlicher öffentlicher Prüfung.
— Der Vorstand des Bundes deutscher Bäckerinnungen hat in Sachen der Bäckereiverordnung des Bundesrathes eine Jmmediatcingabe an den Kaiser ab-- gesandt. Gleichzeitig ist beschlossen worden, daß in jedem Orte eilt Bäckermeister den Rechtsweg gegen die Verordnung beschreiten und die Klage durch alle Instanzen auf Kosten der Innung führen soll.
— Die Ernte der deutschen Kolonien besteht fast ausschließlich in Kaffee, Thie und Tabak. In Deutsch- Ost-Afrika sind rund 1 Million Kaffeebäume gepflanzt worden, deren Ernte in diesem Jahre auf 1200 Centner arabischen Kaffees geschätzt wird, welche nach dem Bericht der Deutsch-Ostafrikanischen Plantagcn-Gcscllschaft in drei Jahren auf 5000 Centner steigen werden. Mit Anfang 1898 werden die Theepflanzungen derselben Gesellschaft etwa 60 Centner liefern und sich dann ebenfalls in ihrem Ertrage steigern. An Tabak verfügt die Gesellschaft in diesem Jahr über rund 1000 Centner. Die Ausfuhr aus Kamerun betrug 1894 an Kakao schon 662 Centner, die weitere Zunahme wird auf jährlich 200 Centner veranschlagt. Auch die neue Südwest- afrikanische Handels- und Plantagen - Gesellschaft will besonders Kaffee und Kakao pflanzen. (Daran anschließend dürfte gewiß die Mittheilung von Interesse sein, daß die weit bekannte, bestens renommierte Firma H. Disqu6 u. Cie., Holländische Kaffeebrennerei, Mannheim, laut Zolldeklaration bereits mehrere Parliecn ostafrikanischen Kaffee bezogen hat und mit dem Ausfall sowohl hin- sichtlich einer schönen, gleichmäßigen Rüstung (was bet Java-Kaffee durch Blätterkrankheiten nicht immer der Fall ist) als auch wegen des feinen, milden Aromas höchst befriedigt ist.)
— Hofprediger a. D. Stöcker hat gegen das Organ des Freiherrn v. Stumm, die „Neue Saarbrücker Zeitung", eine Privatbeleidigungtzklage angestrengt. Das Blatt hatte bei Besprechung des bekannten Kaiser-Telegramms geschrieben, Stöcker sei, nachdem er den Weg der sozialpolitischen Besonnenheit, der bürgerlichen Ehrlichkeit und kirchlichen Lauterkeit verlassen, thatsächlich zu Grunde gegangen.
— Der andauernd starke Bezug von Jndustriekohlen in der gegenwärtigen Jahreszeit läßt sehr erhebliche Anforderungen an die Leistungen der Eisenbahnen im Herbst d. J. voraussehen. Daher soll nach Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten nicht nur bei der Ergänzung und Erweiterung des Wagenparks jede un- nöthige Verzögerung vermieden, sondern auch mit der Ausführung der im Etat vorgesehenen Ergänzungs- und Erwetterungs-Anlagen auf den Stationen schleunig vorgegangen werden.
Köln, 26. Juni. Das hiesige Schöffengericht hat dieser Tage entschieden, daß Anzeigen in Zeitungen keine „Artikel" sind, auf welche Der § 11 des Paßgesetzes („thatsächliche Berichtigung") Anwendung findet.
Elberfeld. Zu einem Streit zwischen zwei Feuer- wehien, der städtischen und der Fabrikfeuerwehr, kam es nach der „Rh.-Westf. Ztg." am Freitag Abend in Elbcr- feld bei dem Großfeuer in einem Holzschuppen der dortigen Farbenfabriken. Die Fabrikwehr begoß die
städtische Wehr, die an der Kiesbcrgerstraße Aufstellung genommen hatte, aus ihren Strahlrohren mit Wasser. Auf die Frage eines Führers der städtischen Wehr „was dieser Unfug zu bedeuten habe?" gab die Fabrikwehr die Antwort: die städtische Feuerwehr habe in den Farbenfabriken nichts zu suchen, die Hauswehr könne mit dem Brande allein fertig werden. Trotz dieser Abweisung setzte die städtische Feuerwehr die Löfcharbeiten fort. Als sie aber von der Fabrikwehr aufs neue mit Wasser überschüttet wurde, griffen die Mannschaften der städtischen Wehr auch zum Strahlrohr, und so begossen sich die Wehren gegenseitig derart, daß die städtische Wehr schließlich ihre Arbeiten einstellte und abzog. Die städtische freiwillige Wehr will nunmehr bei einem Brande in den Farbenfabriken künftig nicht mehr in Thätigkeit treten.
Ebmath i. Bogil., 23. Juni. Einen plötzlichen Tod fand der 28jährige Gastwirthssohn Oskar Hölzel aus Eichigt. Er saß auf einem mit Siebwaaren beladenen Wagen und kulschirlc nach Oelsnitz zu, als plötzlich zwischen Süßebach und Lauterbrch aus heiterem Himmel ein Blitz herniederfuhr und den jungen Mann auf der Stelle tödtete. Die Kleidung Hölzes war vom Kopf bis zu den Füßen völlig versengt, der eine Strumpf war wie durchgeschnitten.
— Der Nordeutsche Lloyd in Bremen hat abermals drei neue Dampfer auf deutschen Werften in Bau gegeben. Die Schiffe sind für die brasilianische Linie deS Norddeutschen Lloyd bestimmt und werden lediglich für Zwischendeckspassagiere und Frachtverkehr eingerichtet. Einschließlich der erwähnten drei Schiffe befinden sich gegenwärtig für den Norddeutschen Lloyd neun große Ozeandampfer auf deutschen Schiffswerften in Bau.
Ausland.
Italien. Dem „Messagero" zufolge ist durch Bet- Mittelung eines in Schoa wohnhaften französischen Staatsangehörigen ein Brief eines bei Menclik gefangenen italienischen Soldaten an dessen Familie in Turin gelangt, nach welchem sich in Adissababa 1500 Gefangene befänden. Ihre Reise dauerte zwei Monate. Sie ernährten sich während dieser Zeit von gerösteter oder roher Gerste und kamen sehr mangelhaft bekleidet und mit blutenden Füßen an. Viele in Adissababa wohnende Europäer unterstützten die Gefangenen. Diese wurden verständigt, daß sie zur Erbauung einer neuen Königsburg für Menclik verwendet werden sollen.
Tiflis, 27. Juni. Wie die Zeitung „Neue Rundschau" meldet, ist in Teheran ein Altentat aus den Schah Musaffer-Eddin verübt worden. Der Schah blieb unverletzt. Der Mörder, welcher der Sekte der Babisten angchört, wurde sofort verhaftet. — Aus Persien werden aus Anlaß der Ermordung des früheren Schahs der »N. Fr. Pr." einige Mittheilungen gemacht, die für die in Persien noch immer herschenden Verhältnisse sehr bezeichnend sind. Dem Mörder hat man sofort nach der Verhaftung ein Ohr abgeschnilten, und als der Scharfrichter auch gleich die Nase operiren wollte, konnte er daran nur dnrch den Großvezier verhindert werden, der bemerkte, daß man den Mann noch brauche, da er seine Mitschuldigen angeben solle. Der Tod Nusr-EddinS brächte in ganz Persien große Verwirrung hervor. Vor allem mußten in Teheran in allen Straßen militärische Patrouillen ausgestellt werden, um die öffentliche Ruhe und Ordnung aufrechtzuhallen und die Ge- schäftSleule zu zwingen, daß sie mit Lebensmitteln bei der ohnehin bestehenden Theuerung in Folge deS Kupfer- krachs keinen Wucher beginnen. Zwei Bäckern, die nicht zu normalen Preisen backen wollten, wurden die Ohren abgeschnitten, auch den Fleischern drohte man mit der gleichen Prozedur, wenn sie am nächsten Tage nicht ausschroten würden. Bei jedem Bäcker wurden zwei bis sechs Mann Militär als Exekution aufgestellt, damit Jedermann Brot zu kaufen bekomme. An die Kaufleute erging ein Erlaß, Niemanden mehr als drei Kilogramm Reis zu verkaufen, wodurch dem etwaigen Aufkäufe der Vorräthe und einer event. Vertheuerung der Lebensrnittel vorgebeugt ward.
Aus Yokohama, 24. Juni, wird gemeldet: Die Zahl der bei der jüngsten Hochflut an der Nordostküste ums Leben gekommenen wird auf 27000, die Zahl der Ver- letzten auf 8000 angegeben.
New-York, 20. Juni. Durch die vom Gouverneur Norton unterzeichne,e „Größere New-York Bill", wodurch die jetzige Stadt New York und ihre Nachbarstädte