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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 51.

Mittwoch, den 24. Juni

1896.

Abonnements-Einladung

Bestellungen auf das 3. Quartal 1896 (Juli, Anglist, September) der W^^'Sditüdikcncr Zeitung" °^^DM bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen und zwar möglichst bis zum 29. d. Mts. Spätere Bestellungen resp. Nachlieferungen müssen an die Post extra bezahlt werden. Die Expedition.

Amtliches.

Zur Steuerung der Nothluge des Bauernstandes im Vogelsberg ist zwecks vortheilhaften Absatzes von Vieh die Abhaltung eines außerordentlichen Viehmarktes in Leisenwald in nächster Woche unter folgenden streng einzuhallenden Bedingungen genehmigt worden.

Als hierzu passenden Tag bestimme ich hiermit Donnerstag, den 25. Juni d. J.

Bedingungen:

1, Jeder, welcher Wiederkäuer und Schweine am Markttage und an den beiden voraufgehenden Tagen in den Marktort bringt und in diesem feilbietet, hat durch eine Bescheinigung der Polizei- behörde des Ursprungsortes der Thiere den Nach­weis zu führen, daß in diesem die Maul- und Klauenseuche nicht herrscht und daß der Ort nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des §. 29 a der B. Jnstr. vom 27. Juni 1895 gehört.

2. Die Bescheinigung, in welcher Rindvieh einzeln nach Geschlecht, Alter, Farbe, Abzeichen, die übrigen Thiere summarisch nach Geschlecht, Alter und Farbe genau verzeichnet sein müssen, hat nur eine blägige Giltigkeit, Ausstellungstag eingerechnet.

3. Wiederkäuer und Schweine, bezüglich deren der Tinbringer oder der Verkäufer den Nachweis untei 1 nicht führen kann, ist der Eintritt in den Marktort bezw. auf den Marktplatz an den unter 1 näher bezeichneten Tagen zu versagen.

4. Wiederkäuer und Schweine, welche seuchenverdächtige Erscheinungen wahrnehmen lassen, oder aus einem Beobachtungsgebiet stammen, oder deren Ursprungs­zeugniß abgelaufen, nicht bcizubringen, un- vorschrlftsmäßig oder gefälscht ist, sind einer 5:ägigen Beobachtung durch den beamteten Thier­arzt zu unterwerfen.

5. Auf den Marktplätzen darf das Vieh nicht hcrum- geführt werden.

6. Die Kosten der Beobachtung trägt der Eigenthümer der Thiere.

Gelnhausen, den 19. Juni 1896.

Der Königliche Landrath: von Baumbach.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser feiert augenblicklich in Kiel Triumphe mit seiner AachtMeteor", die Sonnabend mit dem Kaiserpaare an Bord wiederum als erste durch das Ziel fuhr. Die kaiserlichen Prinzen sind über Sonntag gleichfalls in Kiel eingetroffen. Gegen Ende dieses Monats wird der Kaiser sich von Kiel nach Wilhelmshaven begeben und von dort voraussichtlich am 1. Juli die diesjährige Nordlandsreise antreten.

DaS Befinden des Fürsten Bismarck. Entgegen der Meldung eines Wiener Blattes vom Sonntag ist der Hamburgische Korrespondent in der Lage, festzustellen, daß das Befinden des Fürsten Bismarck dem hohen Alter des Letzteren entsprechend ein sehr gutes zu nennen ist. Kleine Beschwerden, die bei keinem 81jährigen Manne ausbleiben, abgerechnet, sei von irgend welchem Leiden, auch katarrhalischen, keine Rede. Schlaf und Appetit sind gut. Der Fürst fährt Nachmittags zwei Stunden spazieren, ist bei gutem Humor, bleibt bis 11 Uhr im Kreise der Seinen und begiebt sich sodann zur Ruhe. Er ließ sogar am Sonntag, was er schon lange nicht mehr gestattet hat, einen größeren Hamburger Kriegerverein, der zufällig in Friedrichsruh war, vorbei- defiliren und durch den Park marschiren.

Eine friedliche Karavane arabischer Händler auf dem Wege von der Küste Ostafrikas wurde am südwest­lichen Ufer des Tanganykasees von Truppen des Kongo- staates Überfällen und ausgeraubt. Die Araber waren Schutzbefohlene aus Bagamoyo und keineswegs reiche ^ <eute. Die deutsche Regierung erhob durch den Ge­sandten in Brüssel nachträglich Beschwerde und forderte vollständigen Schadenersatz. Der Kongostaat sagte Unter.

der Fahnenmarsch, die Ehrenschwadron trabte vor dem Kaiserzelte vorbei. Unter betäubenden Hurrahrufen fuhr Sr. Majestät der Kaiser in der Uniform des 1. Garde- regiments vor dem Zelte vor. In seiner Begleitung befand sich Fürst Günther zu Schwarzburg-Rudolstadt, der die Uniform des Regiments Garde du Corps trug. Die Fürstin zu Schwarzburg-Rudolstadt ging dem Kaiser entgegen, der ihr die Hand küßte. Der Vorsitzende des Denkmalsausschusses General der Infanterie z. D. von Spitz begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache. Nachdem der Kaiser den Beginn der Feier befohlen hatte, hielt der Schriftführer des Denkmal-Ausschusses, Hauptmann der Reserve, Professor Dr. Westphal, die Festrede. Auf die Rede des Pros. Westphal erwiderte der Kaiser und gab dem Denkmal die Weihe, welches er als einen würdigen Schlußstein für die Gedenkfeier der Sieges­tage des großen Krieges bezeichnete. Nachdem der Kaiser Allen, welche dieses unvergleichliche Werk erdacht, gefördert und vollendet haben, und dem durchlauchtigsten Landes­herrn, welcher es unter seinen besonderen Schutz zu stellen geruht hat, gedankt, sprach er die Ueberzeugung aus, daß die Erinnerung an den Großen Kaiser von Denen bis zum letzten Athemzuge heilig gehalten werden wird, welche Seinen sieggekrönten Fahnen folgen und mit ihm für die Einigung des geliebten Vaterlandes Leben und Blut einsetzen durften.Solcher Gesinnung ist dies Denkmal ein unvergängliches Wahrzeichen; die ihm zugewiesene Aufgabe ist aber eine noch höhere, edlere: den kommenden Geschlechtern soll es ein Mahnzeichen sein, einig und treu zu bleiben in der Hingebung an Kaiser und Reich, an Fürst und Vaterland; Deutsch­lands Ehre und Wohlfahrt höher zu stellen, als alles irdische Gut." Fürst Günther zu Schwarzburg übergab darauf das Denkmal der Ocffentlichkeit und brächte ein dreimaliges Hurrah! auf den Kaiser aus. Die Fest- versammlung sang daraufHeil Dir im Siegerkranz!", während 101 Salutschüsse von der gegenüberliegenden Bergwand herüberschallten, die ein mächtiges Echo am Thurm erweckten. Den Schluß der Feier bildeten die Besichtigung und der Vorbeimarsch der Kriegervereine.

Hann. Münden, 11. Juni. Zum Kaufmann St. kam gestern ein Händler und offerirte ein Universal- Heilmittel für Magen- und Leberleidende von W. M.- Dortmund, allein echt mit einem Löwen versehen. Ver­trauensvoll sah sich der Kaufmann St. veranlaßt, für einige 30 Mark diverse Fläschchen für sein Geschäft zu kau en. Alsdann ließ der Käufer seine Waare bei einem hiesigen Fachmann chemisch untersuchen und gewahrte zu seinem Schrecken, daß jedes Fläschchen höchstens 20 Pf. an Werth gelten kann, während er für jedes Fläschchen 1,75 Mk. bezahlt hatte.

Mainz, 9. Juni. Sechs Stammgäste einer hiesigen Wirthschaft sind zusammen 500 Jahre alt. Durch den Geburtstag des Jüngsten unter ihnen waren sie am Sonnabend zusammen 500 Jahre alt. Einer zählte 92, einer 87, einer 81, zwei 80 und das Geburtstagskind und Nesthäkchen 79 Jahre.

Ausland.

Auf Kuba haben es die Spanier mit einem neuen Feind zu thun bekommen. In der Armee herrscht die Ruhr; in einem einzigen Bataillon kamen 130 Fälle vor. General Weyler erklärte einem Berichterstatter desHerold", das gelbe Fieber greife in Matanzas weiter um sich. Die spanischen Soldaten leiden, wie der Berichterstatter derTimes" aus Havana schreibt, fruchtbar unter der Regenzeit.Die meisten spanischen Soldaten sind blutjung und nicht an das Klima gewöhnt und das gelbe Fieber wird in ihren Reihen stark auf­räumen. Die Militärbehörden haben nicht verabsäumt, gut eingerichtete Hospitäler bauen zu lassen, aber was nützen alle ärztlichen Vorkehrungen bei einer Fieber­epidemie? Für die Aufständischen scheint das feuchte Wetter keine Schrecken zu besitzen. Einer sagte mir, jetzt wären vier neue Generale ihnen zu Hilfe gekommen: Juni, Juli, August und September. Ich fürchte, mein Jnsurgentenfreund hat recht, daß die spanischen Truppen in den nächsten Monaten fruchtbare Verluste erleiden werden."

Japan. Ein furchtbares Erdbeben hat, wie kurz gemeldet, am Dienstag die Stadt Kamaishi in Japan zerstört. Diese kleine Hafenstadt am Stillen Ozean in der Provinz Jwate-Ken gelegen, zählt 6000 Einwohner und hat ein vielbesuchtes Seebad. Aehnlichc Ereignisse

suchung und Bestrafung der Schuldigen zu. Es ist bekanntlich nicht das erste Mal, daß Deutschland Anlaß hat, sich über das Treiben des Kongostaates zu beschweren.

Die Entsendung des chinesischen Vizekönigs Li-Hung-Tschang an den Berliner Hof und der längere Aufenthalt desselben scheint doch mehr als ein Höflich- keitsakt zu sein. Li-Hung-Tschang halte am Freitag eine zweistündige Unterredung mit dem Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Freiherrn Marschall v. Bieberstein, in der nach derPost" die Interessen Deutschlands und Chinas in eingehender Weise besprochen und die Grund­züge für eine Verständigung über die weitere voraus­sichtliche Entwickelung der internationalen Politik in Ostasien vereinbart wurden.

Vizekönig Li-Hung-Chang hat die Errichtung einer ständigen chinesischen Gesandtschaft in Berlin in Aussicht gestellt. Es gilt nach derNationlztg." als sicher, daß die Anwesenheit des chinesischen Vize­königs Li-Hung-Chang mit der Ertheilung erheblicher Aufträge an die deutsche Industrie für die chinesische Regierung im Zusammenhänge stehe.

Der Eindruck, den die Landtagssession, welche am Sonnabend in gemeinsamer Sitzung der beiden Häuser geschlossen wurde, hinterläßt, ist nicht gerade der günstigste. Fünf Monate lang ist der Landtag ver­sammelt gewesen, aber was er positives geschaffen hat, das lohnt kaum der Erwähnung. Drei große Aufgaben waren dem preußischen Landtage gestellt, die Regelung der Richterbesoldung, der Lehrerbesoldung und des Handels­kammerwesens. Aber diese drei Ausgaben sind ungelöst geblieben. Die kleineren Vorlagen aber, die zur Er­ledigung gelangten, waren dem nicht vollendeten gegen­über herzlich bedeutungslos. Hoffentlich gelingt es dem preußischen Landtage, der seine Herbstsession schon in der zweiten Novemberwoche wieder aufnehmen soll, das nächste Mal mit besserem Erfolge zu arbeiten.

Man schreibt aus Kiel: Als ein Zeichen der Zeit wird angesehen, daß aus die seitens des hiesigen Magistrats erlassene Ausschreibung von acht Bureau- gchilsenstcllen, bei einem Anfangsgehalte von 1200 Mark und vierteljähriger Kündigung, 600 Bewerbungen ein­gegangen sink! Fünf Militär-Anwärter und drei Hilfs­arbeiter waren die Glücklichen, welche die vielbegehrten Stellen erhielten.

Essen, 14. Juni. Der 100,000. Einwohner der Stadt Essen istin Sicht". Nach der Uebersicht über die Bevölkerungs Bewegung in der Stadt, welche viertel­jährlich von dem städtischen Meldeamte aufgestellt wird, hatte die Stadt Essen am 31. Mai d. I. 99,990 Ein­wohner. Der Regierungsbezirk Düsseldorf wird dann fünf Städte von mehr als 100,000 Einwohner haben, nämlich Düsseldorf, Elberseld, Barmen, Crefeld und Essen.

Aus der Provinz Hannover, 17. Juni. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln greift die Maul- und Klauenseuche in Ostfriesland, das durch seine hervorragende Viehzucht weit über die Grenzen Deutschlands berühmt, immer mehr um sich. Es gewinnt den Anschein, daß die Vieh­märkte auch während des ganzen Sommers nicht werden staltfinden können. Der sich hieraus ergebende Schaden ist ein ganz bedeutender. Derselbe wird in unterrichteten Kreisen auf mehr als 300,000 Mark angegeben. Diese Summe ist jedenfalls noch viel zu niedrig bemessen, wenn man bedenkt, daß wöchentlich über 2000 Stück Rindvieh in Ostfriesland umgesetzt werden.

Vom Kyffhäuser, 18. Juni. Am Enthüllungstage trafen bereits um 11 Uhr einzelne der fürstlichen Herr­schaften am Kaiserzclte ein. Unter ihnen war einer der Ersten Prinz Leopold von Bayern. Nach halb zwölf Uhr erschien der Großherzog von Baden. Die unzähligen Fahnen der Kriegervereine waren vor dem Denkmal und zu beiden Seiten der großen Terrasse gruppirt. Die Ehrengäste nahmen seitlich des Kaiserzeltes Aufstellung. Der Blick von der Terrasse war großartig, obschon die Landschaft leicht verschleiert war. Punkt Zwölf erschallte I