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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf. --"» "aca mir |MMafBMM»iM MBICWWBI......... ' "' im I irjwWTiTO'KiMms "' r.-a-r»r»»mr1x.»-w»e.m -MMmoMSanriT'Tliniii i, i n ........ II! T»»»a^

3s. 49. Mittwoch, den 17. Juni 1896.

Abormemertts-Einladung.

Bestellungen auf das 3. Quartal 1896 (Juli, August, September) der ^^^*Schtüchferner Zeitung" "^^0 bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen und zwar möglichst bis zum 29. d. Mts. Spätere Bestellungen resp. Nachlieferungen müssen an die Post extra bezahlt werden. Die Expedition.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Juni. Der Kaiser hat den chinesischen Vizekönig Lihungtschang, der am Sonnabend in Berlin einiraf, am Sonntag im Rittersaale des königlichen Schlosses in feierlicher Audienz empfangen. Eine Eskadron geleitete bei der Auffahrt den Galawagen des Vizekönigs, eine Ehrenkompagnie nahm mit Fahne und Regimentsmusik auf dem Schloßhof Aufstellung.

Von der Verschuldung des ländlichen Grund­besitzes wird in letzter Zeit viel gesprochen und geschrieben. Der städtische Grundbesitz ist freilich in Folge von Neu- und Umbauten hinsichtlich seines Werthes vielfachen Schwankungen ausgesetzt, die es nicht zulassen, aus seiner zu- oder abnehmenden Belastung mit Hypotheken auch nur annähernd sichere Schlüsse auf die Vermögens-Ver- Hältnisse der Eigenthümer zu ziehen. Viel weniger kommen solche Schwankungen beim ländlichen Grundbesitz zur Geltung. Die Zunahme der Verschuldung in Preußen insgesammt in den neun Jahren 18861895 beträgt rund 1576 Millionen Mark; hierbei ist noch zu beachten, daß, das Jahr 1887/88 ausgenommen, die Verschuldung von Jahr zu Jahr ein Wachsthum aufzuweisen hat. Auch der Nrcht-Landwirth wird zugeben müssen, daß in der Beleuchtung durch solche Zahlen die Lage der länd­lichen Grundbesitzer im allgemeinen wirklich so ungünstig ist, wie sie von jenen Seiten, die noch ein Herz für den Bebauer der heimathlichen Scholle haben, seit ge­raumer Zeit geschildert wird. Besonders bedenklich er­scheint die rasche Steigerung der Verschuldung. Zugleich verdient beachtet zu werden, daß das Sinken des Geld- leihwerthes, welches mit einer Verbilligung und Er­leichterung des von der Landwirthschaft benöthigten Kredits gleich bedeutend hätte sein sollen, dieser letztern bei weitem nicht in dem erhofften Grade zu gute gekommen ist. Die Verschuldung ist eben schon sehr weit fortgeschritten, und der billigere Zinsfuß wurde mehr als ausgeglichen durch den anhaltenden Preisrückgang nahezu aller Bodenfrüchte.

München. Prinz Ludwig von Bayern, dessen Rede in Moskau beim Fest der deutschen Kolonie so großes Aufsehen erregt hat, soll, wie Münchener Lokalblätter übereinstimmend melden, Aussicht auf eine riesenhafte Erbschaft haben. Als er seine Gattin, eine Prinzeß von Oesterreich-Este, heirathete, gaubte man, auf diese werde das Vermögen des letzten Este übergehen. Allein der Erblasser vermachte es dem Erzherzog Karl Ludwig von Oesterreich mit der Bestimmung, daß dasselbe so lange in der Mitgenießung dieser Familie zu verbleiben habe, als ein direkter männlicher Erbe den Namen Este fortführe. Durch den Tod des Erzherzogs Rudolf ist aber die Throfolge auf den Bruder des Kaisers Franz Joseph, auf Karl Ludwig resp, auf dessen Sohn Franz Ferdinand Übergängen. Karl Ludwig ist jüngst ge­storben, Franz Ferdinand ist unrettbar verloren, er leidet an Schwindsucht. Wenn der noch einzig Ueber- lebende, Erzherzog Otto, an die Spitze des Kaiserhauses tritt, verliert er von selbst den Titel als Herzog von Este, und somit dürfte das viele Millionen umfassende Vermögen der Este an die eigentliche Erbberechtigte, die Prinzeß Ludwig, übergehen.Wir gönnen dem hohen Herrn mit Freuden die Erbschaft, hat er doch gezeigt, daß in seiner Brust ein echt bayerisches Herz schlägt," so bemerkt hierzu der Münchener General-Anzeiger.

Metz, 9. Juni. Wie derMessin" meldet, hat der Turmwächter der Kathedrale heute Morgen zwei Eng­länder dabei betroffen, als sie mit der Aufnahme von Plänen für ein Forts beschäftigt waren. Es sind Schüler der Artillerieschule zu Chatam, die mit ihren Lehrern und neun Mitschülern nach Metz gekommen waren. Zwei Lehrer wurden verhaftet.

Ausland.

Graz, 13. Juni. Aus Egypten treffen in großer Menge Europäer, die vor der Cholera geflüchtet sind,

hier ein. Bor Kurzem kamen über hundert Familien an. Sie stehen hier fünf Tage unter ärztlicher Be­obachtung.

Rom, 9. Juni. Nach amtlichen Berichten begruben die eben zurückgekehrten italienischen Genietruppen auf dem Schlachtfelde von Adua 3001 Weiße und 605 Schwarze. 10 Leichen waren mumifizirt. Von den übrigen waren nur noch Skelette vorhanden, und zwar wurden je 25 Skelette in einem Grabe begesetzt. Die Leichen waren entkleidet.

Die Zahl der Todten auf dem Chodynskifeld wird nach derKreuzztg." von Personen, die aus Moskau, wo sie ansässig sind, nach Berlin gekommen, auf mindestens 4000 angeschlagen. Die ungleich niedrigere amtliche Angabe (von etwa 1360 Todten) erkläre sich daraus, daß hier nur die auf dem Wageankow-Kirchhofe Be­statteten mitgerechnet werden. Dieübrigen" schweigt man todt, um den ohnehin höchst unwillkommenen Ein­druck des entsetzlichen Ereignisses nicht zu verstärken.

Odessa. Der Vertreter des Sultans bei der Krönungs­feier in Moskau, Zia Pascha, wurde auf der Rückfahrt von Moskau nach Odessa in einem Salonwagen der russischen Südwestbahn Nachts von mehreren bewaffneten Raubgesellen plötzlich überfallen. Auf die Hilferufe des Sekretärs, der Zia Pascha begleitete, erschien der Schaffner, der mit Hilfe des Zugbegleitungs-Personals die Strolche festnahm. Die Untersuchung, die eingeleitet wurde, ergab, daß Bahnbedienstete den Raubgesellen den Zutritt zum Salonwagen Zia Paschas verschafft hatten.

London, 12. Juni. Auf der Newyorker Pferdebörse kamen im Feuer gestern 120 Pferde um. Der Total- verlust wird auf 250,000 Dollars geschätzt.

Lokales »nd Provinzielles.

* Schlüchtern, 16. Juni.

* Auf eine gräßliche Weise ist der Briefbote Georg Schmitt, Sohn des Stadtsörsters Schmitt von hier, ums Leben gekommen. Schmitt hatte am Nach­mittag des 13. Juni beim Bahnwärter Schäfer auf Posten 53 der Strecke SchlüchternSteinau einen Brief und die Zeitung abgegeben und ging nun, da er eine Erlaubnißkarte zum Betreten des Bahnkörpers hatte, auf dem Schienengeleise in der Richtung nach dem Bahnhof Schlüchtern zu. Unterwegs holte ihn der von Steinau kommende Güterzug ein. Um diesem aus dem Wege zu gehen, wollte Schmitt den Bahnkörper verlassen. In demselben Augenblick brauste der von Elm kommende Schnellzug, den er nicht gesehen, heran. Die Maschine dieses Zuges erfaßte den Schmitt und verletzte ihn derartig am Bauche, den Beinen und am Kopfe, daß er bereits um 7 Uhr Abends starb.

* Der Kataster-Kontroleur Quandt ist von Wächtersbach nach Pr. Eylau versetzt und der Kataster- Kontroleur Zumpft mit der Verwaltung des Kataster­amts Wächtersbach beauftragt worden.

* Der früher bei hiesiger Kreiskasse (Steuerkasse) angestellt geweseneVollziehungsbeamte" I. Staab er­sucht uns, zu berichtigen, daß er in gleicher Eigen­schaft an die Kgl. Kreiskasse zu Oschersleben versetzt sei, also nicht wie in Nr. 46 angegeben, alsKreisbote" beim dortigen Landrathsamt.

* Die neu erbaute städtische Badc-Anstalt in Thalers Weiher ist gestern dem Verkehr übergeben worden. Schon an diesem ersten Tag wurde dieselbe von 140 Personen benutzt, ein Beweis, daß ihre Errichtung einem dringenden Bedürfniß entspricht.

* Künftigen Sonntag, den 21. d. M., wird der hiesige evang. Jünglingsverein wieder einen Familien- Abcnd im Hessischen Hof veranstalten. Damit der Saal nicht wie früher in unbehaglicher Weise überfüllt wird, werden Eintrittskarten ä 20 Pfg. ausgegeben, welche im Hospital zu erhalten sind.

* In Nordamerika haben sich sämmtliche hessischen Vereine zu einem Hessischen National-Verband von Nord­

amerika zusammengeschlossen. Das Hauptquartier ist zu Detroit (Mich.) Am 6., 7. und 8. Juli gedenken die hessischen Landsleute ein großes Hessenfest in Detroit zu feiern. Wünschen wir ihnen, die so treu an der Heimath hängen, fröhliches Gedeihen!

* Durch Kabinetsordre ist bestimmt, daß für die bei den Bezirkskommandos angestellten Offiziere z. D. sowie für die Unteroffiziere und Mannschaften der Be­zirkskommandos das bisher zum Helmzierrath und zur Mützenkokarde vorgeschriebene Landwehrkreuz sortfällt.

* Schwurgericht. Unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit wurde am Montag Morgen gegen den Gärtner Schmidt von Bellings verhandelt. Der Angeklagte ist ein vielfach bestrafter Mensch und hat namentlich wegen Sittlichkeitsverbrechen längere Zuchthausstrafen bereits verbüßt. Gegenwärtig hatte er sich wieder wegen eines solchen Verbrechens zu veranworten und erhielt eine Zuchthausstrafe von acht Jahren.

A. Vollmerz, 15. Juni. Gestern Nachmittag ertrank beim Baden im Ramholzer Schloßweiher der 21jährige Wilh. Krcß von Hinkelhof, Sohn des Schneiders Kreß von da. Der Parkwärter fand zufällig die Kleider am Ufer liegen, vermuthete ein Unglück und ließ Nachsuche halten, die nach einigem Suchen den Ertrunkenen zum Vorschein brächte. Der herbeigeholte Arzt konnte nur den Tod feststellen. Kreß, der als Freiwilliger beim 13. Husarenregiment angenommen worden war, wollte jedenfalls Schwimmen lernen und fand so den frühen Tod, da sonst Niemand zur Hilfeleistung dabei war. Eine neue Mahnung, niemals allein zu baden.

t. Heubach, 15. Juni. Am 13. d. Mts. brach in dem Wohnhause des Konrad Höhn Feuer aus. Das Gebäude ist gänzlich niedergebrannt. Höhn ist zu 2200 Mk. versichert; der Schaden soll aber größer sein. Die Entstehungsursache ist unbekannt.

Orb, 12. Juni. Wie bereits bekannt, feiert die hiesige Turngemeinde am 27. und 28. Juni das Fest ihrer Fahnenweihe. Der Festplatz ist der für solche Zwecke sehr geeignete Bleichgarten; auf demselben werden eine große ca. 1000 Personen fassende Festhalle, mehrere Wirthschaftshallen, Caroussels, Spielbuden rc. Aufstellung finden; ebenso wird für tanzlustige Gäste ein großer Tanzboden errichtet. Die einzelnen Comitees sind in rührigster Thätigkeit, um allen Anforderungen, die ein olches Fest zu stellen pflegt, gerecht zu werden.

Wächtersbach, 12. Juni. Auf dem Festplatz im Bornrain schreiten jetzt überall die Arbeiten munter vorwärts. Es stehen bereits drei Hallen, Musikpavillon und Eingangsbogen. Das Ganze gewährt einen schönen Anblick. Die Bauarbeiten werden unter Leitung des Herrn Kaufmann Reifschnetder, sowie des bauleitenden Küfers G. Becker ausgeführt.

Birstein, 14. Juni. Heute Nacht starb hierselbst nach kurzem Krankenlager unerwartet der auch in weiteren Kreisen bekannte langjährige Fürstlich Jsenburg-Birstein'sche Ho;marschall Frhr. von Oer im besten Mannesalter.

Schlitz, 12. Juni. Am Mittwoch Nachmittag gegen 6 Uhr ging über das Schlitzerland ein Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder. In Strömen ergossen sich die Regenmassen, rissen große Furchen in die Kartoffelfelder und nahmen von vielen Aeckern (Sand­bodenland) das fruchtbare Land mit und überschwemmten die Wiesen. In Salzschlirf hat das Wasser an dem Sandsteinbruch und in der Nähe liegenden Feldern Schaden angerichtet, in Niederstoll drang das Wasser in die Kirche, in einem gegenüber liegenden Bauernhöfe lagerte sich der Sand und Schlamm etwa einen Fuß hoch ab. In Bernshausen schlug der Blitz in ein Bauernhaus ein, ohne zu zünden, verletzte aber den Besitzer an der linken Seite. In der Hehrmühle sollen die Wassermassen 2 Fuß hoch durch die Scheune und Hofraithe gelaufen sein und lagerten dort vielen Schlamm und Land ab. Aus der Kreisstraße und in den Gräben der Kreisstraße von Niederstoll bis Bernshausen sollen 100 ^bis 150 Wagen voll Sand angeschwemmt sein. In Schlitz selbst richtete das Wasser großen Schaden an. In den im Fuldathale liegenden Gemeinden haben die Wassermassen großen Lchaden angerichtet, im Rimbach soll eine große Anzahl Gänse umgekommen sein.

Oberaula, 10. Juni. Das gestrige Gewitter hat in dem benachbarten Jbra leider ein Menschenleben ge­fordert. Ein dortiger Landwirth, der 48 Jahre alte Peter Deißenroth, war mit seinem Sohne und einem Ochsengespann auf der Heimkehr vom Felde von dem