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SchlüchternerAttung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

45. Mittwoch, den 3. Juni 1896.

Bekanntmachung

J. Nr. 1345 K. A. Der Bildhauer Seb. Herbst in Soden beabsichtigt, zum Betriebe seiner Bildhauerei einen neuen Dampfkessel aufzustellen. Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen noch Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in 2 Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Zeichnung und Beschreibung der Anlage können während der Dienststunden in dem Bureau des Kreis- Ausschusses cirgesehen werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht in demselben Büreau

Montag, den 15. Juni er Vormittags 10 Uhr vor dem Unterzeichneten an und wird hierbei bemerkt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Schlächtern, den 28. Mai 1896.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat am Sonnabend auf dem Tempelhofer Felde die Frühjahrsparade abgehalten. Später fand dann wie üblich Paradediner und Galaoper statt.

Wie die MünchenerAllg. Ztg." mittheilt, ver­tagt sich der Reichstag nun doch Ende Juni, um im Herbst das Bürgerliche Gesetzbuch zu erledigen.

Der Minister des Innern d. d. Recke und der Finanzminister Miguel veröffentlichen einen Erlaß an die Regierungspräsidenten, in welchem allerlei Anweisungen zur Vereinfachung des Geschäftsgangs und zur Ver­minderung des Schreibwerks in Verwaltungsdereich der Regierungen gegeben werden. So soll u. a. die An­wendung der Kunaliengehorsamst, ergeben st, geneigtes!, gefälligst u. s w.", die Anrede mitEuer Hoch-, Hoch- wohl- und Wohlgeboren", der Submissionsstrich und bei der Unterschrift die Wiederholung der am Eingänge des Schriftstücks bereits erfolgten Bezeichnung der Behörde wegiallcn. Ebenso sollen überflüssige Einleitungen ver­mieden werden, und die Schnitstücke sollen rein sachlich in t arer und knapper Ausdrucksweise gefaßt werden.

Ein Erlaß des Landwirthschafts-Ministers an die Vorstände der Landwirthschafts-Kammern und land- wirthschastlichen Central-Vereine gibt denselben von dem Beschlusse des Königl. Staatsministeriums vom 30. April er. Kenntniß, wonach den den einzelnen Ressortministern unterstehenden Verwaltungs- Organen zur Pflicht gemacht werden soll, soweit dies ohne Schädigung fiskalischer oder allgemeiner Interessen und ohne grundsätzliche Ausschließung des legitimen Handels auslührbar erscheint: u) die Bedürfnisse der Verwaltungen an landwirthschaftlichen Erzeugnissen thunlichst direkt von den Produzenten zu erwerben; b) zu diesem Zwecke ins­besondere auch direkte Beziehungen zu bereits bestehenden Verkau's Genossenschaften anzuknüpin, auch möglichst, um den Anforderungen der Verwaltungs Organe besser als zur Zeit genügen zu können, auf den Zusammen­schluß der Produzenten zu Verkaufs-Genosscnschaften an geeigneten Orten hinzuwirken und die Bildung solcher Genossenschaften durch Berücksichtigung bei der Vergebung von Lieferungen zu fördern; c) sofern eine öffentliche Submission für die Lieferung der in Frage stehenden landwirthschaftlichen Erzeugnisse statlsindet, Zwischen­händler nur dann zu berücksichtigen, wenn sie sich von vorn herein am Submissions-Ver ahren beiheiligt und günstigere Gebote bezüglich der ausgeschriebenen Lieferung abgegeben haben, als die übrigen Bewerber. Die Be- fugniß der Verwaltungs-Organe, das Verdingungs- Verfahren unter Umständen aufzuheben und eine ander- Weitige Bedarfsdeckung eintreten zu lassen, wird hierdurch nicht berührt.

Die Verjüngung der Beamtenschaft scheint neuer­dings energisch erstrebt zu werden. U. a. sollen die Provinzial - Stcucrdirektoren wiederholt vom Finanz Ministerium angewiesen worden sein, auf die Entfernung ^r für ihre Stellen nicht mehr ausreichend befähigten Beamten hinzuwirken. Es sind von den Provinzial- Sicuerdirektoren wiederum an die Leiter der Hauptämter entsprechende Weisungen ergangen, um davon Ueber­zeugung zu nehmen, ob die Beamten die uneingeschränkte geistige und körperliche Befähigung für ihre Dienststellen besitzen. Wo dies nicht der Fall ist, soll ohne Zögern

auf die Entfernung durch Pensionirung oder Versetzung Bedacht genommen werden, bezüglich der über 65 Jahre alten Beamten nötigenfalls auf Grund der Novelle zum Pensions-Gesetz. Diese Ermittelungen der Direktoren und Hauptamts-Leiter sollen sich auch auf die im Ab- fertigungs- und Bureaudiensle thätigen Beamten erstrecken, namentlich auch auf die älteren Hauptamts-Assistenten und die im Lebensalter vorgeschrittenen Zoll- und Steuereinnehmer 1. Klasse. Bis zum I. September soll über den Erfolg dieser Maßregel, welche hauptsächlich den Zweck haben wird, in dem stockenden Avancement Luft zu schaffen und nach dem Muster der Armee auch das Beamtcnthum zu verjüngen, berichtet werden.

DieDeutsche Tageszeitung" schließt laut dem Börsen-Kourier" ihre Bilanz Don 1895 mit einem Ver­lust von 150,199 Mark ab. Die Deutsche Tageszeitung ist bekanntlich das Organ desBundes der Landwirthe", das Aktienkapital beträgt 500,000 Mark. Zwei Jahre wird's vielleicht noch dauern, dann ist das ganze Aktien­kapitalverputzt."

Der Verwaltungsrath der Siedelungsgesellschaft für Südwestafrika hat die Entsendung des Marinestabs­arztes a. D. Sander nach Deutsch-Südwestafrika be­schlossen und die Gelder zur Anlage von drei Muster- farmen bewilligt, von denen zwei bei Windhoek und eine etwas weiter entfernt bei Doornfontein angelegt werden sollen. Ferner soll in Swakopmund ein Unter« kunftshaus für Auswanderer, in dem auch zugleich die kaiserliche Post untergebracht werden soll, erbaut und durch Einstellung von mehr Wagen der Verkehr mit Windhoek erleichtert werden.

Der Verein für die wirthscha'tlichen Interessen von Rheinland und Westfalen bereitet im Interesse der deutschen Weinproduktion und des reellen Weinhandels Eingaben an den Bundesrath und Reichstag vor mit der Bitte, die Vermehrung des Weines durch Rosinen-, He'e-, Trester- u. s. w. Erzeugnisse bei Gefängniß- strafe zu verbieten und den Zusatz von technisch reinem Zucker in wässeriger Lösung zum Moste nur bis Mitte Dezember des Erntejahres zu gestatten. Die Herstellung von Tresterweinen zum Gebrauch im eigenen Betriebe wird nicht beanstandet.

Auf dem Pionier-Uebungsplatze in Thorn entzündete sich am Sonnabend eine Flattermine von selbst. Hauptmann Adams, Lieutenant Wannemann I., Unteroffizier Platen und mehrere Soldaten von der 2. Kompagnie des 2. Pionier-Bataillons wurden schwer, einige andere Soldaten leicht verletzt. Alle Verletzten wurden bei der Explosion in die Luft geschleudert.

Zu dem Bergarbeiter-Congreß in Aachen schreibt die Cous. Corr.": Noch nicht 60 Mann, darunter dreizehn Delegirte aus Deutschland,tagen" in Aachen und spielen sich als die Vertreter von mehr als einer Million von Bergarbeitern auf. Das ist schon an sich eine kuriose Erscheinung; denn wenigstens in Deutschland sind die Delegirten" keineswegs von der Bergarbeiterschaft als solchen, sondern nur von einer minimalen sozialdemo­kratischen Clique unter diesen gewählt. Die Berathungen haben daher recht geringen Werth. Selbst derVorwärts" muß zugeben, daß der diesjährige Congreß noch spärlicher als seine Vorgänger besucht sei. Thatsächlich aber spielen die 13 Deutschen unter der Mehrheit der Ausländer, namentlich der tonangebenden Engländer, eine so klägliche Rolle, daß die deutschen Bergleute sich ihrer Vertreter schämen müßten, wenn diese dreizehn wirklich alsVer­treter" anzusehen wären.

Göttingen. Ein Seitenstück zu dem lebenslänglichen Studenten in Greifswald wird derMagd. Ztg." aus Göttingen mitgetheilt. In den 70er Jahren war in Göttingen ein bemoostes Haupt namens Beste, das trotz seiner grauen Haare weiter studierte, und das kam so. Ihm war von einer wohlhabenden Tante ein Stipendium von 400 Thalern jährlich testamentarisch vermacht worden mit der Bedingung, daß dieses Stipendium ihm so lange verbleiben solle, als er mit Nutzen oder Erfolg studiere, worüber ein Zeugniß eines Professors beizubringen sei. Beste hatte u. a. auch bei Professor Klinckennes belegt, und Klinckerfucs erzählte, wie gern er das verlangte Attest in folgender Form ausgestellt habe:Er ist unter meinen Zuhörern stets der Beste gewesen," denn, fügte Klincker- fucs hinzu, er hieß ja Beste. Beste hat denn auch bis an sein Lebensende in Göttingenstudiert".

Mainz. Der Storch als Stammgast beweist einem Bierbrauereibesitzer in Mainz eine seltene Anhänglichkeit.

Er hat dem Herrn Bierbrauer und seiner Ehelichsten neulich den 25. Besuch abgestattet. Einmal hatte er dabei Zwillinge, ein anderes Mal sogar Drillinge hinterlassen, sodaß die Familie im Ganzen nicht weniger als28 Sprößlinge ihr eigen nennen darf. Sioltze'sVer zeh Dechter" sind also gerade um vierzehn Längen geschlagen.

Offenbach, 27. Mai. Gestern fand im Beisein eines Vertreters der Großh. Staatsanwaltschaft Darmstadt die Section der Leiche des am zweiten Feiertag früh ge- tödteten Russenmachers Fritz Bayer statt. Es wurde hierbei feftgefteüt, daß der Tod desselben nicht durch Schläge oder Stiche, sondern durch einen Schuß in das linke Auge herbeigeführt worden ist. Die entlassenen acht Russenmacher waren in Rede stehender Nacht gegen 12 Uhr vor das Haus des Brennmeisters Eichhorn ge­zogen und hatten denselben unter Berübung großen Skandals mit Todtstechen bedroht. Später, gegen 3 Uhr, begab sich Eichhorn, mit einem Revolver bewaffnet, nebst seinem Bruder und dem Arbeiter Helfmann auf die Suche nach den Arbeitern, die in einem Kornacker ihr Nachtquartier aufgeschlagen hatten. Durch Schüsse auf­geschreckt, ergriffen sie die Flucht mit Ausnahme des Bayer, der hiernach den tödtlichen Schuß erhielt.

Römhild, 28. Mai. Ein Reisender, der gestern den in der vorigen Woche von dem schweren Brandunglück heimgesuchten Ort Rothhausen besuchte, schreibt darüber: Fast die Hälfte des Ortes liegt in Asche. Insgesammt sind etwa 60 Gebäude, darunter 22 Wohnhäuser, 28 Scheunen und verschiedene Nebengebäude dem Feuer zum Opfer gefallen. Ungünstiger Wind und die Bauart des zusammengedränglen Ortes beförderten die Aus­dehnung des Brandes; man konnte dem verheerenden (Elemente schließlich nur dadurch Einhalt thun, daß man einige Häuser, die vom Feuer noch nicht ergriffen, aber gefährdet waren, niederriß. Verschont vom Feuer ge­blieben sind die ^on der kleinen, aber als wohlhabend geltenden Gemeinde erst neu gebaute Gemeindeschule und die Kirche. Die Ursache des Feuers ist noch nicht fest­gestellt. Viel besprochen wird die That eines HundeS, der durch sein auffallendes Benehmen seinem Herrn das L.ben rettete. Das treue Thier machte durch Bellen und Sprünge die Nachbarsleute darauf aufmerksam, daß sein Herr noch im Hause sei. Die eindringenden Leute fanben wirklich den Mann, der durch Rauch bereits betäubt war, in seinem Bette; einige Augenblicke später, und er wäre verloren gewesen. Das neue Brandunglück gibt Anlaß zu mancherlei Betrachtungen darüber, daß in verhältnißmäßig wenigen Jahren auf einem kleinen Gebiete der Rhön eine Reihe großer Brände, so in Römhild, Schwallungen, Brotterode, Roßdorf, Ober- elsbach und nun in Rothhausen, vorgekommen sind. Rothhausen gehört zu Bayern; es liegt zwischen Mellrichstadt und Königshöfen.

Ausland.

Rußland. Die mit märchenhaften Pomp in Scene gesetzten Krönungsfeierlichkeiten in Moskau haben mit einem furchtbaren Ungl ück abgeschlossen. Am Sams- tag fand die Speisung und Gabenvertheilung an die er­schienenen Volksmassen statt. Auf dem Chodynskyfelde bei dem Petrowky-Palais waren seit Freitag Abend mehrere Hunderttausend Menschen versammelt, um an der Vertheilung der Gedenkkrüge und Speisen theilzu- nehmen. Als die Vertheilung begann, entstand ein fürchterliches Gedränge, weil Jeder einen Gedenkkrug zu erlangen suchte. In dem dadurch entstehenden furcht­baren Gedränge wurden mit elementarer Gewalt die ein­gekeilten Menschen erdrückt. Als die Ordnung wieder hergestellt war, wurde durch die Polizei amtlich festgestcllt, daß die Zahl der Getödteten oder den Verletzungen er« legenen Personen sich auf 1283 beläuft. Der Kaiset- ist tief betrübt und befahl, rote gemeldet, je 1000 Rubd an jede verwaiste Familie zu zahlen und die Begräbnis, kosten auf seine Rechnung zu nehmen.

Moskau, 31. Mai. Die Katastrophe auf dem Chodynsky-Felde wurde dadurch gefördert, daß die Buden mit Gräben umgeben waren. Die Heran- drängenden stürzten infolgedessen nieder, während die Massen unau haltsam nachdrängten, alles unter sich zermalmend. Der Druck war ein so gewaltiger, daß die Bretterbuden eingedrückt und die Menschen in die­selben hineingestürzt wurden. Ein Gendarm wurde mit sammt seinem Pferde zermalmt. Die Verunglückten sind der weil überwiegenden Zahl »ach Bauern und Arbeiter;