Einzelbild herunterladen
 

Notenburg, 6. Mai. Das Komitee für die Mitte Juli hier stattfindende landwirthschaftliche Ausstellung hat beschlossen, dieselbe am 10. Juli im Mauerngarten zu eröffnen. Dieser Tag ist für die Ausstellung des Geflügels und der Maschinen, für die Generalversammlung und das Festessen imEngel" bestimmt, während am I nächsten Tag, Sonnabend, die Pferde, Rindvieh und Ziegen ausgestellt werden sollen. Am selben Tag findet die Prämiirung und Ausloosung statt. Für den Sonntag ist ein Bolksfest im Mauerngarten und ein Ausflug nach dem Alheimer geplant.

Frankenberg, 1. Mai. Am Donnerstag, den 30. April ereignete sich in der Thonetschen Stuhlfabrik ein trauriger Unfall. Während der Arbeitszeit wurde die Dampfleitung des Dampfkessels in dem Betriebsgebäude undicht. Ein in der Fabrik beauftragter Schlosser Namens Karl Loderhoße aus Frankenberg sollte die Reparatur vornehmen. L. mußte nun die Leitung, welche 3 4 Stockwerk hoch liegt, mittelst einer Leiter hinaussteigen. Als er einige Schrauben angedreht hatte, platzte das Rohr und der ganze Dampf spritzte dem Bedauernswerthen über den Oberkörper, so daß Brust, Rücken und Gesicht ganz verbrüht wurden. Die Kleider mußten ihm vom Körper abgeschnitten werden, und unter schrecklichen Schmerzen wurde er nach Hause ge­bracht. Es wird wohl eine lange Zeit währen, bis L. wieder an die Arbeit gehen kann. Zum Glück konnte L. sich noch festhallen und die Leiter heruntergehen.

Lohre bei Felsberg, 7. Mai. Am vergangenen Montag wurde hier in einem Hause der Nachlaß eines verstorbenen Einwohners verkauft. Die Kauflustigen hatten sich im Hausflur des Hauses versammelt. Da auf einmal brach der Boden ein und die ganze Gesell­schaft lag in dem Stalle, der unter dem Hause sich befindet. Ein Schneider Schüler fiel recht unglücklich auf das Jaucheloch, Schmied Reinemann auf ihn und auf diesen noch eine Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm. Schüler hat dabei einen Beinbruch erlitten.

Marburg, 7. Mai. Eine interessante Operation glückte, wie dieH. L." zu melden weiß, vor einigen Tagen dem Direktor der hiesigen Poliklinik für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Herrn Professor Dr. Ost­mann. Er entfernte einem 32 Jahre alten Manne eine Messerspitze von 1 cm Länge aus dem Ohre. Letzterer erhielt vor 13 Jahren einen Stich neben das Ohr. Bor einem Jahre nun entstand in diesem eine Eiterung. Als das Leiden sich verschlimmerte, wurde er in die oben­genannte Klinik verbracht. Professor Dr. Ostmann ver­muthete einen Fremdkörper im Ohr, und die Diagnose bestätigte sich. Es gelang ihm, mittelst einer zweistündigen Operation die Messerspitze, die damals abgebrochen war, herauszuholen.

Hanau. Die hiesige Teppichfabrik von Letsler u. Co., eine der ältesten und in früheren Zeiten eine der bedeutendsten Unternehmung unserer Vaterstadt, stellt in nächster Zeit ihren Betrieb ein. Es ist jedoch die begründete Aussicht vorhanden, daß die Fabrik, die wie ja bekannt, gerade noch in letzter Zeit mit der Aus­führung ganz hervorragender Arbeiten betraut gewesen ist, in Hanau selbst oder dessen Umgebung in neuer Form weiter bestehen wird.

Frankfurt a. M., 10. Mai. Das Kaiserpaar traf heute Vormittag 10 Uhr auf dem hiesigen Hauptbahnhofe ein. Nach den Empfangs- und Vorstellungs-Feierlichkeiten fuhren die hohen Herrschaften nebst Gefolge zurKatharinen- kirche, wo ein Festgottesdienst abgehalten wurde. Gleich darauf fand auf dem Opcrnplatze die Enthüllung des Denkmals für Wilhelm I. statt, wobei Herr Oberbürger­meister Adickes eine längere Ansprache hielt. Dann folgte eine Parade der hiesigen Garnison, worauf das Kaiser­paar um 12/* Uhr sich in sein AbsteigequartierZum Schwan" begab. Gegen 1 Uhr nahm das Kaiserpaar in der Villa der Landgräfin von Hessen ein Frühstück und begab sich dannZum Schwan" zurück. Die Kaiserin besuchte darauf den Dom und das Diakonissenhaus, während der Kaiser die Rennbahn am Forsthause be­sichtigte. Um 5 Uhr begann das Festmahl im Palmen- garten, an welchem etwa 250 Personen theilnahmen. Herr Oberbürgermeister Adickes brächte ein Hoch auf das Kaiserpaar aus, worauf der Kaiser sofort in längerer Rede mit einem Hoch auf die Stadt Frankfurt erwiderte. Abends fand eine Festvorstellung im Opernhause statt. Von da fuhr das kaiserliche Paar nach dem Bahnhöfe, und die Kaiserin fuhr nach Berlin zurück, während der Kaiser sich nach Wiesbaden begab. Das Wetter war während des ganzen Tages sehr schön; bic Stabs ist aufs reichlichste geschmückt, der Andrang von Fremden ist un­geheuer stark, so daß stellenweise ein gefährliches Gedränge entstand. Von ernsteren Unfällen ist jedoch nichts bekannt geworden, so daß das Friedensfest in jeder Beziehung den schönsten und großartigsten Verlauf nahm.

Frankfurt. Gegen einen Arzt, der wegen der Er­blindung eines mit der Benorrhöe der Neugeborenen be­hafteten Kindes, das unter seiner Behandlung gestanden, auf Schadenersatz verklagt worden war, erging gestern das Urtheil der II. Zivilkammer. Auf Grund der Be­weisausnahme, die in den Zeugenaussagen sowohl, wie insbesondere in den Gutachten zu Ungunsten des beklagten Arztes ausgefallen war, hat das Gericht folgendermaßen erkannt: Es wird festgestellt, der Beklagte ist verpflichtet, allen dem Kinde durch die Erblindung entstandenen und

noch entstehenden Schaden zu ersetzen und hat die Kosten des Rechtsstreites zu tragen. Wie verlautet, wird der Beklagte gegen dieses Urtheil Berufung einlegen.

Frankfurt, 6. Mai. Einem Dienstmädchen, welches sich am Sonntag Abend auf der Offenbacher Lokalbahn auf der Fahrt von Oberrad hierher zum Fenster hinaus- lehnte, wurde durch den Sturmwind der Hut vom Kopfe geweht. Ohne sich zu besinnen, lief das Mädchen zur Plattform, sprang vom Wagen und lief seinem Hute nach. Trotzdem dem Mädchen auf den nebenan liegenden Ge­leisen der Bebracr Bahn ein Zug entgegenbrauste, konnte die unbesonnene ihre Absicht ohne Unfall ausführen.

Um einen Tnuik Wasser.

(Schloß.)

Der Kommandant der Kompagnie hatte, wie der Atjeher richtig gesehen hatte, eine Patrouille von drei Mann abgeschickt, die der Truppe vorausgehen sollte, um das Vorderrain aufzuklären. Die Patrouille bestand aus dem Baron, dessen Freund und dem Soldaten Müller. Die Leute gingen in schnellerem Tempo voraus, um den nöthigen Vorsprung zu gewinnen.

Sie sprachen zuerst nicht, erst als sie langsamer gingen, fanden sie Worte.

Der Baron klagte über den brennenden Durst, die Füße waren ihm geschwollen, daß er sich kaum noch vorwärts bewegen konnte.

Dort drüben ist der Fluß," sagte Müller plötzlich, duckt Euch, sonst könnt Ihr leicht eiwas Blei an die Ohren kriegen."

Er hielt sein umgekehrtes Gewehr hoch in die Luft, auf welches Zeichen die Kompagnie ausschwärmte und langsam der Patrouille folgte. Die drei Leute hatten sich platt auf die Erde gelegt und näherten sich kriechend dem Userrand.

Einige Schritte von der Böschung entfernt hielten sie an. Müller hob den Kopf langsam und vorsichtig ein wenig in die Höhe, um das jenseitige Ufer, welches etwas tiefer lag, sehen zu können. Nichts regte sich dort drüben, die Wellen plätscherten ruhig und träge, eine leichte Kühle stieg von dem Wasser empor, ein sanfter Windstoß trug den eigenartigen Duft des Gewässers bis über die natürliche Böschung hinweg. Das Gesicht des Barons hatte sich unmertlich gerölhet; auch er erhob den Kops etwas, um wenigstens das Wasser sehen zu können.

Dort unten ist Wasser genug," flüsterte er.

Freilich ist dort Wasser," erwiderte Müller,es ist nur die Frage, ob man sich zeigen darf. Ich möchte eine Monatslöhnung wetten, daß wir von dort drüben noch einen heißen Gruß zu erwarten haben. Ich kenne die braunen Teufel zu gut. Laß nicht mehr sehen als den Schatten deiner Nasenspitze, sonst kann Dir die Nase leicht vom Kopfe fliegen!"

Die drei tUiänner blieben einen Augenblick ruhig liegen. Ihre schlaffen, von der Sonne verbrannten Ge­sichter, ihre matten Bewegungen, ihr keuchender, trockener Athem sie lechzten nach Wasser, nach einem Trunk, der ihre Kräfte neu beleben sollte und dort drüben hinter dem moosbewachsenen Stein, halb im Schilf und im Wasser versteckt, lag jemand, die schußbereite Waffe in der .sehnigen Faust, eine jähe Blutwelle hatte sein schwarzbraunes Gesicht noch um eine Nüance dunkler gefärbt, die Adern an seinem nackten Körper waren wie Stränge geschwollen; auch er dürstete, aber nicht nach Wasser, nach dem elenden Trunk, den er Tage lang entbehren konnte, wenn er seinen Feinden nachstellte er dürstete nach Rache, nach dem Blut seiner Gegner. Er hatte den Schalten ihrer Körper gesehen einen wollte er haben.

Potz Wetter, Müller," sagte der Baron,wie kommen wir hinunter an die Wasserrinne. Sollte es wirklich so gefährlich sein?"

Ach was, dann werde ich es versuchen," erwiderte der Angeredeiewas kann schließlich dabei sein ich werde Euch Wasser holen!"

Entschlossen beugte er sich weit über die Böschung hinab, als wollte er einen Abstieg suchen. Da krachte drüben ein Schuß hart, scharf dröhnend Müller fuhr mit beiden Händen nach dem Kopf, verlor das Gleichgewicht und fiel sich in der Luft überschlagend, dumpf und wuchtig hinab und blieb unten auf dem Rücken liegen. Aus feiner zerschmetterten Stirn riefelte helles, warmes Blut in den Sand und hinten quoll aus seinem Kopf die dampfende, warme Gehirnmasse.

Von drüben her ertönte ein wilder, gellender Freudenschrei, eine Sekunde lang zeigte sich der atjehische Krieger, indem er auf den Stein sprang und sein rauchendes Gewehr um den Kopf schwang, dann ver­schwand er mit mächtigem Satz in das Gebüsch.

Die Kompagnie war im Laufschritt herbeigeeilt, man gab eine Salve auf den Flüchtling ab, wohl sah man Blätter und Zweige in das Wasser fallen den Atjeher, der in seiner Weise sein Land vertheidigte, sah man nicht. Als man den Todten des Abends verscharrte, sagte der Baron zu seinem Freunde:

Wegen des Trunkes Wasser hätte er sich nicht auszusetzen brauchen, wir hätten wohl noch einen Augen­blick warten können; vielleicht hätte es, wenn die Kompagnie herangekommen wäre, einen anderengetroffen!"

Aus der Berliner Gewerbe-Ausstellung.

Aus Berlin wird geschrieben:

Bei dem bevorstehenden großen Fremdenverkehr in Berlin aus Anlaß der Gewerbe-Ausstellung wird es, wie durch die verschiedenen Welt-Ausstellungen in anderen Städten zur Genüge schon bewiesen, wohl unausbleiblich sein, daß in Hotels ganz übertriebene Preise verlangt werden, und daß der Fremde, besonders der Ausländer, der der deutschen Sprache nicht mächtig und mit den Berliner Verhältnissen unbekannt ist, überall sehr theuer bezahlen muß. Um nun die Fremden in jeder Weise vor Uebervortheilung jeglicher Art zu schützen und den­selben Gelegenheit zu geben, bei ermäßigten Preisen die Sehenswürdigkeiten Berlins und Umgegend in Augen­schein nehmen zu können, ist dieZentralstelle für den Berliner Fremden-Verkehr" aus Kreisen der Berliner Bürgerschaft in's Leben gerufen worden, ein Unternehmen, das sich seiner so großen Gemeinnützigkeit halber der Sympathien der maßgebendsten Kreise zu erfreuen hat. Zweck dieses Unternehmens ist es, den in Berlin an- kommenden Fremden, die sich an dieZentralstelle für den Berliner Fremden-Verkehr" gewandt haben, den Aufenthalt in Berlin zu verbilligen und zu erleichtern. Die Fremden werden schon auf dem Bahnhöfe durch Be­amte auf jedem Bahnhöfe in Berlin ist ein sogenanntes Auskunftsbureau errichtet empfangen und erhalten schon dort die erforderlichen Billets für Logis, Aus­stellung 2C. Um Besorgung seines Gepäcks hat sich der Fremde weiter nicht zu bekümmern. Ausländern wird fremdes Geld in deutsche Münze umgewechselt und stehen denselben sprachkundige Führer zur Verfügung. Kurz, der Fremde, welcher mit genanntem Bureau in Ver­bindung getreten, hat sich, sobald er den Berliner Bahnhof erreicht hat, um nichts mehr zu bekümmern. Durch Gruppenführer lokalkundige, gebildete Herren für Damengruppen sind gebildete Damen als Führerinnen genommen worden werden die Fremden in Berlin umhergeführt, sodaß sie die Sehenswürdigkeiten Berlins in der rationellsten Art kennen lernen. Auch die herrliche Umgebung Berlins, Potsdam, ist zur Besichtigung der königlichen Schlösser in's Auge gefaßt.

Die Fremden versammeln sich am ersten Tage nach ihrer Ankunft zum Beginn des Programms, das aus drei, fünf und acht Tage Aufenthalt berechnet ist, in den eleganten Räumen der Zentralstelle für den Berliner Fremden-Verkehr, Alexanderstraße 37.

Für 10 Mark pro Tag erhält der Klient der Zentral­stelle außer Logis, Verpflegung auch freie Fahrt durch Berlin und nach der Ausstellung, sowie Eintritt in dieselbe und deren Neben-Ausstellungen, wie Kairo, Alt- Berlin, Kolonial-Ausstellung, Kaiser-Dampfer ic.; ferner­hin hat er freien Besuch zu den hervorragendsten Sehens­würdigkeiten, wie Panorama, Aquarium, Panoptikum, Zoologischer Garten rc.

Verpflegt wird der Fremde von der Zentralstelle in den größeren Restaurants Berlins oder der Ausstellung. Für billiges Geld, und das ist wohl die Hauptsache, ist der Fremde von allen Sorgen um Logis, Verpflegung, Fahrten entlastet und weiß bestimmt, daß sein Aufenthalt ein lehr- und Vergnügungsreicher wird.

Wir verfehlen also nicht, unsere Leser, welche die Berliner Gewerbe-Ausstellung besuchen wollen, in ihrem eigensten Interesse auf die Zentralstelle für den Berliner Fremden Verkehr, Alexanderstraße 37, aufmerksam zu machen.

Vermischtes.

So viele Ausstellungen wie in diesem Sommer haben wohl noch nie zu gleicher Zeit stattgefunden. In folgender Lifte sind nur die bedeutendsten Ausstellungen au'gezählt. In Berlin ist seit 1. Mai die große Gewerbeausstellung, in Genf die schweizerische Landes­ausstellung eröffnet worden, in Barcelona gibt es eine Kunstindustrie-Ausstellung, deren Pforten bis Ende August offen bleiben. Die internationale Ausstellung in Brüssel, die Millenniumsausstellung in Pest, die schwedische Industrie-Ausstellung in Malmö, die bayerische Landes-Gewerbeausstellung in Nürnberg und die Kunst- unb Gewerbe-Ausstellung in Stockholm locken Fremde an. Damit aber noch nicht genug, wird es eine Papierindustrie-Ausstellung in Berlin geben, eine Lebensmittelausstellung in Danzig, eine Hygieine­ausstellung in Baden-Baden, eine internationale Gartenbauausstellung in Dresden, eine landwirthschaft­liche und elektrotechnische Ausstellung in Stuttgart, eine internationale nautische und Fischereiausstellung in Kiel, eine internationale Weinausstellung in Mainz. Zu diesen kommt nun noch eine Reihe kleinerer, aber ebenso interessanter Veranstaltungen, wie die Kongreßausstellung und die Kunstausstellung in Wien, die Ausstellung der Liebhaberkünste in Brünn, die sommerlichen Kunst­ausstellungen in München und Stuttgart, der Salon in Paris u. s. w., u. f. w.

Eine photographische Schnellleistung, wie sie in dieser Art in Deutschland noch nicht erreicht worden ist, hat Herr Albert Zander am Eröffnungstage der Berliner Gewerbeausstellung ausgeführt. Als der Kaiser um 11 Uhr 2 Minuten am Kaiserschisf deS Bremer Lloyd mit derAlexandra" anlegte, nahm Zander von der Anlegestelle des städtischen Steinhols aus ein Momcnlbfld. Mit der Platte eilte er in dir