Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerAttung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten tue kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Jg 35. Mittwoch, den 29. Weil 1896.

.........'<>*»«*>M»*^^M^Veis*^^

iWolhurmMt "^ dieSchlüchterner Zeitung" ^t |ltUUiiyi werden noch fortwährend von allen

- - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Amtliches.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, mir binnen 8 Tagen anzuzeigen, ob in ihrer Gemeinde seit 1893 eine neue Ortsviehversicherung gegründet ist, wer die Vorsteher sind und welche Mitglieder (einzeln beiNamen aufzuführen) demVerein sich angeschlossen haben.

Schlüchtern, den 25. April 1896.

Der Königliche Landrath: Roth, Geh. Reg.-Rath.

J.-Nr. 2953. Für den Auftrieb von Vieh zu dem am 30. d. Mts in Fulda stattfindenden Vichmarkte sind dieselben Vorschriften zur Verhütung der Verbreitung der Viehseuchen erlassen, wie für den am 9. d. Mts. daselbst stattgehabten Vieh- und Schafmarkt. (Vergleiche Bekanntmachung vom 4. Apr l d. I. Schlüchterer Zeitung Nr. 29.)

Schlüchtern, den 24. April 1896.

Der Königliche Landrath: i. V-: Goerz.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist dicsesmal auf seiner Reise nicht vom Wetter begünstigt. Wie in Karlsruhe, mußte auch in Eisenach des ungünstigen Wetters wegen ein Jagdausflug unterbleiben. Der Kaiser, der im August in Ungarn beim Erzherzog Friedrich jagen will, wird nach einer Pester Meldung vorher oder nachher die Milleniumsausstellung zu Budapest besuchen.

Vor drei Tagen sind, wie dieNational-Zeitung" von zuverlässiger Seite erfährt, aus Südwest-Afnka Nachrichten hier eingetroffen, wonach der Stamm der Kjauas-Hottentotten, welche im Süden des deutschen Schutzgebietes von Keetmanshop ansässig sind, ausständig geworden ist, daß aber die Hereros und die Stämme Witboy's bisher ruhig verblieben. Die Ablösung der Schutztruppe mit 160 Mann ist voraussichtlich bereits am Swalkop gelandet oder trifft doch in allernächster Zeit dort ein. Ebenso muß angenommen werden, daß Major Leutwein, dessen Vorsicht und Friedfertigkeit sich bereits mehrfach bewährt haben, die zur Entlassung kommenden Mannschaften, welche etwa 80 Mann betragen, vorläufig zurückbehält, so daß die Schutztruppe sich immer­hin aus 650 Mann belaufen wird. Die Gefahr liegt aber darin, daß die aufständische Bewegung auch die an Zahl sehr bedeutenden Hereros ergreift. Auch dieKöln. Ztg." berichtet uns von Kämpfen, in welchen 2 Offiziere und 6 Mann der Schutztruppe gefallen und ein Offizier verwundet sein sollen.

Dem Reichstagsabgeordneten Ahlwardt, der sich bekanntlich in Amerika aushält, ist ein Abstandsgeld an­geboten worden. An die Adresse desMr. H. Ahlwardt, Member of the German Reichstag" ging nämlich am Mittwoch Abend eineingeschriebener" Brief ab, wie ein solcher wohl schwerlich je an ein Parlamentsmitglied irgend eines Landes gerichtet sein dürfte. Nachdem sich die früheren begeisterten Anhänger Ahlwardts in langen Aus­führungen darüber beschwert haben, wie er seine Wähler im Kreise Friedberg-Arnswalde, die früher von einem selbst bei den politischen Gegnern hochgeachteten Manne vertreten gewesen seien, durch seine Handlungsweise dem Fluche der Lächerlichkeit preisgegeben habe, heißt es zum Schluß: daß in Anbetracht des ganzen Verhaltens Ahl­wardts mehrere wohlhabende Männer, die allen Ernstes der Sache ein Ende machen wollen, zu dem Entschlüsse gekommen sein, Ahlwardt den Vorschlag zu machen, er möge gegen eine Abstandssumme von 5000 Mark sein Mandat niederlegen. Nach Eintreffen der von einem Notar zu beglaubigenden Verzichtleistung und nach Ver­kündigung derselben im Reichstage werde die Summe sofort von einem Ncw-Uorker Bankfer ausgezahlt werden. Zu einer Erklärung über den Vorschlag ist eine Bedenk­zeit von 10 Tagen nach Eintreffen des Briefes in Amerika festgesetzt worden. Man darf gespannt sein, wie sich Ahlwardt einem solch'verlockenden" An­gebote gegenüber verhalten wird.

Barmen, 22. April. Für die aufgehobene Vorschule des hiesigen Gymnasiums ist in eigenthümlicher Art Ersatz geschaffen worden. DerBarm. Ztg." zufolge wird mit Erlaubniß des Regierungspräsidenten zu Düsseldorf die

Privat Töchterschule zu Barmen von nun an in die beiden untersten Klassen auch Knaben aufnehmen zur Vorbereitung für die Sexta höherer Knabenschulen. Also Knaben in der Töchterschule! nur damit nicht die Kinder der Geldaristokratie mit armen Schulkindern denselben Unterricht genießen. Das wäre ja auch gar zu schrecklich!

Halle. Die Landwirthschaftskammer der Provinz Sachsen hat zu ihrem Generalsekretär den Landesökonomie­rath von Mendel-Steinfels in Halle bestellt und hat das Gehalt desselben auf jährlich 15,000 Mk. festgesetzt.

Pillkallen, 19. April. NachVerbüßung einer 40jährigen Zuchthausstrafe starb in der letzten Woche der ehe­malige Besitzer Möser aus Neudorf in der Strafanstalt zu Jnsterburg. Um sich einen Vermögensvortheil zu verschaffen, hatte er in Gemeinschaft mit seiner Ehefrau die Allsitzerin des Grundstückes vergiftet, wofür beide zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt worden. In Folge mustergültiger Führung ist noch kurz vor dem Tode des Zuchthäuslers ein vom Direktor der Anstalt befürwortetes Begnadigungsgesuch an den Kaiser gerichtet worden, so daß sich vielleicht die Frau an ihrem Lebens­abende der Freiheit zu erfreuen haben wird.

Wittcn, 22. April. Ein Massenaustritt aus der Landeskirche, wie ihn wohl noch keine Gemeinde erlebt haben dürfte, ist hier gestern durch Einreichung der Listen bei Gericht erklärt worden. Auf den Listen haben sich so viele Personen eingezeichnet, daß die Seelenzahl der neu zu bildenden Gemeinde sich auf 67000 belaufen wird. Es soll danach gestrebt werden, für die neue Ge­meinde die staatliche Anerkennung zu erhalten, damit Pfarrer Birkenhof, um dessentwillen ja bekanntlich der Austritt erfolgt, weil die Austretenden nicht von ihm lassen wollen, alle Funktionen eines Pastors versehen könne. Pastor Birkenhoff hat befenitio zugesagt, das neue Pfarramt zu übernehmen.

Ausland.

Rom, 25. April. In der Kaserne in Palermo be­gann heute ein Soldat plötzlich gegen die O filiere sowie den Oberst zu feuern. Er gab zwanzig Schüsse ab. Der Soldat weigerte sich, sich zu ergeben, und würd, durch fünf Schüsse seiner Kameraden schwerverwunde! niedergcstreckl.

Südafrika. Die Situtation im Matabele-Land in Südanika wird äußerst kritisch. Die Stadt Buluwayo ist von Tausenden von Schwarzen umgeben, die tele­graphische Verbindung ist gestört. Wenn es hier zu einem großen Massacre der Weißen kommt, wird die hartnäckige Weigerung der Londoner Regierung, die Hilfe der benachbarten Boeren anzunehmen, die Schuld daran tragen.

In Transvaal wächst die Erregung über die Zu- sammenzuhuug englischer Truppen, die wegen des Mata- bcle-Anfftandes vor sich geht. 1500 bis 2000 Buren, welche eine Kanonemilsich führen, haben sich Meilen Mafeking gesammelt, angeblich um die Ausbreitung der Viehseuche zu verhindern, thatsächlich jedoch weil aufGrund der Truppen Zusammenziehungen in Mafeking ein neuer E t[all befürchtet wird.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 28. April.

* Ein nasser Sommer wird von dem Wetter- kundigen derTägl. Rundschau", Herrn Habenicht in Gotha, vorausgesagt. Derselbe schreibt:Der Sommer dürite sich, wie die meisten seiner Vorfahren, vorwiegend, aber nicht ungewöhnlich kühl und regnerisch gestalten, erst im Spätsommer ober im Herbst dürfte der Eintritt einer längeren Schönwetterperiode zu erwarten sein." Herrn Habenichts Voraussagungen basiren auf den Be­obachtungen der Eisverhältnisse im Ocean und den nordischen Meeren.

* Unsere Obstzüchter sind voll freubiger Hoffnung auf ein bevorstehendes äußerst günstiges Obstjahr, indem die Bäume über und über Tragknospen zeigen. Da nun infolge der winterlichen April-Witterung dieses Jahres die Baumblüthe in einen und nicht, wie häufig, in zwei Monate fallen wird, so befestigt sich diese Hoffnung mehr und mehr.

* Ueber den Leberthran, das bekannteste und gebräuchlichste Volksheilmittel, wird Folgendes berichtet: Der Dorsch hat in diesem Jahre nur ungefähr '/s des vorjährigen, auch nur kleinen Ertrages von Leberthran

geliefert. Die Preise für den Thran gingen in Folge dessen rapide in die Höhe und haben sich jetzt bereits verdoppelt. Weitere Preissteigerungen sind unausbleiblich.

Der von der Königl. Landwirthschaftskammer ge­bildete Vereinsausschuß, welcher etwa dieselben Obliegen­heiten und Pflichten wie das bisherige Direktorium des landwirthschasilichen Centralvercins ausüben hat, besteht aus 12 Herren: Major a. D. Rittergutsbesitzer von der Malsburg-Eichenberg, Rittergutsbesitzer Caron-Ellenbach, Rittergutsbesitzer Slaudinger-Viermünden, Bürgermeister Bopp-Klein-Seelheim, Gutsbesitzer Rodrian-Hühnerhof (Kreis Gelnhausen,) Domänenpächter Obcramtmann Vaupel Niederhone, Gutsbesitzer Mertens-Sieberhausen (Kreis Wolfhagen), Gutsbesitzer Klingebiel-Böckels (Kreis Fulda), Gutsbesitzer Hoßbach-Weißenborn (Kreis Hers­feld), Gutsbesitzer Schüßler-Sandberg (Kreis Gersfeld,) Gutsbesitzer Pfannsticl-Wcidebrunn (Kreis Schmalkalden), und Gutsbesitzer Pauli-Torfbach (Kreis Marburg). Dem Ausschuß für Genossenschaftswesen gehören die folgenden 7 Herren an: Verbandsanwall Rexerodt-Cassel, Landrath Geh. Reg.-Rath Roth-Schlüchtern, Gutsbesitzer Neutze - Großenenglis, Bürgermeister Pitz-Schönstadt, Ockonom Jung-Hanau, Gutsbesitzer Beckcdorff (Kreis Rintcln) und Domänenpächter Hilgenberg-Grebenstein.

Orb, 22. April. Vor mehreren Jahren hatte sich hier einlandwirthschaftlicher Verein" gegründet, der Anfangs mehr als 150 Mitglieder zählte. Der Verein hatte sich u. A. die Aufgabe gestellt, durch gemeinsamen Bezug von Futter- und Düngemitteln seinen Mitgliedern gute Waare zu mäßigem Preise zu verschaffen. Nachdem nun seit einigen Jahren keine Versammlung des Vereins mehr abgehalten worden war, fand am Sonntag eilte Generalversammlung statt, zu der sich etwa ein halbes Hundert Mitglieder eingefunden, Es wurde beschlossen, die nicht erhobenen Beiträge der Mitglieder soweit nach- zuerheben, als es zur Deckung eines kleinen Defizits nöthig ist, das Inventar des Vereins zu verkaufen und den Verein aufzulösen.

Brückenau, 23. April. Seine Excellenz Staatssekretär Tr. von Stephan traf gestern von Verona über Jossa zur Auerhahnjagd hier ein und nahm im HotelZur Post" (Reinwald) wie gewöhnlich Wohnung. Herr Post­halter Neinwald war ihm bis Gemünden entgegengefahren.

Herr Dr. Schloth aus Fladungen, der die neuerbaute Villa Wolfs" käuflich erworben, hat von der Gemeinde Wernarz eine Quelle gratis erhalten mit der Auflage, daß das ganze Villenviertel mit Wasser versehen werde. Hierdurch wird einem längst gefühlten Bedürfniß abge­holfen und frischer Muth zum Bau neuer Logirhäuser geschaffen.

Schlitz, 26. April. Wie in früheren Jahren, so ge­nießt auch dieses Frühjahr unser Städtchen wieder die hohe Ehre, für einige Tage Sr. Majestät dem Kaiser zum Aufenthalt dienen zu dürfen. Gestern nachmittag gegen 6 Uhr traf der hohe Gast der gräflich Görtz'schen Familie von Salzschlirf kommend, per Wagen in Schlitz ein, das ein reiches Festgewand angelegt hatte. Die hiesige Einwohnerschaft erwartete den Monarchen und bereitete ihm einen begeisterten Empfang. Graf Görtz hatte den Kaiser selbst in Salzschlirf abgeholt; wie immer wohnt Sc. Majestät in dcm gräflichen SchlosseHallen- burg". Das gräfliche Schloß ist im großen Bogen durch nahezu 20 gräfliche Förster und Jäger abgesperrt, ferner sind während der Dauer des Aufenthaltes des Kaisers mehrere auswärtige Gendarmen nach hier kommandiert. Wie wir hören, wird der Monarch die Auerhahnjagd hier nicht ausüben, sein Aufenthalt hierselbst soll nur der Erholung gewidmet sein. Die Abreise von hier erfolgt Dienstag abend gegen 9 Uhr.

Ober-Roden, 21. April. Im Vorjahr mußte bei einem in Aller von 14 Jahren verstorbenen Kinde dahier gerichtliche Sektion vorgenommen werden, weil man ver­muthete, daß der Tod durch Verabreichung von Ab­kochungen aus Mohnköpfen veranlaßt sei. Thatsächlich wurde in der Leiche Opium nachgewiesen, welches den Tod des Kindes zur Folge halte. Das KreisgesundheitS- amt zu Dieburg kommt neuerdings in seinem Jahres­berichte pro 1895 auf diesen Fall zurück und bezeichnet den Gebrauch, Kindern zur Herbeiführung des Schlafes Mohnabsude einzugeben, als eine an das Berbrecherische grenzende Unsitte, durch welche unsägliches Unglück, Siechthum und Tod hervor­gerufen werden kann. Da diese Unsitte auch anderwärts