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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 33. Mittwoch, den 22. April 1896.

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NoKollll^a^ °uf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ---- -..... = Postanstalten und Landbriefträgern owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat in Folge der ungünstigen Witterung die Auerhahnjagd in Kaltenbrunn aufgegeben, ebenso die Fahrt zum Offiziersrennen. Die Kaiserin hat sich in Plön nach Besichtigung des Kadettenhauses die Kadetten vorstellen lassen, welche mit den Prinzen zusammen erzogen werden sollen. Die Kaiserin Friedrich hat sich zum Besuche ihrer Mutter, der Königin Viktoria, von Genua aus nach Villafrunca begcben. Prinz Heinrich ist nach England gereist, um dort seine neu­erbaute Aacht zu übernehmen.

Der Reichstag hat am Donnerstag seine Thätigkeit nach den Osterferien mit der 2. Berathung der Vorlage belr. die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs aus­genommen. Nach langer Debatte wurde der durch Anträge Roeren und Bassermann abgcändertc § 1 angenommen. Im ersten Absatz wurde namentlich die Generalklausel, daß Annoncen über geschäftliche Verhältnisse überhaupt event, verfolgbar sein sollen, stark bekämpft. Auf Antrag des Abg. Roeren wurde der die Presse betr. Absatz dahin abgeändert, daß die Redakteure, Verleger, Drucker oder Verbreiter einer Annonce haftbar sein sollen, wenn sie die Unrichtigkeit in den Angaben der Annonce kannten. Endlich wurde auf Antrag des Abg. Bassermann (nl.) -dem § 1 nachfolgender 5. Absatz hinzugefügt: Die Ver­wendung von Namen, welche nach dem Handelsgebrauch zur Benennung gewisser Waaren dienen, ohne deren Herkunft bezeichnen zu sollen, fällt unter vorstehende Bestimmungen nicht. (Man kann also nach wie vor Jauersche und Frankfurter Würste, die nicht aus Jarler oder Frankfurt kommen, verkaufen.) Endlich wurde nach längerer Debatte, nach debatteloser Annahme der §§ 2 -4, § 5 angenommen, wonach der Bundesrath anordnen kann, daß bestimmte Waaren im Einzelverkehr nur in vor­geschriebenen Einheiten der Zahl, der Länge und des Gewichts feil gehalten werden dürfen. Die §§ 68 wurden angenommen und die Weiterberathung auf Freitag vertagt.

Stuttgart, 15. April. Die streikenden Zimmerleute hier stehen vor einer auch sür die übrigen Bauarbeiter wichtigen Entscheidung. Der Baugewerkverein, dem die Meister aller in das Baugewerbe cinschlagenden Arbeiten angehören, hat nämlich nach eingehender Berathung ein- müthig beschlossen, am nächsten Sonnabend sämmtliche Baubetriebe im inneren und äußeren Stadtgebiet voll ständig zu schließen und alle Arbeiter zu entlassen, falls die Zimmergesellen, die seit dem 7. d. M. streiken, ihre Arbeit bis dahin nicht wieder ausgenommen haben. Zu bemerken ist, daß die Meister der Zimmerleute die ver­langte zehnstündige Arbeitszeit und die hierdurch be­dingte Lohnerhöhung bewilligten, und daß die Zimmer­leute nur deshalb weiter streiken, weil die Meister die sogenannteLohnkommission" nicht anerkennen und sich entschieden weigern, statt direkt mit ihren Zimmerleuten mit Leuten ganz anderer Berufsarten" die Differenzen zu erledigen.

Bückeburg, 18. April. Der Direktor der Nieder- sächsischen Bank hier, Namens Lindner, hat im Laufe von elf Jahren rund 2,600,000 Mark veruntreut. Es ist festgestellt, daß der Verlust am Kassenbestand 236,000, am Effektenkonto 540,000, am Lombarlkonto 450,000 und der Fehlbetrag an Depots 375,000 Mark beträgt. Auf gefälschte Kanten kommt ein Verlust von über einer Million Mark. Außerdem sind auf unsichere Konten 572,000 M. abzuschreiben. Lindner, der als Direktor seit mindestens elf Jahren eine wüste und wilde Spekulation trieb, hat Effekten der Niedersächsischen Bank entwendet und dieselben bei andern Bankhäusern als Privatdcpots zur Deckung für seine Privatspekulationen hinterlegt. So machte er mit dem Bankhause Jean Fränkel in Berlin seit 1885 für 76 Millionen Mark Geschäfte; davon allein im Jahre 1895 für 27 Millionen Mark reine Differenzgeschäfte. Lindner nahm niemals ein Stück effektiv ab, er spielte fortgesetzt unsinnig und mit Verlust Das Vertrauen, welches der jetzt Verhaftete allseitig genoß, und die geschickte Verschleierung der Defekte er­leichterten es ihm, seine Unterschlagungen der Kontrole des Aufsichtsrathes zu entziehen.

Aus Dortmund wird geschrieben: Ungemün roh

Ausland.

England.News" undTelegraph" erfahren aus angeblich guter Quelle, die Regierung werde im Herbst ein Corps von 10 000 britischen Soldaten nach Egyten senden zwecks Wiedereroberung des Sudans. Der bekannte Finanzier Regan erhielt ein Kabeltelegramm aus Rhodesia, nach welchem sich 15,000 Matabele zu­sammen ziehen gegen Bulawayo; der Proviant reicht auf zwanzig Tage, die Bewaffnung ist unzureichend, die britischen Truppen werden zu spät kommen. Man dringt auf Annahme von Boerenhilfe.

Madrid, 18. April. Die Regierung ist entschlossen, endlich den Antillen eine Selbstverwaltung zu gewähren. Die Einführung der bezüglichen Reformen wird Anfangs Juni auf Pucrio Rico, Anfangs Juli auf Cuba erfolgen. Dieser unerwartete Frontwechsel befremdet. Er wird auf den Einfluß der Washingtoner Regierung zurücke führt.

sind viele der Polen, die sich in hiesiger Gegend in großer Zahl festgesetzt haben. Bei den Schlägereien und Messerstechereien sind sie stets an der Spitze. In dem benachbarten Eviug haben am zweiten Ostcrtage zwei Polen, die Gebrüder Jerzinowski, ihren Lands­mann Dolka zu Tode gemartert. Sie haben ihn so lange geschlagen und gestochen, bis er unter den Händen seiner Mörder seinen Geist aufgab. Die Thäter sind verhaftet.

Koblenz, 14. April. Der Musketier Klaber vom Jnf.-Regimcnt 68 wurde durch kriegsgerichtliches Urtheil vom 25. Februar, bestätigt durch den Kaiser am 4. d. M. wegen Straßenraubes und Tödtung zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, Entfernung aus dem Heere und wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu einem weiteren Jahre Zuchthaus verurtheilt.

Aus dem Elsaß. Bemerkenswerthe Maßnahmen gegen den Wucher werden neuerdings in Elsaß-Lothringen getroffen zum Schutze der Landbevölkerung. So lassen einzelne landwirthschaftliche Kreisvereine ihren Mitgliedern Rechtsschutz angedeihen und suchen sie insbesondere beim Btehverkauf gegen Uebervortheilungen zu schützen. Sie übernehmen für ihre Mitglieder unter bestimmten Voraus­setzungen die kostenlose Führung von Prozessen und lassen ihren Mitgliedern in geeigneten Fällen auch unentgeltliche Belehrungen über Rechtsfragen landwirthschaftlichen Cha­rakters durch einen Rechtsanwalt ertheilen. Außerdem sind auf den Bürgermeisterämtern Formulare für den schriftlichen Abschluß von Viehkäufen und Verkäufen niedergelegt, die den Landwirthen unentgeltlich zur Ver­fügung gestellt werden. Schließlich werden die Vereins- mitglicder eingehend über die Haftpflicht des Verkäufers beim Kauf und Tausch von Hausthieren belehrt. Diese Maßnahmen sollen sich gut bewährt und ihren Zweck erfüllt haben.

Im Polizeiarrest in Saarburg ist ein dort inhaflirter Musikant vor Hunger gestorben. Der Betreffende war vor acht Tagen in betrunkenem Zustande in den Arrest verbracht. Der Polizist, der die Verhaftung vornahm, vergaß den Mann. Am 12. d. M. wurde er todt, vor Hunger gestorben, im Arrestlokal ausgefunden. Der Polizist wurde verhaftet.

Roßla (Kyffhäuser), 16. April. Gestern sind die größten Theile der Kolossalfigur Kaiser Wilhelms I. für das Kyffhäuserdenkinal vom Bahnhof Roßla auf Wagen verladen nach dem Kyffhänser übergeführt. Das Reiter­standbild, in Kupfer getrieben, aus der Werkstatt des Künstlers Seitz hervorgegangen, wiegt rund 270 Centner und konnte wegen seines großen Umfanges nur in ein­zelnen Stücken an seinen Bestimmungsort gebracht werden, wo diese Stücke von Münchener Monteuren mittelst großer Krahnen zusammengestellt, vernietet und auf ihre Unterlage befestigt werden. Nach den Dispositionen des Denkmalsausschusses und der Leitung des deutschen Kriegerbundes sollen am 17. Juni die Vorstände und Ehrengäste für die Denkmalseinweihung in Roßla ein- treffen. In der Nacht vom 17. zum 18. Juni bringen in kurzen Zwischenräumen Extrazüge aus allen Theilen Deutschlands circa 9000 Abgeordnete der deutschen Kriegervereine nach Station Roßla. In Roßla selbst, für dessen würdige Ausschmückung vorläufig 1500 Mark seitens der Gemeindevertretung bewilligt sind, werden großartige Einrichtungen getroffen, um diese große Zahl schnell und ausreichend zu bewirthen.

Haynau, 16. April. In Siegersdorf machte der Orts g ei stli ch e durch Erschießen seinem Leben ein Ende.

Eine unheimliche Sendung ist in Neapel verladen worden. Es sind dies dreihundert Gummibeine für jene unglücklichen Soldaten, welche nach der Schlacht bei Adua vom Feinde verstümmelt worden sind. Wie schon mehrfach erwähnt, pflegen die Abessinier alle Schmerzen, welche im Dienste der Italiener gegen den Negus fechten, auf entsetzliche Weise zu bestrafen, indem sie ihnen mit einem Beil oberhalb der Kniee das Bein abhacken und die Verstümmelten dann aus dem Lager jagen, wo die meisten sich dann verbluten. Anscheinend hat man dic-mal auch viele Weiße auf dieselbe und auch auf noch schlimmere, nicht wiederzugebende Weise gepeinigt. Wie das BlattKapitale" behauptet, handelte es sich sogar um nahezu Tausend Verstümmelungen, welche der Negus vor seinem Abzüge nach dem Süden an all' den Gefangenen hätte vollziehen lassen, welche krankheitshalber als Sklaven nicht verkäuflich sind. Das erwähnte Blatt will wissen, daß auch ein Theil der Aermsten durch fanatische Schoanerinnen verstümmelt worden wäre. General Baldissera hat telegraphisch die schleunige Ent­sendung von Ortopaden verlangt, welche im Feldlager die Verunstalteten mit neuen künstlichen Glied maßen versehen sollen. Der Spezialist Dr. Jnvernizzi befindet bereits auf dem Wege nach Massauah. Gleichzeitig wurden in Rom, in Mailand und auch in Paris und Berlin zahlreiche Kunstbeine bestellt mit beschleunigter Lieferfrist, welche nach Erythräa geschickt werden sollen. Danach zu urtheilen, ist an der Richtigkeit jener Meldung des genannten Blattes kaum noch zu zweifeln. Die Gerüchte, der Negus sei ein großmüthiger, zivilisirter Herr, sind schon längst in das Gebiet der Märchen verwiesen worden.

China. Der geheime Vertrag zwischen Rußland und China ist von der ZeitungNorth China Daily News" in Shangai im Wortlaut veröffentlicht worden: In dem Vertrag heißt es unter anderem, China werde das Aeußerste aufbieten, um Rußland in jeder Weise beizu- stehen, falls es mit irgend einer asiatischen Macht Schwierigkeiten haben sollte. Zu diesem Zweck gestattet China Rußland irgend welche Häfen längs seinen (Chinas) Küsten zu irgend einer Zeit zum Ein- und Auslaufen zu benutzen, um in diesen seine Flotte zu mobilisiren oder zu Ausbesserungen, Ergänzung des Kohlenbedarfs u. s. w. Sollte für Rußland eine ernste Gefahr bestehen, so gestattet China, daß Rußland im Geheimen seine erforderlichen Kräfte in China rekrutirt, daß Rußland Pferde ankauft, Kulies anwirbt rc. Sollte China seinerseits mit anderen Mächten irgend welche Schwierigkeiten haben, wird Rußland streben, diese Schwierigkeiten beizulegen; falls aber diese guten Dienste keinen Erfolg haben sollten, ist Rußland verpflichtet, China vor anderen Mächten Hilfe zu leisten, und dadurch die zwischen den beiden Mächten bestende Allianz noch fester zu knüpfen.Bei diesem Vertrag hat China den Kürzeren gezogen und seine Unabhängigkeit fast völlig eingebüßt.

Lokales und Provinzielles. Schlüchtern, 21. April.

* Mit dem am 1. Mai in Kraft tretenden neuen Fahrplan treten in Wirksamkeit: Neue Züge und An­schlüsse. Züge 3a Frankfurt ab 9.20, Bebra an 12.35 und 4n Bebra ab 4.34, Frankfurt an 7.50 vom 15. Juni bis 15. Sept. Wesentliche Zugänoerungen rc. insbes. Früherlegungen. Zug 4 Bebra ab 4.52 (wie bisher), Frankfurt an 8.02 (bisher 8.10) erhält in Frankfurt Anschluß nach Heidelberg u.s.w. Zug 62 Hanau ab 4.33, Frankfurt an 5.15 verkehrt an Werktagen 20 Min. später. Zug 39 Fulda ab 4.50 (bisher 5 25), Bebra an 6.49 (bisher 6 57.) Zug O.-W. 10 Frankfurt ab 3.09 (bisher 2.52), Hanau an 3.34 (bisher 3.17).

* Von der landwirthschafil. Kreiskommission für den Kreis Schlüchtern wurde in ihrer letzten Sitzung u. a. die Errichtung einer Versuchs- und Lehrwirthschaft für Bauernsöhne, verbunden mit Haushaltungsschulc für Bauerntöchter, beschlossen; ferner soll in Elm versuchs­weise ein Elektrizitätswerk für Beleuchtung und Kraft­betrieb eingerichtet werden. Die Kosten dieser Einrichtungen sollen theils vom Centralverein in Cassel, theils vom Kreise getragen werden.

* Am letzten Samstag traf auf der hiesigen Beschälstation ein dunkelbrauner Zjähriger Belgierhengst 1. Klasse ein als Ersatz für den neulich verendeten.

* Eine wichtige Entscheidung für Radfahrer, die das Rad vorwiegend als Beförderungsmittel im Gewerbebetrieb benutzen", hat das ReichsversicherungS-