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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Samstag, den 18. April

1896

^ftidhtMA8>tt auf bie "Schlüchterner Zeitung» werden noch fortwährend von allen - -^ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

nahmslos mit einem Defizit abschlossen, gesellt sich nun auch die deutsch-nordische Ausstellung in Lübeck. Der Fehlbetrag beträgt rund 400,000 Mark nach den vor­läufigen Feststellungen. Die Garantiefondszeicher sind aufgefordert, den gezeichneten Betrag einstweilen voll einzuzahlen.

Zum Duell Schrader-Kotze schreibt dieNat.Ztg." u. a.:Der Zeremonienmeister-Skandal, der läppisch begann, hat tragisch geendet, und nicht bloß tragisch, sondern verbrecherisch auch in einem weiteren Sinne, als in dem der gegen das Duell gerichteten Bestimmungen des Strafgesetzbuches. Nach den Vorbereitungen zu diesem Zweikampf, über welche unerhörter Weise, in offener Verhöhnung der Gesetze und der zur Ansrecht- erhaltung derselben berufenen Behörden, in der Presse öfter berichtet worden war, ist kein Zweifel daran möglich, daß der Zeremonienmeister von Kotze seinen Gegner tödten wollte. Und diese Thatsache, daß nichts geschehen ist, um die gewissenmaßen öffentlich vorbereitete Tödtung eines Menschen zu verhindern, daß sogar monatelang öffentlich erörterte Verhandlungen von Ehrengerichten stattfanden, deren Entscheidung, wie allgemein bekannt war, für die Möglichkeit oder Unmöglichkeit dieses Duells maßgebend werden mußte, dies alles hebt den Zweikampf Schrader-Kotze aus der neuerdings immer größer gewordenen Anzahl der Duelle heraus; es hat eine hochgradige Entrüstung und Erregung auch in Kreisen hervorgerufen, in denen man im allgemeinen das Duell bisher als eine traditionelle Unsitte, deren Beseitigung nur von der Zeit erwartet werden könnte, mit einer gewissen Gelassenheit betrachtete. Und diese Stimmung des Zornes und des Abscheues ist durch den ganzen Verlauf der Angelegenheit nur zu sehr begründet." Auf den Verlauf des Prozesses gegen den Freiherrn von Kotze kann man gespannt sein. Letzterer hat sich mit seiner Familie nach dem Süden begeben.

. Ziemlich allgemein wird verlangt, daß der Reichstag nach seinem Wiederzusammentritt der öffent­lichen Stimmung Ausdruck gebe, daß von Oben her gegen das Umsichgreifen der Duelle im Offizierkorps eingeschritten werde und daß die Gerichte fortan die erforderliche Strenge walten lassen.

Ein neuer Konkurs-Schwindel ist in Berlin auf­gedeckt worden. In der Gegend des Neuen Marktes in Berlin bestand, wie derConf." erzählt, eine Firma, die bis vor ganz kurzer Zeit noch große Posten Waaren einkaufte und dann Pleite machte. Die Bücher waren ordnungsmäßig zur Konkurs-Anmeldung Dorbereitct. Aber wie geschah diese Anmeldung? Der Schuldner meldete sich hier aus seiner Wohnung ab, miethete sich in einem Boro rte eine Stube für 10 Mk. den Monat und meldete dann beim Amtsgericht einer Stadt des Bornimer Kreises den Konkurs an. Die Anzeige des Amtsgerichts lautet: Konkurs ist eröffnet über das Vermögen des Kaufmanns X. 3- Z- in Bernau, Fried­richshagen, Erkner, oder sonst wo in der Umgegend von Berlin. Diejenigen Firmen, die mit dem Manne zu thun haben und eine Aufforderung zur Anmeldung ihrer Forderung bekommen, melden diese nicht einmal an, da sie die Firma gar nicht kennen. Der Kniff ist sehr fein ausgedacht; kein Mensch kennt den Namen dieses Ehren­mannes dort, er streut allen Leuten Sand in die Augen und bleibt in Benin immer noch der alte ehrliche Mann vom Neuen Markt, der er gewesen ist. Niemand weiß hier, daß er fallirt hat.

Koburg. Ein Erbprinz mit einem Handkorbe auf dem Wochenmarkte ist doch etwas Seltenes heute, ist aber nach demKob. Tgbl." in Koburg thatsächlich vor- gekommen, wo die Prinzessin von Sachsen-Koburg in Begleitung einer Hofdame auf dem Markte allerlei ein« kauften während der Erbprinz, ihr Bruder, die getauften Gegenstände in einem Handkorbe davontrug. Der Bürgermeister Seidel von Neustadt bei Koburg wurde von der Strafkammer wegen Anstiftung zur Unter­schlagung amtlicher Gelder in mehr als 48 Fällen und gewerbsmäßiger Hehlerei, sowie wegen falscher Be- urkuug von Standesamtsfällen zu einer Gesammtstrafe von 4'/» Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre verurtheilt. Seidel hatte sich von seinem Stadtschreiber nach und nach 2200 Mk. Gasgelter geben und ihn auch die Beurkundung im Standesregister ausführen lassen. Der Schreiber erhielt für Unterschlagung und Beihilfe zur falschen Beurkundung neun Monate Gefängniß. i

Teutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar ist mit den beiden ältesten Prinzen am 14. d. in bestem Wohlsein in Wien cinge- troffen, von wo die Kaiserin mit den beiden Prinzen nach der Galaoper die Reise nach Berlin fortgesetzt und hier Donnerstag um 12 Uhr 40 Min. auf dem Bahnhof Friedrichstraße eingetroffen ist. Es steht nunmehrfest, daß der Kaiser am Samstag, den 25. April, im Gräflichen Schlosse zu Schlitz eintreffen und bis znm Abend des 28. daselbst verweilen wird.

Von einer königlichen Kabinetsordre, die um die Mitte des vorigen Monats ergangen sei und beweise, wie von der höchsten Stelle stets mit Ernst und Eifer darauf Bedacht genommen werde, die innere Tüchtigkeit der Armee zu bekräftigen, weiß der H. Corr. zu berichten. Er meldet:Mehrfache kriegsgerichtliche Vcrurtheilungcn wegen unrichtiger Berichterstattung und falscher Ein­tragungen in die Listen beim Schießen und bei Dauer- ritten haben dem Kaiser Anlaß gegeben, derartige Mani­pulationen arrs Schärfste zu verdammen und mit un­nachsichtiger Bestrafung und Dienstentlassung zu bedrohen, gleichgiltig ob die Fälschung zum eigenen Vortheil be­gangen worden ist oder in der Absicht, die Leistungen einer Truppe in vortheilhafterem Lichte als die einer anderen erscheinen zu lassen." In manchen Kreisen wird die bedauerliche Erscheinung, auf die die Kabinets­ordre Bezug nimmt, auf die große Menge von Prämien undAuszeichnungen zurückgeführt, mit denen jetztLeistungcn belohnt werden, die früher als selbstverständlich galten.

Aus dem ostafrikanischen Schutzgebiet ist bei der Reichsregierung eine Probe von mehreren Sack Weizen eingetroffen, die in Tabora, etwa 600 Kilometer von Dar-es-Salaam, im Innern des Landes geerntet. Die Regierung hat von dieser Probe etwa 67 Centner zur Vermahlung übergeben. Das Mahlresultat soll sehr günstig gewesen sein und das Mehl in den nächsten Tagen zur Probeverbackung kommen. Die Untersuchungen in der Landwirthschaftlichen Hochschule haben einen starken Klebergehalt der Waare ergeben.

Neues Papiergeld. In nächster Zeit werden Noten der Reichsbank zu 1000 und 100 Mark zur Ausgabe gelangen, welche Dom 10. April 1896 datirt sind. Die Noten zu 100 Mark gleichen in der Haupt­sache völlig den früher beschriebenen. Die Noten zu 1000 Mark weisen dagegen noch folgende Unterscheidungs­merkmale von den zuletzt ausgegebenen aus: 1. Das Guillochemuster erstreckt sich in völlig gleichmäßiger Weise über die ganze Schauseite, sodaß die ellipsenförmige Unterbrechung, in welcher bisher die Unterschriften standen wegfällt; 2. der Unterdruck-Adler zeigt eine neue, heraldisch richligcreGestalt;3.der bräunlicheFarbenton lst ein dunklerer.

Dem Bundesrathe ist seitens des Reichskanzlers eine Vorlage gemacht worden über den Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb der Buchdruckereien und Schriftgießereien. Die Bekanntmachung nimmt Bezug auf den §. 120e der Gewerbeordnung und betrifft die Lage, Höhe und Beschaffenheit der Räume, den Mindestumfang des Luftraums für jede in den Räumen beschäftigte Person, die Beschaffenheit der Fußböden, den Anstrich der Wände und Decken, die Beschaffenheit der Sctzerpulte und Regale, die Lüftung und Reinigung, das Ausspucken, die Wascheinrichtungen, die abgelegten Kleidungsstücke, die Beleuchtungseinrichtungen rc..

Der Plan, einen gesetzlichen Ladenschluß um 8 Uhr Abends herbeizusühren, hat bei einem in Berlin abgehaltenen Congreß sozialdemokratischer Handlungs­gehilfen aus ganz Deutschland Zustimmung gefunden. Die Ladeninhabcr dagegen verwerfen nach wie vor ent­schieden einen derartigen gesetzlichen Eingriff.

Das Geschenk des Kaisers an die Stadt Berlin, die Errichtung von Denkmälern in der Siegesallee, geht seiner Ausführung entgegen. Ein großer Theil der 32 Standbilder ist bereits in Auftrag gegeben, und mit der Herrichtung der Plätze ist begonnen worden.

Die Eröffnung der Berliner Gewerbeausstellung wird, wie nunmehr feststeht, am 1. Mai durch den Kaiser und die Kaiserin persönlich erfolgen. Zu den zahlreichen Ausstellungen der letzten Jahre, die fast aus­

Magdeburg. Wegen Vergehens gegen das Nahrungs- mittelgesetz und Betrugs hatten sich kürzlich vor dem Gerichtshöfe in Magdeburg der Viehschaffner Karl Wendt aus Schöneberg bei Berlin und der Viehtreiber August Jboralski aus Köpenick zu verantworten. Am 20. September v. Js. halten beide von ihrem Chef Peter Kobitz zu Rummelsburg 500 Stück Gänse zum Verkauf übergeben erhalten. In Wolmirstedt, wohin sie gefahren waren, nahmen sie Quartier in dem Gasthof Zur Sonne". Die Hühner des Wirths hatten angeblich die Geflügelcholera, und als die Angeklagen in den Hof trieben, lagen mehrere tobt am Boden. Trotz­dem brachten sie ihre Gänse dort in einen Stall, in dem am anderen Tage etwa 50 Stück todt lagen und blau­schwarz aussahen. Die Angeklagten wollen, als sie 100 Stück zum Verkauf herausließen, die Todten nicht bemerkt haben. Von den 100 Stück verkauften sie 21 Stück im Einzelnen in Wolmirstedt und 79 an einen Gerbereibesitzer für 177,50 Mk. Dann- zogen die Gäuschändlcr mit dem Rest ab und tauchten am 23. September in Neuhaldensleben wieder auf, wo sie den Rest von 40 Stück für 40 Mark an einen Pferde- schlüchter verkauften und 3 Stück verschenkten. Aus der Beweisaufnahme geht hervor, daß die Hühner des Wirthes in Wolmirstedt die Cholera erst bekommen haben, als die Angeklagten dort gewesen waren; die 15 etwas lahmen Gänse, die der Wirth für 5 M. getauft, uub die eine, die der Hansknecht geschenkt erhalten hatte, ftarben sämmtlich in einigen Tagen, und von ihnen eingesteckt auch etwa 30 Hühner. Die 79 Thiere des Gerberei- besitzers crepirten bis auf drei Stück innerhalb dreier Tage und mit ihnen eine Anzahl Puter, Enten, sowie Hühner, die auf demselben Hofe gehalten wurden; auch die 40 Gänse in Neuhaldensleben lebten nur noch einen Tag und vererbten die Cholera auf das Federvieh ihres neuen Hrrrn. Die verschenkten drei Gänse lebten gar nur noch eine Viertelstunde im Besitz der Beschenkten. Die Angeklagten wurden verurtheilt, Wendt zu 5 Mo­naten, Jboralski zu 3 Monaten Gefängniß.

Aus Schlesien. Fast täglich kommen sogenannte Eierzüge" durch Myslowitz nach Breslau, Berlin und Hamburg. Ein Eierzug von 30 Wagen enthält in jedem einzelnen Wagen 120 Kisten zu 24 Schock = 5184000 Stück. Die sämmtlichen Unkosten machen 47 100 Mark aus. Wird nun ein Ei mit 2"» Pfg. Einkauf und mit 4 Pfg. in Hamburg im Verkauf gerechnet, so haben die Eierhändler an dem Zuge 30660 Mark verdient. Ein hübscher Verdienst, wenn die gesammte Rechnung wirklich stimmt. Ob aber im Großverkauf für jedes Ei 4 Pfg. erzielt werden, er­scheint doch fraglich.

Ausland.

Paris, 14. April. Wie das BlattLa France" meldet, hat der französische Kriegsminister Lavaignac eine Kreditvorlage für Herstellung neuen Artillerie- Materials ausgearbeitet; es handelt sich dabei um Her- stellung neuer Schnellfeuer-Kanonen fast ohne Rückstoß; bei denselben werde der erste Schuß wie gewöhnlich ab« gefeuert, während sich die übrigen Schüsse automatisch lösten. Die Kosten der Umgestaltung der Artillerie wurden auf 470 Millionen Francs veranschlagt.

Aus Nantes wird gemeldet: Fischer sahen an der Küste von Cajola einen Gegenstand von merkwürdiger Form auf dem Meere schwimmen. Sie setzten einen Zollbeamten hiervon in Kenntniß, und dieser benach­richtigte das Marinebureau von Les Sables- d' Olenuc. Als die von diesem abgesandten Leute anfamen, war der Gegenstand auf den Strand geworfen worden. Er wurde als ein Whitehead-Torpedo erkannt, der bei den letzten Torpedo-Manövern bei Rochefort in Verlust ge­rathen war. Man brächte den Torpedo nach dem Marinebureau, wo er sofort mit der größten Vorsicht entladen wurde. Und von diesem Verluste, der großes Unheil hätte anrichten können, war Niemand in Kennt­niß gesetzt worden!

Kairo. Die Cholera ist in Alexandrien wieder auf­getreten. Ein englischer Kaufmann starb gestern. In den Eingeborenenvierteln sind mehrere Todesfälle vor­gekommen.

New-Aork. Zum Unwesen der amerikanischen Trusts. Wie die Newy. H. Z. meldet, hat der Trust der ameri­kanischen Fensterglas, abrikanten seine Ncwyorker Vertreter beauftragt, irgend welche Preisermäßigungen für im-