ZchlüchtmlerMmg
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a'stag, den 4. April
1896.
$MUhttt<^tt °uf die „Schlüchterner Zeitung" ^C|HUUllyin werden noch fortwährend von allen ;____!=su”. 1 ■' Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Am Ostectag im Morgen schein
Den Wald entlang zu gehen:
Da klingt es dir in das Herz hinein, Ein Lied vom Auserstehen.
Es dehnt und streckt sich jeder Baum Im lauen WindeSweben.
Und aus des Winters bangem Traum Erwacht das junge Leben.
Die ersten Blätter sprießen an, Die ersten Brünnlein fließen, Die Lerchen klettern himmelan, Die Sonne zu begrüßen.
Die Sonne athmet mild und klar, Licht über Wald und Fluren, Und sucht der bunten Blütenschaar Geheimnißvolle Spuren.
Am Ostertag beim Morgenschein
Beim Klang der Osterglocken: Das klingt und singt landaus, landein Ein seliges Frohlocken.
Der Heiland, der erstanden ist, Der Lenz, der neu gekommen, Ein Ahnen, das leise die Herzen gegrüßt, Hat das Leid von den Herzen genommen.
Nach der ernsten Stimmung des Charfreitagcs, dem Tage der Klage, bringt uns das Osterfest die frohe Boischast der Auferstehung, die Alle, Alt und Jung so gemeinsam berührt, Hoch und Niedrig, Arm und Reich. Es ist der herrliche Wechsel, der sich in der Natur vollbringt. Mögen Augen und Ohren uns auch schon vorher belehrt haben, daß draußen neues Leben gewaltig emporkeimt> daß der alte greife Winter im Ringen mit dem jungen Frühling unterlegen ist — wie in der hohen Politik der Natur, geschieht eS auch im politischen Leben der Menschenkinder. Der jugendfrische Frühling zerschmetterte den Winter, wenn er auch noch so fest und eisern ist — das Osterfest bringt uns in der Natur, wie im politischen Leben erst die eigentliche Siegesbotschaft: und dieser Sieg heißt Festesfricde.
Mag Noth und Elend in aller Welt sichibar unsichtbar sich noch so breit machen, der Strahl Ostersonne dringt auch in das kleinste Gemach trocknet die Thränen, sie dringt in die Brust Schmerzcrfüllten und läßt überall ein wärmeres
vnd der und des Em-
pfindcn aufkommen: „Die Thräne quillt, die Erde hat mich wieder", die Worte, in denen Goethe die Wirkung der Osterglocken aus Faust zum Ausdruck bringt, gelten
für viele Menschen. Mag Noth und Elend auch an die Thüren klopfen, die Osterbotschaft erfüllt mit neuer Lebenskraft, der sonnige Frühling läßt heiterer in die Welt blicken, neue Hoffnung wird in erweckt, und das Hoffen gibt uns neue Stärke.
laut uns uns uns
Wenn wir überall ein heißes Ringen und Kämpfen sehen, wenn im politischen Leben schärfer als je der Streit der Meinungen sich zuspitzt, so gibt uns der Osterfriedc Muse und Zeit zur Klärung der wider- streitenden Ansichten. Wenn im Geschäftsleben, wie im wirthschaftlichen Verkehr überhaupt das Aufwärtsstreben sich immer schwieriger gestalten will, so gibt uns die festliche Stimmung des Aufcrstchungslag s neuen Muth zu frischer nutzbringender Thätigkeit.
Wahrlich, wohin wir blicken, dürften uns gewisse Momente bedrohlich erscheinen und mit Furcht erfüllen. Schon lange nicht war der politische Meinungsstreit ein so lebhaft erregter gewesen, nehmen doch an demselben alle Parteien in gleich leidenschaftlicher Weise theil, treten doch in den Kampf selbst die höchstgestellten Personen des StaatswesenS mit der ganzen Wucht ihrer Persönlichkeit ein, ebenso wie die untersten Schichten der Volkskreise energisch mit ihren Ansichten die Gesammtheit zu durchdringcn suchen.
Und wie im politischen Leben, so im gewerblichen. Seit Langem waren die Erwerbsverhältnisse nicht an so schwere Bedingungen geknüpft gewesen, wie in den letzten Monaten.
Aber überall scheint der Kampf sich friedlicher Klärung zu nähern. Die Osterruhe scheint kein Waffen
> Allstand, sofern e,n wirklicher Frieden zu bedeuten. 2l=‘8 dem schweren Kampfe um die materiellen und giftigen ^^^ebingnngen scheinen wir siegreich hervor- zilgchen: „'Cte greine quillt, die Erde hat mich wieder."
Da genieß^ nnr denn mit doppelter Freude die fröhliche Stimmung des Auferstehungstages. Mögen die warm.^^^ Strahlen seiner Sonne in jedes gedrängte MsMIichsnherz hjneinleuchtcn und so die Oster-
MiWl^ werden der gesummten Menschheit
^eutsches Reich.
Berlin. Dvs putsche Kaiserpaar hat in Neapel die Crvil- und Mütta^hörden der Stadt empfangen und bei dieser Gelcgenh-f vorzüglich seiner Theilnahme für d:e m Neapel desintzs^^^ jm afrikanischen Fcldzuge verwundeten SoldM Ausdruck gegeben. Der Kaiser und ^ic Ka ll-vesuchteu die weltberühmte Aussicht auf Neapel
und den Golf im Kloster zu Camaldoli, während die Prinzen eine Wanderung durch das alte Pompeji unternahmen. — Ueber einen Unfall, der dem kaiserlichen Extrazuge in Italien zusticß, und der erst nachträglich bekannt wurde, meldet der römische Correspondent des „B. T." Folgendes: Der kaiserliche Extrazug war unweit Genua etwa in der Mitte des Tunnels von Ranco angckommen, als man plötzlich einen lauten Knall vernahm. Nachdem der Zug zum Stehen gebracht worden war, ergab sich, daß die Westinghousebremse des ersten Waggons gebrochen war. Während noch innerhalb des Tunnels die beschädigte Bremse reparirt wurde, kam auf demselben Gleise, auf welchem der kaiserliche Zug hielt, der Courierzug angefahren, der jedoch, durch Signale aufmerksam gemacht, noch rechtzeitig ungehalten werden konnte. Der Zwischenfall, der unter Umständen die ver- hängnißvollsten Folgen hätte nach sich ziehen können, rief nicht geringe Bestürzung hervor.
— Während das preußische Abgeordnetenhaus ebern falls bereits in die Ferien gegangen ist, kam eS in diesen Tagen im Herrenhause noch zu einer umfangreichen landwirthschaftlichen Debatte. Verschiedene Vertreter des Grundbesitzes warfen der Regierung Mangel an Thatkraft im Interesse der Landwirthschaft vor, während mehrere Vertreter der Städte diese Herren der Uebertreibung beschuldigten. Reichskanzler Fürst Hohenlohe erwiderte, er wisse nicht, worin der Mangel an Wohlwollen für die Landwirthschaft bestehen solle. — Die Handelskammern in Preußen sollen nach einem Entwurf der Regierung umgestaltet werden. ^Während diese Kammern bisher auf freiwilligem Zusammenschluß beruhten, soll künftig diese Einrichtung über ganz Preußen zwangsweise ausgedehnt werden. Die Handelskammern sollen sich auch über solche Maßregeln der Gesetzgebung und Verwaltung äußern, welche die allgemeinen Interessen von Handel und Gewerbe betreffen.
— Auf Einladung des Ministers für Handel Gewerbe Frhr. v. Berlepsch traten die Mitglieder engeren Vorstandes des Central-Ausschusses der einigten Jnnnngsverbände Deutschlands zu Berlin
und des
Den im
Bc-
Sitzungssaal! des Handelsministeriums zu einer ralhung über die Frage der Forterhallung derJnnungs-
verbände, des Wciterbesteheus der Jnnungs-Gesellen- Krankenkassen, sowie der Schiedsgerichte im Rahmen der geplanten gesetzlichen Organisation des Handwerks zusammen. Die Verhandlungen, welche einen streng vertraulichen Charakter tragen, werden vom Minister persönlich geleitet. — Aus dieser Meldung geht unzweifelhaft hervor, daß die Organisationsvorlage noch nicht gänzlich abgeschlossen ist und daher auch bisher dem StaatS- ministerium nicht zur Berathung und Beschluß assung Vorgelegen haben kann.
— Der Afrikareisende Dr. Karl Peters ist vom Reichskanzler ersucht worden, sich während der gegen ihn schwebenden Untersuchung aller öffentlichen Mittheilungen über die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu enthalten. Es verlautet, Dr. Peters werde Deurschland den Rücken wenden und das Anerbieten einer amerikanischen Gesellschaft annehmen, für die er gegen ein Jahresgehalt von 80000 M. nach dem afrikanischen Somalilaud gehen soll.
Ocls. Ein Ehepaar hingerichlet. Der Stellcn- besitzer Hunger in Oels und dessen Ehefrau, die ihre Ausgedingerin, die Wittwe Klein, ermordeten, wurden durch den Scharfrichter Reindel hingerichtet.
Ein Unstern waltet über der Aachener Schweinemctzger- Jnnung. Vor Fastnacht halte ein Schutzmann NachtS bei einem Jnnungs-Mitgliede 80 Pfund Pferdefleisch be«
schlagnahmt, das, wie der Metzger selbst gestand, Der« wurstet werden sollte. Darob große Schadenfreude bei den Kollegen des Metzgers. Die Innung gab dem Schutzmann 30 Mark für seine Achtsamkeit, schloß den Metzger aus und außerdem unterschrieben die JnnungS- Mitglieder eine Erklärung des Inhalts, Jedem 500 M. geben zu wollen, der einem von ihnen Nachweise, daß er seit Bestehen der Schweinemctzger-Jnnung jemals Pferdefleisch gekauft und verwurstet habe. Nunmehr ist dies aber schon 26 Mitgliedern der Innung nachgewiesen uud der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet worden.
Mannheim, 30. März. Der Kassirer Richard Mayer, der vor einiger Zeit bei der inzwischen mit der Pfälzischen Bank verschmolzenen Deutschen Unionbank circa 300,000 Mark unterschlagen hat, wurde von der Strafkammer zu vier Jahren sechs Monaten Gefängniß und fünfjährigem Ehrverlust ver- urtheilt. Auf die Strafe wurden vier Monate Gefängniß als durch die Untersuchungshaft verbüßt in Anrechnung gebracht.
Ausland.
Rom. Papst Leo XIII, der bereits einige achtzig Jahre zählt, leidet an großer Schwäche. Er kann das Zimmer nicht mehr verlassen. — Die Italiener haben neue Schritte in Afrika nicht unternommen. Die Abessynier scheinen einen Angriff auf die italienische Stellung nicht zu beabsichtigen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 3. April.
* — Versetzt wurde der Lehrer Eckhardt zu Hillardshausen an die Schule zu Gundhelm.
* — Sämmtliche Offiziere und Mannschaften der prcnß. Gendarmerie wurden durch kaiserliche Cabinets- ordre vom 30. Dezember 1875, als dem Tage, an welchem vor 75 Jahren die Gendarmerie organisirt wurde, mit dem sogenannten Gardestern auf dein Helm ausgezeichnet. Derselbe wird nunmehr auch von der hiesigen Gendarmerie getragen.
* —; Der Monat April hat sich mit seinem ersten Tage wirklich recht schön eingeführt, Feld und Flur waren mit Schnee bedeckt und das Thermometer war gestern früh bis auf den Gefrierpunkt gesunken, an höher gelegenen Stellen dürften wohl sogar 1—2 Grad Kälte zu verzeichnen gewesen sein. Man sieht, nicht allein Falb irrt sich sehr oft, auch die Wetterpropheten aus dem Thierreich, wie Störche und Staare, sind recht unzuverlässig geworden. Hoffentlich sorgt die erwärmende Sonne dafür, daß der Schnee bald wieder verschwindet und das Osterfest einigermaßen der Zeit entsprechend ausfällt.
* — Die bisherigen Stempelwerthzeichen sind vom 1. April ab außer Gebrauch gekommen und dürfen fortan nicht mehr zur Versteuerung stempelpflichtiger Urkunden verwendet werden; sie können jedoch bis zum
l. April 1897 umgetauscht werden, wozu eS eine» schriftlichen Antrages bei dem Hauptsteueramte bedarf.
* — Die seitherigen Staatsbeihilfen zu den Lehrerbesoldungen sind nur bis Ende März d. I. zu zahlen; wegen der vom 1. April d. I. ab zu gewährenden Beihilfen wird demnächst Verfügung erfolgen.
* — Durch einen großen Theil der deutschen Presse - so schreibt die „Parole, deutsche Kriegtrzeitung" in ihrer Nr. 11 vom 13. März d. Js. — ging in den letzten Tagen eine Notiz, wonach das Reichsgericht kürzlich ausgesprochen haben sollte, daß die von den im Reich«, oder Staatsdienst festangestellten Feldwebeln und Unteroffizieren bezogenen Pensionen aus dem früheren Militär- Verhältniß weiter zu zahlen seien. Daran war die Bemerkung geknüpft, daß nunmehr, da diese Pensionen für viele Jahre nachgezahlt werden müßten, eine große Anzahl von Personen zum Theil ganz bedeutende Summen er- halten würden. Diese Nachricht ist in dieser allgemeinen Fassung völlig unzutreffend. In Wirklichkeit handelt es ich bei dem betr. Reichsgcrichlurthcile nur um die Än« prüchc einiger bei der ReichSbank angestellten Militäranwärter. Diesen wurde die bisher vorenthaltene Militärpension zugesprochen, weil das ihnen von der ReichSbank gezahlte Gehalt nicht aus Reichs- oder Staatsmitteln ließt. Denn die ReichSbank wird, obwohl daS Reich die Aufsicht über sie führt, doch nicht als Reich-institut angesehen.
SÄ“ Des hl. Osterfestes wegen erscheint das nächste Blatt Mittwoch Mittag. '3M