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_____ — SmaihräTten 28. März ” 1896.
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Deutsches Reich.
Berlin. Ueber die Mittelmeereise des Kaiserpaares sind folgende Anordnungen getroffen worden: Die Ankunft in Genua erfolgt am 24. ds. Mts., Nachmittags 5 Uhr 45 Min., wo das Kaiserpaar sofort in See geht. Der Flügeladjutant des Kaisers, Oberst v. Engelbrecht ist bereits in Genua eingetroffen, ebenso sind zur Begrüßung der kaiserlichen Majestäten der Herzog von Genua und der Herzog von Meiningen gestern Abend in Genua angelangt. Am 25., Nachmittags 5 Uhr, trifft das Kaiserpaar in Neapel ein und kommt mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen zusammen. Der Aufenthalt in Neapel dauert bis zum 31. d. Mts. Am 1. k. Mts. bis zum 5. (Charwoche und Ostern) verbleiben die Majestäten in Palermo. Dann folgt eine mehrtägige Küstenfahrt nach Venedig, wo die kaiserliche Familie am 11. f. Mts. eintrifft. Dort treffen die Majestäten mit dem italienischen Königspaar zusammen, deren Gäste sie während des dreitägigen Aufenthalts in Venedig sind. Am 13. k. Mts. Abends erfolgt dann die Abreise nach Wien, wo der Aufenthalt bis 15. k. Mts. festgesetzt ist, an welchem Tage der Kaiser noch an der großen Wiener Frühjahrsparade Theil nimmt. Am selben Abend reist der Kaiser über München nach Karlsruhe, wo er sich bis 19. zur Auerhahnjagd aufhält. Die Kaiserin reist bereits am 14, von Wien zurück und begleitet die beiden ältesten Prinzen nach der Kadettenanstalt in Plön. Am 19, k. Mts., Abends 6 Uhr, trifft der Kaiser in Koburg ein und nimmt dort an den Vcr- mählungsfcierlichkeitcn der jüngsten Tochter des Herzogs Alfred, der Prinzessin Alexandra mit dem Erbprinzen von Hohenlohe-Langenburg Theil. Die Kaiserin kommt von Plön aus direkt zu den Hochzeitsfeierlichkeiten nach Koburg. Von dort aus reist dann der Kaiser nach der Wartburg zur Auerhahnjagd, die am 22. siattfindet. Dort ist der Monarch Gast des Großherzogs von Weimar. Am 25. begibt sich der Kaiser zum Grafen Görtz nach Schlitz zur Auerhahnjagd und tritt am 29. die Rückreise nach Berlin an, wo er am 1. Mai der Eröffnung der Berliner Gewerbe - Ausstellung beizuwohnen gedenkt. Zwischen dem Aufenthalt auf der Wartburg und dem in Schlitz wird der Kaiser am 23. April den König von Sachsen besuchen, und zwar auf Schloß Strehlen.
— Der „Reichs-Anzeiger" veröffenlicht die Namen von 79 Veteranen, die zu Ehren Kaiser Wilhelm I. Ehrengeschenke von 50 bis 60 Mark erhalten haben; ein Veteran aus den Freiheitskriegen wird mit 280 Mk. bedacht.
— In der Reichstagskommission zur Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich wurde auf Antrag des Centrumsabgeordneten Gröber ein Absatz angenommen, der eine Züchtigung der Dienstboten untersagt. Das bisher noch bestehende Züchtigungsrecht den Dienstboten gegenüber würde also, wenn der Beschluß vom Reichstag und der Regierung bestätigt wird, aufgehoben werden.
— Ueber die Zustände in der Confektionsbranche werden von Reichs wegen Untersuchungen eingeleitet. Danach sollen Unternehmer, Zwischenmeister, Arbeiter und Arbeiterinnen, Krankenkaffen-Aerzte und Gewerbe- Inspektoren befragt werden.
— Ueber den Ackerbau in Südwestafrika äußerte sich im Reichstage der Abgeordnete Bebel. Zu einem gesicherten Fortkommen seien etwa 8000 Hektar nöthig, und dafür sei der Preis wenn er auch nur eine halbe Mark pro Morgen betrage, zu hoch. Abg. von Cuny antwortete, die Anzahlung werde nur auf 500 Mark bemessen und für den Rest werde eine Frist von
Monaten gegeben. Die Verhältnisse seien günstig; von 300 Mannschaften der Schutztruppe, die kürzlich zur Entlassung kamen, hätten 100 erklärt, in Süd- westasrika als Ansiedler bleiben zu wollen.
Kiel. Wegen grober Disziplinwidrigkeit waren, wie Z. mitgetheilt, 20 Lehrer der Bürgerschule in Husum
von der Regierung in Strafe genommen worden, weil sie einem Wunsche des Ortsschulinspektors sich an der Spitze ihrer Schulabtheilungen, an einem Festzug zur Sedanfeier zu beteiligen, nicht entsprochen hatten. Auf die eingelegte Beschwerde der Lehrer an den Minister der Unterrichtsangelegenheiten ist in sechs Fällen die Geldbuße und in einem Falle der Verweis und die Ordnungsstrafe aufgehoben worden, während es in den übrigen Fällen sein Bewenden behalten hat.
In Köln hat man den Versuch unternommen, eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, besonders in den Winicrmouatcn, ins Leben zu rufen. Es ist zu diesem Zweck ein Versicherungsverein gegründet worden.
Aachen, 21. März. Laut dem „Volksfreund" wurde in Hosselt eine Engelmacherin verhaftet, in deren Wohnung man 11 Kinderleichen fand.
Mainz, 3. März. Ein kürzlich zu Berlin verstorbener Rentner Simon Blad hat die Städte Berlin, Mainz und Bingen zu Haupterben seines Vermögens im Betrage von ca. Mk. 1,250,000 eingesetzt. Von der Erbschaft fallen ^ der Stadt Berlin und je 14 den beiden Städten Mainz und Bingen zu.
Metz, 24. März. Ein Soldat des 4. bayerischen Jnfanterieregiements desertirte dieser Tage mit Waffen und Gepäck aus Metz nach Nancy, wo er ein Engagement für die Fremdenlegion unterzeichnete. Die Lokalblätter bemerken, daß das seit dem 1. Januar der 71. Desertionsfall ist, welcher in der Metzcr Garnison vorgekommen isti Da dürfte es doch gut sein, wenn einmal nachgeforscht würde, aus welchem Grunde die vielen Desertionen vorkommen.
Trier. Der Rekord im Weirpreise, den vor wenigen Tagen der Bremer Rathskeller au'gcstcllt hatte, als er ein Fuder Scharzhofbcrgcr mit 10,500 Mark bezahlte, ist geschlagen worden. Es wurde nämlich von den Weinbergen des Freiherrn v. Stumm ein Fuder Wein für 11,010 Mark und ein anderes im Auftrage des Fürsten Plcß für den augenblicklich noch nicht über- troffenen „Jahrhundertpreis" von 12,750 Mark erstanden.
Halle a. S., 18. März. Der des Mordes des Kassenrendanten Böttcher in Wettin, des Diebstahls und vieler Unterschlagungen und Betrügereien beschuldigte GerichtSsekrclär Hering wurde heute nach achttägiger Verhandlung Dem hiesigen Schwurgericht zum Tode, zu 12 Jahren Zuchthaus, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurtheilt.
In dem Dorfe Urspringen bei Würzburg drangen eie Tagelöhner Gebrüder Weidling in der Nacht in die Wohnung des reichen Privatiers Ehehalt, um zu rauben. Ehehalt erwachte und wurde mit einem Beil niederge- schlagen. Die Thäter flüchteten.
Ausland.
Bern, 16. März. Die Zahl der Opfer der jüngsten Hochwasserkatastrohcn beträgt in der Schweiz 23. Davon entfallen auf den Kanton Wallis 7, Glarus 4 Personen, auf die Kantone Bern, Unterwalden, Solothurn, Basel je 2Personen, Zürich, Appenzell und Graubünden jekPcrson.
Italien. Wie verlautet, ist es zweifelhaft geworden, ob General Baratieri vor ein Kriegsgericht gestellt werden wird. König Humbert erhielt von ihm ein Schreiben, in welchem Baratieri seine Taktik rechtfertigt. Er droht mit Enthüllungen, falls die Regierung ihn vor ein Kriegsgericht stellen sollte. Baratieri will vor dem ganzen Lande den Beweis erbringen, daß die Verantwortlichkeit für die Niederlage bei Adua an höherer Stelle zu suchen sei. Schon möglich, daß Baratieri mit diesen Drohungen siegreicher ist als in Afrika.
Rom. Um Krieg oder Frieden handelt es sich jetzt in Italien. In Neapel kam es unter den dortigen Studenten zwischen der Kriegs- und Friedenspartei zu einer Prügelei, so daß die Universität geschlossen wurde. — Zahlreiche Desertionen italienischer Soldaten haben, besonders nach österreichischem Gebiet stattgefunden, weil
die Betreffenden nicht in den afrikanischen Krieg ziehen wollten. — Die italienischen Gefangenen habe» im Lager der Abessynier von unerhörten Grausamkeiten zu leiden. Ein Italiener, dem es glückte, zu entfliegen, erzählt, daß man italienischen Gefangenen die Nahrung verweigere. Viele Gefangenen seien erwürgt worden. Von anderer Seite verlautet, eS seien Gefangenen Hände und Füße abgehackt worden. — Die Engländer kommen den Italienern jetzt mit dem egyptischem Heere zu Hülfe, indem sie gegen die Derwische, welche die Italiener ebenfalls bedrängen, nach Oberegypten vorgehen.
Rußland. Die Regierung hat Tausende von Exemplaren einer Flugschrift an die nordischen Völkerstämme in allen möglichen Sprachen gesandt, um auf Andreas Ballonfahrt aufmerksam zu machen. Die Flugschriften enthalten Abildungen des Ballons und die Aufforderung, dem Lustschiffer jede Hilfe zu gewähren, so sei der Wille des Zaren. Auch eine Belohnung ist vorgesehen, deren Auszahlung die Regierung übernimmt. — Das amtliche Programm für die Krönungsfeierlichkeiten in Moskau bestimmt für die ersten Tage des April die feierliche Ucberführung der Kroninsignien in goldenen Wagen vom Winterpalast in Petersburg nach dem Kaiser Nikolaus-Bahnhof und deren Weiterbeförderung mittelst Svndcrzugcs nach Moskau. Am 6. Mai wird das Kaiserpaar im Petrowsky-Palast bei Moskau eintreffen, um dort an diesem Tage den Geburtstag des Kaisers zu feiern. Das Kaiserpaar wird hier bis zum 8. Mai verweilen, an dem der feierliche Einzug in Moskau stattfinden soll.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 24. März.
* — Für den nächsten Sonntag hat der Wetterprophet Falb den „kritischsten aller kritischen Tage erster Ordnung" angekündigt. Es sollen insbesondere außerordentlich starke Niederschläge, Gewitter rc. zu erwarten sein. Wenn's zutrifft, dann werden seine Freunde gehörig Kapital daraus schlagen, und wenn es wieder einmal nicht zutrifft, — nun, auch dann werden die nicht alle, die an Falb glauben.
* — Die Notiz in der letzten Ausgabe unseres Blattes hinsichtlich der Landgemeinde- und Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau sind wir heute in der Lage zu ergänzen. Unser Abgeordneter Herr Amtsrichter Zimmermann hat am 14. März d. Js. gelegentlich der dritten Berathung des StaatshaushallSetats im Ab- geordnetenhause den Herrn Minister des Innern über den Stand der Sache interpellirt. Der stenographische Bericht hierüber lautet wie folgt: Abgeordneter Zimmermann: Meine Herren, es ist Ihnen wohl bekannt, daß unter den Vorlagen, deren Einbringung seitens der Königlichen Staatsregierung in der gegenwärtigen Tagung man als wahrscheinlich annahm, auch eine Landgemeinde- und Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau genannt wurde. Noch jüngst war davon tn der Presse die Rede. Wir in der Provinz erwarten seit 1893 diese Vorlage von Jahr zu Jahr, zumal eine solche den Kommunal- und Provinziallandtag bereits passirt hat und hier begutachtet und angenommen worden ist. Ich will nun ohne weiteres zugeben, daß seitdem wiederholt der Eintritt unvorhergesehener Umstände bei der Königl. Staatsregierung hinderlich gewesen ist für das Einbringen der Vorlage, die, wie man sagt, unter dem Ministerium Herrfurth ausgearbeitet, dann unter dem Ministerium Eulenburg im Jahre 1894 vom Provinziallandtag berathen und seitdem einen zweimaligen Ministerwechsel erlebt hat. Ich kann es auch sehr wohl begreifen, daß der gegenwärtige Herr Minister sich nicht so schlechthin dazu verstehen will, eine aus dem Nachlaß seiner Vorgänger übernommene Vorlage uns hier zur Berathung zu unterbreiten, und daß es für ihn erwünscht sein muß, zunächst den doch in Manchem eigenartig gestalteten Verhältnissen der Provinz Hessen-Nassau persönlich näher zu treten, bevor er sich entschließt, eine so tief in das Gemeindeleben einschneidende Vorlage zu bringen. Indeß kann ich nicht verhehlen, daß man in manchen Kreisen der bethciligten Landestheile allmählig unruhig wird, zumal wenn immer wieder in den Zeitungen, und zwar zumeist unter Berufung auf Kollegen aus dem Hause als Gewährsmänner, die Rede davon ist, daß nunmehr dem Einbringen der Vorlage mit Bestimmtheit entgegen« gesehen werden könne, dieselbe aber trotzdem ausbleibt. Nun läßt sich ja mit dem einen oder anderen der sechs