WilchternerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
- - den 21. März " 1896.
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Deutsches Reich.
Berlin, 18. März. Zahlreiche Veränderungen in den höheren Kommandostellen der Armee sollen nach dem Hbg. Korr. erfolgen, ehe der Kaiser nach Italien reist. Von Neuem heißt es, daß der kommandirende General des 15. Armeekorps v. Blume den Abschied erhalten wird. Außer dem Generallieutenant v. Alten und dem Erb- großherzog von Oldenburg sollen noch mehrere andere Kommandostellen von Divisionen und Brigaden neu besetzt werden. Eine Anzahl Regimenter soll neue Kommandeure erhalten und in den Stellen der Stabsoffiziere sollen sich bedeutende Veränderungen vollziehen.
— Von dem kaiserl. Statistischen Amt ist jetzt das vorläufige Ergebniß der Volkszählung für das ganze deutsche Reich zusammengestellt worden. Darnach betrug die ortsanwesende Bevölkerung in Deutschland am 2. Dezember 1895 insgesammt 52,244,503 Personen, gegen 49,428,410 am 1. Dezember 1890, also mehr 2,816,033 Personen oder 5.70 pCt.
-- Die zweite Berathung der Gewerbenovelle im Reichstage zog sich sehr in die Länge. Der Artikel der Vorlage, wonach der Kleinhandel mit Bier untersagt wird, wenn der Händler wiederholt wegen unbefugter Ausübung des Schankgewerbes bestraft worden ist, wurde nach langer Debatte genehmigt. Nach demselben Artikel wird der Handel mit Lotterieloosen untersagt, wenn die Unznverlässigkeit des betreffenden Händlers sich erweist.
— Der Entwurf eines neuen Post-Zeitungs-Gebühren- tarifs ist im Reichspostamt für den Reichstag aus gearbeitet. Danach wird in Zukunft, vorbehaltlich der Zustimmung des Reichstages, sich die Postprovision zu- sammcnsetzcn aus: u) einer Grundtaxe von 40 Pfennigen jährlich (vierteljährlich 10 Pfg.) für jedes Exemplar; b) einer Jahresgebühr von 20 Pfennigen für jede Nr. der Woche; c) einem Gewichtporto von 10 Pfennigen für jedes Kilogramm beförderter Zeitungen.
— Ueber die Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Eigenthum ist dem Bundesrath jetzt ein Gesetzentwurf zugegangen. Die Vorlage regelt die gerichtliche Versteigerung von Grundstücken und die Befriedigung der darauf eingetragenen Schulden mittelst deS Kauferlöses, mag das Verfahren nun Schulden halber oder zwecks einer Theilung unter mehreren Berechtigten eingeleitet werden. Es handelt sich um eine wichtige Ergänzung des im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelten Jmmobiliar- rechts.
— Die Beschränkungen, die nach der Vorlage künftig die Haustrer treffen sollen, wurden im Großen und Ganzen genehmigt. Auf Antrag des Abg. Lenzmann wurde noch der Absatz eingefügt, daß Kinder unter 14 Jahren nicht auf öffentlichen Wegen oder an öffentlichen Orten oder von Haus zu Haus Waaren feilbieten dürfen. Die Ortspolizeibehörde soll für kurze Zeit Ausnahmen gestatten dürfen.
— Der Menonit Grenadier Thröner von der 9. Kompagnie des Kaiser Alexander-Regiments, der schon mehrfach von sich hat reden machen, ist am Samstag Morgen zum dritten Male in Untersuchungshaft gebracht worden Thröner gehört einer Abzweigung der Menoniten, dem Bunde der gläubigen evangelischen Täuflinge an, der nur im Elsaß Anhänger hat, und weigert sich auf Grund des 5. Gebotes fortgesetzt, ein Gewehr anzufassen. Als Rekrut bekam er für seine Weigerung zunächst 2 Monate Festung. Bei seiner Rückkehr wurden ihm vor versammelter Kompagnie die Kriegsartikel vorgelesen, aber Thröner beharrte auch diesmal auf seinem Standpunkte. Nunmehr wurde er zu einem Jahre Festung verurtheilt. Nach Verbüßung dieser Strafe kehrte er am Freitag zu seinem Truppentheil zurück. Samstag Morgen sollte er in die Kompagnie eingereiht werden und zum Kompagnie-Exerziren auf dem Tempelhofer Felde mit ausrücken. Der Hauplmann befahl ihm, sein Gewehr zu nehmen. Thröner weigerte sich aber auch jrtzt wieder. Er wurde daher von der Kasernenwache
sofort als Untersuchungs-Gefangener in das Militär- Arrestgcbüude in der Lindenstraße abgeführt.
Karlsruhe, 16. März. Bei der Kriegserinnerungs- feier der Reserve- und Landwehroffiziere, welche am Sonnabend im großen Saale der Festhalle stattfand, brächte der Großherzog, wie die „Karlsruher Zeitung" meldet, einen Trinkspruch auf den Kaiser aus. Der Großherzog sprach seine große Freude darüber aus, daß er Gelegenheit habe, sowohl mit den älteren Offizieren, welche den Krieg mitgemacht haben, vereint zu sein, als auch mit denen, die der neueren Zeit angehören und sich der Armee widmen, um bei Gelegenheit in Aktivität zu treten. Diese Institutionen vergegenwärtigen den schönsten Theil unserer nationalen Empfindungen. Denn es könne kaum etwas Schöneres geben, als zu wissen, daß hier in diesen Räumen lauter Personen versammelt seien, die jederzeit bereit seien, ihr Leben zu lassen für das Vaterland. Der Großherzog schloß: „Wenn der Kaiser, unser Kriegsherr, abermals rufen sollte, um wieder einzutreten für die Ehre des Vaterlandes, unter welchem Rufe werden wir dann zusammengetreten? Das steht in Aller Herzen; ich spreche es nur aus, um Sie aufzufordern, mit mir zu rufen: Hurrah, unserem deutschen Kaiser, Hurrah, Hurrah!"
Würzburg. Der vom unterfränkischen Schwurgericht zum Tode verurtheilte 25jährige Stuhlmacher Heinrich Weber von Hühnerfcld befand sich am 1. Oktober v. I. mit dem Schuhmachergesellen Bögel aus Württemberg auf der Wanderschaft. W. hatte sich dem Bügel ange- schloffen. Sie übernachteten außerhalb Erlenbach (bei Marktheidenfeld) in einem Strohhaufen. Morgens erschlug Weber seinen schlafenden Gefährten mit einem Holzscheit und raubte ihm Legitimationspapicre, Uhr und Kette, einige Mark, eine Ledertasche mit Handwerkszeug und einiger Wäsche. Später wurde der Raubmörder, nachdem er im Wöllriederhof einen Diebstahl verübt hatte, in Bölkach a. M. aufgegriffen. Man fand bei ihm die dem Bögel geraubten Papiere. Das Todesurtheil nahm der Verbrecher kalt auf, er sagte bei der Verkündigung: „Bravo!" — Ein Riese von 2,3 Meter Höhe mit einem Brustumfang von 109 auf 118 Zentimeter und 245 Pch. Körpergewicht wurde am Sonnabend für tauglich befunden und dem Infanterie Leibregiment in München überwiesen. Er stammt aus Großwenkheim.
Aschaffenburg, 10. März. Ein bedauernswcrther Unglücksfall ereignete sich gestern in Eibelstadt. Ein dortiges 23jährigeS Mädchen erwartete den Besuch ihres auswärts beschäftigten Bräutigams, mit welchem sie in den nächsten Tagen nach Amerika auswandern wollte. Das Mädchen war zur Mainfähre gegangen und betrat das dort stehende Fährerhäuschen, während der Schiffer, ein Verwandter des Mädchens, einen Arzt über den Main führen wollte. Plötzlich hörte man einen Schuß aus dem Häuschen und gleich darauf stürzte ein Mann mit verzweiflungsvollem Aufschrei aus der Thür. Der Knecht einer Kitzinger Schifferei war ebenfalls in das Häuschen gekommen und hatte dort mit der geladenen Flinte des Führers manipulirend, das Mädchen getroffen. Der sofort zurückkehrende Arzt konnte nur den hoffnungslosen Zustand der Verwundeten konstatiren. Das Mädchen starb bald darauf und der erwartete Bräutigam war noch Zeuge ihres Todes.
Mainz, 17. März. Das Hochwasser hat auch bei uns große Verheerungen angerichtet. So weit man blicken kann, sind die Ufer überschwemmt. Das Wasser steht in Kastei. Vom Kasteler Floßhafen ist keine Spur mehr zu sehen. Das Wasser geht über den Damm hinweg. Desgleichen verhält es sich mit den niedriggelegenen Stellen an der Mainmündung. In Weisenau spült das Wasser über die Landstraße und wird der Verkehr auf hölzernen Stegen unterhalten. In der Gemarkung Laubenheim ist der Damm gebrochen, und überschwemmt das Wasser einen großen Theil der Niederungen. Das Pionierbataillon in Kastel ist zum AuSrücken bereit, um
dahin zu eilen, wo Hilfe Noth thut. Indessen scheint es, daß der höchste Stand erreicht ist. Vom Oberrhein wird Stillstand oder langsames Fallen berichtet. Der hohe Wasserstand wird indeß nicht so rasch abgehen; denn vom Bodensee, dem großen Reservoir des Rheins, wird eine nicht unbedeutende Anschwellung berichtet. In Mainz haben sich die Arbeiten zum Schutze der Stadt gegen Ueberschwemmungen glänzend bewährt. Die niederen Quais sind allerdings überschwemmt und der Schiffsverkehr so gut wie eingestellt; dagegen ist in die Stadt kein Tropfen gedrungen. Die Keller, die viel tiefer liegen, als der Wasserspiegel, sind vollständig wasserfrei geblieben. Die Stadt erfreut^ sich einer bei früherem Hochwasserstand nie vorhandenen Sicherheit. Diese Arbeiten haben allerdings Millionen gekostet. Das Rheinufer wurde sechs Meter erhöht, höher als die höchsten Wasserstände in diesem und dem vorigen Jahrhundert. Die Oeffnung der Kanäle, welche in den Rhein gehen, sind mit selbstthätigem Verschlüsse versehen. Sobald daSWasser ankommt, schließen sich eiserne Thore. Längs der ganzen Stadt parallel mit dem Rhein läuft ein mächtiger Kanal, in welchen dann alle Kanäle der Stadt münden. Dieser Kanal steht weit unterhalb der Stadt mit einem großen Pumpwerk in Verbindung, welches den Kanalinhalt hebt und in den Rhein überführt. Sobald das Wasser den Höhestand erreicht hat, daß die gewöhnliche Entleerung nicht eintreten kann, tritt dies Pumpwerk in Thätigkeit, so daß man in Mainz von einer Hochwassergefahr auch nicht das Mindeste mehr merkt. Jahre lang wurde an der Ausführung dieser Pläne, deren genialer Entwerfer der Siadtbaumeister Herr Kreyssig ist, gearbeitet, jetzt aber gereichen sie ihrem Schöpfer und der opferwilligen einmüthigen Stadt zu Ehre und Nutzen. Mainz ist die einzige Stadt am Rhein, die vor einem solchen Hochwasser nicht zu bangen hat.
Trier. Den höchsten Jahrhundertpreis für ein Fuder , Wein zahlte bei der kürzlich stattgehabten Weinversteigerung der Bremer Rathkeller, indem er für 10,500 Mark ein Fuder Schwarzhofberger erstand.
Ausland.
Newyork, 16. März. Nach einem hier aus Havannah eingegangenen Telegramm hielt die Garnison von dano bei Havannah ein spanisches Bataillon, das gegen Cano zu marschirte, irrthümlich für eine Abtheilung Aufständischer und feuerte auf dasselbe. Die Spanier wurden dadurch in den Glauben versetzt, daß die Aufständischen die Stadt eingenommen hätten, und montan ihrerseits einen Angriff. 12 Soldaten wurden getödtet und 5 Offiziere nebst 27 Mann verwundet. Wie ferner gemeldet wird, hat Maceo die Stadt Batabano verbrannt; später wurde Maceo geschlagen und zog in westlicher Richtung weiter. DieVerluste derAufständischen sollen bedeutend fein.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 20. März.
* — Durch Beschluß des Kreisansschusses vom 14. d. Mts. ist dem Dienstknecht Joh. Heinrich Rasch, in Diensten bei der Wittwe Elisabeth May in Schlächtern, in Anbetracht seiner langjährigen treuen Dienstzeit eine Prämie von 10 Mark bewilligt worden.
* — Zum Distrikts-Offizier des Gendarmeriebezierks Fulda ist, wie das Fuldaer „KreiSblatt" meldet, als Nachfolger des bekanntlich nach Berlin versetzten v. Gerstein-Hohenstein ein Rittmeister v. Wilnowski-Möllen- dorf ernannt.
* — Die Freigabe des Kleinverkaufs von Brenn- spiritus, welche durch den BundeSrathsbeschluß vom 25. Februar d. I, ausgesprochen ist, bildet eine Maß. regel, die nicht nur von dem Brennereigewerbe, sondern auch von allen Verbrauchern von Brennspiritus mit Genugthuung zu begrüßen ist. Es ist nunmehr jedem Kaufmann gestattet, ohne Konzession und ohne Zahlung der Bet ri e bsst euer Handel mit Brennspiritus zu treiben, es genügt eine einfache Anzeige an die Steuerbehörde und die Ortspolizeibchörde, in welcher von dem beabsichtigten Handel mit Brennspiritus Mittheilung gemacht wird. Dadurch ist das Monopol einzelner Händler beseitigt und die Konkurrenz kann nunmehr auch auf die Preisbildung und die Beschaffenheit der zum Verkauf kommenden Waare Einfluß üben. Die Bestimmung, daß Brennspiritus nicht in einer Stärke unter 80 Gewichtsprozenten verkauft werden darf, ist geeignet, die vielfach bisher verkaufte minderwerthige