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Mittwoch, den 18. März

1896

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Bestellungen auf das 2. Quartal 1896 (April, Mai, Juni) der

bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen und zwar möglichst bis zum 29. d. Mts. Spätere Bestellungen resp. Nachlieferungen

müssen an die Post extra bezahlt werden.

Die Expedition.

Deutsches Reich.

Berlin. Unser Kaiser hat am Sonnabend dem König Humbert von Italien einen außerordentlich herzlichen Glückwunsch zu dessen Geburtstag übersandt. Der oberste Kriegsherr besichtigte am Sonnabend bei den in Berlin stehenden Kavallerie-Regimentern das Offiziers­reiten. Am Nachmittag hörte der Monarch noch mehrere Vorträge. Sonntag besuchten der Kaiser und die Kaiserin gemeinsam den Gottesdienst.

Die Vorlage über die Organisation des Hand­werks ist jetzt soweit fertig, daß sie demnächst dem preuß. Staatsministerium unterbreitet werden soll. Nach ihr sollen für alle Handwerker, die innerhalb eines räumlich begrenzten Bezirkes in hinreichender Anzahl vorhanden sind, Fachinnungen und Innungen für verwandte Ge­werbe gebildet werden. Die Handwerker, deren Zahl zur Vereinigung von Innungen zu gering ist, sollen in Gemein­schaft mit Vertretern der zu Innungen vereinigten Hand­werker zu Handwerksausschüssen zusammengefaßt werden und aus der Wahl dieser Ausschüsse sollen dann die Hand­werkskammern heroorgehen. Ihre Befugnisse sind im Wesent­lichen dieselben, die der demReichStag bereits vorliegendeEnt- wurf denHandelskammern zuweist. Nur dieFrage desLehr- lingswesens soll eine davon abweichende Regelung erfahren.

Die Einführung der einjährigen militärischen Dienstpflicht für die Volksschullchrer beginnt, obgleich sie erst nach einigen Jahren thatsächlich erfolgt, ihre Wirkung schon jetzt in dem Merseburger Regierungsbezirke zu zeigen. Nicht nur einzelne Seminare und Präparunden- anstalten, wie z. B. Weißenfels, auch die Volksschullchrer deS Regierungsbezirks sind durch die Kreisschulinspektionen darauf aufmerksam gemacht worden, daß es gern gesehen werde, junge Leute, die Lehrer werden wollen, privatim heranzubilden. Solchen Lehrern, welchePrivatpräparandien einzurichtcn wünschen, soll in jeglicher Weise seitens der Regierung geholfen werden, auch durch materielle Unter­stützung.

1 Offiziös wird berichtet: Schon von dem Minister Grafen Eulenburg war eine Landgemeindeordnung für Hessen-Nassau bis zur Vorlegung an den Landtag vor­bereitet; sein Rücktritt verhinderte die Ausführung des Planes. Unter seinem Nachfolger ist derselbe zunächst nicht weiter verfolgt worden, aber der jetzige Minister des Innern hat ihn alsbald wieder ausgenommen und es ist sogar daran gedacht worden, einen entsprechenden Gesetzentwurf noch in der laufenden Tagung dem Land­tage vorzulegen. Inzwischen haben sch doch im Einzelnen Aenderungen als nothwendig ermiefen, welche eine theil- weise Umarbeitung des früheren Entwurfs bedingen. ES ist daher mindestens sehr umrahrschcinlich, daß der Gesetzentwurf dem Landtage vor der nächsten Tagung wird vorgelegt werden können.

Die Konservativen Haber im Abgeordnetenhause folgende Anträge eingebracht: Die Staatsregierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf wrzulcgen, nach welchem von den nach dem Gcwerbestcue gesetz vom 24. Juni 1891 gewerbesteuerpflichtigen Waareihäusern, Bazaren, Ver­sandtgeschäften und ähnlichen Unternehmungen eine be­sondere aufsteigende BctriebStencr erhoben und diese Steuer den Kreisen (Land- md Stadtkreisen) überwiesen wird, ferner die StaatSregirung um Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch welchen die im § 4 des Gesetzes vom 24. Febrtar 1880, betreffend die Be­steuerung desWanderlagerb-triebes, vorgeschriebeneSteucr- sätze erhöht werden.

Kiel. Eine besondere Freude hat der Kaiser einem Schmiedegesellen der frtferl. Werft bereitet. Er ließ demselben durch den Oderwerftdirektor Diederichsen eine kostbare goldene Taschnuhr überreichen, die mit dem Bildnis des Kaisers uid den kaiserl. Initialen geschmückt war. Der beschenkt Arbeiter hatte dem Kaiser zum letzten Geburtstage ine hübsche, selbst gefertigte Pfeife übermittelt.

t Osnabrück, 13. März. Hier beabsichtigt man, ein

Kriegerwaisenhaus, ähnlich dem in Römhild, zu errichten. Die Stadtverwaltung hat zu diesem Zweck eine Baufläche von 20 Ar unentgeltlich hergegeben.

Vom Rhein. Vom ganzen Ober- und Mittelrhein wird fortgesetzt steigendes Wasser gemeldet. Einzelne tiefer gelegene Rheindörfer stehen ganz unter Wasser und die Einwohner flüchteten. Die Ruhrort- und Nieder­ländische Dampfschifffahrt ist gänzlich eingestellt. Der Betrieb der Kohlenkippen, Dampfkrahnen und Kohlen- magazine ruht. Um für manche weniger geschützte Dörfer am Mittelrhein Unglücksfälle abzuwenden, sind von den Behörden die umfassendsten Maßregeln getroffen.

In Bonn starb vor einigen Tagen der Lokomotiv­führer a. D. Stockhansen. Er hatte als Lokomotivführer am 2. September 1870 den gefangenen Kaiser Napoleon aus Frankreich nach Deutschland gebracht.

München. Das Schwurgericht hat drei Bauernsöhne aus der Gegend von Tegernsee zu 3 Jahr und 1 Monat verurtheilt, weil sie gewildert und dabei auf einen Jagd- gehilfen geschossen und diesen schwer verwundet hatten. Der Hauptthäter ist ein reicher Bauernsohn, der aus Jagdlust wilderte. Der Präsident fragte ihn, warum er sich denn nicht lieber um 15 Mk. eine Jagdkarte gekauft

des Feindes herausfordern wollen. Entscheidend für seinen Entschluß sei der Mangel an Lebensmitteln ge­wesen. Dieser hätte ihn zum Rückzug gezwungen. Alle Generale und der Chef des Generalstabs Oberst Valenzano seien für den Angriff gewesen.

Frankreich. Die Pariser Handelssyndikate, eine mächtige alte Vereinigung, haben beschlossen, die Bezahlung der Einkommensteuer zu verweigern, falls sie eingeführt werden sollte. Der Widerstand soll mit allen Mitteln geleistet werden, so daß der Fiskus auch mit Pfändungen nichts ausrichten könne.___

habe.Ja," erwiederte der Angeklagte,dann hätte es mich nicht so gefreut."

Aus Schlesien, 9. März. Der tm Sprottauer Kreise angesessene Rittergutsbesitzer Beyme war in Konkurs gerathen und wollte seine Rittergüter UlberSdorf und Ottendorf, welche zusammen einen Taxwerth von 1,690,000 Mark (und zwar Nlbcrsdorf 440,000 Mark und Ottendorf 1,250,000 Mark) haben, für den Mindestpreis von 900,000 Mark freihändig verkaufen. Der hierzu angesetzte Termin verlief aber ohne Resultat, da keiner der anwesenden Reflektanten auch für diesen Preis die Güter haben wollte.

Seinen 103. Geburtstag beging in Ragnit Lieutenant v. Bähr, einer der letzten noch lebenden Veteranen aus den Befreiungskriegen.

Ausland.

Wien, 7. März. Das Urtheil des obersten Militär- gerichtshofes wurde den 26 Husaren, die der Ermordung des Wachtmeisters Dioszegi in Przemysl angeklagt waren, mitgeiheilt. Zwei Husaren wurden zu 18 und 14 Jahren Festung und der Korporal Boros zum Tode verurtheilt. Die übrigen 23 wurden freigesprochen. Boros war Der­jenige, der s. Z. sich vor den Regimentskommandanten hinstellte und sagte:Herr Oberst, ich melde gehorsamst, er mußte sterben!" Ihn traf auch das härteste Urtheil. Heute Morgen hätte an Boros das Todcsurthcil voll­zogen werden sollen. WiePesti Naplo" mittheilt, hat die greife Mutter des Korporals dem Kaiser ein flehent­liches Gnadengesuch gesendet, und dasselbe fand Erhörung. Gestern kam vom Monarchen die Entscheidung, daß er das Todesurtheil in lebenslänglicheHaft umgewandelt habe.

Rom. Die Tribuna veröffentlicht eine Unterredung ihres Korrespondenten mit Baratieri, der gestern Abend in Massauah eintraf. Er fand den General im Zustand tiefster moralischer und physischer Niedergeschlagenheit. Seit drei Wochen leidet er an furchtbaren Nervenschmerzen, die ihm den Schlaf rauben und das Gehen erschweren. Er erklärte, daß er in einem Augenblick der Schwäche und des Wahnsinns den Angriff beschlossen habe. Er erkennt an, daß die Folgen für Italien und die Kolonie fürchterlich seien; dieser Gedanken hätte ihn zum Selbst­mord getrieben, aber der Gedanke an seine Familie, die sehr religiös sei, habe ihn zurückgehalten. Zu dem Ent­schluß, anzugreifen, sei er von allen Seiten gedrängt ; worden. Die italienische Regierung aber habe ihn nicht direkt beeinflußt, ebenso wenig der Gedanke an die be- 1 vorstehende Eröffnung der Kammer. Von der Ankunft Baldissera's habe er nichts gewußt. Auch hätte dies für ! ihn nur eine Befreiung von schwerster Verantwortlichkeit i bedeutet, seine Umgebung sei für den Angriff gewesen; i er habe den Feind nicht angreifen, sondern den Angriff |

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtcr», 17. März.

. Es bestätigt sich nunmehr, daß die neue Gemeinde-

; ordnung für unsere Provinz erst im nächsten Jahre dem , Landtage zugehen wird. Im Abgeordnetenhause sprach . am Sonnabend bei dem Etat des Ministeriums des Innern der Abg. Zimmermann den Wunsch nach einer , Landgemeindeordnung für Provinz Hessen-Nassau aus. . Der Herr Minister erkannte das Bedürfniß an und er­klärte, daß ein diesbezüglicher Antrag zu Anfang nächster Session dem Hause zugehen werde.

Dem Beispiele der 95er folgend, wollen nun auch die 32er auf dem Schlachtfelde von Wörth ein Denkmal errichten. Kürzlich war der durch seine Feldzugsschildernngcn bekannte Bierbrauereibesitzer C.Zeitz aus Meiningen in Gotha, um sich mit dem dortigen Komitee der 95er zu besprechen und zu berathen.

Ulmbach, 3. März. Die milde Witterung dieses Winters hat eine verhältnißmäßige frühe Beendigung der Holzanfarbeitung in den Waldungen des Vogelsbergs zur Folge gehabt. Deshalb konnte auch etwas früher mit den Holzversteigerungen begonnen werden. Eine weitere Folge des milden Wetters ist das Sinken der Holzpreise. Trotzdem dürfte die Zeit billigen Holzes vorüber sein, weil die Ausbreitung des BahnverkehrS besonders dasFichtenholz, dessen Verwerthung vom Fiskus wie von Gemeinden seit neuerer Zeit auf dem Sub- missionswege erfolgt, den entfernt wohnenden größeren Händlern und Zellstoff-Fabriken zuführt.

Orb, 12. März. Da neben vielen andern Projekten von Zeit zu Zeit auch das Projekt einer elektrischen Beleuchtung unserer Stadt erwähnt wird, so könnten wir uns eine Gemeinde im Odenwald, die eine allgemeine elektrische Beleuchtung eingeführt hat, zumleuchtenden Vorbild" nehmen. In dieser Gemeinde ist nicht nur elektrische Straßenbeleuchtung vorhanden, sondern auch die meisten Wohnhäuser, ja sogar die Stallungen sind elektrisch' beleuchtet. Und die Einwohner sind stolz auf diese Anlage. Es vergeht nun fast keine Woche, daß nicht Deputationen aus Landgemeinden eintreffen, um die Anlage zu besichtigen; dieselben haben sich stets überaus anerkennend ausgesprochen. Einige Gemeinden, welche über Wasserkräfte verfügen, haben bereits die Einführung elektrischer Beleuchtung beschlossen, in anderen ist die größte Geneigtheit dazu vorhanden.

In Langenselbold saßen mehrere Gäste am Sonntag Abend in einer Brauerei, Da meinte einer der An­wesenden, ein Schmied, der gewiß des Guten genug gethan, nun möchte er nichts mehr trinken, man könne wenn man wolle, ihn sofort auf dem Platze erschießen. Anstatt dergleichen Reden zu überhören, ging einer der Anwesenden augenblicklich weg, holte sein Gewehr und legte auf den angeblich Lebensmüden an. Als dieser sich vor dem Gewehrlauf sah, nahm er sein Wort zurück. Jener aber zielte, es krachte ein Schuß aus dem mit Schrot geladenen Flobertgewehr und die Ladung durch- drang die Mütze des Mannes, wobei sein Kopfhaar auch etwas gesengt wurde. Am ganzen Körper zitternd, erhob sich der Gast, der dem Schützen als Ziel gedient, und hat sich vorgenommen, mit seinen Redensarten int

Wirthshause in Zukunft etwas vorsichtiger zu sein. Der benachrichtigte Ortsgendarm faßte den Vorgang mit Recht etwas ernster auf, erstattete Anzeige und der Schütze wurde in Strafuntersuchung genommen.

Hanau. Bruderliebe. Der Arbeiter Friedrich Pl. von Fechenheim hatte Zwetschen entwendet und sollte, da er die ihm auferlegte Geldstrafe von Mk. 1.50 nicht bezahlte, mit einem Tag Haft dafür büßen. An seiner Stelle erschien jedoch sein Bruder Andreas in dem hiesigen Polizeigefängniß, gab sich für Friedrich Pl. aus und verbüßte auch den einen Tag. Es ist dies zwar ein sehr schöner Zug von ihm, aber es sollte ihm doch schlecht bekommen. Ein Tag nach seiner Entlassung