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Mittwoch, den 19. Februar
Amtliches.
J.-Nr. 1151. Nachdem der Herr Regierungspräsident angesichts der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche angeordnet hat, daß alle Rindvieh-, Schaf- und Schweinemärkte in den von der Seuche betroffenen, sowie in denjenigen Kreisen, welche durch nahe gelegene verseuchte Bezirke gefährtet sind, verboten sind, mache ich darauf aufmerksam, daß dieses Verbot auch für den hiesigen Kreis gilt und daß daher bis aus Weiteres ohne Genehmigung des Herrn Regierungspräsidenten Viehmärkte der gedachten Art im hiesigen Kreise nicht abgehalten werden dürfen?
Die Herren Bürgermeister wollen dafür Sorge tragen, daß dieses Verbot möglichste Verbreitung findet.
Schlüchtern, den 11.'Februar 1896.
Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin weilen gegenwärtig in Hubertusstock. Der Fastnachtsball, welcher Dienstag stattfinden sollte, ist abgesagt worden.
— Keine Fahrpreisermäßigung für die Besucher der Berliner GewerbeauSstellung seitens der Bundesstaaten. Die Bahnverwaltungen Sachsens und Baierns haben für den Reiseverkehr nach Berlin während der Dauer der GewerbeauSstellung jede Vergünstigung abgelehnt. Die Bahnverwaltung Württembergs hat das letzte Wort noch nicht gesprochen, zeigt sich aber von gleicher Gesinnung. Sachsen hat in Dresden, Baiern in Nürnberg, Württemberg in Stuttgart eine Ausstellung. Von Baiern aus war in Rücksicht auf Nürnberg Rezi- prozität beansprucht worden, die Preußen verweigerte, worauf Bayern von jedem Zugeständniß absah. Die Main-Neckarbahn, die Hessische Ludwigsbahn und die Pfälzischen Bahnen haben sich dagegen bereit erklärt, an stets lagen jeden Monats die Ausgabe von Sonder- rückfahrkarten zu gestatten, wenn für ihre Strecken das Freigepäck von 25 Kilo fortfällt. Die Badischen und Reichsländischen Bahnen haben vorläufig Vergünstigungen abgelehnt, kommen aber vielleicht noch zu einem anderen Entschluß.
— Weibliches Eisenbahnpersonal in den v-Zügen. Die Reisenden, die öfters die v-Züge (Harmonikazüge) benutzen, haben es schon vielfach als einen Uebelstand empfunden, daß in den sonst so vortrefflich eingerichteten Wagen auf eine genügende Reinigung nicht immer in wünschenswerther Weise Bedacht genommen wird. Besonders im Sommer verstauben im Innern die Wagen sehr stark, zumal wenn die Fenster in den Seitengängen geöffnet sind; in den Abtheilen herrscht nach dem Aussteigen der Reisenden vielfach eine große Unordnung. Papiere, Zeitungen u. s. w. liegen auf den Polstern und Fußböden herum; die Aborte sind verstaubt und lassen mitunter auch sonst an Sauberkeit zu wünschen übrig; auch das in den Flaschen befindliche Trinkwaffer bedarf, um es genießbar zu erhalten, öfters der Erneuerung. Da gerade in diesen Wagen der Mangel an Reinlichkeit von dem darin geboten Komfort in unangenehmer Weise absticht und die Reisenden durch die Zahlung des .Platzzuschlagcs auch einen Anspruch auf peinlichste Sauberkeit in diesen Zügen haben, so hat der Minister angeordnet, daß vom 1. April ab im Sommer und, so weit erforderlich, auch im Winter, eine Dienstfrau mitgegeben wird, die für die erforderliche Reinhaltung der Wagen Sorge zu tragen hat.
— Für Mausergewehre und die dazu gehörige Munition sind im Jahre 1895 über 30 Millionen Mark nach Deutschland gekommen. Angefertigt wurden die Gewehre in der Waffenfabrik Mauser in Oberndorf a. N. und in der Gewehrfabrik von Ludw. Löwe u. Co. in Martinikenfelde, die Munition in der Deutschen Metallpatronenfabrik in Karlsruhe, und zwar für die Türkei, Spanien, Schweden, Argentinien, Chile, Brasilien, Mexico u. s. w.
Dortmund, 12. Febr. Zwei Brüder wurden in der vergangenen Nacht auf der Straße von einem Manne angefallen und in den Unterleib gestochen. Der eine derselben, welcher vcrheirathet und Vater eines Kindes ist, war sofort todt. Der andere, der Morgen heirachen wollte, wurde lebensgefährlich verletzt. Der Thäter ist sestgenommen worden. Innerhalb vierzehn Tagen ist dies die dritte Blutthat, die hier vorgekommen.
Witte» (Westfalen), 13. Febr. 13,235 Seelen fielen im Begriff, aus der Landeskirche auSzutreten
Die evangelische Gemeinde zählt im Ganzen 18 — 19,000 Seelen, wofür vier Pfarrer angestellt sind. In letzter Zeit kam es nun unter den Herren Geistlichen zu Streitigfeiten, und man setzte alles daran, den bei seinen Amtsbrüdern mißliebig gewordenen Pfarrer Birkenhoff aus seiner hiesigen Thätigkeit zu drängen. Dieses ist denn auch vollständig gelungen. Nun will aber der größte Theil der evangelischen Gemeindeglieder nicht von seinem Pfarrer Birkenhoff lassen, und hat erklärt, auf alle Fälle diesen beliebten Seelsorger für sich zu erhalten, wenn nicht in, dann außer der Landeskirche. Diesem, von der größten Mehrheit der Wittener evangelischen Eingesessenen ausgesprochenen Wunsche kam die Gemeindevertretung insofern nach, als sie sich gar nicht darum bekümmerte, sondern schleunigst Anstalten traf, diese durch die Amtsniederlegung des Herrn Pastor Birkenhoff frei gewordene Stelle wieder anderweitig zu besetzen. Da es scheint, daß die anderen Herren Pastoren den berechtigten Wünschen von 13,235 Seelen nicht nachkommen wollen, so wird in nicht allzu großer Ferne ein Massenaustritt aus der evangelischen Landeskirche erfolgen.
Die Stadtverordnetenversammlung in Essen an der Ruhr hat am 7. Februar d. I. beschlossen, bei Verwaltung des Volksschulwesens sich fernerhin auf ihre gesetzlichen Verpflichtungen zu beschränken und jede Uebernahme von freiwilligen Leistungen für das Volksschulwesen abzulehnen. In Ausführung dieses Beschlusses wurde in der genannten Sitzung der Neubau zweier vierzehnklassiger Volksschulgebände abgelehnt und zuvor von der Schuldeputation der Nachweis verlangt, daß die sämmtlichen in der Stadt vorhandenen Schulräume mit der zulässigen Maximalzahl von 70 Schulkindern besetzt sind. Es wurde ferner die beantragte Reliktenversorgung für die Volksschullehrer nach den Grundsätzen des Pensionsgesetzes für Staatsbeamte und endlich die beantragte Anstellung zweier Lehrer für eine Hilfsschule für schwachbegabte Kinder abgelehnt. Die Stadtverordnetenversammlung sprach dabei aus, daß sie es lebhaft bedauere, die so segensreich wirkende Schule für schwachbegabte Kinder wieder aufheben zu müssen, daß aber infolge des Lehrerbesoldungsgesetzes die finanziellen Kräfte der Stadt so in Anspruch genommen werden würden, daß jede Aufwendung über die gesetzliche Verpflichtung unmöglich sei.
Breslau. Ein seltenes Dekorationsstück schmückte am Geburtstag des Kaisers das Fcstlokal, in welchem der Veteranen- und Kriegerverein zu Mittenwalde i. Schl. sein Festessen abgehalten hat, nämlich ein Thürvorhang, welcher aus den Schulterklappen sämmtlicher Infanterie-Regimenter der deutschen — nicht etwa nur preußischen — Armee zusammengesetzt ist. Diese originelle Sammlung gehört dem Grenzaufseher Härtung, dem von Liebhabern schon viel Geld für seinen Schatz geboten worden, der ihm aber nicht feil ist. Acht volle Jahre hat er an seinen Kostbarkeiten gesammelt, ehe es ihm endlich gelang, sie beisammen zu haben.
Köln. Die rheinische Metropole tritt immer mehr in das Zeichen des Faschings. Die dreißig nnd einige Karnevals-Gesellschaften haben, wie aus Köln berichtet wird, von Neujahr bis zum vergangenen Sonnabend genau gerechnet 235 karnevalistische Abendunterhaltungen abgehalten, in der vorigen Woche allein 53. Da sage noch einer, daß einem bei den schlechten Zeiten der Humor ausgehe!
Elbingerode am Unterharz, 11. Febr. In der Nähe des Bahnhofs, dem Felsenkeller gegenüber, ist vor Kurzem eine Tropfsteinhöhle entdeckt worden. Nachdem der verschlämmte Eingang freigelegt worden war, gelang es, die Höhle bis auf 50 Meter zu begehen. Man fand in derselben Staliktiten und Stalagmiten von beträchtlicher Stärke und in großer Menge. Auch wurden Knochenfunde gemacht, deren Bedeutung erst durch eine fachmännische Untersuchung festgestellt werden soll. Die ganze Ausdehnung der Höhle hat noch nicht festgestellt werden können.
Holzminden a. d. W., 12. Febr. Am Dienstag Mittag fuhren Kinder auf dem abschüssigen Wege, der von ihrem Hause zur Chaussee führte, Schlitten. Der fünfjährige Christian Sch. fuhr mit seinem Rutscher direct vor die Räder eines Fuhrwerkes, das ihm über den Hals ging und ihm das Genick brach. Er ist noch einmal aufgestanden, eine Strecke fortgegangen und
dann niedergefallen. Nach einigen Stunden starb er. Das Fuhrwerk, eint Droschke, gehörte einem Reisenden, dessen Kutscher keine Schuld trifft, da man von der Landstraße aus die kleine Gasse gar nicht bemerken kann.
Ausland.
Sofia, 14. Febr. Schon früh Morgens waren die Straßen von einer großen Volksmenge in allen möglichen Trachten angefüllt. Die Truppen holten mit Mnsik die Fahnen aus dem Palais des Fürsten ab und nahmen in den Straßen vom Palais bis zur Kirche Aufstellung. Um 10 Uhr begann die Anfahrt zur Kirche. Um IOV2 Uhr fuhren der russische Generalmajor Graf Golenistchew-Kutusow und der russische diplomatische Agent v. Tscharikow im vierspännigen Galawagen an; ihnen folgten bald in einem gleichen Wagen die türkischen Würdenträger. Mit großer Eskorte von Leibgardereitern traf Fürst Ferdinand kurz vor 11 Uhr ein; sobald er ausgestiegen war, wurden Wagen und Eskorte nach dem neuen Palais zurückgeschickt, um den Prinzen Boris abzuholen, welcher alsbald unter dein Jubel der Menge bei der Kirche eintraf. Kurz vor 12 Uhr war die Ceremonie beendet, und Prinz Boris wurde unter Kanonendonner und erneutem Jubel der Menge nach dem Palais zurückgebracht. Fürst Ferdinand verließ erst einige Zeit später mit den hohen Würdenträgern die Kirche und schritt in Begleitung der russischen und türkischen Vertretung die Front der vor der Kirche ausgestellten Truppen ab. Um 1 Uhr verließen der Fürst und die anderen Theilnehmer an der Ceremonie den Platz in derselben Weise, wie sie gekommen waren. Der Jubel ist groß; auch die türkischen Vertreter wurden mit großem Bestalle begrüßt.
Petersburg, 13. Februar. Nach einem Telegramm aus Jrkutsk hat der Lieferant des Nordpolfahrers Nansen, Kaufmann Kaichnarew, den Präfekten in Kolymsk (Nordsibirien) wissen lassen, daß Nansen den Pol erreicht, Land entdeckt habe und zurückkehre. Am 24. Januar 1893 fuhr Nansen an der Spitze einer Expedition von zwölf Theilnehmern auf dem für seine Zwecke speziell gebauten Schiff „Fram" von Christiania ab. Die Rückkehr Nansens wurde bisher frühestens zu Beginn des Septembers erwartet. Sie darf jetzt für einen wesentlich früheren Zeitpunkt in Aussicht genommen werden. Sie war schon im Beginn durch die Verhältnisse begünstigt, indem Nansen von dem karischen Meer aus (er wurde dort zuletzt am 20. August 1893 gesehen) direkt nach Norden sich wenden konnte, und ihm die Fahrt längst der ostsibirischen Küste zur Aufnahme von Hunden erspart blieb. Nansen muß alsbald auf die günstigen Eisverhältnisse gestoßen sein, auf welche der Erfolg der Expedition wesentlich bastrt war. ES war berechnet, daß das Schiff Nansens auf dem Este einfrieren und dann im Meerstrom nach Norden geführt werden solle. Die dringende Gefahr lag daneben vor, daß das Schiff Nansens zwischen Eisgeschiebe gerathen konnte, von denen eS trotz seiner Stärke rettungslos zerdrückt werden mußte. Hoffen wir, daß die Nachricht aus Jrkutsk sich bestätigt, und Nansen bald wieder kontinentalen Boden betritt. Man darf dann die Aufhellung einer Reihe hochwichtiger wissenschaftlicher Fragen erwarten, die seit langer Zeit die gelehrte Welt in Spannung gehalten. Nansen selbst aber würde seinen Namen dem der größten Entdecker aller Zeiten angereiht haben.
Frankreich. Es liegt Nachricht vor von einer großen Verschwörung in Antananarivo auf Madagaskar. Viertausend HowaS hätten die Franzosen angegriffen, seien aber mit einem Verluste von dreitausend Todten zurückgeschlagen worden. Gerüchtweise verlaute, französische Offiziere und Soldaten seien ermordet worden. Vierzehn Häuptlinge der HowaS seien zum Tode ver- urtheilt worden und der Generalgouverneur Laroche habe^die sofortige Erschießung derselben angeordnet. Mehrere andere Häuptlinge der HowaS seien zur Deportation verurtheilt.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 18. Febr.
* — Ob der alljährliche „große" Viehmarkt zu Schlüchtern, der diesmal auf den 3. März fällt, in diesem Jahre stattfindet, ist noch unbestimmt. Denn wie aus einer amtlichen Bekanntmachung an der Spitze der heutigen Nummer hervorgeht, sind alle Biehmärkie