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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

32 11. Mittwoch, den 5. FeLeuar 1896.

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Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser soll Anfangs April eine Mittel­meerfahrt zu unternehmen gedenken, deren Ziel aber ^^Griechenland sein würde. Es heißt, daß er Aufenthalt in Corsu nehmen und von dort aus nach Athen reisen würde, um den in der ersten Hälfte des April statt- findendenOlympischen Spielen" beizuwohnen.

- Nachstehende Danksagung des Kaisers wird heute imReichs- und Staats-Anzeiger" veröffentlicht: Nur wenige Tage sind vergangen, seit Ich für zahlreiche Kundgebungen treuer Anhänglichkeit ge­legentlich der Feier des Erinnerungstages der Kaiser­proklamation öffentlich zu danken hatte, und schon wieder bin Ich in der glücklichen Lage, in gleicher Weise Meinen Gefühlen der Freude und des Dankes Ausdruck zu geben. Der Tag, an welchem Ich durch Gottes Gnade ein neues Lebensjahr beginnen durfte, ist im Anschluß an die erhebenden vaterländischen Gedenkfeiern diesmal in besonders patriotischer Weise begangen worden. Ueberall, wo Deutsche weilen, selbst in den fernsten Welttheilen, ist Meiner in treuer Liebe gedacht worden. Glückwunsch-Telegramme, Adressen und Kundgebungen mannigfachster Art sind Mir in einer Anzahl zugcgangcn, daß ihre Sichtung noch eine geraume Zeit in Ausprnch nehmen wird. Mein landesväterliches Herz ist dadurch aufs Innigste erfreut worden. Mit lebhafter Befriedigung erfüllt Mich die sich aus der Fülle der Beweise liebevollen Vertrauens Mir aufdrängende Wahrnehmung, daß Mein unausgesetztes Bemühen, für die Sicherheit und Wohlfahrt des Vaterlandes nach Kräften zu wirken, in immer weiteren Kreisen verständnisvoller Würdig­ung und freudiger Bereitwilligkeit zu treuer Mit­arbeit begegnet. Mögen Alle, welche sei es im Verein mit glcichgcsinntcn Festgenossen, sei es für sich allein Mich an Meinem Geburtstage mit Auf­merksamkeiten bedacht haben, Meines herzlichsten Dankes und Wohlwollens versichert sein. Ich ersuche Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen."

Berlin, den 3. Februar 1896.

Wilhelm, I. R.

An den Reichskanzler.

Mehrere Berliner Blätter wissen wieder von Monarchenbegegnungen im kommenden Frühjahre zu be­richten. Danach soll Ende Februar der deutsche Kaiser in Genua mit dem König von Italien zusammentreffen. Ungewiß ist es noch, ob auch Kaiser Franz Joseph sich um diese Zeit nach Genua begeben wird. Der deutsche Kaiser würde von Genua auf seiner MachtHohen- zollern" nach Nizza fahren, um dem kranken Groß- fürstcn-Thronfolgcr von Rußland einen Besuch abstatten. Da im März auch ein Besuch des deutschen Kaisers in Brüssel erfolgen soll, ist anzunehmen, daß der Kaiser auf der Rückreise aus Italien sich dorthin begibt. Ob freilich alle Reiseprojekte des Kaisers verwirklicht werden, läßt sich heute noch nicht sagen. Bestimmt hat der Kaiser aber seine Anwesenheit bei der Krönung des Zarenpaares in Moskau zugesagt; das Zarenpaar wird dann den Besuch des Kaisers sofort erwidern und hier­auf nach Kiel zum Prinzen Heinrich uno weiter nach Darmstadt fahren. Der Großherzog von Hessen ist bekanntlich ein Bruder der Zarin.

Nach dem Reichsetat für 1896(97 sind im ganzen 420 763 343 Mk. Matrikularbeiträge aufzubringen gegen 393 Millionen im Etat pro 1895(96. Der Ge- sammtbeitrag beträgt für Preußen rund 243, Bayern 53, Sachsen 28/s, Württemberg 19, Baden 14*/a Millionen Mk. Den geringsten Beitrag zahlt Schaum­burg-Lippe mit 317 580 Mark.

* Seit dem Inkrafttreten der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes bis zum Schlüsse des Jahres 1895 wurden im Ganzen 269,450 Ansprüche auf Alters­rente und 156,027 Ansprüche auf Invalidenrente an­erkannt.

* Herr Amtsrichter Zimmermann, unser Land- tagsabgeordneter, theilt uns mit, daß man von Seiten der Regierung die Absicht noch nicht aufgegeben hat, dem Landtag noch in der gegenwärtigen Sitzungs­periode den Entwurf einer Landgemeinde- und Städte- ordnung für die Provinz Hessen-Nassau in Vorlage zu bringen. Der erst kurz vor Beginn des Zusammen­tritts des Landtags eingetretene Wechsel in der Person des Ministers des Innern brächte es mit sich, daß die

Es ist dies der Ort Dürr-Ellenbach, eine Stunde von Wald-Michelbach gelegen. Im Jahre 1830 zählte der Ort noch 54 Personen und eine Schule von 10 Kindern. Da kam das schlimme Jahr 1846 und mit ihm begann der Untergang des Ortes. Im Jahre 1863 wurden nur noch 32 Personen gezählt; 1890 waren es noch 12, und die letzte Zühlung ergab, daß nur noch in einem Gebäude 3 Menschen wohnen. Es ist dies die Förster­familie der Grafen von Erbach und von Benkheim, welche im Laufe der letzten Jahrzehnte alle Gehöfte und den ganzen Landerkomplex angekauft und zu Wald ver­wandelt haben. Der Ort ist also vollständig vom Erd­boden verschwunden, denn alle nicht nöthigen Gebäude wurden niedergerissen.

Ausland.

Wie aus Antwerpen gemeldet wird, gerieten dort die Matrosen des norddeutschen LloyddampfersPreußen" infolge eines politischen Streites in ein blutiges Hand­gemenge mit den Matrosen des englischen Dampfers Heatman". Die Zahl der Verwundeten ist groß. Der deutsche Matrose Fastborn wurde durch Messerstiche übel zugerichtct.

Konstantinopel Die in Zeitun eingetroffenen Cousuln fanden dort eine äußerst ernste Lage vor. Der Hunger­typhus und Skorbut fordern durchschnittlich 150 Opfer täglich. Der Gesundheitszustand der türkischen Truppen ist ungeachtet der unter ihnen herrschenden Dysenterie ein besserer. Ein von den Aufständischen kürzlich unter- nomineller Durchbruchsversuch scheiterte. Die Consuln haben ihre Verhandlungen zur Vermittelung einer fried­lichen Uebergabe bereits eröffnet.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 4. Febr.

* Mittwoch, den 5. d. Mts., Vormittags von 81 Uhr steht bei hiesiger Stadtkasse Termin an zur Erhebung der Staatssteuern. Staatssteuern, die nicht spätestens am 15. Febr. bezahlt sind, werden zwangs­weise beigetrieben. Im Interesse unserer Leser bemerken wir wiederholt, daß die Erhebung nur Mittwochs und Sonnabends, jedesmal von 8-1 Uhr stattfindet.

* Der Kreis - Ausschuß hat als Anerkennung der langjährigen treuen Dienstzeit den nachgenannten Dienstboten Prämien aus der Kreis - Communalkasse bewilligt. 1. dem Heinrich Rüder bei A. Ph. Schäfer jun. Wittwe hierselbst 15 Mark, 2. dem Johann Adam Mcienschein bei dem Mühlenbesitzer Johannes Fnchs zu Altengronau 15 Mark.

* Unter den Dienstboten herrscht mehrfach die Ansicht, daß ein mit einer Herrschaft eingegangenes Dienstverhältniß durch Rückgabe des etwa erhaltenen Miethethalers wieder rückgängig gemacht werden könne. Dies ist eine irrige Auffassung. Bindend ist einzig und allein das zwischen Herrschaft und Dienstboten getroffene Uebereinkommen, selbst wenn solches nur ein mündliches ist. DasHandgeld" ist ein aus früheren Jahren stammender und noch jetzt vielfach üblicher Gebrauch ohne rechtskräftige Wirkung, seine Rückgabe entbindet also keineswegs von dem eingegangenen Dienstverhältniß.

bereits unter dem früheren Minister fertig gestellte Vorlage eines derartigen Gesetzes nicht alsbald beim Zusammentritt des Landtages eingcbracht wurde. Leider ist nun noch ein zweiter Um? ad hinzugetreten, welcher die Sache hinausschiebt. T 1 Dezernent aus dem Ministerium des Innern nämlich, welcher die Vorlage ausgearbeitet und eine solche Ausarbeitung im Herbst 1894 auch bereits vor dem Provinziallandtag in Cassel vertreten hat, Herr Geheimer Oberregierungsralh Halbey, ist vor wenigen Tagen zu Grabe getragen worden, sodaß für den Verstorbenen, welcher mit den sehr verschiedenartigen Gcmcindeverfassungcn unserer Provinz genau vertraut war, nunmehr erst ein anderer Regierungscommissar sich in die verwickelten Verhält­nisse hineinarbeiten muß, um neben dem Herrn Minister die Vorlage vor dem Landtag vertreten zu können. Jedenfalls aber scheint Herr Minister v. d. Recke im Großen und Ganzen mit dem fertig gestellten Entwurf einverstanden zu sein, da er sich unserem Landlags- abgeordneten gegenüber dahin ausgesprochen hat, daß, falls die Tagung des Landtags nicht von allzu kurzer Dauer sein würde, er die Vorlage noch in diesem Jahr einbringen würde. Lassen nun auch die gesetzgeberischen Arbeiten, welche den Landtag bis jetzt beschäftigen, nicht den Schluß zu, daß derselbe ebenso lange zusammen bleiben wird wie im vorigen Jahr, so muß man sich doch immerhin darauf gefaßt machen, daß ihm die Landgemeinde- und Städteordnung für unsere Provinz zur Berathung noch zugeht. Es wird daher geboten sein, daß etwaige Petitionen, welche auf die Ausgestaltung des für die einzelnen Gebictstheile der Provinz in die bestehenden Verhältnisse mehr oder weniger tief ein­schneidenden Gesetzes abzielen, schleunigst vorbereitet werden.

Oldenburg, 2. Febr. Die Großherzogin ist heute Abend 10 Uhr gestorben. Die Großherzogin Elisabeth, eine Prinzessin von Sachsen-Altenburg, geb. 26. März 1826; war seit 1852 vermählt. Der Ehe entstammen zwr-i. Söhne und eine Tochter.

In Bremerhaven wurde ein Handwerksbursche wegen Fechtens von einem Gendarmen verfolgt und baber von letzterem erschossen. Der Fall erregt großes Aufsehen.

Altenburg. Mit so wertyvoller Feuerung ist wohl kaum je eine Lokomotivie geheizt worden, wie dies auf dem Bahnhöfe zu Altenburg geschah. Für nahezu 21 |a Millionen Mark Werchpapicrie sind in den Feuer- raum zur Verbrennung gelangt, und zwar in noch nicht begebenen Prioritäten der vormaligen Alienburg-Zeitzer Eisenbahn-Gesellschaft. Die Liquidatoren der Gesellschaft, ein Notar und zwei Beamte der Königlichen General- direktion, prüften die Kontrollisten der Verbrennung.

Krotoschiu, 27. Jan. Eine seltene Auszeichnung ist durch den Kaiser einem armen jugendlichen polnischen Dienstmädchen verliehen worden, nämlich die Rettungs­medaille am Bande der kaum 16jährigen Marianne Sorz zu Salnia. Aus dem brennenden Wohnhause ihrer Dienstherrschaft hat sie im vorigen Frühjahr un­mittelbar vor dem Zusammensturz des Hauses ein in der Wiege liegendes, von den eigenen Eltern in der Aufregung vergessenes Kind gerettet; in der Wiege glimmten schon die Kissen. Auch ein Belohnung in Geld ist ihr geworden. Hoffentlich trägt diese ganz außergewöhnliche Handlung und Auszeichnung dazu bei, die Zukunft der muthvollen Retterin dauernd zu bessern. Dienstboten, welche für ihre Herrschaft das Leben einsetzen, sind nicht zahlreich.

Nürnberg, 29. Jan. Unter den Viehbeständen des hiesigen Viehhofes, der in lebhaftem Verkehr mit dem Berliner steht, ist die Maul- und Klauenseuche ausge­brochen. Infolgedessen ist der Viehhof gesperrt.

In Bamberg waren eine Anzahl Gymnasiasten und zwei höhere Töchter bet einer regelrechten Kneiperei abgefaßt. Die Gymnasiasten sind von der Anstalt verwiesen, die schonend aufmerksam gemachten Eltern der beiden Mädchen haben diese selbst von der Schule genommen.

Mainz, 31. Jan. Von gut Unterrichter Seite ver­lautet, daß gestern der Vertrag zwischen Preußen und Hessen wegen Verstaatlichung der Hessischen Ludwigs­bahn unterzeichnet wurde. Die Direktion bleibt in Mainz.

Aus dem Odenwald, 24. Jan. Die letzte Volks­zählung hat ergeben, daß in den letzten Jahrzehnten in unserer Gegend ein Dorf vollständig verschwunden ist.

* Eine neue Tarifbestimmung über die Ausgabe von Arbeiter-Wochenkarten lautet:Arbeiter-Wochenkarten werden für sechs aufeinander folgende Arbeitstage entweder zu einer täglichen Hin- und Rückfahrt oder zu einer täglichen einfachen Fahrt zwischen Wohnort und Arbeitsstelle verausgabt." Die Benutzung der Arbeiter-Wochenkarten ist nur für die Arbeitstage zulässig; sie haben also an Sonn- und Festtagen nur unter der Voraussetzung Geltung, daß die Arbeiter mit Rücksicht auf die Arbeitseintheilung in ihren Arbeitsstellen (Tag­oder Nachtschichten) genöthigt sind, die letzteren erst nach Anbruch des Sonntags oder Festtags zu verlassen oder vor Beendigung desselben wieder aufzusuchen. Die Züge und Strecken, auf welchen Arbeiter-Fahrkarten an Sonn- und Festtagen zur Hin- und Rückfahrt benutzt werden dürfen, werden von der Eisenbahnverwallung besonders bezeichnet. Gleichzeitig mit dieser neuen Anordnung wird in der Form der Arbeiter-Wochenkarten eine Aenderung durchgeführt.

Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten weist in einer Cirkularverfügung vom 21. Januar d. J. über die Bekämpfung der Dasselfliege (Rinderbremsfliege, Biesfliege) von Neuem auf einen Erlaß vom Jahre 1888 hin, worin ausgeführt wird, daß nach dem Gutachten der angehörten Sachverständigen