Einzelbild herunterladen
 

IchlWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

,N 7. Mittwoch, den 22. Jonuor 1896.

W«E^^^^W8MSS«MW^^KWS^WMWWW^^^^^-^Ä^SS?iWM»^M^Wf?»1MMM^^E^^ --WlTni»

iMoIhtMAMI °uf dieSchlüchterner Zeitung" StU^ltUUeSytll werden noch fortwährend von allen 1 1 "i Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Bei der

25 jährigen Erinnerungsfeier der Neu- begründung des Deutschen Reichs

hat Seine Majestät der Kaiser und König im Weißen Saale des Königlichen Schlosses nachstehende Thronrede verlesen:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc. thun kund und fügen hiermit zu wissen:

Nachdem fünfundzwanzig Jahre verflossen sind seit dem Tage, an welchem Unseres in Gott ruhenden Herrn Großvaters Majestät der cinmüihigen Auf­forderung der deutschen Fürsten und Freien Städte und dem Wunsche der Nation entsprechend die deutsche Kaiser­würde angenommen hat, haben Wir beschlossen, das Gedächtniß dieses denkwürdigen Ereignisses feierlich zu begehen, welches dem langen Sehnen des deutschen Volkes endliche und glänzende Erfüllung brächte und dem wieder errichteten Reiche die Stellung schuf, die ihm nach seiner Geschichte und kulturellen Entwickelung in Mitten der Völker des Erdreichs gebührt.

Wir haben dazu die Bevollmächtigten Unserer Hohen Verbündeten und die Vertreter des Volkes sowie die­jenigen Männer entboten, welche in jener großen Zeit an dem Werke der Einigung der deutschen Stämme hervorragend mitgewirkt haben.

Umgeben von den Fahnen und Standarten ruhm­reicher Regimenter, den Zeugen des Todesmuthes unserer Heere, die an jenem Tage den ersten Deutschen Kaiser grüßten, erinnern Wir Uns tief bewegten Herzens des erhebenden Bildes, welches das in seinen Fürsten und seinen Völkern geeinte Vaterland den Zeitgenossen bot.

Im Rückblick auf die verflossenen fünfundzwanzig Jahre fühlen Wir uns zunächst gedrungen, Unserem demüthigen Danke gegenüber der göttlichen Vorsehung Ausdruck zu geben, deren Segen sichtlich auf dem Reiche und seinen Gliedern geruht hat.

Das bei der Annahme der Kaiserwürde von Unseres unvergeßlichen Herrn Großvaters Majestät abgegebene und von seinen Nachfolgern au der Krone übernommene Gelöbniß, in deutscher Treue die Rechte des Reiches und seiner Glieder zu schützen, Frieden zu wahren, die Unabhängigkeit Deutschlands zu stützen und die Kraft des Volkes zu stärken, ist mit Gottes Hülfe bis da­hin erfüllt.

Von dem Bewußtsein getragen, daß es berufen sei, Niemandem zu Liebe und Niemandem zu Leide im Rathe der Völker seine Stimme zu Gunsten des Friedens zu erheben, hat das junge Reich sich ungestört dem Ausbau seiner inneren Einrichtungen überlassen können.

In freudiger Begeisterung über die heiß ersehnte und schwer errungene Einheit und Machtstellung, in festem Vertrauen auf die Führung des großen Kaisers und auf den Rath bewährter Staatsmänner, insonderheit seines Kanzlers des Fürsten von Bismarck, stellten sich die werkthätigen Krä;te der Nation rückhaltlos in den Dienst der gemeinsamen Arbeit. Verständnißvoll und opferbereit bethätigte das Reich seinen Willen, das Er­worbene festzuhalten und zu sichern, die Schäden des wirthschaftlichen Lebens zu heilen und bahnbrechend den Weg zur Förderung der Zufriedenheit der verschiedenen Klassen der Bevölkerung vorzuzeichnen.

Was in dieser Beziehung geschehen und geschaffen ist, dessen wollen wir uns freuen.

Neben der Ausbildung unserer Wehrkraft, welche zum Schutze der Unabhängigkeit des Vaterlandes auf der Höhe der Leistungsfähigkeit zu erhalten Unsere Kaiserliche Pflicht ist, haben Gesetzgebung und Ver­waltung in deutschen Landen die Wohlfahrt auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der wirchschaftlichen Thätigkeit zu pflegen sich angelegen sein lassen.

Freie Bahn für die Entfaltung der geistigen und materiellen Kräfte der Nation, Hebung des durch diese Entfaltung bedingten Wohlstandes, Herstellung einheit­lichen Rechts, Sicherung unparteiischer, achtunggebietender Rechtspflege und Erziehung der Jugend zur Gottes- 1 furcht und Treue gegen das Vaterland, das sind die Ziele, welche das Reich unablässig erstrebt hat.

So werthvoll aber die bisher erreichten Erfolge i

Deutsches Reich.

Berlin. Kaiser Wilhelm weilte am Sonnabend früh am Sarge seines Großvaters. In aller Morgen­frühe war der Kaiser hinausgefahren nach dem Mauso­leum in Charlottenburg, hatte am Sarge seines Groß­vaters ein Gebet verrichtet, und einen großen Lorbeer- kranz mit langer weißer Atlasschleife, der außer der Krone noch die Jahreszahl 1870 71 au'gcdruckt war, auf den Sarg des unvergeßlichen Monarchen niedergelegt.

Der Kaiser hat den Staatsministern Camphausen und Delbrück den Schwarzen Adlerorden verliehen, 19 Generäle in den Adelsstand erhoben n. s. w. Dem Fürsten Bismarck hat der Kaiser in einem Handschreiben die Mittheilung gemacht, zur bleibenden Erinnerung an sein unvergeßliches Wirken für Kaiser und Reich sein Bildniß in ganzer Figur und in Lebensgröße malen zu lassen und demselben einen Ehrenplatz im Reichskanzler-Palais anzuweisen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht ferner eine Ur­kunde, betreffend die Stiftung eines Wilhelm-Ordens für Männer, Frauen und Jungfrauen, welche sich hervor­ragend um die Wohlfahrt und Veredelung des Volkes, insonderheit auf sozialpolitischem Gebiete im Sinne der Botschaft Kaiser Wilhelms I. verdient gemacht haben.

Der Kaiser hat außerdem, wie der Reichs­anzeiger mitlheilt, einer größeren Anzahl von Personen, welche wegen Majestätsbeleidigung oder Beleidigung eines Mitgliedes des königlichen Hauses rechtskräftig verur- lheilt sind, die ihnen auferlegten Strafen, soweit die­selben noch nicht vollstreckt sind, und die noch rück­ständigen Kosten in Gnaden erlassen. DerReichs­anzeiger" ist am Samstag Morgen in einer Extra- Ausgabe erschienen, in welcher zunächst Gnadenerlasse für Preußen und für Elsaß-Lothringen sowie für die Marine durchweg für Strafen bis zu 6 Wochen bczw. 150 Mk. veröffentlicht werden, dagegen bezeichnender Weise nicht der vomVorwärts" mit­getheilte Gnadenerlaß für Militärpersonen.

-- Nach zweitägiger Berathung ist am Freitag der Antrag Kanitz im Reichstage mit 219 gegen 97 Stimmen abgelehnt worden. Die Ablehnung des Antrag Kanitz mit so überwältigender Majorität 219 gegen 97 wurmt die Antragsteller, die ja an einen Erfolg nicht denken konnten, nicht so wie die scharfe Erklärung des Laudwirthschaftsministers und vorher schon des Staats­sekretärs v. Marschall. Der Kaiser soll eine schroffe Ablehnung gewünscht haben und demzufolge im preußischen Staatsministerium vereinbart worden sein, daß den Kanitz und Genossen diesmal mit besonderem Nachdruck das Unzulässige ihrer Agitation zu Gemüthe geführt würde.

auch sein mögen, nicht müde werden wollen wir bei der Fortsetzung des uns vorgezeichneten Weges. Der weitere Ausbau der Reichseinrichtungen, die Festigung des Bandes, welches die deutschen Städte umschlingt, die nothwendige Abwehr der mancherlei Gefahren, denen wir ausgesetzt sind, erfordert neben den Ansprüchen einer schnell voranschrcitenden Entwickelung aller Zweige menschlicher Thätigkeit dauernd unsere rastlose und hin­gehende Arbeit.

Wie Wir Selbst von Neuem geloben, dem Vorbild Unseres in Gott ruhenden Herrn Großvaters in treuer Pflichterfüllung nachzueifern, so richten Wir an alle Glieder des Volkes Unsere Kaiserliche Aufforderung, unter Hintansetzung trennender Parteiinteressen mit Uns und Unseren Hohen Verbündeten die Wohlfahrt des Reiches im Auge zu behalten, mit deutscher Treue sich in den Dienst des Ganzen zu stellen, um so in gemein­samer Arbeit die Größe und das Glück des geliebten Vaterlandes zu fördern.

Geschieht dies, so wird, das hoffen Wir zuversichtlich, auch ferner der Segen des Himmels uns nicht fehlen, dann werden wir, wie in jener großen Zeit, geeint und fest allen Angriffen auf unsere Unabhängigkeit begegnen und ungestört der Pflege unserer eigenen Interessen uns hingeben können.

Das Deutsche Reich aber wird, weil entfernt davon, eine Gefahr für andere Staaten zu sein, begleitet von der Achtung und dem Vertrauen der Völker, nach wie vor eine starke Stütze des Friedens bleiben.

Daß dem so sei, das walte Gott!

Gegeben Berlin im Schloß, den 18. Januar 1896.

Wilhelm.

(L. 8.) Fürst zu Hohenlohe.

:i Direktor Koch von derDeutschen Bank" warnt r in einer Zuschrift an dieNat.-Ztg." von einer Ver- g schärfung der Volksstimmung gegenüber England mit t, Rücksicht auf diekolossalen kommerziellen und n industriellen Interessen", die von der Erhaltung guter r Beziehungen zu England abhingen. Wir sind ganz der e Meinung, daß es falsch wäre, sich durch die Hetzartikel - der englischen Presse erbittern zu lassen. Natürlich dürfen wir um des englischen Geldes willen nicht um d Haaresbreite von dem Boden des Rechtes zurückweichen, r das zweifellos auf Seiten Transvaals ist; aber einen e kriegerischen Ton brauchen wir deshalb um so weniger , anzuschlagen, als auch die Drohungender Engländer 8 keineswegs ernst zu nehmen sind. Bange machen gilt § nicht. Das ist das einzig Richtige. Und daß die ) Behauptung englischer Blätter, Deutschland sei durch - das Londoner Kriegsgeschrei bereits eingeschüchtert und t der Kaiser habe sich der Königin-Großmutter gegenüber brieflich entschuldigt, thatsächlich unwahr ist, zeigt , folgende hochosfiziöse Notein derN. A. Z.":Einzelne , englische Blätter sind bestrebt, den Anschein zn erwecken, als ob von deutscher Seite entschuldigende Erklärungen in der Transvaalfrage gegeben worden seien. Wir stellen demgegenüber fest, daß nach unseren Infor­mationen von keiner maßgebenden Stelle aus eine der­artige Erklärung nach London gelaugt ist."

* Nach der amtlichen Zusammenstellung haben m Jahre 189495 die Sparkasseneinlagen betragen: Ostpreußen 74,69 Millionen, Westpreußen 68,39, Berlin 173,96, Brandenburg 275,69, Pommern 184,75 Posen 60,33, Schlesien 332,34, Sachsen 438,10, Schleswig-Holstein 428,50, Hannover 539,83, West- falen 656,01, Hessen-Nassau 185,60, das Rheinland 570,13, Hohenzollern 12,14 Millionen Mark.

München, 18. Januar. DieAllgemeine Ztg." meldet: Der Prinzregent sandte an den Kaiser thelegraphisch seine Glückwünsche zur Jubelfeier des Reiches, welches im Innern geeinigt, nach außen fest und geachtet dastehe. Der Prinzregcnt bittet die Vor­sehung, daß sie auch ferner darüber walte. Der Kaiser dankte von ganzem Herzen für die treuen Glückwünsche und fügte hinzu, das Band, welches die deutschen Stämme und Fürsten vor 25 Jahren so eng umschlang, werde im Vertrauen zu Gott sich auch in Zukunft als fest und unzerreißbar erweisen. Im Finanzausschüsse der Kammer theilte der Justizminister mit, daß anläß­lich der Reichsjubelfcier der Prinzregent alle Freiheits­strafen unter 150 Mark begnadigte, ferner alle im FuchSmühler Prozesse Vcrurtheilten, mit Ausnahme von zweien.

Das Militärgericht verurtheilte den Lieutenant Schoeffer in München, der in der Sylvesternacht dem Sergeanten Zech die von Letzterem geforderte Patrouille mit scharfen Patronen ins Pschorrbräu mitgab, zu 30 Tagen Stubenarrest.

In München ist Notar Franz Biehler wegen Unter­schlagungen verhaftet worden. Dieselben sollen 200 000 Mk. übersteigen und das Staatsärar mit mehr als 40000 Mk. bcthciligt sein. In den Kreisen der An­wälte war es schon seit zwei Jahren bekannt, daß bei Notar Biehler manches nicht in Ordnung sei, daß er mit Schwierigkeiten sümpfen habe und Schiebungen be­denklicher Art vornehme. Gegen Biehler herrschte schon seit Jahren in unterrichteten Kreisen Mißtrauen.

Bublauken, 12. Jan. Die Käthnerwittwe Nötzel, welche mit ihren zwei Kindern in sehr ärmlichen Ver­hältnissen lebt und deren Mann, der vor zwei Jahren an den Folgen eines Unfalls verstarb, den Feldzug 1870/71 mitgemacht hat, richtete vor dem Sedanfcste ein Schreiben an den Kaiser mit der Bitte um eine kleine Unterstützung. Vor einigen Tagen ist nun an Frau Nötzel ein Geschenk von 1000 Mark durch die Krciskasse ausgezahlt worden. Das Geld hat Frau N. auf einer Sparkasse in Tilsit niedergelegt, um dasselbe später für die Erziehung ihrer Kinder zu verwenden.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 21. Januar.

* Die 25jährige Jubelfeier der Errichtung des deutschen Reiches ist auch hier allgemein in solenner Weise gefeiert worden. In den verschiedenen Vereins­lokalen und Wirthschaften fanden Commerse, Vorträge, Abendunterhaltungen rc. statt, welche die Theilnehmer