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Präsident Brausewetter ist nach ärztlichem Urtheil un­heilbar an Gehirnerweichung erkrankt, so daß sein Ausscheiden aus dem Dienst bald erfolgen wird.)

Aus Deutsch-Südwestafrika wird berichtet, daß Hendrik Witbooi mit dem deutschen Statthalter von Damaraland zu einer ferneren Vereinbarung gekommen ist, wonach er in den Militärdienst eintritt, wenn immer er vom deutschen Kaiser aufgefordert wird.

Oldenburg, 16. Jan. Der Schlaf der Großherzogin war in der vergangenen Nacht bedeutend besser und das Allgemeinbefinden befriedigend. Die Kranke fühlt sich heute viel wohler und kräftiger. Der Appetit nimmt zu. (Die Fürstin war vor ein paar Tagen schon todt gesagt worden, hat sich aber wieder etwas erholt.)

Leipzig, 10. Jan. Wegen Nahrungsmittelver­fälschung wurde der hiesige Gewürz-Großhändler Tr. Frz. Röthing vom Landgericht zu einem Monat Ge­fängniß und 1500 Mk. Geldstrafe verunheilt. Röthing hatte beim Mahlen der Gewürze minderwerthige Surro­gate beifügen lassen.

Vom Harz. Ein gefahrvoller Lebensunterhalt. Wenn der Winter hart und streng über den Bergen des Harzgebirges liegt, wenn das Holzhauen und das Steinschlagen un'er der Ungunst der Witterung einge­stellt werden muß, dann lebt bei uns ein Gewerbe auf, das mit steter Lebensgefahr verbunden ist, das Sammeln von Tannensamen. Hat der Sammler aus den höchsten Spitzen der Riesentanne seine Ernte eingeheimst, so ver­setzt er die Tanne in schwingende Bewegung, um sie dann fahren zu lassen, und durch die Luft zur nächsten Tannenspitze hinüberzufliegen. Nur wenn der Schnee- fall gar zu stark wird, muß dann auch dies Gewerbe eingestellt werden. Dutzende von Harzbewohnern kommen bei ihm in jedem Winter zu Schaden, ja es kommen regelmäßig auch Todesfälle vor. Aber das ge­fährliche Gewerbe wird weiter betrieben, denn es nährt seinen Mann. Ein geschickter Sammler verdient täglich durchschnittlich etwa 7 Mk, also so viel, wie eine jener anspruchslosen Harzarbeiterfamilien zum Wochenunter- halt nöthig hat.

Ausland.

In Transvaal wirkt Präsident Krüger mit großer Ruhe und Besonnenheit auf eine völlige Befestigung von Ruhe und Ordnung hin. In einer Proklamation hält er den aufsässigen Elementen im Bezirk von Johannesburg eine tüchtige Strafpredigt, hoffentlich wird die nutzen. Die englischen Freibeuter, die über Transvaal aus dem Lande gebracht sind, haben bei Krügersdorf ja eine solche blutige Lektion erhalten, daß sie schwerlich so bald Nachfolger finden werden. Mit Ausnahme der Rädelsführer wird alles amnestiert. In Johannesburg sind gegen 300 Ausländer wegen Verbindung mit den englischen Freibeutern verhaftet worden. Darunter befinden sich Vertreter fast aller großen Goldminen - Gesellschaften, auch einige Deutsche.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 17. Januar.

* Wie man hört, hat der Stadtrath die Er­richtung einer Badeanstalt beschlossen und dafür 5000 Mark angewiesen. Eine solche Anstalt ist schon lange als ein dringendes Bedürfniß erkannt. Wo sie hinkommt, ist noch nicht entschieden.

* Es finden gegenwärtig Verhandlungen zwischen der Stadtvertretung und dem Vorstand des hiesigen Turnvereins statt zwecks Uebergabe des Turnhallen- Grundstücks und der Gebäude darauf in das Eigenthum der Stadt. Durch die Anlage der neuenGrabenstraße" ist das betreffende Grundstück im Werthe gestiegen und dürfte bei dem zu erwartenden Verkehr, der diese neue Verbindungsstraße bald beleben wird, noch werth- voller werden.

* Im Eisenbahnkoupee plötzlich verstorben ist Dienstag Vormittag ein Reisender, der von Frankfurt a. M. aus den D-Zug benutzt hatte. Ersterer, ein großer starker Herr, Mitte der dreißiger Jahre, hat vermuthlich einen Schlaganfall erlitten; hinter Fulda wurde ihm plötzlich unwohl und bald fiel er leblos von seinem Sitze herunter. Von einem Mitreisenden wurde die Nothlcine gezogen, der Todte jedoch erst in Kerzell ausgesetzt und das weitere telegraphisch angeordnet.

Fulda, 12. Jan. Die Frage der Errichtung einer spezifisch katholischen Universität in Deutschland wird gegenwärtig in den Kreisen des katholischen Adels rc. lebhafter denn je erörtert. Man will endlich Thaten sehen und stützt sich dabei auf das Protokoll der von allen deutschen Kirchenfürsten besucht gewesenen Bischofs- konscrcnz vom September 1869. Als Domizil für die genannte Schöpfung kommt einzig noch unsere Stadt in Frage, die, das Grab des hl. Bonifazius bergend, seit einem Vierteljahr hundert die Metropole der katholischen Bewegung in Deutschland gewesen ist, bis 1803 eine Universität gehabt hat und heute noch eine katholisch- theologische Fakultät besitzt. Von den gesammelten Geldern soll dein Vernehmen nach das hiesige schöne und geräumige Schloß für die Zwecke der Universität erworben werden, während an dem Eingang weiterer großer Summen nicht gezweifelt werden darf wenn nur die staatliche Genehmigung erlangt wird!

Hünfeld, 10. Jan. Ueber den geplanten Klosterbau der P. P. Oblaten erfährt dasHünf. Kreisbl." aus zuverlässiger Quelle: Mit der Ausführung des für die philosophischen und theologischen Studien bestimmten rechten Flügels soll mit Eintreten der günstigen Witterung ohne Verzug begonnen werden. Die Erd­arbeiten sind schon vergeben und sogar in Angriff genommen, die übrigen Arbeiten und einige Lieferungen werden nächste Woche vergeben. Die Gesammtlänge des Gebäudes mit Einschluß der Kapelle beträgt nicht weniger als 79 Meter. Der dieses Jahr bis Ende August unter Dach zu bringende vierstöckige Flügel mißt für sich allein schon 46 Meter auf 12 */2 Meter Tiefe. Das Ganze im romanischen Stile gehalten, macht bei aller Einfachheit einen imposanten Eindruck. Die ganze Umgegend von Hünfeld scheint mit der Stadt um die Palme der christlichen Opferwilligkeit zu streiten: Molz- bach, Großenbach, Kirchhasel, Roßbach haben auf An­regung der zuständigen Bürgermeister zur alleinigen Ehre Gottes eine ansehnliche Menge Bruchsteine auf die Baustelle befördert; die Gemeinde Rückcrs sorgt bereit­willigst für das Herbeischaffen des Sandes, andere Ortschaften wie Mackenzell, Sargenzell, Ho'aschenbach, Haselstein habe ihre Mitwirkung schon zugesagt; noch andere Gemeinden stehen zu ähnlichen Hilfeleistungen bereit.

Orb, 14. Jan. Der hiesige Obstbau- und Obst- verwerthungsverein hat unlängst damit begonnen, seinen selbstgekelterten Aepfelwein abzugeben. Die Verkaufsstelle ist bei Herrn Bernhard Ricger hierselbst errichtet. Das Obst, das der Verein gelagert, hat sich bis jetzt gut erhalten; ist der Verein nicht zu theuer damit, wird er dasselbe mit leichter Mühe absetzen können. Eine Aschaffenburger Aktienbrauerei-Gesellschaft hat in der Saline einen Sudraum zur Anlage eines Eiskellers auf 5 Jahre von der Stadt gepachtet.

Cassel. Der Generallieutenant z. D. von Schnacken- berg in Hannover erhielt am 12. d. Mts. folgendes Telegramm des Kaisers:An der Spitze der 4. Es­kadron hessischer Husaren erwarben Sie sich im Zuge an der Loire das Eiserne Kreuz 1. Klasse. An dem heutigen Gedenktage der Einnahme von Le Mans erinnere Ich mich Ihrer dankbar und verleihe Ihnen hierdurch den Stern zum Rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub." Herr Generallieutenant v. Schnacken- berg ist bekanntlich früherer Kurhessischer Offizier gewesen und hatte auch bis vor kurzem seinen ständigen Aufenthaltsort hier in Kassel.

Cassel, 12. Januar. DasCass. Tagcbl." schreibt: Die Bedeutung der Fuldakanalisation erhält eine ganz neue bedeutende Beleuchtung durch ein Ereignis, welches bis jetzt noch nicht dagewesen ist. Auf direktem Wasser­wege von Ostindien langte dieser Tage ein- Matrose hier im neuen Hafen der Fulda an, welcher in Bremen angekommen, dort einen nach Cassel abgehenden Fulda- Schleppdampfer antraf und sich ein Vergnügen daraus machte, diesen zu besteigen und auf der Wasserstraße seine Heimat zu erreichen.

Marburg, 13. Jan. Der Rektor unserer Universität erläßt anläßlich eines kürzlich vorgekommenen Falles, daß ein Student einen Posten durch Redensarten u. bergt belästigte, durch Anschlag folgende Bekannt­machung:Schon zum zweiten Male innerhalb eines Jahres ist es kürzlich geschehen, daß Soldaten im Dienst von Studirenden belästigt und gestört worden sind. Der Schuldige ist bereits dem Civilrichter angezeigt und wird seiner Strafe schwerlich entgehen; aber ich kann die Angelegenheit nicht erwähnen, ohne vor der­artigen Ausschreitungen auf das Allerdringendste zu warnen. Die Thäter machen sich in der Regel nicht klar, welcher großen Gefahr sie sich aussetzen; denn der Soldat im Dienst hat unter gewissen Bedingungen nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, scharf zu schießen. Indessen wie klein oder groß die Gefahr auch angesehen werden mag: es bleibt eines gebildeten jungen Mannes auf's Höchste unwürdig, einen unter strenger Disziplin stehenden Soldaten zu necken und ihn dadurch nach zwei Seiten hin vor eine schwere Verantwortlichkeit zu stellen. Sollten ungeachtet dieser Warnung ähnliche Fälle sich wiederholen, sollte ein Studirender in Zukunft pflichtvergessen genug sein, das bisherige gute Verhältniß zwischen Universität und Militär durch sein Benehmen in Frage zu stellen, so darf er der strengsten akademischen Strafen gewärtig sein."

In Schwarzeuborn und den umliegenden Dörfern wird jetzt eifrig das Schneeschuhlaufen betrieben; der Schnee liegt dort einige Fuß hoch und ist dies für den genannten Sport besonders günstig.

Rotenburg. Großes Schwein hatte dieser Tage der in dem benachbarten Gerterode wohnhafte Bauersmann P. Sch. Ein trächtiges Schwein seines Viehbestandes brächte die stattliche Anzahl von 22 kleinen Ferkeln zur Welt. Wird auch bei den niedrigen Preisen derselben bei weitem nicht der Erlös des Vorjahres erzielt, so ergiebt die große Anzahl immerhin eine recht schöne Einnahme. Wie leicht ein Unglück passiren kann, zeigt Folgendes: Am vergangenen Sonntag geht ein Söhnchen des Landwirths Joh. Leffler zu Breitenbach auf dem Hofe umher, eine Henne verfolgend. Plötzlich kommt der Hahn, fliegt nach dem Kopfe des Kleinen und pickt ihm, ehe es Jemand gewahr wird, das linke Auge aus.

Altmorschen, 8. Januar. Im benachbarten Dorfe Neumorschen ist gestern von zwei jungen, unbekannten Männern ein raffinierter Gaunerstrich ausgeführt worden. Dieselben boten schon früh Morgens ver­schiedenen Einwohnern ein schönes Rind zum Verkauf an, ließen bald das Thier zu dem niedrigen Preise von 85 Mark an einen Fischer ab und zogen wohlgemuth von bannen. Ein Gendarm, welcher von dem Handel hörte, kam die ganze Sache verdächtig vor, und ungesäumt begab er sich auf den Weg nach Binsförth; dort traf er dieViehhändler" im Wirtshause bei einem pikanten Frühstück sitzend an. Nach einem kurzen Verhör stellte eS sich heraus, daß sie das Rind in Hesscrode in der Nacht vorher gestohlen hatten. Sie wurden alsbald verhaftet und ins Gefängnis zu Melsungen eingeliefert. Es ist dieser Vorfall wieder eine Mahnung an die Landwirthe, jeden Abend ihre Ställe sorgfältig zu ver­wahren. Die Diebe sollen zwei vor einiger Zeit aus der Fabrik von Henschel und Sohn in Cassel ent­lassene Arbeiter sein.

Papa Toureis gute Einfälle.

Von Julien de Turique.

1.

Das war wieder einmal ein guter Einfall vom Papa Tourel!" So lautete die stehende Redensart.

Es gab thatsächlich in der ganzen Umgegend Keinen, der nicht die Schärfe und den Witz des Papa Tourel ebenso wie ein gesundes gutes Urtheil gerühmt hätte.

Tourville-la-Campagne ist ein Dörfchen in der Nähe von Elboeff. Gleich beim Eintritt in die erste Straße seht Ihr links ein hübsches, weiß angestrichenes, zwei­stöckiges Haus. Glycinen und Geißblatt schlingen ihre dusligen Ranken um die Fenster. Da wohnt Papa Tourel. Wer immer Ihr seid, tretet ein und weidet Euch an dem Anblick einer glücklichen Häuslichkeit. Am Fenster in seinem großen Lehnstuhl sitzt unser Tourel und raucht behaglich seine lange Pfeife. Er lächelt still zufrieden, seine Blicke schweifen über die Landschaft, die sich vor ihm ausdehnt. Ab und zu, wenn er einen leichten Schritt hört, dreht er sich um und seine Augen ruhen wohlgefällig auf einer jungen, hübschen Frauen- gestalt, die schaffend und ordnend in dem traulichen Gemach aus- und eingeht.

Immer fleißig, Annette?"

Ja natürlich."

Und Du bist Deines alten Mannes noch nicht überdrüssig; Du liebes junges Ding?"

Oh nein, Liebster."

Aber ich wünsche, daß Du dein Leben genießest. Ich wünsche, daß Du die Tanzkränzchen weiter besuchst, gerade wie vor unserer Heiralh. Man soll nicht sagen, der alte Tourel habe Dich nur zu seiner Frau gemacht, um Dich für den Rest deiner Tage hinter vier Mauern zu vergraben."

Du bist zu gut für mich und ich hab' Dich lieb, Du bester Mann."

Ich Dich auch, Schatz, und es war ein vortrefflicher Einfall von mir, Dich zu heirathen."

2.

Braver Papa Tourel! Sein ganzes Leben bestand aus guten Einfällen. Statt als kleiner Junge in den Feldern umher zu streifen, studirte er Landwirth­schaft aus großen, dicken Büchern und belehrte seinen Vater über die besten Systeme für Saat und Ernte. Hatte dann der Alte, Dank der guten Rathschläge seines Sohnes, ein Stück Feld ober einen Acker vortheilhaft verkauft, dann fuhr er seinem Sprößling liebkosend mit der Hand über die Wange und sagte schmunzelnd:Da hat der Kleine einen guten Einfall gehabt!"

Fünfundzwanzig Jahre alt ließ Tourel sich mit einer reichen Pächterstochter verloben. Nach einigen Wochen aber fand er das junge Mädchen zu gefallsüchtig und löste das Verhältniß. Meister Constalon ein Notar aus dem Kanton Boerville heirathete sie an seiner Stelle. Tourel hatte eine feine Nase gehabt. Die Ehe des Notars wurde nicht glücklich. Man munkelte aller­hand über die Frau.Armer Constalon!" hieß es. Uebrigens da hat Tourel wieder einmal einen guten Einfall gehabt!"

Und bis auf den heutigen Tag hatte sich die Zahl von Tourels guten Einfällen immer vermehrt. Der letzte, von dem man sprach und den man als seinen besten pries, war seine Heiralh wirklich ein famoser Gedanke und eine schöne That obenein. Nämlich so: Tourel war ein Fünfziger geworden und trotzdem er sehr behaglich lebte, trotzdem die alte Katharine ihn vortrefflich pflegte, viele gute Freunde fleißig bei ihm verkehrten, seine Abende aus's Angenehmste auSgefüllt waren (der Bürgermeister kam regelmäßig zu einer Partie Piguet), trotz alledem verlangte es ihn nach dem erfrischenden, erfreuenden Umgang mit einem jugendlichen weiblichen Wesen. Mit einem Wort Tourel wollte heirathen. Aber wen? Gewiß nicht die erste, beste Dorf­schöne, die ihn nur um des Geldes willen genommen hätte dazu war er zu gewitzigt. Nach einer zweiten Mme. Constalon trug er kein Verlangen. Tourel war in Verlegenheit; aber er redete mit Niemanden von seinen Absichten und trachtete iu aller Stille darnach, sie auszuführen. Er beeilte sich nicht, aber er hielt fleißig Umschau unter den Jungfrauen von Tourvillk.