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WüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKrcisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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<M 4. Samstag, den 11. Januar 1896.

NsKs^^tzl^^*, nuf dieSchlüchterner Zeitung"

UlUlyi werden noch fortwährend von allen . - ----------; Postanstalten und Ländbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Teutsches Reich.

Berlin, 8. Jan. Der Kaiser hörte am Mittwoch den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets und empfing den Reichskanzler, sowie den Direktor des Kolonialamts. Abends wohnten die Majestäten in Berlin einer Trauer­andacht an der Leiche des.Prinzen Alexander bei und be- gaben sich stdann nach dem kgl. Schloß, um nunmehr für den Winter dort zu verweilen.

Dem Fürsten Bismarck hat, wie verlautet, der Kaiser auf seinen Neujahrswunsch ein längeres, sehr freundliches Handschreiben zugehen lassen. Ob der Fürst am 18. Januar nach Berlin kommt, ist, wie ge- a meldet wird, wegen 'seines schwankenden Gesundheits- . Zustandes noch fraglich.

Der Königliche Hof hat am Samstag für Seine Königliche Hoheit des Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig Alexander von Preußen die Trauer auf vier Wochen angelegt. Die Beisetzung der Leiche des Prinzen erfolgt am Samstag.

* Se. Maj. der Kaiser richtete an das Ober­kommando der Gendarmerie nachstehenden Erlaß:

DaS Korps der Landgendarmerie begeht heute den Tag seines fünfundsiebenzigjährigen Bestehens in der Organisation vom 30. Dezember 1820. Ich benutze diesen Anlaß gern, um dem Korps Mein Vertrauen und Meine Zufriedenheit auSzusprechen. Als ein sicht­bares Zeichen Meiner Anerkennung für die verdienst- ' volle Thätigkeit der Landgendarmerie im Frieden und in Erinnerung ihrer Leistungen während des Feldzuges 1870/71 verleihe Ich derselben zum Helmadler den Gardisten: Und ertheile außerdem dem Offizierkorps die Berechtigung zum Tragen der Kartusche nebst Bandolier, nach der für die Offiziere der Feldgendarmerie fest­gesetzten Probe."

Neues Palais, den 30. Dezember 1895.

gez. Wilhelm R.

Veteranen von 1813|15. In Preußen finden I jetzt Ermittelungen darüber statt, ob noch solche Vete­ranen aus den Feldzügen 1813|15 am Leben sind, die einer Unterstützung würdig und bedürftig sind. Be­jahenden Falles sollen, wie dieSchief. Ztg." meidet, Namen, Stand und Wohnort solcher Veteranen nebst einer Angabe über deren Betheiligung an den Feld- zügen von 1813| 15 höheren Ortes gemeldet werden. Es ist anzunehmen, daß es sich dabei um außcrordent- P liche Gnadenbewilligungen aus der Kaiserlichen Scha­tulle handelt.

Der Oberlandstallmcfster Graf Lehndorff in Berlin kaufte, wie derDeutsche Sport" erfährt, in Frankreich von A. Schickler für die preußische Gestüt- verwaltung den vierjährigen Hengst Lc Justicier von Le Sauch aus der North Wiltshire, dem Sieger in den englischen Eclipse-Stakcs, mr den Preis von 200,000 Mk. Die Ablieferung des Hengstes erfolgt indeß erst Ende 1896.

Potsdam, 7. JanuM. Vor -der kaiserlichen Dis­ziplinarkammer in Pottdam begannen heute die Ver­handlungen in dem Pnzeß gegen den Assessor Wehlau. Es wird dem Angescheidigten zur Last gelegt, daß er als Vizekanzler in Kamerun durch Anwendung von Gewaltmitteln Geständnisse erpreßt und nicht nur im Strasrecht, sondern auch im Civilrecht die Prügelstrafe angewandt, sowie euch sonst die Amtsbefugnisse über­schritten habe. In etwa 70 Fällen soll er geradezu unmenschliche Grausamkeiten verübt haben. Nach einer Verhandlung von l^ Stunden wurde das Urtheil gefällt. Wehlau ist des Dienstvergehens für schuldig befunden und zur Versetzung in, ein anderes Amt mit gleichem Range, ferner zu einer Geldstrafe von 500 Mark und Tragunz der Kosten verurteilt worden.

Oldenburg, 9. Jan. Die Großherzogin von Olden­burg ist gestern Alind gestorben. (Die verstorbene Groß­herzogin Elisobett war eine geborene Prinzessin von Sachsen-Allenburg Sie stand im 70. Lebensjahre. Seit dem im August v I. erfolgten Tode ihrer Schwieger­tochter war sie schwer leidend, und das Leiden hatte sich in letzter seit so verschlimmert, daß man keine Hoffnung mehr auf Erhal-ung ihres Lebens hatte.)

Bonn. Dc' altkatholische Bischof Reinkens ist am-

Sonnabend Abend gegen 11 Uhr in Bonn gestorben. Er stammte aus Burtscheid bei Aachen und war am 1. März 1821 geboren. Ehe er sich dem Gymnasial- studium widmen konnte, war er Fabrikarbeiter. 1850 wurde er Doktor der Theologie. Er habilitirte sich in Breslau und wurde 1853 außerordentlicher, 1857 ordentlicher Professor. Nachdem er schon infolge seines Eingreifens in den 1860 ausgebrochenen Konflikt zwischen dem Bischof Förster und dem Professor Baltzer in eine Disziplinaruntersuchung verwickelt worden war, betheiligte er sich im August 1870 an der Nürnberger Erklärung gegen das vatikanische Concil. Seit dieser Zeit vertrat er die Sache der Altkatholiken, die ihn im Juni 1873 zu ihrem Bischof ernannten. An dein Be­gräbnisse des Bischofs Reinkens haben der Oberpräsident der Rheinprovinz im Auftrage des Kultusministers sowie der Oberregicruugsrath Fink im Auftrage des Kölner Regierungspräsidenten theilgcuommen. Außerdem waren in dem Lcichcuznge zu bemerken der Erzbischof Gerard Gul von Utrecht sowie der Bischof Herzog von Bern.

DemBohr. Kur." wird aus München geschrieben: Von den 130 verurteilten Holzrechtlern in Fuchsmühl haben bekanntlich 76 Revision an das Reichsgericht eingelegt und sind abgcwicscn worden. Mittwoch, den 18. d. Mts., erhielten die Fuchsmühler als Christ­kind von dem Reichsgericht in Leipzig die Kostenrechnung in ihrer Revisionssache, welche sich auf 960 Mark 60 Pfg. für 18 (!!) Angeklagte belauft. Es sind darunter einige Familien, welche über 120 Mark zahlen müssen. Der Schreiber dieser Zeilen, welcher die Verhältnisse in Fuchsmühl ganz genau kennt, weiß, daß die Beitreibung der Kosten dieser Revision mehrere Familien von Haus und Hof bringen wird."

Aus Baden, 5. Januar. In Kehl sind einem Soldaten, der sich während 14 Zagen in einer Kiste innerhalb der Kaserne aufhielt und sich des Nachts von Abfällen aus dem Spülicht nährte, beide Beine erfroren, sodaß sie amputirt werden müssen.

Ausland.

Rom, 7 Jan. In Sankt Peter er'olgte gestern Mittag 2 Uhr ein grauenhafter Selbstmord. Ein älterer Neapolitaner, früher Omnibus-Kondukteur, schritt in die Mitte der Kirche vor den Hochaltar und durch­schnitt sich die Gurgel mit einem Najumcsser. Er wurde sterbend hinweggetragen und die Kirche sofort geschlossen.

London, 7. Jan. Große Aufregung herrschic gestern in den Londondocks und im östlichen Theile der City, wo tumultuarifte Scenen durch die Belästigungen und Verhöhnngen deutscher und holländischer Matrosen her- vorgcrufen wurden. Die Schaufenster deutscher Kauf- leu'e wurden zertrümmert. Einige deutsche Klubs im Ostende unh auch ein holländischer Klub wurden geschlossen.

Havana, 5. Jan. Die Rebellen haben Nueva Paz und Aguaccte erreicht und rücken, plündernd und sengend, immer weiter vor. Bahia ist ein Raub der Flammen geworden. Die Lage der Spanier ist eine verzweifelte. In Havana erwartet man allgemein in Kürze einen großen Entscheidungskampf vor den Thoren der Stadt.

Die Zahl der christlichen Opfer in Armenien wird nunmehr auf 100,000 beziffert, 200,000 Menschen sollen in Armenien aller Habe und Existenzmittel be­raubt sein sein. Die Schreckcnsthaten hören noch immer nicht auf. In Biridjik hat neuerdings ein fürchterliches Blutbad stattgefunden, bei dem 900 Armenier nieder- gcmctzclt wurden.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 10. Januar.

* Der Schluß der Jagd auf Hafen, Auer- Wachtel-, Birk- und Fasancnhenncu, Haselwild und Wachteln tritt mit dem Ablauf des 18. Januar d. Js. ein.

* Alle Metzger, Viehhändler rc. machen wir auf die Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsi­denten im heutigen Kreisblatt Nr. 2, Seite 8, be­treffend Vi ehversan dt, aufmerksam, damit sie sich vor Schaden rc. bewahren.

* Die Wander- und Gewerbescheine pro 1896/97 ür gewisse Handelsleute und Hausirer sind nur noch für hohe Course erhältlich, was auch seine Berechtig­ung hat.

* Zum HcilmittA-Vcrkanf an Sonntagen schreibt die Franks. Ztg.: Vielfach ist die irrige Meinung ver­breitet, daß auf Grund der Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Haudelsgewerbe Artikel, die zur Krankenpflege nöthig sind, außerhalb der für den Ver­kauf freigegebenen Stunden überhaupt nicht verkauft werden dürfen. Demgegenüber erklärt oer Polzeibericht: Abgesehen von den in den Apotheken an allen Sonn- und Feiertagen erhältlichen Heilmitteln ist es auch den üb: igen Handel- und Gewerbetreibenden gestattet, außer den allgemein zugelasseucn Stunden auf Grund des § 105 c, Ziffer 1, der Gewerbe-Ordnung bei plötzlichen Erkrankungen und ähnlichen unvorhergesehenen Gelegen­heiten sowohl Eis, als auch chirurgische Instrumente, Bruchbänder und dergleichen Heilmittel zu verlaufen.

* Im verflossenen Jahre sind dem General- Anwaltfchattsverbande länblifter Genossenschaften (Reiff- eifen) für Deutschland zu Neuwied 503 Vereine bei« getreten, eine Zahl, wie sie seit Bestehen der Organisa­tion noch nicht erreicht worden ist. Der General- Anwaltschaftsverband zählt jetzt 1917 Vereine und ist da­mit der größte in sich geschlossene Verband ländlicher Genossenschasten in Deutschland. Der Landwirthschafl- lichen Central-Darlchnskasse für Deutschland zu Neuwied sind im gleichen Zeitraume 568 Vereine beigetreten, so daß ihr jetzt im Ganzen 1862 Vereine angehören. Der Umschlag der Central-Darlchnskasse stellt sich auf Mark 61160 500 und beträgt über 33 Millionen Mark mehr als im Jahre 1894.

* Wie das platte Land sich entvölkert, darüber verbreiten folgende Angaben ein wenig erfreuliches Licht: Nach der Volkszählung von 1890 befanden sich in Berlin neben 642 651 geborenen Berlinern 287 540 geborene Brandenburger, 123 514 Schlesier, 101936 Pommern, 77 276 Sachsen, 76876 Posener, 71342 Ostpreußen, 57882 Westpreußen, 13,511 Rheinländer, 10 518 Hannoveraner, 7 705 Westfalen, 6 439 Hessen- Nassauer, 4886 Schleswig-Holsteiner und 131 aus Hohenzollern Gebürtige. Aber nicht nur nach Berlin wendet sich der Zug der Landflüchtigen, sondern auch nach dem rheinisch-westfälischen Industrie-Bezirke und nach Amerika. So leben z. B. in Westfalen allein 36 624 Ostpreußen und im Rhcinlande deren 28 551. Das sind fast alles Bergleute, Fabrikarbeiter rc., welche früher Landarbeiler waren. Aus ihnen gehen die je­weiligen Schaarcn von städtischen Arbeitslosen hervor, während das Land Mangel an Arbeitskräften leidet.

Neuhos, 4. .Januar. Am letzten Tage des alten Jahres, Morgens gegen halb 5 Uhr, brach in dem Wohnhaus des Hüttners und Maurers Lorenz Möller zu Ellers Feuer aus, welches das ganze Anwesen ein- äscherte. Die Entstehungsursachc konnte noch nicht er­mittelt werden. Der Abgebrannte ist für seine Gebäude mit 3000, für sein Mobiliar mit 4270 Mk. versichert.

Gersfeld, 3. Januar. Gestern wurde der Flur­hüter Philipp Reinhard zu Wickcrs beim Holzfällen von einem umstürzenden Baume derart unglücklich ge­troffen, daß nach einer Stunde der Tod eintrat.

Orb, 7. Januar. Wie nöthig die baldige, schon so oft besprochene Einführung elektrischer Beleuch­tung für Orb ist, dürfte ein Vorkommniß kurz vor Beginn des Harmonie-Concertes am Sonntag bewiesen haben. Eine kleine, am Podium angebrachte Petroleum­lampe explodirte und nur dem sofortigen thatkräftigen Eingreifen der nächststehenden Anwesenden war die Ver­hütung großen Unheils zu verdanken. Es ist wirklich kaum zu begreifen, daß man bei dem Vorhandensein so bedeutender Wasserkraft noch mit der Einführung der elektrischen Bedeutung zögert.

Wächtersbach, 5. Januar. Fräulein Lilli Preser, eine Tochter des Knmmerdircktors Preser, des bclamiteii Dichters, hier wurde zu Weihnachten durch ein pracht­volles Geschenk Sr. Maj. des Kaisers überrascht. Sie erhielt nämlich in einer großen Kiste, in schweren Rahmen von Eichenholz und Goldverzierungen, das große Bild des kaiserlichen Mahnrufes an die Völker Europas und links am Fuße des Bildes waren die Worte enthalten:Zu Weihnachten 1895 Wilhelm". Fräulein Preser gehörte nämlich in Kassel jenem Kreise von jungen Damen an, die int vorigen Sommer aus einem Felsen in der Nähe des Dörnbergs nach dem kaiserlichen Entwurf das Bild in der Natur darsteflten.

In Büdingen soll nach dem dortigenAllg. Anz." die Errichtung einer Molkerei gesichert sein.