Fuß Länge, fortgesandt. Eine Kobra von 14 Fuß Länge wurde für den Zoologischen Garten in Berlin angckau't. Nicht nur die Kapitäne und Offiziere der Dampfer, sondern auch die Mannschaften kaufen Schlangen, um dieselben in Deutschland mit großem Nutzen wieder zu verkaufen, so nahm der letzte nach Hamburg fahrende Dampfer über dreihundert der Reptilien an Bord.
Oldenburg, 3. Januar. Folgenden Akt der Rohheit hat die Frau des zur See abwesenden Schiffers Bollenius aus Warsingsfehn ausgeführt. Ihres zweijährigen Kindes, eines kleinen Mädchens, überdrüssig, verfällt das Weib auf den schrecklichen Gedanken, das Kind in Heisfelde ins Gehölz zu bringen, um es dort umkommen zu lassen. Knaben, welche vor einigen Tagen Nachmittags im Gehölz mit Schlittschuhlaufen sich vergnügten, fanden das noch lebende Kindchen unter Gesträuch und Laubwert versteckt. Sie brachten ihren Fund schleunigst ins Dorf, wo das Kind bald liebevolle Aufnahme fand und durch warme Nahrung völlig ins Leben zurückgerufen wurde. Die Beine und Füße sollen dem bcdauernswerthen Kinde bei der grimmigen Kälte erfroren sein. Am Tage vor dem Ausfinden des Kindes ist das herzlose Weib noch in Heisfelde gesehen worden, es konnte daher die Spur desselben leicht verfolgt werden. Schon vorgestern gelang es dem Gendarm, der unnatürlichen Mutter habhaft zu werden und sie ins Gerichtsgefängniß abzuführen.
Neuenhaus. Von einem schweren Unglück ist der Fabrikant Ferd. Becker in Neuenhaus bei Remscheid betroffen worden. Zwei seiner Knaben, ein achtjähriger und ein sechsjähriger, wollten die Hühner füttern, die in einem oberhalb des Dampfkessels befindlichen Stalle untergebracht waren. Kaum waren die Kinder weg, da hörte Becker das Sicherheitsventil des Dampfkessels ablassen, er lies in das Kesselhaus und fand seinen jüngsten Sohn, am ganzen Leibe verbrüht, als Leiche, während der ältere zwar noch lebte, aber so schwere Brandwunden erlitten hat, daß für sein Leben zu fürchten ist. Zwei Arbeiter wollen gesehen haben, daß der Kesselwärter, dem es unangenehm war, daß die Kinder stets das Kesselhaus betraten, das Sicherheitsventil geöffnet habe; um den Kindern einen Schreck einzujagen. Der Mann ist infolgedessen verhaftet worden.
Gotha, 4. Januar. Südlich von Mchlis ist ein Pulvcrschuppcn mit 50 Centner Inhalt in die Luft geflogen. Obgleich der Schuppen 600 Meter von der Stadt entfernt liegt, richtete trotzdem die Explosion in Mehlis großen Schaden an Gebäuden an. Menschen wurden sogar aus den Betten geschleudert. Die Ursache der Explosion ist unbekannt. Es liegt vermuthlich ein Racheakt vor. Der Pulvcrschuppcn gehörte der Firma M. Hermsdorff.
Arnstadt, 3. Januar. Eine originelle Lösung der Frauenfrage hat hier ein Schulkind gegeben. Als -die Lehrerin den Kindern klar machen wollte, was die Stelle der hl. Schrift: „Er ließ ein Gebot ausgehen, daß alle Welt geschätzt würde," zu bedeuten hätte und zu diesem Ende eine der Kleinen fragte, was sie sich darunter denke, erhielt sie die überraschende Anwort: „Alle Mädchen sollten einen Mann bekommen!"
Aus Bcnthcn wird gemeldet: Bei dem Brande eines Petroleumlagers sind 400 Faß Petroleum und 300 Tonnen Heringe verbrannt; der Handlungsgehilfe Kohn sowie ein Soldat fanden den Tod in den Flammen.
Das Schöffengericht in Würzburg verurtheilte eine Milchfälscherin, die schon fünfmal mit gewässerter Milch erwischt und bestraft wurde, zu einem Monat und vier Tagen Gefängnis.
Ein peinlicher Vorfall wird aus München gemeldet. Der Sylvester-Abend hätte bei einem Haare für die Besucher des Pschorrbräuhauses in der Neuhauserstraße zu München schwer verhängnißvolle Folgen nach sich gezogen. Unter den Gästen saßen auch zwei Soldaten aus München. Dieselben scheinen einem später in das Lokal eingetretenen Train - Unterosfizier die Ehrenbezeigung nicht erwiesen zu haben. Der Unteroffizier forderte die beiden Soldaten in den Vorraum, um sie hierüber zur Rede zu stellen. Einige Civilisten, welche das Auftreten des Unteroffiziers in dieser Stunde unangenehm berührte, waren den Soldaten in dem Gange gefolgt, nahmen den Unteroffizier unter den Armen und setzten ihn mit aller Ruhe auf die Straße. Das«war dem Unteroffizier zu viel. Entrüstet eilte er zur Hauptwache und erbat sich dort eine drei Mann hohe Patrouille, welche er auch erhielt. Als die Patrouille in das Wirthshaus zum Pschorr kam, waren die beiden Soldaten bereits verschwunden. Die Civilisten aber gaubirten sich über die — erstaunten Gesichter der Patrouille, rückten derselben näher zu Leibe und verhöhnten sie, so daß der Patrouillensührcr das Kommando zum „Aufsehen der Natagans" gab und scharf laben ließ. Nur dem besonnenen Eingreifen des rasch herbeigerufenen Gcndaimcriewachtmcisters Gschander ist es zu danken, wenn bei den entschuldbar erhitzten Köpfen der Civilisten Blutvergießen verhindert wurde.
Karlsruhe, 2. Jan. In Offenburg wurde gestern der Sparlasscnrcndant Franz Baur wegen Unter« schlagung von 390,000 Mark verhaftet.
Niederlauterbach Der jüngste Renten-Empfänger; des Deutschen Reichs ist wohl der sechsjährige Knabe f Karl Heinz in Niederlauterbach. Er hatte sich bei Mithilfe an der Tabakarbeit mit einer Tabaknadel derart in das linke Auge gestoßen, daß dies hcrausge- nommen und durch ein Glasauge ersetzt werden mußte. Die landwirthschaftliche Berufsgcuossenschaft Unter- Elsaß zahlt laut dem „Straßb. Tgbl." dem Knaben eine Jahresrente von 60 Mk., welche nach dem 16. Lebensjahr entsprechend erhöht wird.
Bei Diedolshausen an der französischen Grenze wurde der Grenzauischer Rath von französischen Wilderern Überfällen und ermordet.
Konstantinopel. Das Massacre in Urfa (= Edcssa, Mesopotamien), dauert fort. Bisher sollen über 3000 Personen getödtet worden sein. Kurden und Beduinen verüben die schlimmsten Grausamkeiten. Die Stadt Biredschic am Euphrat steht in Flammen.
Madrid, 2. Januar. Auf Cuba setzen, wie eine amtliche Depesche meldet, die spanischen Truppen unter Valdes und Navarro die Verfolgung der Insurgenten fort, deren Rückzug aus der Provinz Matauzas sich bestätigt. Mehrere Gefechte verliefen günstig für die Spanier. Der Verlust der Insurgenten in den letzten Tagen wird auf 1600 Mann geschätzt.
Afrika. Die BuernRepublik in Südafrika hat seit langem einen schwierigen Stand gegenüber den Ancc- tirungsgclüsten der Engländer, in deren Besitzungen sie fast ganz eingekeilt ist. Als die Stiern 1877 mit den Zulus Händel hatten, benutzten die Engländer diese Gelegenheit, die Buern-Republick dem Colonialbesitz ein- zuverleiben, doch erhielt die Republik nach einem glücklichen Kampfe gegen die Engländer 1881 ihre Selbst- ständigkeit wieder. Der englische Kommissionär für Manschonaland Dr. Jameson ist jetzt, angeblich um den in Johannesburg, der Hauptstadt der Buernrepublik, angeblich bedrängten englischen Familien zu Hülfe zu eilen, mit 700 gut bewaffneten Soldaten in das Gebiet der Buernrepublik eingefallen. Die Buern haben ihnen aber eine Niederlage beigebracht und Dr. Jameson gefangen genommen. — Der Oranjefreistaat hat sich bereit erklärt, den Boers zu Hülfe zu kommen, und verständigte den Präsident Krüger davon, daß 1700 Bürger zur Verfügung ständen. — Es verlautet, auch eine zweite Streitkraft der Chartered-Kompagnie, die in Transvaal einfiel, sei von den Buren aufgerieben aber gefangen worden. Die in Mafeking stationirten englischen Truppen seien beordert, auf die Soldaten der Chartered-Kompagnie zu feuern, wenn diese darauf bestehen, die Grenze von Transvaal zu überschreiten. Es geht das Gerücht um, es seien deutsche Matrosen in der Delagoabai gelandet. — Der britische Agent in Prätoria tclegrophirte an den englischen Generalgonverneur im Kaplande Folgendes: „Der kommandirende General hat sichere Nachricht, daß 800 Betschuanalandtruppen ausgerüstet mit sechs Maximgeschützen und vier anderen Kanonen nahe bei Rustenburg mit englischer Fahne aus dem Marsch nach Johannisburg sind.
In Denver (Colorado) haben sich am Sylvesterabend blutige Vorgänge abgespielt. In der Tonhalle fand ein von der Elite der Gesellschaft veranstaltetes Fest statt. Während des Festes warfen dort anwesende junge Leute Knallkugeln unter die Sessel der Damen. Der Direktor, der Ruhe stiften wollte, wurde durch Revolverschüsse niedergestreckt. Es entstand ein furchtbarer Kampf. Es gab 23 Todte, darunter die berühmte Sängerin Gity Liste und über 100 meist durch Revolverschüsse schwer Verletzte. Die Untersuchung ergab, daß das Massacre wohl vorbereitet und daß es hauptsächlich auf die Ermordung der genannten Sängerin abgesehen war, welche viele Feinde hatte.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 7. Januar.
* — Der Kreis-Ausschuß hat in Anerkennung der langjährigen treuen Dienstzeit den nachgenannten Dienstboten Prämien aus der Kreis-Communalkasse bewilligt: 1. der Dienstmagd Maria Rcuß bei Herrn Pfarrer Huhn zu Ulmbach 15 Mk., 2. der Dienstmagd Maria Barbara Weber bei Herrn Amtsgerichts-Secretair Rammroth zu Salmünster 10 Mk.
* — Provisorisch angefteUt wurde Lehrer Agricola aus Fritzlar an die kath. Schule zu Uerzell. — Als Lehrergehilfen sind bestellt Elm aus Gundhclm an die ev. Schule in Seidenroth und Drusche! aus Schlüchtern an die ev. Schule in Lieblos, Kreis Geln- Hausen.
* — Muß der Radfahrer oder der Fußgänger ausweichen? Zu dieser in Fachkreisen viel erörterten Frage liegt eine Entscheidung des Kasseler Landgerichts vor. Ein Bautechniker war wegen fahrlässiger Körperverletzung angeflagt, weil er auf der Straße von Gudensberg nach Kassel mit seinem Hochrade eine alte Frau übersahreu hatte. Der Radfahrer machte geltend, er habe wiederholt geläutet, die Frau aber, die mit einem größeren Trupp Leute vor ihm hinschrilt, habe das Läuten der Signalglocke anfänglich nicht gehört und dann, als sie es im letzten Momente hörte, eine falsche Bewegung gemacht und sei gerade in das Rad gelaufen. Er selbst habe bei der Kollision in Lebensgefahr
geschwebt, er sei von dem Hochrade gestürzt und habe sich an Kopf und Armen schwer verletzt. Die Strafkammer entschied indessen dahin: der Radfahrer muß frühzeitig genug und so lange läuten mit der Signalglocke, daß sein Signal wahrgenommen ist und der Fußgänger ausweicht, im anderen Falle ist es seine Pflicht, bevor ein Zusammenstoß stattfinden kann, durch Absteigen u. s. W. das Rad zum Stillstand zu bringen. Da der Angeklagte dies nicht gethan, wurde er zu 50 Mk. Geldbuße und Tragung der Kosten verurtheilt.
* — Aus der Strafkammer-Sitzung vom 2. Jan. Stuckateur Lomb von Eckardroth ist wegen schweren Diebstahls angeklagt. Der schon mit Zuchthaus bestrafte Angeklagte ist in Eckardroth in ein Haus eingestiegen und hat Kleider und Wurst gestohlen; er wurde deshalb zu 4 Jahren Zuchthaus, 4 Jahren Ehrenverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt.
):( Hütten, 4. Jan. Gestern brach in der Scheuer des Bauern Nic. Schmidt auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus und brannte dieses Gebäude völlig nieder. Der Schaden, der durch das Feuer direkt, sowie durch das Wasser bei den Löscharbeiten an den angrenzenden Gebäuden verursacht wurde, wird auf ca. 7000 Mark taxirt und ist nur ungenügend durch Versicherung gedeckt.
— Ein in den Annalen der Rechtsprechung gewiß sehr seltener Fall ist das 300jährige Jubiläum eines Prozesses. In dieser — freilich nicht gerade bcncidcnswerthen — Lage ist in diesem Jahre die Markt- gemeinde Burgsinn im bayrischen Regierungsbezirk Unterfranken. Denn es geschah unter dem 21. Juni 1595, daß diese Gemeinde beim Reichskammergericht, das damals seinen Sitz in Speier hatte, gegen Herrn von Thüngen klagbar wurde, und zwar wegen eines herrlichen Eichen- und Buchenwaldes von mehr als 8000 bayrischen Tagwerk, dessen jetziger Werth sich wohl auf 2 Mill. Mk. beziffern mag. Wenn sich auch begreifen läßt, daß bei dem Werth des umstrittenen Waldes beide Parteien beharrlich den Besitz erstrebten, so muß man doch Achtung haben vor der unerschütterlichen Zähigkeit und dem Muth dieser Bauern, die auch in der Zeit, da sie als Unterthanen der Herren von Thüngen diesen nahezu auf Gnade oder Ungnade ergeben waren, dennoch Jahrhunderte hindurch gegen sie zu prozessiren wagten, die trotz bitterer Armuth im festen Zusammenhalten Woche für Woche und Mann für Mann ihren „Prozeßsechser" zahlten, bis sie vorläufig als Sieger aus dem Streite hervorgingen und nun dem Fortgangc des Prozesses in verhältnißmäßiger Gemüthsruhe zu sehen können. Vor kurzem wurde wieder in dieser Sache in München verhandelt. Es kam schließlich zur Vertagung bis zum 19. Juni 1896.
Gersfeld, 31. Dez. Nach der Volkszählung am 2. Dezember 1895 hatte der Kreis Gersfeld eine Einwohnerzahl von 21331 und zwar 10251 männliche und 11080 weibliche Personen. Nach der Volkszählung im Jahre 1890 hat der hiesige Kreis um 184 Seelen abgenommen.
Grebenhain. Hier erlitt ein zehnjähriges Mädchen, welches eine Wärmflasche zu heiß gemacht hatte, durch Explosion derselben den Verlust von einigen Zähnen; auch eine Schwester erhielt durch Sprengstücke der Flasche Verwundungen, mehrere Fensterscheiben zersprangen^
Ruppertenrod, 30. Dez. Eine eigenthümliche Soldatenliebe bekundet der Hund, eine Art Dogge, des hiesigen Gastwirihs I, Schmidt. Als im Herbste v. I. die hier in Quartier gelegenen 24er Dragoner abrücklen, um in der Richtung nach Fulda hin zu manöoeriren, war auch der Hund des genannten Gastwirths verschwunden. Er war mit den Dragonern gezogen und im Manövergelände bei Fulda gesehen worden. Nach Beendigung der dortigen Korpsmanöver kam der Hund zu seinem Herrn zurück, nahm aber nur einen ganz kurzen Aufenthalt und verschwand wieder. Nach hierher gelangten Nachrichten hatte man den Hund in Darmstadt bemerkt. Er war also mit den Dragonern zur Garnison gezogen. Sein Herr hatte inzwischen den Hund fast vergessen, da, wer beschreibt fein Erstaunen, kehrt am ersten Weihnachtsseiertag der Vermißte un- vermuthet zurück. Ob er bloß auf „Weihnachtsurlaub" erschienen oder seinen ständigen Aufenthalt bei seinem früheren Herrn nehmen wird, bleibt abzuwarten.
Kassel, 6. Jan. Kaufmann's Kunstmühle zu Beise- förth ist nebst allen Vorräthen eingeäschert worden. Der Gesammtschaden wird auf M. 200,000 geschätzt.
In Frankfurt haben sich in der Neujahrsnacht be- sonders auf der Zeit und den benachbarten Straßen wüste Scenen abgespielt, welche auf die Rohheit des dortigen Gasfeugesindels ein grelles Licht werfen. Mehrere Schutzleute wurden durch Hiebe und Schüsse verwundet, ahnungslose Civilpersonen von rohen Subjekten angcfaUen und verwundet. Nicht weniger als 26 Verhaftete wurden wegen solcher in der Neujahrsnacht begangenen Rohheiten dem Untersuchungsrichter vorgeführt.
Dicz a d. L., 29. Dezember. Die elektrische Beleuchtung scheint sich in den nassauischen Städten mehr und mehr Eingang zu verschaffen und die Gasbeleuchtung zu verdrängen. In Limburg a. d. Lahn ist bereits bte elektrische Beleuchtung eingeführt, Bad Schwal-